Dezember. Zeit der Top-Listen! Natürlich auch hier bei uns. Und ja: 2017 war schon wieder ein besseres Jahr für Videospiele im Haushalt des Sicarius. Zwar war mein Hauptzock-/Ablenkungsgerät weiterhin das iPhone aber heuer habe ich es tatsächlich doch so einige Wochenenden geschafft mal ein paar Stunden am Hauptrechner zu sitzen und was zu zocken. Und nicht nur das: Ich habe sogar wieder ein paar Euro in AAA-Retailspiele investiert!

Leider hat es trotzdem nicht einmal Ansatzweise für die Rückkehr der Bagadadsoftware No-One-Cares-Awards (Rollenspiel des Jahres wäre sicherlich an Divinity: Original Sin II gegangen) gereicht. Schon alleine deshalb, weil die meisten der besagten Retailtitel nicht in diesem Jahr veröffentlicht wurden. Ja, ich bin vom Super-Duber-Collector’s-Special-Übermega-Edition zum absoluten Budgetkäufer mutiert – ich hoffe unser Azzkickr ist stolz auf mich :wink: .

Rückblick

Übrigens für die Statistik: Weder meine PlayStation 3 noch die Xbox 360 waren dieses Jahr abseits von Systemupdates überhaupt an. Die PlayStation Vita und der Nintendo 3DS haben hingegen durch den Krankenhausaufenthalt immerhin etwas Zeit in meinen Händen statt im Nachttischschränkchen verbracht.

Allerdings hat es keins der Spiele in meine Top 5 des Jahres 2017 geschafft – was durchaus ein weiteres Anzeichen dafür ist, wie viel ich dieses Jahr doch irgendwie gezockt habe. Genauso wenig wie freilich der eine indizierte Zombietitel, den ich nicht erwähnen darf, der aber ansonsten entweder auf Platz 1 oder 2 in der Liste stehen würde. Nun aber genug mit dem Vorgeplänkel. Wie so oft führen die meisten Links zu Amazon und damit Vorhang frei für die folgenden Titel:

Grim Dawn (Herstellerbild)

1. Grim Dawn (2016; PC) – Dass es das Action-Rollenspiel von Crate Entertainment auf diese Liste geschafft hat, dürfte für die wenigsten überraschend kommen. Es gibt tatsächlich ziemlich wenige Spiele in der Geschichte dieser Seite, welche die Ehre hatten nicht nur einen, sondern gleich zwei Einträge (plus ein Video für sich verbuchen zu können. Aber was soll ich sagen?

Es ist einfach richtig, richtig gut (und nicht erst seit der Veröffentlichung des Addons). Es hat hochwertigen Content bis zum Abwinken (40 Stunden und erst mit einem Charakter das Hauptspiel beendet – das Addon kommt noch, geschweige denn weitere Schwierigkeitsgrade oder gar andere Charaktere), es bietet eine atmosphärische und äußerst detailliert gestaltete Spielwelt voller Geheimnisse und in Sachen spielerischer Freiheit fällt mir tatsächlich auf Anhieb kein anderes isometrisches Action-Rollenspiel abseits vom geistigen Vorgänger Titan Quest auf nur annährend so hohem Niveau ein. Ja, am Ende des Tages klickt ihr nur auf Feinde bis sie tot umfallen aber hier tue ich es 1.000mal lieber als in allen drei Diablo zusammen.

Hand of Fate (Herstellerbild)

2. Hand of Fate (2015; PC, Mac, Linux, PS4, XONE) – Ja, Teil 2 ist vor kurzem erschienen und was ich so lese, ist er in allen Belangen besser als der Vorgänger. Teil 1 ist trotzdem immer noch einen Blick wert (schon allein wegen Jeff van Dycks Soundtrack). Um was geht’s? Ganz einfach: Dungeons & Dragons mit Spielkarten. Der Dealer stellt euch vor eine Herausforderung (z.B. die Skelettkönigin töten) und teilt dann die Karten aus. Einen Stapel gibt er euch, einen habt ihr euch zuvor selbst zusammengestellt. Und damit wird dann nicht nur das Spielfeld bestimmt (ihr arbeitet euch quasi von umgedrehter Karte zu umgedrehter Karte bis ihr den Ausgang findet), sondern auch euer Charakter mitsamt seiner Ausrüstung sowie alle anderen Charaktere sowie Zufallsereignisse, die euch bis zum Sieg über den Boss dieser Runde begegnen.

Beispielsweise deckt ihr eine Karte auf, die euch davon erzählt wie ihr oben auf einem Canyon steht und unten eine Leiche mit einem glitzernden Schwert seht. Ihr habt nun die Wahl einfach weiter zu gehen oder zu versuchen hinabzusteigen. Steigt ihr hinab, teilt euch der Dealer vier Karten mit „Erfolg“ und „Misserfolg“ aus, mischt sie und ihr müsst eine ziehen. Wenn ihr Erfolg hattet, gibt es zur Belohnung eine Ausrüstungskarte, wenn nicht zieht der Dealer eine Schmerzkarte. Nur wenn es heißt: „Der Dealer zieht x Monsterkarten“, dann dürft ihr tatsächlich direkt Hand anlegen und in Third-Person-Manier die Feinde plattkloppen. Neue Karten schaltet ihr frei, indem ihr Herausforderungen meistert. Also zum einen natürlich den Boss besiegen aber auch zwischendrin gibt es Quests, die teilweise über mehrere Runden gehen (z.B. spricht euch ein schatzsuchender Goblin an) oder Situationen (gebt ihr der hungrigen Magd euer letztes Essen oder nicht?), die es erfolgreich zu lösen gilt mit Karten als Belohnung.

Es ist quasi ein auf den ersten Blick einfacher Rollenspiel-Mix aus Zufall, Strategie (kaufe ich beim Händler Essen oder doch lieber den coolen Ring?) und Können (komme ich aus dem Kampf raus ohne viel Lebensenergie zu verlieren?). Der Tiefgang ist aber vor allem bei den mehrstufigen Herausforderungen enorm. Und Langeweile kommt weder im Storymodus noch im Endlosmodus so schnell nicht auf da jede Partie wieder komplett anders verlaufen kann. Ach und hatte ich schon den sehr guten Soundtrack erwähnt? Schade, dass im Spiel Deal of the Millennia nur so kurz abgespielt wird.

