Sicarius

Old Men


Vergangenen Mittwoch war es endlich soweit: AC/DC auf ihrer Black Ice-Tour live in der Frankfurter Festhalle. Das Fazit in kurz: Es rockte und war definitiv die 72,70 Euro wert, aber noch einmal muss ich sie auf derselben Tour dann doch nicht sehen.

Gut, ein Teil dieses Resümees ist dem Publikum zu verdanken. Richtig gute Stimmung sieht anders aus und gefühlsmäßig war der Anteil der Vollidioten auch etwas höher als sonst. Dabei waren es dieses Mal nicht einmal die „Poker“ die mir so sehr auf den Sack gingen, sondern eine Truppe von sprichwörtlich alten Säcken. Mit der Attitüde „Wir waren schon auf einem AC/DC-Konzert, da hast du noch in die Hose gemacht!“, haben sie so einigen die ersten 15 Minuten des Konzerts massiv versaut.

Statt sich, wie alle anderen, früh genüg einen Platz zu suchen und so möglichst weit vorne zu landen, haben sie es auf die harte Art versucht: Während den Umbauarbeiten nach dem Ende der Vorband mit 10 oder mehr Mann in einer geraden Linie von hinten nach ganz vorne durchschieben. Da bleibt keine Luft mehr zum Atmen wenn so ein Keil von hinten ankommt. Auf gut zureden reagieren solche Leute natürlich nicht, schließlich sind sie die einzigen AC/DC-Fans auf der Welt und vermutlich sogar so cool, dass sie mit Angus Young per „Du“ sind. Da muss man einfach beiseite treten.

In einer handfesten Schlägerei ist die Sache zwar nicht eskaliert, es blieb beim Austausch einiger Schimpfwörter, aber ein Glas Bier lief mir zur Belohnung dann doch noch über den Kopf bis durch das ganze „gepoke“ die Menge luftig genug wurde um sich endlich voll der Musik widmen zu können. Damit hatte ich zumindest endlich den Sinn hinter dem Sport des „Poken“ gefunden.

Die Vorband hörte übrigens auf den Namen The Answer. Deren Act war ganz okay und die Musik passte ausnahmsweise auch mal vom Musikstil des Main Act. Aber es war jetzt nichts was ich mir kaufen oder gar illegal aus dem Netz ziehen würde. Hauptsächlich im Kopf geblieben ist mir der Lead Singer, der ein sehr saugfähiges Hemd anhatte und wie ein hibbeliges Kind oder gar wie ein Drogenjunkie auf der Bühne rumzappelte. Ist allerdings weit weniger negativ zu sehen, als es vielleicht klingt – sah nur etwas eigenartig aus. Und dann kam eben AC/DC und es war als würde man nach einer langen Reise wieder nach Hause kommen.

Hier und da ist etwas dazu- oder weggekommen, aber insgesamt ist es doch immer noch so wie man es in Erinnerung hatte. Natürlich war ich noch nie auf einem AC/DC-Konzert. Die Mitschnitte der Konzerte in Madrid (No Bull) und Müchen (Stiff Upper Lip) haben mein DVD-Laufwerk jedoch bereits mehr als einmal von innen gesehen. Deshalb war es fast erschreckend wie viele Déjŕ-vu ich im Laufe des Abends hatte.

Die wenigen Songs von der neuen Platte, die mit billigen CG-Filmen unterlegt waren und die neue Bühngestaltung in Form eines Zugs im Hintergrund passend zum neuen Entry Act, täuschten nur schlecht darüber hinweg, dass sich Angus wieder langsam zur Musik auszieht (dieses Mal aber ohne den blanken Arsch zu zeigen), wieder im beleuchteten Glasdingens rummacht und wieder seine lang gezogen Liedabschlüsse abspult. Währenddessen verzieht sich Brian Johnson (Lead Singer) wie immer in den Hintergrund und versucht krampfhaft nicht so auszusehen, als hätte er gerade nichts zu tun – unterstützt von Malcolm Young (Rhytmusgitarre) und Cliff Williams (Bass), die das gesamte Konzert ihre Plätze rechts und links vom Schlagzeug quasi keinen Zentimeter verlassen und stur ihr Programm abspielen. Würde man die beiden durch Playback ersetzen, würde es keiner wirklich merken. Und natürlich durfte auch die Glocke bei „Hell’s Bells“ nicht fehlen. Dem Hardcorefan gefällt’s vermutlich, weiß er doch ganz genau was passiert und wie er sich verhalten muss.

