Sicarius

Spielerisch

Nach dem letzten Eintrag, der für mich durchaus eine Erholung aber für euch vermutlich nur eine Qual war, gibt es heute mal wieder etwas Handfestes und halbwegs Intelligentes als Entschädigung. Und was ist da besser geeignet als der offizielle Beginn des Spielejahres 2009 mit der ersten OkaySoft-Lieferung und den dazu passenden „Angespielt“-Berichten?

Der erste Titel auf der Liste wäre Saints Row 2 gewesen. Der fiese GTA-Klon, der nach gut zwei Monaten Verspätung jetzt auch endlich für den PC erhältlich ist, wollte jedoch nicht so wie ich. Und zwar hatte ich mir, da die deutsche Version wieder heftigst geschnitten ist, die US Version bestellt. Diese ist auch etwas früher als die europäischen Fassungen erschienen, da das Spiel jedoch auf Steam aufsetzt, verweigert er bislang die Installation und behauptet frech, dass das Spiel in meinem Land nicht verfügbar ist. Da sich THQ dafür nicht zuständig fühlt („Wir betreuen nur die deutsche Version“) und der Steamsupport generell bei Titeln von Drittanbietern weniger als nutzlos ist, war ich schon soweit es bei OkaySoft wieder umzutauschen aber von dort kam die Mail zurück, dass es nach ihren Informationen ab dem Deutschlandrelease am 23.01.09 funktionieren soll. Hoffen wir, dass das auch wirklich stimmt. Das Meckern über dieses System überlass ich jedoch Rondrer „id Superpack“ Rondrov. Der hat damit mehr Erfahrung. Wir gehen stattdessen lieber über in die „Angespielt“-Berichte:

Das Schwarze Auge: NordlandtrilogieDas Schwarze Auge: Nordlandtrilogie – 2002 gab es von dtp Entertainment AG die letzte Neuveröffentlichung der drei Rollenspiele Das Schwarze Auge: Die Schicksalsklinge, Das Schwarze Auge: Sternenschweif und Das Schwarze Auge: Schatten über Riva im Laden zu erwerben. Seitdem war man stark auf eBay und den Emulator DOSBox angewiesen um diese Perlen aus DOS-Zeiten noch genießen zu können. Nun hat Jowood, dank ihrem Draht zu Spellbound Entertainment (derzeitige Rechteinhaber) die Reihe auf DVD gepresst und für 15€ erneut veröffentlicht.

Über die drei Spiele brauche ich dabei nicht viele Worte zu verlieren. Wer von sich behauptet Rollenspiele zu mögen oder gar DSA-Fan ist aber diese deutschen Meilensteine nicht kennt, der ist entweder zu jung oder kein echter Rollenspielfan und hat definitiv etwas nachzuholen. Allerdings gibt es dennoch ein paar Sachen zu dieser DVD-Box zu sagen, denn selbst bei einer simplen Neuveröffentlichung steht das „Jowood“-Logo auf der Packung nicht gerade für Qualität.

Nicht ganz perfekt…
Das erste Problem ist die Windows-Kompatibilität. Um diese zu gewährleisten läuft im Hintergrund die aktuellste Version (0.72) von DOSBox und damit starten auch alle Spiele sogar unter Windows Vista ohne Probleme. DOSBox ist jedoch besonders bei Das Schwarze Auge: Schatten über Riva weit davon entfernt optimal konfiguriert zu sein. Dem Spiel wurde viel zu wenig RAM zugewiesen (sogar weniger als damals als Mindestanforderung auf der Verpackung stand) und auch die CPU Cycles müssen unbedingt per Hand nachgeregelt werden, sonst erwartet einen nur ein stark verruckeltes Spielerlebnis. Ist diese Hürde jedoch überwunden, dann gibt es für Neulinge der Trilogie tatsächlich erst einmal nichts zu meckern. Kenner werden sich jedoch sofort an den folgenden Punkten aufhängen:

1. In Das Schwarze Auge: Die Schicksalsklinge gibt es keine Möglichkeit den fortgeschrittenen Modus zu aktivieren. Dadurch ist es unmöglich selbst Attributs- und Talentpunkte zu verteilen und einer der wichtigsten Aspekte des Spielsystems geht dadurch verloren. Jowood hat zwar bereits einen Fix angekündigt, aber ob er kommt steht dann doch in den Sternen. Bis dahin hilft der folgende Tipp: Die Datei SCHICKM.EXE in einem Hex-Editor öffnen, am Offset 0xcf20 aus der 0x01 eine 0x02 machen und die Datei wieder speichern. Danach lässt sich zu Beginn zwar immer noch nicht zwischen einfachem und fortgeschrittenem Modus wählen, aber das Spiel läuft zumindest standardmäßig im fortgeschrittenen Modus.
2. Bei Das Schwarze Auge: Die Schicksalsklinge fehlt die Hintergrundmusik komplett. Nur PC-Speaker steht zur Verfügung.
3. Bei Das Schwarze Auge: Sternenschweif fehlt die zweite CD und dadurch die Hintergrundmusik in manchen Orten. Dadurch ergibt sich auch noch ein unschöner Fehler, denn das Spiel sucht dennoch weiterhin die zweite CD sobald diese Bereiche betreten werden. Hier hilft nur die Musik vorher abzuschalten und nach Verlassen wieder zu aktivieren.
4. Bei Das Schwarze Auge: Sternenschweif und Das Schwarze Auge: Schatten über Riva handelt es sich um die ungepachten Versionen.

Fazit
Abschließend lässt sich also sagen: Guter Ansatz, aber wieder einmal eine nicht zufriedenstellende Umsetzung. Wer bereits alle Teile auf CD besitzt und sich mit DOSBox gut genug auskennt um die Spiele nach Anleitung selbst zum Laufen zu bringen, der sollte die 15€ definitiv in etwas Sinnvolleres investieren. Guten Gewissens kann ich diese Packung niemanden empfehlen, auch weil man damit ein weiteres Mal den Sauhaufen Jowood Productions AG unterstützt. Aber in Angesicht der Tatsache, dass besonders für unerfahrene DOSBox-Nutzer derzeit auch bei eBay keine Alternative in Sicht ist und die immer noch sehr aktive Community bereits entsprechend optimierte Konfigurationsdateien bereitstellt, lohnt sich die Investition am Ende trotz der fünf angesprochenen Negativpunkte doch für alle anderen.

Der Herr der Ringe: Die EroberungDer Herr der Ringe: Die Eroberung (Screenshots) – Man merkt dem Spiel deutlich an, dass dahinter die Macher der erfolgreichen Star Wars: Battlefront-Serie stecken. Die Idee den Spieler aus vier Klassen (Magier, Schurke, Krieger und Bogenschütze) wählen zu lassen und dann mitten in die bekanntesten Schlachten des Herr der Ringe-Universums zu stecken, klingt auf dem Papier auch nach Spaß. Leider hapert es an der Umsetzung.

*kopfschüttel*
Das offensichtlichste ist die Grafik, der es massiv an Lichteffekten (zu Beginn dachte ich, es gäbe überhaupt keine Schatten), detaillierten Texturen und guten Animationen fehlt. Nur vereinzelt gibt es Lichtblicke wie den Kampf gegen den wunderschön dargestellten Balrog in den Minen von Moria. In Sachen Sound und Musik macht das Spiel allerdings nicht falsch, den es greift komplett auf den Filmsoundtrack, die Effekte und Teile der Originalsprecher zurück (zumindest in der englischen Fassung). Sogar die Zwischensequenzen bestehen aus Filmszenen.

Spielerisch fallen besonders die kleinen Karten negativ auf. Wirkten die Schlachtfelder in Star Wars: Battlefront noch riesig, kommt Der Herr der Ringe: Die Eroberung eher dem Prügler Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs gleich. Die Level sind äußerst klein und die Freiheit wird auch im Multiplayer durch allerlei fiktive Barrikaden und sogar unverwundbare Gegner begrenzt. Dafür ist es wieder möglich in die Schuhe eines berühmten Helden wie Gandalf oder Faramir zu schlüpfen um Saurons Schergen eines auf die Mütze zu geben. Im Gegensatz zu den Jedi unterscheiden sich diese jedoch nur dadurch von den normalen Klassen, dass sie mehr Schaden austeilen und einstecken können. Abgesehen davon greift Gandalf auf die gleichen Fähigkeiten wie der normale Magier zurück und kann auch von einem Schurken immer noch mit nur einem „Backstab“ niedergerungen werden. Die Kämpfe sind in diesem Rahmen auch insgesamt nicht gerade die taktische Innovation.

