Sicarius

80% Subjektivität

So, genug über Schweden, Finnland und andere irrelevante (reale) Orte! Das ist hier kein Urlaubsblog! Hier stapeln sich schon die wichtigen Themen bis zur Decke! Die werden jetzt erst einmal abgearbeitet, sonst vergess ich doch wieder alles! Also erwartet keine leichte Kost in nächster Zeit sondern harte, gamingrelevante Themen! Nun aber genug der Ausrufezeichen und auf ins Getümmel. Den Anfang will ich heute mit dem bereits angekündigten subjektiven Geschwafel über aktuelle Games starten. Also was lag oder liegt so auf meiner Festplatte rum (außer dem üblichen Pornokram)?

Ganz frisch hat es sich Jets’n’Guns Gold auf meiner Festplatte gemütlich gemacht. Ein Oldschool-Sidescroller, der übrigens von einem Publisher vertrieben wird, der hier ganz in der Nähe ansässig ist. Da wahrscheinlich einige unter uns sind, die gar nicht mehr wissen, für was 2D eigentlich steht, ganz kurz die Erklärung: Man steuert etwas (meist einen Flieger) der sich auf dem Bildschirm frei bewegen kann, während der Screen automatisch weiterscrollt. Währenddessen kommen massig Gegner von überall her, die man abschießen muss. Jets’n’Guns Gold ist seit langem mal wieder ein Vertreter dieser selten gewordenen „NoBrainer“-Games, das wirklich die Bude rockt. Nicht nur durch die geniale Musik (von Machinae Supremacy) sondern auch durch den Rest des Spiels. Es ist zwar stellenweise tierisch schwer aber doch holt man es immer wieder gerne für einen oder zwei Level hervor. Dann ergießt sich ein Effektgewitter über den Bildschirm, das von keinem modernen Spiel je erreicht werden kann. Dabei hat man vorher die unzählige Möglichkeit seinen Flieger mit Waffen, Extras und allem möglichen Zeugs auszustatten. Auch die Story ist ganz gut gemacht und wird durch Comicbilder vor und nach den Missionen erzählt. Natürlich darf man kein Dreamfall erwarten aber sie bietet mehr als so manch anderer Shooter. Am genialsten finde ich persönlich allerdings die ganzen mehr oder weniger versteckten Gags und Seitenhiebe. Was lag ich unter dem Stuhl als mich in einem Level plötzlich ein Borgkubus, allerdings mit Bierhenkel, mit den Worten „We are Beer. You’ll be intoxicated. Resistance is futile!“ begrüßt hat. Da es auch nur 21,90 Euro kostet, ist es das perfekte Spiel um zwischendurch mal einen Body Count von 1000 oder mehr aufzustellen :). Eine Demo existiert allerdings auch für die Vorsichtigen unter euch.

Am gleichen Tag kam auch UFO:Extraterrestrials (Mein Moby-Eintrag wurde noch nicht approved) angeflattert. Als alter Fan der X-Com-Reihe und auch Liebhaber der UFO:Afterirgendwas-Serie, hab ich darauf schon ein wenig sehnsüchtig gewartet. Und ich wurde bislang nicht enttäuscht. Wenn man nur einen Satz über dieses Spiel sagen dürfte, wäre es dieser: 1:1 Klon von UFO: Enemy Unknown. Allein in der ersten Spielstunde gab es soviele „Aha“-Momente, sowas erlebt man selten. Allein die Menüsounds sind 1:1 die vom Original. Das meine ich aber jetzt nicht abwertend – im Gegenteil. Das Spiel ist gerade deshalb wirklich großartig. Man fühlt sich sofort heimisch als alter X-Comler. Nur der Schwierigkeitsgrad entspricht eher dem von X-Com: Terror from the Deep d.h. es ist schon zu Beginn an nicht wirklich einfach. Grafisch kann es zwar nicht mehr mit heutigen Standards mithalten aber das muss es für die angepeilte Zielgruppe gar nicht. Diese besteht nämlich hauptsächlich aus Leuten, die entweder UFO:Afterirgendwas nicht mochten oder nur eine leicht aufgebohrte Version des Originals wollen. Diese werden damit voll bedient und X-Com-Fans können bedenkenlos zuschlagen. Alle anderen haben nun im Laden die Wahl zwischen pausierbaren Echtzeitkämpfen, die dafür relativ zeitgemäß aussieht (und sich auch moderner spielen) oder Rundenstrategie, die nicht ganz der Höhe der Zeit entspricht aber dafür echtes X-Com-Feeling versprüht.