Je länger ich aber über das Konzert nachdenke und im Hintergrund noch einmal <ahref=“http://www.amazon.de/gp/product/B001IUCFP4?ie=UTF8&tag=bagdadsoftwar-21&linkCode=as2&camp=1638&creative=19454&creativeASIN=B001IUCFP4″ target=“_blank“>Black Ice durchlaufen lasse, desto mehr wird mir klar wie alt und langweilig AC/DC tatsächlich geworden ist (oder vielleicht schon lange war?). Die Musik ist prinzipiell zwar immer noch gut, aber selbst Metallicas Death Magnetic, die derzeit massiv versuchen an die guten alten Zeiten anzuknüpfen, zeigte letztes Jahr zumindest den Ansatz von Veränderung und Weiterentwicklung während „Black Ice“ einfach wie AC/DC klingt – im positiven wie im negativen Sinne. Um einen Mitkonzertgänger zu zitieren: „Bei AC/DC weiß man bei den ersten Klängen nicht welches Lied jetzt gespielt wird weil alle Intros gleich klingen.“.

Das mag überspitzt formuliert sein und den AC/DC-Fan auf die Barrikaden springen lassen, aber es steckt mehr als nur ein Körnchen Wahrheit in dieser Aussage. So lässt sich das Konzert am Ende am besten mit „Oldschool“ zusammenfassen oder um es in Spieletestausdrücken zu sagen: Solide, aber einfallslos.

Für einen Abend war es zwar schön in Nostalgie zu verfallen und einmal im Leben Live dabei gewesen zu sein, aber sollte es tatsächlich noch einmal eine Deutschlandtournee geben, werde ich dann doch etwas länger nachdenken bevor ich Karten ordere.

Auf die dazugehörige neue Platte wird dies vermutlich aber nicht zutreffen, denn solide ist schließlich nicht schlecht und nach Hause zu kommen und alles unverändert vorzufinden ist doch ein schönes Gefühl. Tool (10.000 Days von 2006), Marilyn Manson (Eat Me, Drink Me von 2007), und vor allem The Offspring (Rise and Fall, Rage and Grace von 2008), um nur drei meiner Dauerbrenner zu nennen, haben es in den letzten Jahren aber vorgemacht wie nach langer Abstinenz eine neue CD auszusehen hat um die Fans richtig aus den Latschen zu hauen.

Das ist aber sowieso alles Theorie, denn ich halte es für äußerst unwahrscheinlich, dass noch einmal etwas Neues von AC/DC kommen wird. Wir reden hier schließlich von Leuten, die alle schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel haben. Angus Youngs Soli sind definitiv langsamer geworden und ich hoffe inständig, dass sie es nicht den Rolling Stones nachmachen. Wenn die auf der Bühne stehen sieht man vermutlich buchstäblich dem Tod ins Gesicht (nein, ich bin kein Rolling Stones-Fan, wie kommt ihr darauf? :) ).

Sicarius

Burnout Paradise

Heute gibt es nun endlich den zweiten Test des Jahres 2009:

Burnout Paradise: The Ultimate Box
(Jetzt bei GamersGlobal)

Lange hat es gedauert, aber endlich ist die erfolgreiche Rennspielserie Burnout auf dem PC angekommen. Zwar kurven die Konsolenspieler schon einige Monate in Paradise City herum, aber auch für sie gibt es die Ultimate Box, die den bisher erschienen Download-Content inklusive der heißersehnten Motorräder erhält. Ready, Set, Go!

(Ursprüngliche) Korrekturleser waren dieses Mal freundlicherweise JakillSlavik und Rondrer Rondrov und ich kann mit voller Stolz sagen, dass ich vollkommen unbewußt im ganzen Text auf den naheliegenden „Burnout“-Kalauer verzichtet habe!