Mad Max (Herstellerbild)

3. Mad Max (2015; PC, Mac, Linux, PS4, XONE) – Es gibt definitive bessere Open-World-Titel, keine Frage. So viel hatte ich in meinem Eintrag ja schon erwähnt. Und großartig viele Neuerungen hat das Werk von Avalanche Studios auch nicht zu bieten was das Genre als Ganzes angeht. Dennoch hat es mich in seinen Bann gezogen. Zum einen wegen der Thematik, denn die dreckige, apokalyptische Welt aus den Filmen ist sehr gut getroffen und perfekt umgesetzt. Die Charaktere sind vertraut, die Story (wenn man ihr mal folgt – Open World halt) gelungen und sie fügt sich sehr gut in das Gesamtuniversum ein. Zum anderen ist es zwar ein grundsätzlich ein typischer Open-World-Titel voller Dinge mit denen ihr eure Zeit verschwenden könnt. Aber viele der Gameplay-Elemente funktionieren richtig gut und machen Spaß.

Allen voran natürlich der Kampf mit den (äußerst) zahlreichen Gefährten, der selbst mit der Tastatur sehr gut funktioniert. Fast noch mehr Spaß macht allerdings das Nahkampfsystem. Das lässt speziell die eigentlich stupiden Stützpunkteroberungen abwechslungsreich und spannend werden. Nicht zu vergessen zudem das umfangreiche Upgradesystem sowohl von Max als auch seiner Magnum Opus (das Auto) was nicht nur auf „mehr ist besser“ ausgelegt ist, sondern tatsächlich Auswirkungen auf die Fahrtüchtigkeit eures Untersatzes hat. So ist vollgepanzert zwar in Kämpfen ganz praktisch aber in den Rennen sollte man dann doch ein paar Platten wieder wegnehmen. Sprich: Ich hatte dieses Jahr sehr viele Stunden Spaß mit dem Titel und werde sicherlich auch noch ein paar im neuen Jahr haben (bin noch nicht ganz durch).

Cat Quest (Herstellerbild)

4. Cat Quest (2017; PC, Mac, iOS, Android, PS4) – Ein Rollenspiel voller Katzen. Eigentlich bräuchte ich gar nicht mehr zu sagen, um die Erwähnung dieses Titels in der Top 5 zu rechtfertigen. Aber ich tue es natürlich trotzdem :wink: . Die Geschichte ist ganz simpel: Das Böse hat eure Schwester entführt und ihr wollt sie natürlich retten. Dabei stellt sich heraus, dass ihr eine von den sagenumwobenen Katzen seid, die überhaupt in der Lage ist das Böse zu besiegen. Also zieht ihr durch die Lande auf der Suche nach besagtem Bösen.

Zwischendurch helft ihr den Dorfbewohnern in Felingard, verbessert eure Ausrüstung sowie magischen Fähigkeiten und levelt fleißig auf, um noch tiefer ins Landesinnere eindringen zu können. Unterwegs seid ihr ausschließlich auf einer 2D-Karte von Felingard (denkt an die Überlangkarten von Final Fantasy & Co.) wo ihr euch prinzipiell frei bewegen dürft mit dem ein oder anderen Abstecher in einen Dungeon. Gekämpft wird in Echtzeit und mit Rhythmus. Sprich die Gegner kündigen ihre Angriffe immer an und ihr müsst entsprechend rechtzeitig reagieren.

Das ganze Spiel ist nichts großartig Besonderes und schon gar nicht allzu Tiefgründig. Hat aber durchaus einige Stunden Spielzeit und ist sehr charmant dank der Cartoongrafik sowie voller schlimmer Katzenkalauer und perfekt für unterwegs (spiele es auf iOS). Unbedingt mal in die Demo reinschauen!

Mein Wintersportgebiet

5. Shiny Ski Resort (2017; iOS, Android) – Der obligatorische Kairosoft-Titel auf der Liste? Könnte man mir sicherlich unterstellen. Und ja, natürlich verändert er die Formel wie immer nicht grundsätzlich. Es spricht aber vieles für ihn: Zum einen hat Kairosoft dieses Jahr tatsächlich nicht viele Titel (für iOS) veröffentlicht. Zum anderen ist es endlich mal wieder kein Free-2-Play-Kram, sondern eine Vollpreis-Wirtschaftssimulation wie zumindest ich sie von Kairosoft kennen und lieben gelernt habe ohne viel Drumherum.

Dieses Mal geht es, wie der Name schon sagt, darum ein Ski-Resort zu managen. Das heißt ihr baut nicht nur das Hotel auf, in dem eure Gäste schlafen und Geld ausgeben, sondern gestaltet auch die Piste. Ihr bestimmt wo die Hindernisse hinkommen, wo die Lifte stehen, wie schwierig die Abschnitte sind und so weiter und so fort. Wie gesagt nichts grundlegend Neues wenn man schon einmal einen Kairosoft-Titel gespielt hat aber seit langem Mal wieder ein erfrischendes und vor allem unterhaltsames Werk ohne viel Schnick-Schnack wie beispielsweise die (aus meiner Sicht) nervigen und sehr zufallsbasierten Rennen in Grand Prix Story 2. Mit denen kann ich irgendwie nichts so richtig anfangen.

 

Und damit wäre von meiner Seite auch schon wieder alles gesagt, was es zu sagen gibt dazu. Es war schön mal wieder aus einer etwas größeren Liste potentieller Kandidaten wählen zu können ohne dabei aber gleich ein schlechtes Gewissen zu haben, dass ich mein Familienleben vernachlässigt hätte dabei. Auf diesem Niveau darf mein Spielekonsum quasi gerne bleiben. Nun aber wirklich genug von mir: Wie immer lade ich euch dazu ein in den Kommentaren eure Top 5 zu posten, die euch durch das Jahr 2017 erinnerungswürdig begleitet haben. Würde mich freuen mal wieder etwas von euch zu lesen!

Sicarius

Tagebuch eines Hausherrn #20

Hier stand mal ein Geschirrspüler

Zwei Jahre sind wir nun schon im Besitz unseres Hauses. Damit sind wir endlich aus der Spekulationsfrist heraus und können die Hütte mit Gewinn verkaufen, ohne diesen versteuern zu müssen (weil wir es selbst bewohnt haben – nicht selbst genutzt Häuser müssen 10 Jahre gehalten werden)! Was wir allerdings auf absehbare Zeit nicht tun werden. Das liegt selbstverständlich hauptsächlich daran, dass es uns und unseren vier Katzen sehr gut hier gefällt und wir uns hier wohlfühlen (sowohl im Haus im Speziellen als auch in der Umgebung an sich). Aber auch schlicht daran, dass wir nicht schon wieder renovieren und umziehen möchten. Schließlich sind wir immer noch nicht komplett fertig mit besagtem Renovieren des aktuellen Hauses.