Vor nicht allzu langer Zeit kam auch Episode 6 der Sam & Max Season One mit dem Namen Bright Side of the Moon heraus, womit nun die erste Staffel beendet und bereit für ein Fazit ist. Meine Meinung zu Episode 1 ist ja hinlänglich bekannt.

Der Tiefpunkt war dann direkt mit Episode 2: Situation Comedy erreicht. Diese hat nicht nur eine noch kürzere Spielzeit sondern auch nicht wirklich die tollsten Gags und schon gar keine guten Rätsel. Die Charaktere haben mir auch nicht wirklich zugesagt.

Mit Episode 3: The Mole, the Mob, and the Meatball wurde allerdings wieder Episode 1-Niveau erreicht. Viele Gags zünden wieder, die Ideen und Rätsel sind cool und die Spielzeit ist kurz aber nicht zu kurz. Und das Werbelied des Casinos ist sowas von bescheuert – einfach nur genial. Den offiziellen Soundtrack kann man sich übrigens hier herunterladen. Leider ist das Casino-Lied dort nur ohne Text erhältlich. Da ist dann natürlich der Witz weg.

Episode 4: Abe Lincoln Must Die! ist relativ einstimmig die beste aller sechs Episoden. Dies liegt wohl viel an der skurrilen Story und an den tonnenweise servierten Witzen über den amerikanischen Präsidenten und Amerika generell. So habe ich Sam & Max aus Hit the Road in Erinnerung. Das Rätselniveau liegt auch wieder ein klein wenig höher. Sie sind zwar immer noch für erfahrene Adventurer zu leicht aber ganz so blind wie durch Episode 1 & 2 kann man hier nicht mehr durchgehen.

Abgeschossen wurde der Vogel dann endgültig mit Episode 5: Reality 2.0. Zwar ist viel Lauferei angesagt und auch die Rätsel haben nicht mehr ganz das Niveau von Episode 4 aber die Episode ist ein Mekka für Nerds. Dies ist natürlich ein Nachteil für Leute, die nicht so bewandert sind in der Computer- und Spielegeschichte aber alle anderen werden vor Lachen nur noch auf dem Boden liegen. Es gibt soviele herrliche Hommagen, dass man mit einem Mal durchspielen gar nicht alles entdecken kann. Meine persönlichen Highlights sind die künstliche Kontrollintelligenz, die frappierend an Shodan erinnert und der Arcade-Spieleautomat, der absolut idiotische Sprüche von sich lässt. Vom Ende war ich allerdings etwas enttäuscht. Vorab war nämlich schon bekannt geworden, dass das Ende ein Textadventure sein wird aber leider wurde diese Idee nicht 100% konsequent umgesetzt meiner Meinung nach. Da wurden Zugeständnisse an die heutige Generation gemacht.

Episode 6: Bright Side of the Moon ist dann wieder durchschnittliche Kost auf Episode 3-Niveau mit einem eher unbefriedigenden Abschluss.

Alles in allem, habe ich den Kauf von Season One nicht bereut und werde auch bei Season Two gleich zuschlagen. Es gibt allerdings einige Sachen, die mir nicht ganz so gefallen haben und die es dank des Episoden-Systems gibt. Es ist einfach irgendwann die Luft aus den Running Gags raus. Es fängt an mit Sams Standardsatz „You crack me up little Buddy“ und hört nicht erst auf mit dem immer gleichen System mit dem Bosco und Sybill behandelt werden. Jede Episode hat Bosco eine neue Verkleidung und eine neue Erfindung zu einem völlig idiotischen Preis und Sybill einen neuen Job. Spätestens in Episode 3 ist das einfach nur noch ausgelutscht meiner Meinung nach. Ich hoffe, dass es in Season Two dann etwas Frisches gibt und dort auch öfters etwas geändert wird.