Ich war aber am Ende selbst überrascht wie negativ ich doch das Spiel, natürlich zu Recht, nach der anfänglichen Euphorie jetzt sehe. So schwer es mir am Ende auch fiel, musste ich deshalb dann doch noch das eine Sic abziehen (am Anfang hatte ich eine 4/5 Sics angepeilt) und den Mittelweg gehen. Das zeigt wieder einmal wie wichtig es ist, dass man sich mit einem Spiel auch wirklich ausreichend beschäftigt bevor man sich hinsetzt und einen Test schreibt und bestätigt mich in meinem Bestreben lieber nur einen Angespieltbericht zu tippen bevor ich Müll erzähle und meine journalistische Integrität für „schnell, schnell“ herschenke.

Ein gutes Beispiel dafür waren zuletzt die euphorischen Fallout 3-Tests gezeigt. Mein erster Eindruck war damals auch besser als gedacht, aber auch hier haben sich mit fortlaufender Spielzeit die Spielspaßlöcher aufgetan. Dass man davon nichts mitbekommt, wenn man unter Zeitdruck in der Redaktion nur das Nötigste macht, ist ganz klar. Und das die Entwickler bei der Gesaltung sogar darauf setzen, dürfte genauso selbstverständlich sein. Wir erinnern uns zum Beispiel an die Begründung von SSI für das unbefriedigende Ende von Eye of the Beholder (siehe den berühmten Westwood-Artikel).

Sicarius

Arme Kranke

Trotz kräftigem Schnupfen, habe ich es geschafft mich aus dem Bett zu quälen um euch pünktlich mit einer neuen Folge des Podcasts zu beglücken:

Wie die erste Sondersendung, ist auch die zweite ein Ausschnitt (Thema „Grafische Entwicklung“) aus der Bagdadsoftware Laberecke 2.0. Da ich bei der damaligen Folge bereits alles dazu erklärt hatte und ich mich nicht gerne wiederhole, weiße ich nur noch darauf hin, dass deswegen der Hauptteil der Aufnahme nicht ganz so super klingt und komme ohne weitere Umschweife zu den genauen Details der heutigen Folge:

Zu Wort kommen: Christoph „Sicarius“ Hofmann, Timo „Azzkickr“ P., Tobias „Rondrer“ R. und Daniel „JakillSlavik“ H.

Technische Daten: 23:27min lang; 96kbit Qualität (Diktiergerätaufnahme 88kbit); 16,11MB groß; Aufnahme mit dem Olympus VN-2100PC; Weitere Aufnahmen und Editierung mit Adobe Soundbooth CS4

Musikcredits nach Reihenfolge:
Brian Conrad, Sue Kasper, Justin McCormick – SimCity 2000 – Track 47 (Komplett)
Brian Conrad, Sue Kasper, Justin McCormick – SimCity 2000 – Track 31 (Auszug)
Alexander Brandon – Deus Ex – DuClare Chateau (Auszug)

Die nächste Folge gibt es Ende April. Thema oder Gast stehen jedoch noch nicht fest. Und ich gehe jetzt zurück unter die Bettdecke damit ich bis Mittwoch für den Jahrtausendevent wieder gesund bin: das AC/DC-Konzert in Frankfurt am Main!

Sicarius

Lahme Entschuldigungen

Eigentlich wollte ich euch einen Test zu Burnout Paradise (The Ultimate Box) bieten und nach Planung hätte ich es auch trotz Geheimprojekt geschafft. Dann kam mir aber gestern unversehens eine interessante, fachliche Besprechung auf der Arbeit dazwischen von der ich erst um 18:00 Uhr heimgekommen bin (zehn Stunden Fachthemen – da brummt der Schädel). Deshalb ist der Test zwar auf Papier (zum Teil auch schon digital) prinzipiell fertig, aber bevor ich jetzt irgendetwas qualitativ Unterirdisches hinklatsche, nehm ich mir dann doch lieber die Zeit es richtig abzutippen und auch noch einen Lektor final drüber schauen zu lassen.

