Sicarius

80% Subjektivität

So, genug über Schweden, Finnland und andere irrelevante (reale) Orte! Das ist hier kein Urlaubsblog! Hier stapeln sich schon die wichtigen Themen bis zur Decke! Die werden jetzt erst einmal abgearbeitet, sonst vergess ich doch wieder alles! Also erwartet keine leichte Kost in nächster Zeit sondern harte, gamingrelevante Themen! Nun aber genug der Ausrufezeichen und auf ins Getümmel. Den Anfang will ich heute mit dem bereits angekündigten subjektiven Geschwafel über aktuelle Games starten. Also was lag oder liegt so auf meiner Festplatte rum (außer dem üblichen Pornokram)?

Ganz frisch hat es sich Jets’n’Guns Gold auf meiner Festplatte gemütlich gemacht. Ein Oldschool-Sidescroller, der übrigens von einem Publisher vertrieben wird, der hier ganz in der Nähe ansässig ist. Da wahrscheinlich einige unter uns sind, die gar nicht mehr wissen, für was 2D eigentlich steht, ganz kurz die Erklärung: Man steuert etwas (meist einen Flieger) der sich auf dem Bildschirm frei bewegen kann, während der Screen automatisch weiterscrollt. Währenddessen kommen massig Gegner von überall her, die man abschießen muss. Jets’n’Guns Gold ist seit langem mal wieder ein Vertreter dieser selten gewordenen „NoBrainer“-Games, das wirklich die Bude rockt. Nicht nur durch die geniale Musik (von Machinae Supremacy) sondern auch durch den Rest des Spiels. Es ist zwar stellenweise tierisch schwer aber doch holt man es immer wieder gerne für einen oder zwei Level hervor. Dann ergießt sich ein Effektgewitter über den Bildschirm, das von keinem modernen Spiel je erreicht werden kann. Dabei hat man vorher die unzählige Möglichkeit seinen Flieger mit Waffen, Extras und allem möglichen Zeugs auszustatten. Auch die Story ist ganz gut gemacht und wird durch Comicbilder vor und nach den Missionen erzählt. Natürlich darf man kein Dreamfall erwarten aber sie bietet mehr als so manch anderer Shooter. Am genialsten finde ich persönlich allerdings die ganzen mehr oder weniger versteckten Gags und Seitenhiebe. Was lag ich unter dem Stuhl als mich in einem Level plötzlich ein Borgkubus, allerdings mit Bierhenkel, mit den Worten „We are Beer. You’ll be intoxicated. Resistance is futile!“ begrüßt hat. Da es auch nur 21,90 Euro kostet, ist es das perfekte Spiel um zwischendurch mal einen Body Count von 1000 oder mehr aufzustellen :). Eine Demo existiert allerdings auch für die Vorsichtigen unter euch.

Am gleichen Tag kam auch UFO:Extraterrestrials (Mein Moby-Eintrag wurde noch nicht approved) angeflattert. Als alter Fan der X-Com-Reihe und auch Liebhaber der UFO:Afterirgendwas-Serie, hab ich darauf schon ein wenig sehnsüchtig gewartet. Und ich wurde bislang nicht enttäuscht. Wenn man nur einen Satz über dieses Spiel sagen dürfte, wäre es dieser: 1:1 Klon von UFO: Enemy Unknown. Allein in der ersten Spielstunde gab es soviele „Aha“-Momente, sowas erlebt man selten. Allein die Menüsounds sind 1:1 die vom Original. Das meine ich aber jetzt nicht abwertend – im Gegenteil. Das Spiel ist gerade deshalb wirklich großartig. Man fühlt sich sofort heimisch als alter X-Comler. Nur der Schwierigkeitsgrad entspricht eher dem von X-Com: Terror from the Deep d.h. es ist schon zu Beginn an nicht wirklich einfach. Grafisch kann es zwar nicht mehr mit heutigen Standards mithalten aber das muss es für die angepeilte Zielgruppe gar nicht. Diese besteht nämlich hauptsächlich aus Leuten, die entweder UFO:Afterirgendwas nicht mochten oder nur eine leicht aufgebohrte Version des Originals wollen. Diese werden damit voll bedient und X-Com-Fans können bedenkenlos zuschlagen. Alle anderen haben nun im Laden die Wahl zwischen pausierbaren Echtzeitkämpfen, die dafür relativ zeitgemäß aussieht (und sich auch moderner spielen) oder Rundenstrategie, die nicht ganz der Höhe der Zeit entspricht aber dafür echtes X-Com-Feeling versprüht.

Vor nicht allzu langer Zeit kam auch Episode 6 der Sam & Max Season One mit dem Namen Bright Side of the Moon heraus, womit nun die erste Staffel beendet und bereit für ein Fazit ist. Meine Meinung zu Episode 1 ist ja hinlänglich bekannt.

Der Tiefpunkt war dann direkt mit Episode 2: Situation Comedy erreicht. Diese hat nicht nur eine noch kürzere Spielzeit sondern auch nicht wirklich die tollsten Gags und schon gar keine guten Rätsel. Die Charaktere haben mir auch nicht wirklich zugesagt.