Die ganze Season kommt übrigens im Sommer inkl. deutscher Übersetzung auch auf einer DVD raus. Allerdings von Jowood. Ich mag nicht erst seit der Aktion mit Pluto 13 etwas voreingenommen gegenüber diesem Verein sein aber trotzdem glaube ich, dass das nicht viel werden kann. Sam & Max lebt sehr viel von den unzähligen Wortwitzen (auch die deutsche Fassung von Hit the Road ist trotz der sehr guten Qualität im Gegensatz zum englischen Original immer noch ein großer Unterschied). Ich glaube nicht, dass diese Adäquat ins Deutsche übertragen werden können. Ich hole mir meine DVD-Box deshalb (und weil ich als Season One-Käufer schon dafür bezahlt habe) direkt von Telltale Games. Vielleicht verliere ich dann, wenn es in Deutschland soweit ist, noch einmal ein kurzes Wort darüber.

Dies ist nun das Ende von Episode 1 der neuen Bagdadsoftware-Serie „Kurze, rein subjektive Spieleberichterstattung“ (Working Title), auch wenn der Schwerpunkt eher auf Sam & Max lag als auf den anderen beiden Spielen. Aber Sam & Max ist ja auch streng genommen nicht nur ein Spiel sondern gleich sechs Stück.

Sicarius

Sverige III

(Verfasst am 18.05.07 um 19:30 irgendwo im Luftraum über Schweden oder zwischen Schweden und Dänemark)

Das nächste Ziel der Reise war, wie sollte es auch anders sein, Stockholm. Pflicht sind dort vor allem das Vasamuseum, Skansen und Gamla Stan (die Altstadt).

Ein Tipp vorweg: Kauft euch eine Stockholm Karte. Für ungefähr 30 Euro könnt ihr damit nicht nur 24 Stunden kostenlos Bus und U-Bahn fahren sondern habt auch in unzählige Museen freien Eintritt. Eine Sightseeing-Bootsfahrt ist auch noch inklusive (Allerdings Uhrzeitabhängig!).

Am Interessantesten fand ich die Vasa (das Schiff, nicht der Keks). Natürlich nicht erst seit „Pirates of the Carribean“ solche Schiffchen wieder für die Masse interessant gemacht hat.

Hatte ich eigentlich schon einmal erwähnt, dass ich diesen Trend zu Mehrteilern im Kino scheiße finde – egal wie gut der Film ist („The Lord of the Rings“ mal ausgenommen, da es dort ja andere Gründe hatte)? Aber gut, dies ist ja nicht unser Thema.

Die Vasa ist so etwas wie die Titanic von Schweden, nur mit dem Unterschied, dass sie es nicht einmal aus dem Stockholmer Hafen geschafft und bereits dort auf ihrer Jungfernfahrt den Meeresboden begrüßt hat. Der Grund war ganz simpel: Für ihre absolut enorme Größe befand sich viel zu wenig Ballast im Rumpf und sie ist dann beim ersten Windhauch einfach umgekippt -> *blupp* *blupp* *blupp*

Während schon gut 50 Kanonen ein paar Jährchen später geboren wurden, war der Rest bei der Bergung 1961 in einem hervorragenden Zustand und lt. offiziellen Angaben konnte man 95% des Schiffs bergen. Das sie nicht schon vollständig zerstört war, lag übrigens am Stockholmer Hafen selbst. Da dieser ein totales Drecksloch ist mit Tonnen von Schlamm statt festem Boden ist, konnte dem Schiff das Salzwasser nicht zu sehr zusetzen. Quasi wie eine Moorleiche wurde es konserviert. Im Museum ist also durchaus etwas greifbares (nein, anfassen darf man sie nicht) zu sehen und nicht nur reine Theorie. Es ist schon ein geiles Gefühl wenn man von unten an diesem wahnsinnig großen Boot hinaufschaut.

