Sicarius

Offtopic

Vorsicht: Der heutige Eintrag hat nicht einmal im Ansatz irgendetwas mit Spielen zu tun!

Das ich JakillSlavik interviewt habe, hatte ich ja bereits erwähnt. Gestern bekam ich dann auch schon die Korrektur zurück und nachdem diese sehr positiv ausgefallen ist, wobei ich natürlich nichts anderes erwartet hatte, dürft ihr euch nun auch an diesem Meisterwerk ergötzen. Jakill hat sowohl der Veröffentlichung des Bildes als auch des Interviews zugestimmt. Ich habe natürlich die Namen abgeändert und mein ursprüngliches Layout entsprach mehr dem einer Zeitung aber das sind für euch ja unwichtige Details.

Die Sprache der Malerei
Was ein Bild über seine Entstehung und seinen Erschaffer aussagt.
Jedes Bild erzählt eine Geschichte. Jeder Pinselstrich, jeder Farbklecks hat seine Bedeutung, und wer diese deuten kann, gewinnt nicht nur tiefe Einblicke in die Gedankenwelt des Künstlers, sondern erhält auch eine Vorstellung von seiner Umgebung.

JakillSlavikJakillSlavik, Abiturient an irgendeinem Gymnasium in Hintertupfingen, belegt den Leistungskurs Kunst und lernt darin, ein Bild in seine Bestandteile zu zerlegen und ihm seine Geheimnisse zu entlocken. Im Interview mit unserem Korrespondenten verrät er anhand von Vincent Van Goghs „Sternennacht“ von 1889 wie so etwas aussieht.
Sicarius: Wie lernt man ein Werk zu analysieren?
JakillSlavik: Um ein Bild zu verstehen, muss natürlich erst einmal bekannt sein, wie ein Bild entsteht. Ein Graphitstift wird ganz anders verwendet als ein Pinsel. Hinzu kommt, dass jeder Mensch einzigartig ist und dadurch seinen eigenen Stil entwickelt. Aber auch sein sozialgeschichtlicher Hintergrund formt den Menschen und schlägt sich in seinen Werken wieder.
Sicarius: Und wie geht es weiter, wenn die Grundlagen bekannt sind?
JakillSlavik: Dann betrachtet man das Bild und stellt sich Fragen, wie „Welche Materialien wurden verwendet?“ oder „Wie wird mit der Farbe umgegangen?“.
Van Goghs SternennachtSicarius: Nehmen wir als Beispiel ein Werk des niederländischen Künstlers Vincent Van Gogh. Was zeigt die 1889 gemalte „Sternennacht“?
JakillSlavik: Wie wir erkennen, haben wir ein kleines Dorf bei Nacht im Hintergrund, im Vordergrund ein undeutliches Gebilde. Es könnte ein kaltes Feuer oder ein Strauch sein, aber so genau ist man sich nicht sicher. Im Mittelgrund stehen hingegen die hellen Sterne, der Mond und das blaue Meer, das den Himmel darstellt.
Sicarius: Und was sagt Ihnen das Bild?
JakillSlavik: Zu Van Goghs Zeiten sahen die Menschen in einem tiefen und dunklen Blau eher eine kalte Farbe und fühlten sich eher unwohl bei deren Anblick. Van Gogh macht sich dies hier zu Nutze und lässt die Farbe warm und gemütlich wirken. Das Bild zieht damit seine gesamte Spannung aus dem inneren Widerspruch, der sich im Betrachter auftut, wenn er diese Farben sieht und trotzdem etwas anders spürt, als es normalerweise der Fall wäre.
Sicarius: Welches Ziel hat Van Gogh damit verfolgt?
JakillSlavik: Sein Ziel war sich selbst auszuleben. Zu seiner Zeit gab es in der Gesellschaft einen festgelegten Kunstbegriff, aber Van Gogh wollte dem Betrachter zeigen, dass man Kunst verstehen muss und nicht in festen Regeln definieren kann. Sonst wird man der Kunst nicht gerecht. Er wollte sein eigenes Gefühl der Zerrüttung ausdrücken, weshalb man ihn auch als einen der Wegbereiter des Expressionismus (Ausdruckskunst) ansieht.
Sicarius: Wie kommen Sie zu diesem Ergebnis? Gibt es Regeln, denen die Analyse folgt?
JakillSlavik: Feste Regeln nicht, aber – um bei der Farbe zu bleiben – je weiter zwei Farben voneinander auf dem Farbkreis entfernt sind, desto kontrastreicher wirken sie. Das ist einfach so.
Sicarius: Ist aber dann nicht die Deutung abhängig vom individuellen Betrachter?
JakillSlavik: Natürlich, aber es gibt unterbewusste Dinge, die sich der Maler zu Eigen macht, um den Betrachter zu führen. Im vorliegenden Beispiel leiten zum einen die Farben und zum anderen die kleinen Linien im Himmel den Blick auf das Zentrum. Die Malerei verwendet Farbe also so, dass die Farbe ein neues „Sein“ bekommt.
Sicarius: Was sagt denn das Werk noch aus?
JakillSlavik: Man merkt, dass Van Gogh noch am Anfang der Ausdruckskunst stand. Besonders deutlich wird dies an den Häusern, die zwar nicht besonders detailliert aber noch zu erkennen sind. Spätere Expressionisten ordnen hingegen alles der Farbe unter und lassen solche Details, die vor der Ausdruckskunst am wichtigsten waren, völlig außer Acht.
Sicarius: Wer hat, Ihrer Meinung nach, am Ende mehr vom Bild? Der unbedarfte Betrachter oder der Analyst?
JakillSlavik: Vermutlich der unbedarfte Betrachter, da er die Intentionen des Künstlers noch fühlen kann und sich vom Bild leiten lässt. Der Analytiker muss hingegen die Arbeit des Künstlers in Gedanken erst nachvollziehen, um einen einigermaßen unbefangenen Ausdruck empfinden zu können.
Sicarius: Wünschen Sie sich manchmal, wieder so ein unbedarfter Betrachter zu sein?
JakillSlavik: Ja, sehr oft sogar. Als Analyst sieht man die geometrischen Formen, erkennt, wo Hell und Dunkel eingesetzt wurde. Dann beginnt man Schlussfolgerungen zu ziehen, in welcher Epoche das Werk z.B. entstanden sein könnte und warum vielleicht doch nicht. Man zerlegt das Bild regelrecht in seine Einzelteile. Unkenntnis ist also manchmal ein Segen. Auf der anderen Seite ist es aber auch schön zu sehen, wie regelkonform jene Künstler und wie anarchistisch andere Künstler arbeiten.
Sicarius: Ich danke ihnen für das Gespräch.