Die erste Etage ist zwar mittlerweile tatsächlich soweit durch und komplett so wie wir sie haben wollen. Aber aktuell muss das Loch, das die Spülmaschine hinterlassen hat wieder geschlossen werden. Wir hatten noch einen Küchenschrank im Keller aber der ist nicht breit genug. Am Samstag habe ich die Stelle gestrichen und jetzt bauen wir noch ein paar Bretter dazwischen, um am Ende zwar mehr mit der Hand zu spülen aber dafür auch mehr Ablagefläche in der Küche zu haben.

Schon wieder alles voll!

Einschub

Früher habe ich durchaus viel gemeckert über meine Eltern, weil irgendwie alles vollsteht und selbst wenn man mal irgendwo Platz geschaffen hat, dann ist er gefühlt am nächsten Tag auch schon wieder mit Sachen vollgestellt. Heute muss ich feststellen: Die können nichts dafür! Das passiert irgendwie vollautomatisch und ohne, dass man es wirklich plant. Ich habe beispielsweise vorletzte Woche das Kabuff aufgeräumt. Schön alles thematisch zusammengestellt und so. Am Ende war wieder ein halbes Regal mehr Platz. War ein tolles Gefühl (ja, ich weiß: ich bin komisch :smile: ). Wenn ich allerdings heute reinschaue, ist schon wieder alles vollgestellt. Immer noch thematisch sortiert aber kein zusätzlicher Platz mehr, um noch irgendetwas reinzupacken.

Meine Vermutung ist, dass der Hausrat nachts unanständige Partys feiert und er sich dadurch hemmungslos vermehrt. Bitte? Das liegt eher daran, dass wir haufenweise Gewürz eingekauft haben nur weil kein Paprika Edelsüß mehr im Haus war (Curry brauchen wir ja auch viel…und dann könnten wir auch mal Kurkuma mitbestellen…und wie schmeckt eigentlich xyz…)? Und in Idar-Oberstein (die Edelsteinstadt) zusätzlich noch spottbillig 40kg Himalaya-Salz (feines und grobes) gekauft haben nur weil der Händler meinte, dass er vermutlich in Zukunft keines mehr anbietet aufgrund von saftigen Preiserhöhungen bei den Herstellern? Ne, das ist absoluter Quark. Unkontrollierter Sex ist das Problem! Fragt die Kirche!

Einschub Ende

Und aufgrund unserer lieben Vierbeiner müsste ich eigentlich für das Wohnzimmer auch schon wieder die Farbeimer aus dem Keller holen. Deswegen haben wir keine Tapeten an die Wand gemacht, liebe Verwandtschaft! So ist zwar ein Kratzer im Putz und die Farbe etwas ab aber mit dem Pinsel einmal drüber und schon sieht man es nicht mehr. Will gar nicht wissen, wie das Wohnzimmer mit Tapeten mittlerweile aussehen würde. Vermutlich wie ein Schlachtfeld auf dem tausende Papierschnipsel gestorben sind.

Und sonst?

Da hat schon länger keiner mehr was dran gemacht…

Im Garten gab es dieses Jahr auch viele Fortschritte. Klar, da ist jedes Jahr wieder was zu tun, weil viele Pflanzen die komische Angewohnheit haben im Winter einfach zu sterben. Blöde Pflanzen! Aber grundsätzlich müsste er jetzt soweit sein wie wir ihn haben wollen was den Grundaufbau angeht. Am Haus gibt es aber auch noch ein paar Baustellen. Mal von der fehlenden Dämmung abgesehen Sachen wie eine Trennmauer zum Nachbarn, die auf unserer Seite dringend mal neu verputzt werden müsste. Eine Gartentreppe, die sich gesetzt hat und entsprechende Risse hat (inkl. kaputten Fliesen) und eine Rückwand voller Löcher (keine Ahnung was die Vorbesitzer da montiert hatten), die mal geschlossen und anschließend gestrichen gehört.

Aber das sind alles nicht so die großen Prioritäten derzeit. Also zum einen, weil jetzt natürlich Winter ist (aktuell liegt auch tatsächlich Schnee) und ich nicht mehr Zeit draußen verbringen möchte als notwendig (Schnee schippen reicht). Zum anderen aber auch, weil wir uns nun mehr dem Keller zuwenden und ihn herrichten. Da arbeiten wir uns jetzt auch von Raum zu Raum vor: Ein paar Tapeten entfernen, die Reste vom Wasserschaden des Vorgängers reparieren, Lampen montieren (bitte ab sofort ohne die Sicherungen rauszuwerfen), Laminat verlegen (vermutlich wieder Kork), eine Runde streichen und so weiter. Am Ende soll dabei ein schönerer Flur, ein netter Arbeitsraum (Werkbank, Regale für Werkzeug, etc.) sowie eine Art Sport- und Chillraum rauskommen. Mal schauen wie weit wir da im Weihnachtsurlaub kommen, denn einen Trend konnte ich auf jeden Fall in den letzten Jahren schon beobachten: Um den Jahreswechsel herum sind wir irgendwie am fleißigsten :smile: .

Sicarius

こにちわ

Mittlerweile müssen wir auch schon Diktate machen.

はじめまして。ゑぶますとえるです。どうぞよろしくおねがいします。わたしはがくせいのマインツだいがくのにほんごです。

Nein, das ist kein Kauderwelsch und auch nicht wieder so ein über irgendeine Webseite billig verschlüsselter deutscher Text. Wenn ihr den Text in Google Translate reinpackt, kommt ebenfalls nur bedingt das Richtige raus – aber das ist ja nichts neues :smile: . Das ist Hiragana (Japanisch) und normaler Schrift steht dort „Hajimemashite. Webumasutoeru desu. Dōzo yoroshiku onegai shimasu. Watashi wa gakusei no mainz-daigaku no nihongo desu“ oder auf Deutsch: „Freut mich sie kennen zu lernen. Ich bin der Webmaster. Ich lerne Japanisch an der Uni Mainz“ (den Begriff „Volkshochschule“ gibt es so nicht im Japanischen).