Skansen ist hingegen ein Freilichtmuseum mit Tierpark. Dort haben wir auch unseren einzigen Elch gesehen aber dafür gleich von jeder Sorte einen (Jung, Weiblich und Männlich). Im Sommer, wenn die Gebäude auch richtig bewohnt sind, ist es wahrscheinlich noch viel interessanter aber auch so gibt es ein schwedisches Feeling mit den vielen alten Gebäuden.

In Gamla Stan findet man viele Cafés (auch eins für Schwule, welches wohl sehr guten Kuchen macht) und Geschäfte aber auch das Schloss, das Nobelmuseum und die deutsche Gemeinde. Während das Schloss und das Museum eher weniger interessant sind, sollte ein Besuch in der Kirche der deutschen Gemeinde (Tyska Kyrkan) schon mit eingeplant werden. Dort ist sehr gut zu bewundern welche Stellung früher die königliche Familie hatte. Für sie wurde nämlich ein extra Raum gebaut, der zusätzlich auch noch höher liegt als die Kanzel des Pfarrers. Wenn das keine Bände spricht…

Puh. Langsam sollte ich zum Ende kommen. Die deutsche Küste haben wir bereits hinter uns gelassen. Es fehlt aber sowieso nur noch ein klein wenig über Finnland bzw. Helsinki.

Dort hatten wir wesentlich weniger Zeit als in Stockholm aber trotzdem haben wir natürlich einige Sachen abgegrast in dieser Stadt, die sehr von den Russen geprägt wurde.

Am schönsten war es aber auf einer der Festungsinsel Suomenlinna vor Helsinki. Auf der Insel befindet sich unter Anderem das U-Boot Vesikko, welches eins von langweiligen fünf Booten war, die der finnischen Marine im zweiten Weltkrieg zur Verfügung standen. Allerdings, wie so oft da oben, hatten wir Deutsche da auch unsere Finger mit drin. Zwar verbot uns der Versailler Vertrag selbst U-Boote zu besitzen aber das hinderte unsere Werften natürlich nicht daran, für die anderen Länder U-Boote herzustellen. So nutzten die Ingenieure die Exportaufträge um neue U-Boottypen (in diesem Fall Typ II) zu erproben und auch gleichzeitig bei den Probefahrten Mannschaften darauf zu schulen ohne das jemand Verdacht schöpfte.

Der richtige Hingucker ist aber natürlich die weitläufige Festungsanlage, die auf der Seite Richtung See wahnsinnig gut getarnt in die Insel eingearbeitet wurde. Es ist aber auch ein geiles Gefühl, wenn man dort die Treppe zum höchsten dieser künstlichen Hügel erklimmt und es einen dann voll aus Latschen haut, sobald der starke Meerwind einem ins Gesicht bläst. Zusammen mit der gigantischen Aussicht dort, war dies ganz klar mein persönliches Highlight der gesamten Reise.

Jetzt ist aber Schluss mit dem Erfahrungsbericht. Nicht nur, weil ich nicht mehr wirklich viel Allgemeines zu berichten weiß, sondern auch weil euch sicher wieder der gesamte Input erschlagen hat. Vieles wird (oder wurde zum Veröffentlichungszeitpunkt vielleicht schon) von meinen Mitreisenden sicher auch in den Kommentaren erzählt (Nachtrag: Anscheinend nicht…).

In diesem Sinne:

Statusbericht

Art des Auftrags: Bagdadsoftware Auslandseinsatz
Ziel des Auftrags: Überprüfung des Status der Agentin Daiah und gleichzeitige Lagesondierung zur Feststellung möglicher Invasionspunkte
Beteiligte Agenten: Sicarius, Rondrer, Daiah
Gewählte Tarnung: Tourist
Zu erwartende Schwierigkeiten: Keine
Weitere Handlungsschritte: Verbleib von Agentin Daiah vor Ort um weitere Vorbereitungen zu treffen

— Mission erfolgreich abgeschlossen —

PS: Falls ihr jetzt, wie im ersten Eintrag, eher lustige oder intime Sachen wissen wolltet – dann wurdet ihr natürlich enttäuscht. Stachelt einfach die zwei anderen noch ein wenig an. Vielleicht fällt denen noch irgendwas ein – außer das sie wohl unbedingt Schmelzkäse in der Sahnesoße zu den Tortellinis brauchen um sie zu essen.