Kessy ist auch leider gerade nicht da für ein Füllerfoto, deswegen gibt es eins von meinem kleinen Peugeot 307. Den hatte ich auch schon lange nicht mehr erwähnt…

Festlicher 307

In diesem Sinne bis Montag – dann hoffentlich mit Folge 10 des Podcasts (Ein-Mann-Show) oder zumindest besagtem Test.

Sicarius

Han Never Shot

Der Fixer braucht seinen Fix genauso wie der Gamer seine Games. So ist es nicht verwunderlich, dass ich mich nach dem viel zu frühen Tod von Richard Garriott’s Tabula Rasa auf die Suche nach einem alternativen SciFi-MMO gemacht hatte. „Suche“ ist allerdings etwas übertrieben gesagt. Angefixt durch den The Online Gamers Anthology-Podcast und der Star Wars Retrospective-Videos bei Gametrailers.com, musste ich jetzt unbedingt einmal das MMORPG Star Wars Galaxies (in Deutschland gestartet am 13.11.2003) ausprobieren und mir anschauen, was nach dem berühmt-berüchtigten NGE-Update vom 27.04.2005 dort noch so los ist.

Ein Aufschrei in der Macht
Das New Game Enhancements-Update, für alle die den Schrei der Mitte 2005 durch das Internet hallte nicht mitbekommen haben, „WoWifizierte“ Star Wars Galaxies. Die Klassenauswahl wurde verringert, man durfte ab sofort von Beginn an Jedi werden, Talentbäume wurden eingeführt und der gesamte Spielablauf wurde vereinfacht mit dem Blick auf den großen Konkurrenten World of Warcraft. Das passte vielen Spielern nicht und Sony bekam das auch umgehend zu spüren. Nicht nur musste Sony Online Entertainment unzähligen Spielern den Kaufpreis des vierten und bislang letzten großen Addons Trials of Obi-Wan zurückerstatten, das nur zwei Tage vorher in die Läden gekommen war, mindestens 70.000 Spieler von über 250.000 kündigten auch ihre Accounts. Ein Absturz, von dem sich das Spiel seitdem nicht mehr erholt hat. Derzeit tummeln sich noch um die 100.000 Spieler auf den insgesamt 25 Servern. Keine guten Aussichten bei einer so riesigen Welt.

Star Wars GalaxiesAber das war mir natürlich egal als ich am 06.03. meinen Key der Star Wars Galaxies: Das komplette Online-Abenteuer-Box eingegeben habe und erstmal damit begann die installierte Version auf die Game Update 7 zu aktualisieren. Eine Aktion, die mich durch den Umfang der Aktualisierungen im Endeffekt einen Spieltag kostete da SOE bei allen seinen Spielen der Meinung ist, dass die Spieler die Updatebandbreite erste verbraten dürfen, sobald sie auch einen bezahlten Account nutzen. Externe Updates oder gar die Möglichkeit ohne Account das Spiel auf den aktuellsten Stand zu bringen wie es bei World of Warcraft, Lord of the Rings Online, Age of Conan usw. möglich ist, gibt es bei Vanguard: Saga of Heroes, Star Wars: Galaxies, Everquest II und wie sie alle heißen nicht.

Was soll ich nur nehmen?
Viel wichtiger war die Entscheidung „Welche der 12 Klassen?“. Der Versuchung den Jedi zu nehmen musste ich schon sehr stark widerstehen, vor allem weil er einstimmig als die beste Soloklasse bezeichnet wird – auch daran erkennbar, dass zu Stoßzeiten in Mos Eisley dutzende Jedi rumstehen. Aber auch die Non-Combat-Klassen wie Trader und Entertainer haben durchaus seinen Reiz, sind aber vermutlich eher an Rollenspieler und erfahrene Spieler gerichtet. Damit werde ich mich später einmal mit einem Twink beschäftigten. So wurde es am Ende dann ein menschlicher Commando (Mandalorianer gibt es leider als spielbare Rasse nicht und ein Wookiee in einer Rüstung sieht dämlich aus. Spätestens seit dem Multiplattformtitel Republic Commando sind die sowieso cooler als alles andere und da ich auch gerade das vierte und letzte Buch der Repulic Commando-Serie aus der Feder von Karen Traviss mit dem passenden Namen Order 66 beendet habe, passte es irgendwie. Über letzteres werde ich aber sicherlich noch einen separaten Eintrag verfassen sobald ich es durch habe.