Feedback – insbesondere zu Jakills Bild – sind natürlich willkommen. Hier mal ein paar Auszüge aus dem Schrieb meiner Studienleiterin (ja, um anzugeben!):

Mit der „Bildanalyse“ haben Sie ein Thema gewählt, mit dem Sie auf den ersten Blick nur an Kunst interessierte Intellektuelle ansprechen. Beim Lesen des Interviews stellt man jedoch schnell fest, dass Sie das Thema einem viel größeren Leserkreis zugänglich machen wollten. Und das ist Ihnen vor allem deshalb so gut gelungen, weil Sie in der Rohfassung den Rotstift genau an den Stellen eingesetzt haben, die zu theoretisierend sind. […] Sprachlich haben Sie in der Endversion des Interviews das gesprochene Wort sehr gut in die Schriftform transponiert, und zwar ohne den Sinn der Aussagen von JakillSlavik zu verändern, zu verwässern oder gar auf den Kopf zu stellen. Dabei haben Sie das gesprochene Wort so vorsichtig geglättet, dass der Leser denkt, Sie und Ihren Gesprächspartner im O-Ton sprechen zu hören. Das ist oft eine schwierige Angelegenheit, denn nur wenige Menschen sprechen tatsächlich druckreif – und das hat auch JakillSlavik nicht getan. Kompliment also.

Aber gut, dass soll genug des Eigenlobs gewesen sein. Davon kommt in den nächsten Monaten sicher noch mehr als genug ;). Bis Montag!

P.S: Von hier aus übrigens auch herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag an Maverick! Mögest du auch in 40 Jahren noch so gut Quake spielen :)!

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12 Kommentare

also erstam alles gute auch von mir, mav!

aber jetzt ma wad zum thema:

ich hatte mich so auf was mit titten gefreut :( „traurigbin“ … naja, immerhin gibts alternativ ein Bild, dass auch so seinen „Reiz“ hat.. zwar sicherlich keinen erotischen (eher das genaue Gegenteil :) ).. aber immerhin.
Jackie, du siehst son bisschen aus wie dieser Mensch, der tote Menschen plastiniert :)

Ansonsten schließ ich mich Ron an: zumindest Kunst ist auch ma garnix für mich :)

PS gibts das nächste mal was mit Titten ? ;)

Ach das wär doch einfach: „Der fies herunterhängegende Specklappen in der oberen Bildhälfte zeugt ganz klar von zu wenig Bewegung und viel zu viel KitKat Chunky White.“

Dieses Bild weist eine subtile künstlerische Virtuosität in der Handhabung von blassen Hautfarben auf, welche dem Betrachter die omnipräsenten Impressionen von Kellerbräune unwiderbringlich oktroyieren.

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