Sicarius

Sverige II

Bevor wir wieder ins Ausland abschweifen, muss ich noch kurz von einer Dame erzählen. Diese sitzt nun schon seit über 24 Stunden unten in der Küche und starrt ein Loch an. Die Rede ist von Kessy. Sie hatte sich Mittwoch Nacht eine Maus gefangen. Als altes Spielkind spielte sie aber noch fleißig damit, statt sie gleich zu töten und zu fressen. Die Folge davon: die Maus versteckte sich hinter dem alten Herd. Den Weg dorthin konnt ich Kessy aber am Donnerstag Morgen dann frei machen. Glücklich und voller Spielfreude holte sie sich die Maus wieder und spielte weiter mit ihr. Es kam natürlich wie es kommen musste, die Maus entwischte ein weiteres Mal und versteckte sich hinter dem, unverrückbaren Schrank. Heute Nacht hat sich die Maus wohl wieder bewegt, denn Kessy sitzt vor einem Loch in der Wand und maunzt frustriert. Da sieht man mal wieder: Nicht mit dem Essen spielen!

(Begonnen am 17.05.07 um 23:15 in Uppsala)

Ich glaube ich sollte langsam ins Bett gehen. Jetzt habe ich doch tatsächlich eben statt der Notizen für den letzten Eintrag, die Notizen für diesen Eintrag zerrissen und in den Papierkorb verschoben. Da muss ich jetzt wohl erst einmal ein wenig puzzeln, wenn ihr euch also bitte noch einen Moment geduldet. Danke!

(Weiter geschrieben am 18.05.07 um 17:15 im Flughafen Stockholm – Arlanda)

Okay, jetzt kann ich ja zugeben, dass es nicht die Notizen zu diesem Eintrag waren, sondern ein Teil der neuen Kurzgeschichte. Dies aber nur am Rande, denn ihr wollt ja noch mehr über Schweden und Finnland lesen.

Um die Schifffahrt abzuschließen, möchte ich noch kurz drei besonders auffällige Damen erwähnen. Die Bezeichnung „Zigeuner“ beschreibt wohl am besten sowohl ihr Aussehen als auch ihr gesamtes Verhalten. Mit Abstand am bescheuertsten war die Aktion nachts auf der Heimfahrt, kurz nachdem ich den letzten Eintrag fertig geschrieben hatte. Da kamen nämlich besagte drei Damen an und suchten wohl einen Schlafplatz (weiß der Geier warum sie keine Kabine hatten). Zuerst haben sie versucht die Bänke auseinander zu nehmen (ein Griff in der Mitte verhindert das hinlegen). Da dies nicht funktionierte, ergriff die Älteste die Initiative und legte sich in eine Ecke hinter einen Blumentopf. Es war wahrscheinlich witziger als es meine Erzählung vielleicht erscheinen lässt aber ich kann ja auch nichts dafür, dass ihr nicht dabei ward oder? Rondrer hatte sich zu diesem Zeitpunkt auch schon in die Kajüte zurückgezogen.

Soviel also zum Schiff. Wer sich genauer über diese Reise informieren möchte, kann dies bei der Viking Line tun. Kostenlos war es für uns weil Daiah Mitglied im Viking Club (wohl auch kostenlos) ist und es für die immer ein paar solcher Angebote gibt, wenn frühzeitig gebucht wird.

17:30 zeigt nun die Uhr und in gut einer Stunde beginnt das Boarding für unseren Heimatflug.

*wosh*

Das war ein Zeitsprung, denn jetzt sitze ich bereits im Flieger und die Uhr zeig 18:45. Echt praktisch, wenn man überhaupt keinen Druck hat unbedingt jetzt fertig zu werden :).