Nicht wirklich…
Zwar hat besonders der Krieger Zugriff auf ein einigermaßen großes Repertoire an Combos und jede Klasse hat Zugriff auf mehrere Spezialattacken, aber im Endeffekt reichen bei den stupiden Gegnern die drei normalen und die drei verstärken Spezialangriffe völlig aus. Und gegen menschliche Spieler ist die ganze Angelegenheit viel zu ungenau um wirklich von einem taktischen Kampf zu sprechen. Da reduziert sich die Konfrontation darauf zu hoffen, dass man den ersten Schlag macht und den Gegner zu Boden wirft und dann die Sache ohne Gegenwehr zu Ende bringt – oder man wird bereits aus drei Kilometer Entfernung von einem Bogenschützen erschossen. Aber das haben Scharfschützen generell so an sich.

Es gibt auch noch die Möglichkeit auf Pferde/Wargs zu reiten und zu kämpfen, aber dafür sind die Karten viel zu klein. Und auch in die Rolle eines Ents/Trolls zu schlüpfen ist keine wirkliche Belohnung, denn ein Tastendruck hinter dem Rücken eines solchen Koloss genügt um ihm auf den Rücken zu steigen und den Gar auszumachen.

Erwähnenswert ist noch die Möglichkeit auch in der Einzelspielerkampagne auf der Seite des Bösen den Hammer zu schwingen und als Balrog durch die Minen von Moria zu stampfen und der Coop-Modus für bis zu vier Spieler. Der Rest des Multiplayers besteht aus einer „Capture the Flag“-Variante, dem bekannten „Conquest“-Modus in dem es gilt Flaggenpunkte einzunehmen und einers äußerst langweiligen „Team-Deathmatch“-Modus. Es gibt jedoch weder ein integriertes Voip-Tool noch generell die Möglichkeit irgendwie eine Koordination ins Spiel zu bringen. Aus Battlefield-bekannte Features wie Squadbildung sind nicht vorhanden.

Fazit
Der Herr der Ringe: Die Eroberung ist leider kein Star Wars: Battlefront III geworden. Die Grundlagen sind vorhanden und solide umgesetzt, das Spiel wirkt jedoch wie nicht zu Ende gedacht und so will der Funke nicht überspringen. Man hat eben alles schon mehrfach wesentlich besser und ausgereifter gesehen. Dank des bekannten Spielprinzips macht es zwar eine Zeitlang Spaß die bekannten Schlachten einmal als kleiner Fußsoldat zu erleben und in die Rolle von bekannten Figuren zu schlüpfen, auf Dauer wird aber vor allem grafisch viel zu wenig geboten um wirklich zu fesseln. Dementsprechend sollten wirklich nur beinharte Der Herr der Ringe-Fans zugreifen. Dem Rest empfehle ich lieber sein Geld in die wesentlich bessere Konkurrenz oder Star Wars: Battlefront II zu investieren.

Der Herr der Ringe: Die Eroberung nutzt eine Onlineaktivierung und kann nur fünf Mal aktiviert werden. Anders als in früheren EA-Titeln, bekommt der Spieler bei der Installation jedoch nichts von der Aktivierung mit. Nach der erfolgreichen Aktivierung wird keine DVD mehr im Laufwerk benötigt.

Mirror’s EdgeMirror’s Edge (Screenshots) – Als das Portal des Jahres 2008 wurde es im Vorfeld angekündigt, am Ende war die Reaktion auf die Konsolenversion eher ernüchternd. Eine Metacriticwertung von 78% (PlayStation 3) bzw. 79% (Xbox 360) spricht da durchaus Bände.

Neon-Orange
Nichtsdestotrotz muss ich sagen, dass mir das Spiel bislang sehr gefällt. Besonders der grafische Stil mit dem Mix aus grellen Farben und sattem Weiß und dem gelungen Spiel mit Licht und Schatten zeigt, was mit der Unreal Engine 3 abseits von graubraunen Shootern alles möglich ist (inklusive 8xQ Kantenglättung). Da das Spiel auch komplett auf eine HUD-Anzeige verzichtet, fühlt es sich an als würde man sich durch ein Bilderbuch bewegen. Auch die Zwischensequenzen im Animestyle sind gut gemacht, helfen aber leider nicht darüber hinwegzutäuschen wie schwach und wenig motivierend die Geschichte um Faith und dem Mord an einem hohen Politiker wirklich ist. Dafür glänzt das Spiel in seiner Hauptdisziplinen: Parkour.