Mit Episode 3: The Mole, the Mob, and the Meatball wurde allerdings wieder Episode 1-Niveau erreicht. Viele Gags zünden wieder, die Ideen und Rätsel sind cool und die Spielzeit ist kurz aber nicht zu kurz. Und das Werbelied des Casinos ist sowas von bescheuert – einfach nur genial. Den offiziellen Soundtrack kann man sich übrigens hier herunterladen. Leider ist das Casino-Lied dort nur ohne Text erhältlich. Da ist dann natürlich der Witz weg.

Episode 4: Abe Lincoln Must Die! ist relativ einstimmig die beste aller sechs Episoden. Dies liegt wohl viel an der skurrilen Story und an den tonnenweise servierten Witzen über den amerikanischen Präsidenten und Amerika generell. So habe ich Sam & Max aus Hit the Road in Erinnerung. Das Rätselniveau liegt auch wieder ein klein wenig höher. Sie sind zwar immer noch für erfahrene Adventurer zu leicht aber ganz so blind wie durch Episode 1 & 2 kann man hier nicht mehr durchgehen.

Abgeschossen wurde der Vogel dann endgültig mit Episode 5: Reality 2.0. Zwar ist viel Lauferei angesagt und auch die Rätsel haben nicht mehr ganz das Niveau von Episode 4 aber die Episode ist ein Mekka für Nerds. Dies ist natürlich ein Nachteil für Leute, die nicht so bewandert sind in der Computer- und Spielegeschichte aber alle anderen werden vor Lachen nur noch auf dem Boden liegen. Es gibt soviele herrliche Hommagen, dass man mit einem Mal durchspielen gar nicht alles entdecken kann. Meine persönlichen Highlights sind die künstliche Kontrollintelligenz, die frappierend an Shodan erinnert und der Arcade-Spieleautomat, der absolut idiotische Sprüche von sich lässt. Vom Ende war ich allerdings etwas enttäuscht. Vorab war nämlich schon bekannt geworden, dass das Ende ein Textadventure sein wird aber leider wurde diese Idee nicht 100% konsequent umgesetzt meiner Meinung nach. Da wurden Zugeständnisse an die heutige Generation gemacht.

Episode 6: Bright Side of the Moon ist dann wieder durchschnittliche Kost auf Episode 3-Niveau mit einem eher unbefriedigenden Abschluss.

Alles in allem, habe ich den Kauf von Season One nicht bereut und werde auch bei Season Two gleich zuschlagen. Es gibt allerdings einige Sachen, die mir nicht ganz so gefallen haben und die es dank des Episoden-Systems gibt. Es ist einfach irgendwann die Luft aus den Running Gags raus. Es fängt an mit Sams Standardsatz „You crack me up little Buddy“ und hört nicht erst auf mit dem immer gleichen System mit dem Bosco und Sybill behandelt werden. Jede Episode hat Bosco eine neue Verkleidung und eine neue Erfindung zu einem völlig idiotischen Preis und Sybill einen neuen Job. Spätestens in Episode 3 ist das einfach nur noch ausgelutscht meiner Meinung nach. Ich hoffe, dass es in Season Two dann etwas Frisches gibt und dort auch öfters etwas geändert wird.

Die ganze Season kommt übrigens im Sommer inkl. deutscher Übersetzung auch auf einer DVD raus. Allerdings von Jowood. Ich mag nicht erst seit der Aktion mit Pluto 13 etwas voreingenommen gegenüber diesem Verein sein aber trotzdem glaube ich, dass das nicht viel werden kann. Sam & Max lebt sehr viel von den unzähligen Wortwitzen (auch die deutsche Fassung von Hit the Road ist trotz der sehr guten Qualität im Gegensatz zum englischen Original immer noch ein großer Unterschied). Ich glaube nicht, dass diese Adäquat ins Deutsche übertragen werden können. Ich hole mir meine DVD-Box deshalb (und weil ich als Season One-Käufer schon dafür bezahlt habe) direkt von Telltale Games. Vielleicht verliere ich dann, wenn es in Deutschland soweit ist, noch einmal ein kurzes Wort darüber.

Dies ist nun das Ende von Episode 1 der neuen Bagdadsoftware-Serie „Kurze, rein subjektive Spieleberichterstattung“ (Working Title), auch wenn der Schwerpunkt eher auf Sam & Max lag als auf den anderen beiden Spielen. Aber Sam & Max ist ja auch streng genommen nicht nur ein Spiel sondern gleich sechs Stück.

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9 Kommentare

Lad dir halt mal die Demo runter (dafür hab ichse verlinkt). Ich weiß zwar nicht welche Level da spielbar sind aber vielleicht gewinnste ja doch en Eindruck vom Schwierigkeitsgrad. Wobei eh der nächste Patch vor der Tür steht, der den Schwierigkeitsgrad noch einmal anheben soll in den späteren Leveln. Der Witz ist, dass ich auf Easy spiele weil ich auf normal nicht einmal das zweite Level geschafft habe.

Schreib halt auch mal so ne Story über Sam und Max mit den wortwörtlichen originalzitaten. bei diesem entsprechenden TExt zu Hit the Road“ war das genial.

Irgendwie seid ihr in letzter Zeit ganz schön zurückhaltend mit Kommentaren. Sind meine Texte wirklich so ausführlich, dass alles bereits gesagt wurde? :)

es fällt mir schwer etwas über Spiele zu sagen die ich nicht kenn.. im Falle von jng ändert sich das aber ja jetzt ;)

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