WAD?!

Nach meinem Bildungsurlaub im Juli wollte ich die Sache jetzt endlich mal richtig angehen. Natürlich nicht aus Spaß an der Freud‘, sondern wegen meiner japanischen Brieffreundin, die ich vor einigen Jahren geerbt hatte. Deren Englischkenntnisse sind leider nur begrenzt weswegen sich bislang die Briefe auf das übliche Smalltalk-Blabla begrenzten. Das würde ich gerne zumindest ein Stück weit ändern.

Und da es in Darmstadt und Umgebung (derzeit) keinen Japanisch-Kurs gibt, fahre ich halt seit Anfang September nun jede Woche Donnerstag nach Mainz in die VHS (der Link geht schon zum nächsten A1/1-Kurs im Januar). Die Lehrerin ist auch selbst gebürtige Japanerin (und ich kenne sie aus dem Bildungsurlaub) – was Fluch und Segen gleichermaßen ist. Fluch weil man sie teilweise dann doch etwas sehr schlecht versteht (sowohl auf Deutsch als auch Japanisch). Segen weil ich mir zumindest einbilde, dass ich es so gleich richtig lerne.

Mittlerweile (10 von 15 Termine mit je 3 Schulstunden) haben wir alle 108 Hiragana (die 1. von drei Schriften) gelernt, können schon bis 9.999 zählen, die grundlegende Grammatik und damit ein paar Alltagssituationen meistern wie z.B. nach der Uhrzeit fragen (und Antworten), Preise erfragen, Begrüßungen und sowas. Wir hangeln uns zwar technisch gesehen am Lehrbuch Japanisch im Sauseschritt 1 entlang aber die Lehrerin benutzt fast ausschließlich ihr eigenes Material (vermutlich aus ihren eigenen, alten Schulbüchern). Auch hier wieder Fluch und Segen. Fluch weil man schlecht einfach mal so was nachschlagen kann Zuhause und Segen, weil ich ihr Material tatsächlich meist verständlicher finde als das zusammengedampfte Buch. Im 2. Semester würden wir dann Katakana (die 2. der drei Schriften) lernen und ab dem 3. geht es mit den Kanji (die Hauptschrift) los.

Anstrengend

Auszug aus der allerersten Stunde.

Ist definitiv eine anspruchsvolle Sache das Japanisch-Lernen. Gut, ist natürlich grundsätzlich nicht einfach eine neue Sprache zu lernen. Aber die östlichen und vor allem asiatischen sind da noch einmal eine Stufe schwerer. Nicht einmal so sehr wegen der unbekannten Schriften (zumindest in den ersten beiden Semestern). Bei den Silbenschriften Hiragana und Katakana ist es wirklich nur auswendig lernen und schon kann man fleißig Wörter daraus zusammensetzen. Bei Kanji ist die Anzahl der Zeichen nicht nur >1000, es handelt sich zudem um Symbole (deswegen so viele), die auch noch ineinander verbunden werden könne, um neue Bedeutung zu kreieren und sowas.

Hiragana und Katakana reichen prinzipiell, um zwar einfache aber vollständige, japanische Texte zu verfassen. Das ist auch erst einmal mein Grundziel (siehe Brieffreundin). Beliebige Texte lesen ist hingegen etwas schwieriger, weil normalerweise alle drei Schriftarten gleichzeitig verwendet werden. Entsprechend kann man eine japanische Tageszeitung selbst als Japaner erst am Ende der schulischen Laufbahn halbwegs lesen. Meine Brieffreundin muss da sich entsprechend etwas anpassen :smile: .

Die grundlegende Grammatik ist (aktuell) auch relativ einfach, wenn man es mal verstanden hat. Was fehlt sind einfach die vielen, vielen Vokabeln. Und die zu lernen ist aus meiner Sicht die größte Schwierigkeit. Vor allem weil es so ewig viele Ausnahmen gibt. Zum Beispiel bei den Tagen: Technisch gesehen bedeutet „*-nichi“ auf Deutsch „Tag“. Der zwölfte Tag im Monat wäre somit „juuninichi“. Bildet man also alle 31 Tage einfach mit Zahl und „*-nichi“ ab? Natürlich nicht – es gibt 13 Ausnahmen wie zum Beispiel „futsuka“ für den 1. Im Monat. Total doof zum Lernen auch wenn unsere Sensei (=Lehrerin) immer wieder betont, dass der normale Japaner es bei einem Ausländer auch anders versteht und akzeptiert.

Mediale Unterstützung

Learn Japanese to Survive! Hiragana Battle (Herstellerbild)

Wie damals beim englischen (TIE Fighter!), nutze ich aber natürlich auch die wunderbare Welt der Unterhaltungsindustrie für meine Zwecke. Gibt unzählige Apps und Spiele, die versprechen einen beim Lernen zu unterstützen. Zum Hiragana (und später Katakana) lernen habe ich mir beispielsweise auf dem iPhone Kana Master installiert. Das ist wirklich rein für das Lernen der Symbole und sehr einfach gehalten. Es gibt eine Übersichtsseite mit allen Symbolen und eine Quizfunktion, die von euch nach der Bedeutung des Symbols abfragt. Am Hauptrechner kann ich hingegen nur absolut Learn Japanese to Survive! Hiragana Battle und Learn Japanese to Survive! Katakana War empfehlen. Das sind zwei über Kickstarter finanzierte JRPGs, die auf Basis von RPG Maker gebaut sind.

Die Geschichte ist ganz einfach: Irgendein Bösewicht greift eure Heimat an und nutzt dafür komische japanische Zeichen, die niemand töten kann. Als euer Dorf Opfer des Bösewichts wird, taucht eine nette Dame auf (Japanerin), die euch helfen will das Böse zu besiegen. Und wie macht ihr das? Natürlich indem ihr in den rundenbasierten Kämpfen die korrekte Bedeutung der Zeichen benutzt. Also statt einen Schwertangriff durchzuführen oder einen Feuerball zu schleudern, lasst ihr eure Heldentruppe „ga“ oder „no“ sagen (bzw. in der Parallelwelt dann „が“ oder „の”). Buffen, Gegenstände und so Zeugs gibt es prinzipiell zwar auch aber die Rollenspielseite sowie die Spielwelt an sich sind definitiv nicht groß ausgeprägt und was da ist, nicht sehr anspruchsvoll. Das ist nicht schlimm, da es ja nicht darum geht. Aber nur so als Warnung für alle, die ein Final Fantasy erwarten. Zum Lernen der Zeichen ist es auf jeden Fall perfekt weil man eben nicht einfach nur stupide Sachen einstudiert, sondern dabei auch noch die Welt rettet :smile: .