Die ersten Tage waren wir in Uppsala. Das ist ungefähr wie Würzburg: Viele Studenten, ein paar Sehenswürdigkeiten und ein Fluss. Allerdings findet man hier am Ufer des Flusses einige Haus- und ein mietbares Saunaboot.
Am Interessantesten ist wohl die Geschichte des Ortes. So hieß das heutige Uppsala früher ganz anders.
Einige Kilometer entfernt liegt Gamla Uppsala (Alt Uppsala). Soweit ich mich noch erinnern kann (ich bin ein Kind einer Mediengesellschaft. Ich weiß doch noch nicht einmal mehr was ich zum Frühstück hatte.), war dies einmal eine florierende Wikingersiedlung inkl. König und Bischof. Eines Tages brach dann ein Feuer aus und es blieb nicht mehr viel von der Stadt übrig. Da blickten die Bewohner neidisch auf das Kaff am Fluss und sagten sich: „Ziehen wir doch einfach in dieses Dorf da am Horizont um!“. Ganz so einfach war es allerdings nicht, denn die Kirche hatte, wie so oft, da noch ein Wörtchen mitzureden. Diese verlangte, dass der Name „Uppsala“ beibehalten werden musste bevor der Umzug des Bischofstandorts genehmigt werden würde. Die wollten wohl Papier sparen und hatten keine Lust überall den neuen Namen drauf zu schreiben. So wurde aus dem Dorf am Fluss das heutige Uppsala.

In Gamla Uppsala gibt es noch, neben einer Kirche, einige Grabhügel zu bewundern. Über diese scheint aber nicht wirklich viel bekannt zu sein und bis heute wurde auch erst ein einziger Hügel angebohrt um mal nachzuschauen, was da eigentlich drin ist.

Feuer war übrigens generell ein großes Problem in Schweden. Sowohl im Schloss von Uppsala als auch im Schloss von Stockholm hängt eine etwas längere Liste auf der die unzähligen Brände bis ins 17 Jhr. aufgelistet sind, die beide Schlösser heimsuchten. Die Feuerwehr war wohl meist mehr damit beschäftigt die angrenzenden Städte zu löschen statt sich um diese Prunkbauten zu kümmern. Geholfen hat es aber trotzdem nicht viel, denn sowohl Stockholm als auch Uppsala sind öfters mal in größeren Teilen neu aufgebaut worden.

Erwähnenswert ist in Uppsala noch der Minigolfplatz. Dieser bietet drei verschiedene Kurse: einen Anfänger- (kann man am besten mit „typisch deutscher Minigolfkurs“ umschreiben), einen mittelschweren und einen IMBA-R0XX0R-Profiparcours. Auf letzterem haben selbstverständlich wir gespielt. Da ich verdient den letzten Platz erreicht habe, breche ich hier die Berichterstattung über Uppsala am besten einfach ab :).

Damit ich so viel wie möglich aus dem Bagdadsoftware Auslandseinsatz heraushole, gibt es den Rest des Berichts im nächsten Eintrag. Ihr wollt ja auch nicht von zu viel Input gleichzeitig überfordert werden.

Disclaimer: Für diesen Eintrag wurde kein Blick auf Wikipedia geworfen!
Demnächst nur bei Bagdadsoftware: Der dritte und letzte Eintrag über die Reise.

Sicarius

Einsamkeit

Wie bereits mehrfach angekündigt, gibt es heute eine kleine Überraschung. Aufmerksame Besucher konnten sie zwar schon seit Samstag hier finden aber ich kenne ja meine Pappenheimer. Auf die Unterseiten schaut ihr doch nur, wenn ihr auf der Startseite eine Aufforderung lest, es mal zu tun. Ihr könnt es ruhig zugeben!

Aber gut wieder zurück zur Überraschung. Es handelt sich um eine neue Kurzgeschichte (wieder eine die gleich mit einem Ende kommt), die ich, entgegen meiner früheren Behauptungen, in Uppsala verfasst habe. Die Idee dazu kam mir als Rondrer am Bahnhof in Stockholm den neuen Spiegel (oder isses mittlerweile schon wieder der Alte?) gelesen hat. Dort war (mal wieder) ein Bericht zum Thema „Medien + Kinder = Schlecht?!?“.

