Sicarius

Schlafwandler

(Verfasst am 06.03.07 um 0400)

„Samma geht’s dem zu gut oder was? Warum schreibt der mitten in der Nacht einen Eintrag, statt in der Koje zu liegen und zu ressen?“
Ganz einfach: Mich hat’s erwischt. Die schwere Bürde einer Grippe drückt mich seit Samstag zu Boden. Deshalb habe ich den gestrigen Montag fast komplett in der wolligen Umarmung meiner Bettdecke verbracht und soviel geresst, dass ich jetzt nur noch „Das Ziel benötigt keine Heilung!“-Fehlermeldungen bekomme, die mich nicht mehr schlafen lassen. Allerdings sitze ich nicht am Rechner und schreibe diese Zeilen.

Wie ich dann diesen Eintrag gerade verfasse? Mit zwei Hilfsmitteln, die es schon seit Jahrtausenden in den verschiedensten Formen gibt: Stift und Papier! Da mir das jetzt sowieso niemand glaubt, hier als Beweis (und Grundlage einer Schriftanalyse) ein Scan der ersten Seite:

Der Beginn des Eintrags in Handschrift

Da nun meine Glaubwürdigkeit wiederhergestellt wurde und jeder froh ist, dass er meine Handschrift hier nicht lesen muss, widmen wir uns einfach etwas anderem.

Um diese Uhrzeiten, zu denen sich unser Gehirn anscheinend mal so richtig langweilt, denkt man ja viel nach. Sowohl über die Vergangenheit, als auch über die Gegenwart und Zukunft. Man späht dann durch den Mantel der Dunkelheit und bewundert das Schattenspiel einer Spinne, die es sich wohl an der Straßenlaterne, deren getöntes Licht in mein Zimmer dringt, gemütlich gemacht hat. Und ich lausche dem ungeduldigen Geraschel der Mäuse, die die Zwischendecke über mir als ihre neue Heimat auserkoren haben. Dabei frage mich, wann sie den wohl endlich das bereitgestellte Fast Food der Marke „Deadly Poison“ entdecken werden. Ich denke mir auch, wie toll es wäre, wenn mein fauler Kater Felix sie zu einem grausamen Spiel des unvermeidbaren Todes anstacheln würde aber der hat ja nichts Besseres zu tun als ein Stockwerk tiefer auf einem Stuhl zu liegen. Das sieht dann ungefähr so aus:

Ein fauler Kater

Gerade wurde die Luft vom hellen Klang der Glocke durchbrochen, die mir verkündet, dass ich bereits fünfzehn Minuten an diesem Eintrag schreibe. Es überrascht mich doch etwas, dass ich sie mal wieder gehört habe. Da ich in diesem Zimmer lebe, seit ich denken kann und auch die Kirche schon seit dem Bau dieses Gebäudeteils auf der gegenüberliegenden Straßenseite steht, höre ich das Schlagen der Glocken oft selbst dann nicht, wenn ich es eigentlich hören möchte. Aber das eigene Hirn hat sich schon so sehr an diese ewige Regelmäßigkeit gewöhnt, dass es nur noch auf Abweichungen reagiert.

Diese „Fähigkeit“ ist aber ab und zu auch ganz nützlich. Als ich z.B. letztes oder vorletztes Jahr mal wieder zu einem Seminar in Ismaning war, musste ein der Teilnehmer in einem separaten Hotel übernachten. Wie würde es nun der Reisekatalog ausdrücken? Wahrscheinlich mit „Direkte Anbindung zu allen öffentlichen Verkehrsmitteln“. Oder auf Deutsch: Die S-Bahn fuhr direkt unter unseren Fenstern vorbei. Während meine Kollegen sich aber lauthals beschwerten und nicht viel Schlaf bekamen, hatte ich selbst bei offenem Fenster keine Probleme meine Augen zu schließen und in einen erholsamen Schlummer zu verfallen, der erst viele Stunden später durch das subtile Piepsen meiner Armbanduhr unterbrochen wurde.

Wobei dies nicht ganz der Wahrheit entspricht. Viele kennen das vielleicht, dass man sich seinen Wecker stellt und man dann aber einige Minuten früher schon wach wird. Ein wirklich seltsames Phänomen, wenn man bedenkt, dass es sich hier um keine ich-muss-jeden-Tag-um-diese-Zeit-aufstehen-Uhrzeit handelt, bei der es verständlich ist, wenn sich der Körper anpasst.

Es gibt aber wohl auch negative Seiten dieser „Fähigkeit“ Dinge wie Glockenschläge direkt ins Unterbewusstsein weiterzuleiten. So habe ich irgendwann mal gelesen, dass man zwar trotz störender Geräuschkulisse schläft, dieser Schlaf dann aber nicht so tief und erholsam wäre, wie bei jemand ohne die Störgeräusche. Allerdings wurde dort keine Langzeituntersuchung behandelt. Es war also niemand dabei, der schon seit seiner Kindheit damit lebt, sondern nur Leute die an eine Eisenbahnlinie gezogen sind. Von daher weiß ich nicht inwiefern mich das nun betrifft.

Unfassbar aber mir schmerzt die Hand und das schon nach läppischen fünf DINA5-Seiten. Doofer Computer. Trotz regelmäßigen Onanieren so verweichlicht :). Echt schwach. Naja, leg ich den Griffel eben einen Moment beiseite. Bis gleich!

Nachtrag um Neun Uhr irgendwas: Es hat sich im Nachhinein als Fehler erwiesen, den Kuli wegzulegen und das Licht zu löschen. Der Rest des Eintrags verschwand dadurch im ohrenbetäubenden Schnarchkonzert des Autors. Naja, vielleicht reichen die sechs DINA5-Seiten ja für eine DINA4-Seite am Computer (2. Nachtrag: Ja, haben sie!). Zumindest erfüllt es mich mit einer gewissen Befriedigung, trotz meiner Sauklaue, mal wieder mehr als nur das aktuelle Datum und meine Unterschrift geschrieben zu haben.

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10 Kommentare

Starring: Sicarius in „Ich entdecke meine Menschlichkeit“.
Werd mal gesund, du hast noch viel zutun :)
Gute Besserung

Weil die „echten“ Männer, wie unser lieber Azz lieber untertänige leicht zu
kontrollierende Kläffer um sich haben, die einem am Arsch rumriechen

wenn der um 4 uhr nachts da runtertappt zum fotografieren, und das auch noch krank, würd das glaub ich auch auf ziemliches unverständnis stoßen falls R. zufällig wach wird und das mitkriegt :)

ich wach übrigens nie vor meinem wecker auf. eher deutlich danach, gern auch mehrere stunden. soviel zum ausblenden von geräuschen..
und auch eine ganze nacht voll halbschlaf kann durchaus erholsam sein. grade auf 16 stunden zugfahrt getestet :)

und: ich mag hunde auch lieber als katzen. bin ich jetzt ein echter mann? hilfe.
wobei ich sagen muss, dass mir fotos von katzen schon sehr viel lieber sind als echte katzen, die haben nicht so fatale folgen..

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