Fazit

Learn Japanese to Survive! Katakana War (Herstellerbild)

Wie gesagt: Das ist keine einfache Sache. Nach den drei Schulstunden dampft einem der Schädel und ohne Zuhause zusätzlich üben geht echt gar nichts. Entsprechend bin ich aktuell tatsächlich schwer am überlegen ob ich das 2. Semester wirklich direkt dranhänge. Auf der einen Seite will ich die Katakana (und weitere Grammatik) schon gerne lernen. Auf der anderen wird das notwendige Zeitinvestment nicht weniger werden. Theoretisch könnte ich natürlich im Selbststudium weitermachen. Aber da ist natürlich der innere Schweinehund und mit Lehrer und in der Gruppe ist es dann doch noch viel besser. Da mache ich mir also wenig Illusionen.

Aber mal schauen. Bin wie gesagt noch hin und hergerissen in der Hinsicht. Hab‘ aber bis Januar ja auch noch ein wenig Zeit mich zu entscheiden. Dass ich jemals ein JRPG oder auch nur ein Anime/Manga im Original genießen werden kann, glaube ich zwar nicht. Dafür sind die Kanji, die es zu lernen gilt einfach zu viele und zu kompliziert. Aber wenn ich mit meiner Brieffreundin ein wenig besser kommunizieren kann und bei einem eventuellen Besuch von Japan nicht ganz hilflos dastehe, dann reicht mir das definitiv aus. Die Lehrerin meinte auch: Wenn ihr nur ein bisschen machen wollt, dann zumindest die ersten beiden Semester. Dann habt ihr die wichtigsten Sachen intus.

Düstere und bedrohliche Atmosphäre im Wald

Vor gut einem Monat hatte ich euch von Grim Dawn vorgeschwärmt und darin auch gemeint, dass ich schon lange kein so atmosphärisches Action-Rollenspiel mehr gespielt hätte. Seitdem habe ich (komme leider hauptsächlich nur am Wochenende dazu) weitere rund 20 Stunden in den Titel versenkt und möchte heute versuchen noch einmal genauer auf diesen einen Punkt einzugehen, denn er macht für mich einen großen Teil der Motivation aus. Der Rest des Titels hat zwar seine mehr oder weniger einzigartigen Aspekte (wie die Dual-Klassen) aber im Kern ist es doch schlicht und einfach ein Action-Rollenspiel. Links klicken für den Hauptangriff, rechts klicken für den Sekundärangriff, ein paar Hotkeys für die Zauber und Spezialfähigkeiten und schon erscheint das nächste „Level Up“ auf dem Bildschirm. Same ol‘ same ol‘.

Dunkle Seiten

Der Titel des Spiels sagt es eigentlich schon: „Grim Dawn“ – „Düstere/Grauenvolle/Trostlose/Makabere Morgendämmerung/Morgenröte“. Die Welt von Cairn ist kein schöner Ort. Das wird von der ersten Sekunde an klar. Schließlich beginnt eure Geschichte am Galgen. Besessen von einer Art Dämon rettet euch nur das Versprechen des Todes vor einem ewigen Dasein als machtlose Puppe. Es stellt sich aber schnell die Frage, ob Überleben tatsächlich so viel besser ist. Mal abgesehen davon, dass man euch mehr aus der Not als aus Nächstenliebe am Leben gelassen hat: Was für ein Land Cairn auch mal gewesen sein mag – von seiner ehemaligen Schönheit und Blüte ist nichts mehr erkennbar.

Selbst wenn die Sonne hoch am Himmel steht, ist alles in dunkle Schatten getaucht, wirkt das grüne Gras alles andere als saftig und erscheinen die Bäume nicht als Zeichen des Lebens, sondern als Bringer des Todes. Von den einstigen Prachtbauten, den hübschen Häusern und Burgen, den gepflegten Feldern und Gärten sind bestenfalls nur noch halb verfallene Ruinen übrig. Schlimmstenfalls hat sich das Böse bis auf die Grundmauern ausgebreitet und durch seine Essenz alles bis tief in den Boden hinein vergiftet. Die verdorbenen Tiere und Menschen, grässlichen Dämonen und Geister, die überall herum wuseln machen es logischerweise nicht viel besser. Der Grim Dawn hat Mensch und Natur verändert und die böse Seite herausgekehrt. Und wer ist schuld daran? Natürlich die Menschen selbst!

Mir san schuld!

Da fühlt man sich gleich Willkommen!

Es ist doch immer das Gleiche: Man experimentiert herum, entdeckt dabei eine neue Ebene der Existenz und schon geht alles den Bach runter. Körperlose Wesen fallen ein, um diese tolle neue Welt und ihre Bewohner in ihren Besitz zu nehmen. Und ob das nicht schon genug wäre, kommen auch noch die Ch’tonians daher und wollen – ähnlich wie die Protos in StarCraft – einfach alle auslöschen, weil die Menschheit ja sowieso gerade ausstirbt und man die Körperlosen nicht einfach frei herumlaufen lassen kann. Beide haben also gemeinsam, dass sie das menschliche Leben so überhaupt gar nicht interessiert.

Aber wo übernatürliche Kräfte am Werk sind, sind natürlich auch Landsleute, die in der Illusion leben, sie könnten davon profitieren. Sie lassen sich bereitwillig von den Körperlosen übernehmen, werden Anhänger von Ch’tonian oder bringen einfach so aus Spaß an der Freude Leid und Schmerz über das Land. Gleichzeitig gibt aber auch diejenigen, die aus der Not heraus sich dem Bösen zuwenden.