Mit Faith über die Dächer der Stadt zu springen, turnen und klettern macht richtig Laune und wurde von DICE auch gut in die Egoperspektive übertragen. Kennt man den Weg und rennt ihn in entsprechend zügig entlang, wirkt alles äußerst flüssig und aus einem Guss. Dank der „Runner’s Vision“ und generell der Verwendung der Signalfarbe „Rot“, ist es normalerweise auch einfach in diesen Flow zu kommen. Ich hatte bislang nur wenige Stellen an denen ich mir etwas mehr Übersicht gewünscht hätte oder gar das Tempo aus dem Spiel nehmen musste weil ich beim besten Willen nicht mehr wusste wo ich hin muss. Meistens ist dies in typischen Prince of Persia-Situationen, in denen man an Rohren entlang hangelt und außer der Wand nicht mehr viel sieht.

Genauer betrachtet hält sich die Freiheit in den Levels jedoch in Grenzen. Der Weg zum Ziel ist größtenteils linear und lässt sich größtenteils nur durch kleine Details variieren. Statt zu entscheiden ob man links oder rechts herum geht, muss man sich meist darauf beschränken zu entscheiden ob man einfach hochklettert, eine Rampe benutzt oder einen Sack als Sprungbrett benutzt. Das sichert zwar den Flow, erhöht jedoch nicht die Motivation die Story ein zweites Mal durchzuspielen.

Weg damit!
Ein weiterer Schwachpunkt sind die Kämpfe. Zwar kann Faith Kickboxen und die Zeit verlangsamen um Gegner zu entwaffnen, aber insgesamt wirken sie aufgesetzt und dienen nur dazu entweder das Tempo zu drosseln oder den Spieler extrem zu hetzen – und das macht absolut keinen Spaß.

Dementsprechend ist es nett, dass es neben der Einzelspielerkampagne auch einen Time Trial-Modus gibt, in dem es gilt so schnell wie möglich von einem Ende des Levels zum anderen zu gelangen und seine Zeiten immer weiter zu verbessern. Sobald man sich mit dem Tutorial eingearbeitet hat, geht die Steuerung in allen Disziplinen auch mit Maus und Tastatur wunderbar von der Hand. Hier liegt jedoch auch mein größter Kritikpunkt an der ansonsten einwandfreien Portierung: mir werden nur die Xbox-Tastenbelegungen angezeigt. Ohne Blick ins Handbuch konnte ich deshalb nicht einmal das Tutorial abschließen.

Fazit
Mirror’s Edge ist kein Portal, dafür ist vor allem die Hintergrundgeschichte viel zu nebensächlich. Dennoch setzt Mirror’s Edge die französische Sportart „Parkour“ spaßig und spielerisch gelungen um und stellt sie vor allem in den Mittelpunkt des Geschehens. Alles andere ist reines Drumherum und ist dementsprechend nicht wirklich ausgereift und zieht dadurch auch den Spielspaß immer mal wieder kurzzeitig etwas nach unten was die Wertungen im niedrigen 80iger/hohen 70iger-Bereich erklärt. Insgesamt bin ich jedoch trotz dieser Kleinigkeiten bislang wirklich sehr angetan und renne gerne noch einmal durch die Level um auch noch die letzte Millisekunde herauszukitzeln. Deshalb eine klare Empfehlung von mir – besonders für alle, denen bei Assassin’s Creed das Klettern mehr Spaß gemacht hat als der Rest des Spiels. Wer jedoch an „Motion Sickness“ leidet, muss ganz klar einen großen Bogen um dieses Produkt machen. Am Ende verschwindet sonst die Tastatur unter dem eigenen Mageninhalt.

Mirror’s Edge nutzt eine Onlineaktivierung und kann nur fünf Mal aktiviert werden. Anders als in früheren EA-Titeln, bekommt der Spieler bei der Installation jedoch nichts von der Aktivierung mit. Nach der erfolgreichen Aktivierung wird keine DVD mehr im Laufwerk benötigt.

Print Friendly, PDF & Email
Tweet about this on TwitterShare on FacebookEmail this to someone

2 Kommentare

"Jowood"
"Der Herr der Ringe: Die Eroberung nutzt eine Onlineaktivierung und kann auch nur fünf Mal aktiviert werden."
"Mirror’s Edge nutzt eine Onlineaktivierung und kann auch nur fünf Mal aktiviert werden."

Damit hätten sich alle hier erwähnten Spiele für mich erledigt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

:smile: :sad: :wink: :tongue: :-x :roll: mehr »
*