Soviel also zum Hintergrund. Jetzt aber hopp hopp und lesen! Lektor war wieder einmal JakillSlavik.

Einsamkeit

In Gedanken versunken sitzt eine Gestalt auf dem Bett, während durch das geöffnete Fenster der allgegenwärtige Wind die Geräusche der Umgebung mit sich ins Zimmer trägt. Umgeben von Menschen und doch völlig einsam, ist die einzige Gesellschaft des armen Menschen nur sein Innerstes, in das er sich mittlerweile völlig zurückgezogen hat.

Sicarius

Sverige

(Verfasst am 16.05.07 um 23:00 Uhr [deutscher Zeit] irgendwo zwischen Finnland und Schweden)

00:00 (finnische Zeit) und am Horizont ist es immer noch hell. In wenigen Stunden müssen wir wieder nach schwedischer Zeit rechnen. Diese entspricht übrigens praktischerweise der deutschen Zeit.

Ich sitze hier am Fenster von Deck 7 während die Anderen noch in der schiffseigenen „Disco“ sitzen bzw. so tun als würden sie mittanzen. Ich bin ja schon generell kein Fan dieser Einrichtungen aber ich würde doch eher dahin gehen wo Azzkickr aka TP aka DJN auflegt als mir weiter diesen Chartsmüll anzuhören, der hier läuft und den Kiddies beim Möchtegernbalztanz zuzuschauen. Aber ich bin ja eh nicht normal :).

Ansonsten ist so eine Schifffahrt (ja, mit 3 f) schon ein Erlebnis. Vor allem hatte keiner damit gerechnet, dass wir auf einem Kreuzer Marke „Traumschiff“ Richtung Helsinki (Finnland – nur falls es einer nicht weiß :) ) aufbrechen würden. Mal eine Überraschung der angenehmen Art.

In ungefähr 10 Stunden kommen wir dann wieder in Stockholm (Schweden – logischerweise) an und die letzten zwei „Urlaubs“-tage beginnen. Meine Füße werden auf jeden Fall dankbar sein, wenn ich wieder Zuhause bin. So viel gelaufen bin ich schon lange nicht mehr.

Übrigens war dies das allererste Mal in meinem Leben das ich in ein Flugzeug eingestiegen bin und auch die Premiere einer Fahrt über irgendein Meer. Probleme hatte ich weder vorher, während noch nach diesen Ausflügen. Das Abheben und Landen ist sogar richtig cool. Wenn ich wieder daheim bin, muss ich mal schauen wie viele G da auf einen einwirken (Anm. beim Abtippen: Konnte leider keine Angaben finden…).

Um noch kurz beim Flugzeug zu bleiben: etix mit Online-Check-in ist nur genial. Um 18 Uhr am Vortag schon über das Internet einchecken, am Flughafen an einem separaten Schalter (ohne Schlange) das Gepäck aufgeben und beim Boarding erhält man auch den Vorzug. Super Sache! Aber nun noch einmal zurück zum Schiff um einen perfekten Übergang zum Rest zu machen.

Da die Fahrt für uns kostenlos war, haben wir natürlich auch entsprechende Kabinen auf Deck 2. Über uns liegt das Autodeck und unter uns ist das Maschinendeck. Ich glaube, es dürfte klar sein auf was ich hinaus will: Wenn wir ein Bullauge hätten, würden wir wohl nur Wasser sehen. Daiah brachte den passenden Vergleich mit den Iren auf der Titanic. Aber einem geschenkten Gaul schaut man ja bekanntlich nicht ins Maul. Ein Bett ist schließlich mehr als der Teppich mit dem ich mich in Daiahs Zimmer zufrieden geben muss :P.

In der Ecke ist hier ein Fernseher auf dem momentan „American Idol“ läuft. Auch wenn prinzipiell das Programm genauso beschissen ist wie bei uns, gibt es doch was Gutes am nordischen Fernsehen: Alle importierten Sendungen laufen im O-Ton – nur ergänzt mit Untertiteln in der jeweiligen Sprache. Der Grund dafür ist natürlich, dass sich eine Synchronisation für die Länder hier oben nicht lohnt. Ich persönlich finde allerdings, dass sich ruhig alle ein Beispiel daran nehmen sollten. Den Fernseher wieder öfters anschalten würde ich aber glaube ich auch dann nicht.