Starke Inhalte

Wenn gute Menschen aus der Not böse werden sind das natürlich die Geschichten, die einen am meisten mitreißen. Da wäre beispielsweise die Sache mit John und seiner Familie. Auf der Flucht vor dem Grim Dawn versuchen sie in den hohen Norden zu fliehen. Aber die Tore zur Stadt sind verriegelt (die hat andere Probleme – sehen wir gleich noch). Also campieren sie woanders zusammen mit anderen Flüchtlingen. Im Verlauf von nur drei Seiten Text entfaltet sich der Abgrund, in den sie stürzten. Erst das Pferd, dann die Männer, dann ahnungslose Reisende und am Ende sogar die eigene Familie bis der Hunger auch den letzten Rest Menschlichkeit aus dem Autor verschwinden lässt. Als Spieler findet ihr nicht nur die losen Seiten des Tagesbuchs, sondern ebenso die Wirkungsstätte und die Toten der Familie. Das macht das Gelesene noch lebendiger und noch schrecklicher.

Noch mehr mitgenommen – und der tatsächliche Ausschlaggeber dieses Eintrags – war aber besagte Stadt Darkvale und die dazugehörige Festung Darkvale Gate. Mit dem Kult von C’thon hat man freilich schon ziemlich früh im Spiel zu tun. Und, dass es bei Kulten in solchen Spielen logischerweise selten mit hübschen Einhörnern und Regenbögen zu tun hat ist logischer. Aber hier in Darkvale wird erstmals so richtig deutlich, was für ein Ausmaß an Schrecken die Jungs verbreiten. Es ist natürlich nichts Neues was den Inhalt angeht: Eine Stadt wird von religiösen Männern versklavt/hingerichtet. Aber die Texte der ehemaligen Bewohner und Kultisten zusammen mit dem äußerst makaberen und detaillierten Art Design gehen dann doch stark unter die Haut.

Spoiler voraus

Solltet ihr nicht genau wissen wollen, was euch in Darkvale erwartet, dann bitte diesen Absatz überspringen!

Ähm…ja…ne…lass mal gut sein!

Ihr als Spieler werdet vor vollende Tatsachen gesetzt. Was genau geschehen ist, erfahrt ihr wieder nur aus Textseiten, die ihr in den Häusern findet. Es fängt relativ harmlos an: Flüchtlinge kommen in die Stadt und berichten davon wie das Böse die Hauptstadt überfallen hat. Dass dort alles den Bach runtergeht und unglaubliche, grässliche Dinge geschehen würden. Dann verschwindet plötzlich der Dorf-Alkoholiker. Das fällt zwar auf, aber vermissen tut ihn keiner. Es erwacht auch gleichzeitig eine komische neue Religion im Ort. Sie verehren einen gewissen Blutgott namens C’thon. Unser Blut wäre nur von ihm geliehen behaupten sie und wenn die Zeit kommt, müssten wir es wieder zurückgeben. Verrückte halt, denkt man.

Dann verschwinden aber immer mehr Leute und die Bewohner fangen doch mal an misstrauischer zu werden. Sind beim Arzt nicht in letzter Zeit verdächtig viele Leute statt geheilt zu werden an ihrer Krankheit gestorben? Und hat der Nachbar nicht vor kurzem gemeint, dass er im Badehaus eine Blutlache gesehen hätte? Ja, die Kultisten haben ganz, ganz böse Dinge getan. Wer nicht ihrem Kult beitreten wollte, der wurde als Opfer missbraucht. Über die Aufzeichnungen und die grausigen Szenen in vielen Häusern, bekommt man ein genaues Bild von dem, was man eigentlich nur noch als Schlachthaus bezeichnen kann.

Vor allem besagtes Badehaus mit den Leichen über den Badewannen zusammen mit dem vor Stolz triefenden Bericht des Vorstehers lässt einem die Haare zu Berge stehen. Da erzählt er erfreut, wie er nach langem Versuchen ein extrem effizientes System zum Blut ablassen gebaut hat. Die Menschen kommen zum Baden und im Wasser ist eine Substanz, die sie schläfrig macht. Dann lässt er das Wasser in die Tanks zurück und stellt über einen Schalter den Abfluss um auf total praktische Fässer, die der dorfeigene Fassmacher (auch ein Kultanhänger) für ihn herstellt. Die Glasgefäße, die sie sonst immer benutzen wären zwar stylischer aber man nimmt halt was man kriegen kann. Die schlafenden Leute hängt er an einen Haken (der sehr gut in den Armaturen versteckt ist!) und anschließend beschreibt er detailliert wie er sie aufschlitzt, um möglichst viel Blut in möglichst kurzer Zeit heraus zu bekommen. Nur weil man Menschen einem Gott opfert, muss es schließlich ja nicht gleich eine Sauerei hinterlassen!

Wenn das nicht genug Motivation ist dem Kultistenchef mal gehörig eins auf die Nase zu geben, dann wird es spätestens der Besuch in Darkvale Gate sein wo der Innenarchitekt vor allem auf eine Kombination aus verstümmelten Leichen und Blutlachen gesetzt hat, um eine absolute Wohlfühlatmosphäre zu erzeugen.

Spoiler fertig

Grim Dawn (Herstellerbild)

Ja, der Hauptteil der Geschichte von Grim Dawn wird über Text erzählt. Aber der hat es aus meiner Sicht in sich. Vor allem durch die Kombination von dem was man liest und wie der Ort aussieht, an dem man den Text gefunden hat. Das düstere und detaillierte Art Design passt da wirklich perfekt dazu und lässt mich an die Diskussion um den Grafikstil von Diablo III denken, das im Vergleich definitiv wesentlich bunter ist obwohl dort auch das Ende der Menschheit auf dem Spiel steht. Während mich Blizzards Werk in der Hinsicht ziemlich kalt gelassen hat, zieht mich Crate Entertainment auch dank des düsteren und etwas realistischeren Grafikstils voll in seinen Bann.

Vor allem aber – und das ist vermutlich das, was mich am meisten reinzieht an der Sache – ist es der menschliche Faktor, der für mich diese tiefe Atmosphäre erzeugt. Ja, böse Viecher aus einer anderen Dimension haben das alles angezettelt und machen alles kaputt – buhu. Aber wie Literatur, Filme und andere Spiele immer wieder zeigen: Das Furchterregendste ist immer noch das, was sich Menschen selbst in solch einer Situation wo es um das allgemeine Überleben geht gegenseitig antun können. Und davon gibt es in Grim Dawn mehr als genug. Das ist nicht schön, nicht lustig und schon gar nicht spaßig. Es übt aber seinen Reiz aus (vermutlich nicht auf jeden). Es gibt mir einen Grund den (absolut nicht strahlenden) Helden zu spielen. Es gibt mir die Motivation Gutes zu tun und dem Bösen die Stirn bieten zu wollen statt einfach nur Monster tot zu klicken, weil ich dafür Erfahrungspunkte kriege. Das schafft nicht jedes Spiel aber Grim Dawn ist eines davon.

Ich kann entsprechend nur nochmal wiederholen: Wer ARPGs mag, sollte Grim Dawn eine echte Chance geben.

MTG-Booster-Pack-Ausbeute: Teures Papier

Der Spieleherbst ist in vollem Gange. Seit Wochen erscheint Top-Titel nach Top-Titel, der um die Gunst der Spielerschaft buhlt (während ich mich weiterhin ausschließlich mit Grim Dawn beschäftige). Und wie immer, wenn ein Blockbuster auf den anderen folgt, wird dabei auch ein aktueller Trend in der Spielebranche deutlich sichtbar. In diesem Jahr heißt dieser ganz klar „Lootboxen/-crates“.

Das sind Kisten, die der Spieler entweder zufällig im Laufe des Spiels erhält oder sich mit diversen Ressourcen (Echtgeld oder Ingamewährung) in einem Ingameshop kaufen kann. Manchmal ist zusätzlich noch ein Schlüssel (auch wieder gegen Echtgeld oder Ingamewährung) notwendig, um sie zu öffnen. Enthalten ist das Versprechen etwas aus einer Reihe von Skins/Gegenständen/Boostern mit unterschiedlichem Wert zu erhalten. Je begehrter der Skin/Gegenstand/Booster, desto niedriger seine Wahrscheinlichkeit ihn durch das Öffnen so einer Box zu bekommen. Es ist quasi im Kern nichts anderes als beispielsweise die Booster Packs bei Kartenspielen wie Magic: The Gathering oder Pokémon.

Alter Hut

Das Konzept von „Lootcrates“ an sich ist freilich nichts Neues. Im mobilen Bereich kommen sie schon seit den Anfängen vor allem in Free-2-Play-Titeln zum Einsatz. Allein in Dynasty Warrior: Unleashed gibt es beispielsweise Dutzende verschiedene Varianten an Kisten und Schriftrollen für jeden Aspekt des Spiels. Sie enthalten Offiziere, Waffen, Rüstungen, etc. und sind ein zentraler Faktor, um sein Heldenteam verbessern zu können.

Auf dem PC hat vor allem Valve mit ihren Kisten in Counter-Strike, Team Fortress 2 und DOTA 2 bereits so einige Millionen Euro gescheffelt und teilweise sogar einen regelrechten Schwarz- und Glücksspielmarkt erschaffen. Auch EA hat mit Titanfall oder in der Battlefield-Reihe bereits damit fleißig experimentiert. Jetzt kommen Lootboxen aber nicht nur vermehrt im „Mainstream“ an (in Bezug auf PC & Konsolen) – sie erhalten aus Sicht der Spieler zudem ganz neue Dimensionen. Im Speziellen haben Middle-Earth: Shadow of War und Star Wars: Battlefront II in den letzten Wochen die Gemüter erregt obwohl Titel wie Assassin’s Creed: Origins oder Call of Duty: WWII ebenso Lootboxen enthalten.

Die Beispiele

Star Wars: Battlefront II (Herstellerbild)

Grundsätzlich sind sowohl Middle-Earth: Shadow of War als auch Star Wars: Battlefront II laut Kritikern und Spielern sehr gute und empfehlenswerte Titel. Der Spielspaß wird aber wohl in beiden durch Lootcrates geschmälert.

In Middle-Earth: Shadow of War gibt es ein Post-Endgame in dem es darum geht Festungen einzunehmen und zu verteidigen. Um das zu tun, benötigt ihr Orks mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen, die an eurer Seite stehen. Nun könnt ihr entweder hinaus in die Welt gehen und Orks versklaven. Das braucht Zeit, ist mitunter nicht gerade sehr anspruchsvoll und spaßig und es gibt keine Garantie, dass der versklavte Ork auch tatsächlich euren Ansprüchen genügt. Um die Sache abzukürzen, könnt ihr Lootcrates kaufen. Die geben euch genauso wenig eine Garantie, dass ihr genau den richtigen Ork erhaltet. Aber es spart natürlich Zeit im Austausch gegen Geld. Entsprechend der Vorwurf der Spieler: Das Post-Endgame wurde ausschließlich so langatmig gestaltet, damit ihr Geld ausgebt, um es abzukürzen.

Bei Star Wars: Battlefront II enthalten die Lootcrates hingegen Objekte, welche die Balance im Mehrspielermodus verändern. Also nicht nur einfach kosmetische Veränderungen wie Skins oder mal einen Erfahrungspunkteboost wie bspw. in Battlefield 3. Stattdessen merkliche Verbesserungen der Fähigkeiten eures Helden oder Fahrzeugs. Und auch wenn viele Waffen und Helden im normalen Spielverlauf durch schlichtes Aufleveln freigeschaltet werden: Einiges versteckt sich ausschließlich in einer Lootcrate. Der (bislang noch unbewiesene) Vorwurf hier: Pay-2-Win. Wer nicht bezahlt, ist schlechter gestellt als der, der bezahlt. Statt Skill entscheidet der Geldbeutel über Sieg oder Niederlage.

Das Thema

Dynasty Warriors: Unleashed (Herstellerbild)

Die Aussage der Hersteller ist oft, dass alles was in Lootcrates zu finden ist, auch auf normalem Wege zu erspielen ist. Damit ist entweder gemeint, dass ihr keine Lootcrates kaufen müsst oder die Lootcrates mit im Spiel erhaltener Währung kaufbar sind. Das stimmt natürlich, ist aber eigentlich immer mit einer teils extremen Zeitinvestition verbunden. Bei Free-2-Play wie anfangs geschrieben schon lange an der Tagesordnung. Jetzt eben langsam aber sicher Teil von Vollpreistiteln im Allgemeinen und „Games as a Service“ im Speziellen.