Letzten Samstag habe ich, soweit ich mich daran noch erinnern kann, zum ersten Mal den Eurovision Song Contest in voller Länge „genossen“. Das Ganze scheint hier in Schweden ein größeres Ding zu sein. Zusammengefasst kann man aber sagen, dass ich in den Jahren zuvor absolut überhaupt nichts verpasst habe und Serbien völlig unverdient gewonnen hat. Nächstes Jahr lasse ich ihn wieder aus – ist sowieso alles eine große Cheaterei und Deutschland kommt immer nur ins Finale weil wir einen Haufen Kohle fließen lassen.

Mittlerweile ist es 00:30 (finnischer Zeit) und die Nacht ist auch vor dem großen Fenster endlich vollständig eingebrochen. Soweit das Auge reicht nur Schwarz. Wenn man am Schiff hinunterschaut, ist das chaotische aber dennoch regelmäßige Spiel der Wellen jedoch noch zu beobachten.

Da hier gerade einige Leute vorbeigelaufen sind, fällt mir auch noch ein nettes Detail ein: die Masse an asiatischen Touristen. Man muss sie aber eigentlich doch ganz gern haben irgendwie. Wie sollte man sonst die unzähligen lustigen Urlaubsanekdoten erzählen? Als Beispiel führe ich mal die zwei Asiaten an, die vorhin 100% planlos vor den zwei Spielautomaten standen die hier direkt neben mir stehen. Ich kenne glaube ich sonst keine andere, nüchterne Bevölkerungsgruppe die einfach irgendwo Geld reinwirft und nicht einmal weiß, welchen Knopf man drücken muss. Das an solchen Automaten immer die möglichen Tasten leuchten oder sogar blinken, die im jetzigen Moment benutzbar wären, ist wohl ein zu kompliziertes Konzept. Auch wenn ich unsere ausländischen Besucher nicht noch weiter verspotten möchte, soll an dieser Stelle doch noch Rondrer erwähnt werden. Er findet es zwar bestimmt nicht gut, wenn ich es hier erzähle aber als er vor Langeweile auf die Idee kam mal Geld in eine dieser Maschinen zu stecken, wusste er zumindest was zu tun war. Normal wäre dies natürlich nichts besonderes, da er sich aber daran gar nicht mehr erinnern kann, dürfte klar sein in welchem Zustand er sich befand (Tipp: Diesen Absatz einfach noch einmal lesen – spätestens dann dürfte es jeder verstanden haben) :).

Gerade kommen die Mädels aus der „Disco“, weshalb ich den Eintrag nun hier beende. Mehr dann im Nächsten!

Zum Abschluss allerdings noch ganz liebe Grüße an das sehr nette und gutaussehende (ich lass das jetzt einfach mal so stehen) Madel S. aus B. (das wollte ich schon immer mal schreiben), die uns auf der Schiffsreise als Daiahs Freundin begleitet hat und in Zukunft hoffentlich ein gesprächiger Bagdadsoftware.de-Stammbesucher sein wird. Es sei denn, sie hat mir immer noch nicht die vielen 7er und 8er verziehen, die ich ihr beim MauMau-spielen zugeschustert habe. Zu meiner Verteidigung muss ich aber auch noch erwähnen, dass sie sich auf der Fähre in Helsinki auf einen anderen Platz gesetzt hat, als ich mich neben ihr niedergelassen hatte – mit der fadenscheinigen Ausrede, dass ihr immer schlecht werden würde, wenn sie nicht in Fahrtrichtung sitzt. Von daher war die Rache beim MauMau-spielen sehr wohl berechtigt!

Nachtrag: Am Dienstag gibt es die Überraschung und wenn die Welt nicht vorher die Richtung ändert, dann am Donnerstag den zweiten Eintrag über Schweden.

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