Jetzt kann man natürlich lang und breit darüber schimpfen wie böse die Hersteller/Entwickler sind und wie scheiße diese Entwicklung doch ist und wie die ganze Videospielebranche komplett den Bach runter geht dadurch. Auch ich bin absolut kein Fan von Lootcrates und was sie vor allem im Zusammenspiel mit „Games as a Service“ für die Zukunft bedeuten könnten. Im Appstore auf den Smartphone ist es ja schon sichtbar: Die Top-Listen führen Titel an, die vollgepackt sind damit und im Gegenteil inhaltlich wenig mehr zu bieten haben als eine halbwegs süchtig machende Mechanik selbst wenn es nur Powercreep („brauche stärkeres Team, um weiter zu kommen“) ist wie in Dynasty Warriors: Unleashed. Riesige Open-World-Titel wie die Assassin’s Creed-Serie mit ihrem Collectible-Wahn entwickeln sich schon länger in die gleiche Richtung.

Aber was in diesen Diskussionen immer und immer wieder zu kurz kommt (oder in Grund und Boden geschrien wird), ist die einfache Tatsache: Wir alle sind selbst mit schuld an dieser Entwicklung. Die Spiele im Appstore sind ja nicht an erster Stelle, weil Apple sie da positioniert hat. Nein, sie sind dort weil es teils Millionen von Spielern gibt, die sie (für mich oftmals völlig unverständlicherweise) spielen. Selbst Lysanda zeigte keinerlei Mitgefühl (so gemein! :smile: ) als ich meinte, dass ich diesen Trend traurig finde und verwies (zu Recht!) darauf, dass die Hersteller Wirtschaftsunternehmen und keine Almosenfabriken sind.

Der Teufelskreis

Overwatch (Herstellerbild)

Hergestellt wird, was der Markt will und Geld bringt. Und der Markt, also wir, fordert zwar auf der einen Seite Titel mit langer Spielzeit vollgestopft mit starken Inhalten (The Witcher 3 wird mit seinen 200 Stunden mit hoher Qualität aktuell immer als Paradebeispiel genannt). Aber bereit dafür (vorab?) zu bezahlen sind wir einfach nicht. Der Preis eines Spiels zum Releasetag hat sich seit zwei Jahrzehnten nicht mehr geändert (und ist durch den Preiskampf unter den Händlern eher noch nach unten gegangen). Die wenigen Versuche mehr zu nehmen (z.B. damals bei Command & Conquer: Tiberian Sun) sind gescheitert. Einzig für die teils absurd teuren Collector’s Editions wird der Geldbeutel aufgemacht (200 Euro für eine schlecht verarbeitete Drachenstatue?!).

Stattdessen gibt es schon vor der Veröffentlichung die ersten Rabatte (kommt bei Steam überhaupt noch irgendetwas ohne 10% bis eine Woche nach Release aus?!) und kurz darauf die ersten Sales (dürfte bei Steam bald wieder losgehen). Mit dem Ergebnis, dass die Spieler dazu erzogen wurden einfach die paar Tage abzuwarten bis zum Kauf. Sie haben sowieso viel zu viel zu zocken, da macht das den Wenigsten was aus. Signifikante Patches nicht nur gegen Bugs, sondern auch mit kostenlosen Inhalten und „Games as a Service“ sind mittlerweile noch mehr Argumente gegen den frühen Kauf – auch wenn dafür gefühlt die „Game of the Year“-Bundles aussterben.

Die Folge ist, dass Publisher und Entwickler andere Wege gehen müssen, um die teils absurden Kosten eines AAA-Titels reinzuholen. Nachdem wir uns an DLCs gewöhnt haben, wird nun eben mit Lootcrates die Mikrotransaktionen-Sau durch die Straßen getrieben. Und auch an die werden wir uns gewöhnen. Gibt ja heute schon Leute, die sie in beispielsweise in Overwatch super duber toll finden weil ach so hübsche Kostüme drin sind. Auf den Smartphones dieser Welt kräht sowieso mittlerweile mehr kein Hahn danach.

Fazit

Monument Valley 2 (Herstellerbild)

Sollen wir also plötzlich wieder alle am Releasetag kaufen und jeden Sale ignorieren, um zur guten alten Zeit zurückzukehren? Nein, natürlich nicht. Der Zug ist abgefahren. Wir müssen uns aber im Klaren darüber sein, dass das was wir durch einen Sale sparen uns mit großer Wahrscheinlichkeit versucht wird hinterher auf andere Art und Weise aus der Tasche zu ziehen. Und wenn wir dann nachgeben, haben „die“ gewonnen und „wir“ verloren. Aber selbst wenn die eine Variante nicht mehr so gut funktioniert (oder etabliert genug ist wie bei den DLCs), dann wird es wieder etwas Neues geben. Man kann versuchen dem zu widerstehen indem man es entweder ignoriert oder zusätzliche Zeit investiert, um hoffentlich das gleiche Ergebnis zu erhalten. Aber nicht erst Star Wars: Battlefront II zeigt, dass dieses „Versprechen“ auch nicht mehr lange Bestand haben wird. Das neuste Patent von Activision zur Werbung für Mikrotransaktionen („kaufe das hier und du wirst deinen Feind in der nächsten Runde besiegen!“) zwischen Multiplayer-Matchen ist da sicherlich nur der Anfang. Die Erfahrung hat außerdem gezeigt, dass es immer genug Menschen („Wale“) gibt, die bereitwillig den Geldbeutel auspacken (siehe Pferderüstung in The Elder Scrolls IV: Oblivion). Gefühlt wollen es vor allem die asiatischen Spieler gar nicht anders. Und solange es solche Leute gibt, solange können die „guten Gamer“ so viel jammern und boykottieren wie sie wollen – es wird sich nichts ändern.

Die Gefahr bei all dem ist wie immer, dass die Qualität und Vielfalt leidet. In einem Einzelspielertitel mit dichter Geschichte lässt sich nun einmal eher weniger eine Lootcrate unterbringen als in einem Multiplayertitel oder überfrachteten Open-World-Kracher. Zumal in sich geschlossene Einzelspielertitel sowieso als „Games as a Service“ eher schlecht funktionieren. Also lieber stupide Pseudo-MMOs wie Destiny auf den Markt schmeißen statt intensive Spielerlebnisse zu finanzieren, die aber am Ende zwar die Kritiker loben aber irgendwie doch die Masse nicht kauft. Oder, um beim Smartphone-Beispiel zu bleiben: Lieber das 100.000ste Free-2-Play-Match-3-Spiel auf den Markt bringen und damit tonnenweise Kohle scheffeln als ein interessantes Werk wie Monument Valley 2 für 5,50 Euro in den Appstore stellen, das am Ende keinen Gewinn bringt.

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