Mittlerweile bin ich auf dem Boden schon fast Level 23 (von 90) und im Weltall auf Stude 6 1/2 (von 18). Da zeigt sich auch schon, dass man es hier nicht nur mit einem Spiel, sondern insgesamt sogar mit drei zu tun hat. Das dritte ist das ins Spiel integrierte Star Wars Galaxies: Trading Card Game. Das bekannte Magic – The Gathering-Sammelkartenspiel im Star Wars-Universum. Aber bevor fangen wir vorne an:

Gemecker vom feinsten
Durch das NGE hat sich Star Wars Galaxies zwar World of Warcraft angenähert, aber der Komfort lässt doch noch an vielen Ecken zu wünschen übrig. So weiß ich bis heute nicht wie ich ein Objekt im Spiel ohne TAB-Taste (nein, anklicken geht nicht). Und viele Sachen müssen entweder über ein spezielles Menü ausgeführt werden oder erfordern sogar die Eingabe eines Slash-Commands. So sind die Vorbereitungen eines Hyperspacesprungs nur durch die Eingabe von /abort abzubrechen und der Gruppenchat im All auch nur über /GuildChat erreichbar. Auf dem Boden gibt es zumindest einen Shortcut (STRG+G) dafür. Aber auch hier muss der Hotkey jedes Mal vor der Eingabe betätigt werden, sonst redet der Charakter in der Ingameumgebung. Die zusätzlichen, planetenweiten oder sonstig verwendeten Chatkanäle hab ich bislang noch nicht einmal geschafft irgendwie aufzurufen.

Dafür verbringt man dank des NGE die ersten 10 Bodenlevel in einer separaten Raumstation um mit dem Spiel einigermaßen vertraut zu werden. Auch sein erstes Raumschiff erhält man dort um außerhalb etwas auf den Putz zu hauen. Aber so nett es auch ist von Han Solo etwas eingeführt zu werden, ist das gesamte Erlebnis doch eher unzureichend. Es gibt einfach viel zu viel grundsätzliches, dass auch hier nicht angesprochen wird und dann später Zeit und Nerven kostet. Außerdem bietet das Spiel hier Komfortfunktionen wie massig Questwegpunkte, die es abseits der Legacy Quest im späteren Spiel gar nicht gibt.

Questgemecker
Die Legacy Quest ist eine ewig lange Questreihe, die man nach dem Beenden des Tutorials in Mos Eisley auf Tatooine startet. Wie lange diese Questreihe geht, habe ich bislang nicht rausbekommen. Einige sagen sie wäre bereits bei Level 50 beendet, andere behaupten sie ginge bis Level 90. In jedem Falle ist sie ein hilfreicher roter Faden durchs Spiel, dem man vor allem als Neuling liebend gerne folgt. Abseits dieser Questreihe sah es aber auch bislang eher mager mit Quests aus. Wird man in World of Warcraft gleich mit 200 Ausrufezeichen erschlagen, haben hier zwar auch viele NPCs ein Questzeichen über dem Kopf, aber die wenigsten rücken tatsächlich einen Quest raus. Hat man wirklich einmal einen Quest gefunden, dann geht zu allem Überfluss das Zeichen über dem Questnpc nicht weg. Erst beim erneuten Ansprechen merkt der Spieler, dass es hier nichts mehr zu holen gibt.

Diese Nebenquests bieten dann auch meist nur wenig Hilfe bei der Erledigung. Manchmal gibt es einen Wegpunkt auf der Karte, der die ungefähre Richtung vorgibt, meistens heißt es aber einfach nur „Suche in der Umgebung von x nach y“ und in fast allen Fällen, gab es dazu keinen Eintrag im Questlog. Wer also nicht mehr weiß warum er einen Wegpunkt zur Droidenhöhle auf Lok hat, darf in Nym’s Stronghold noch einmal alle NPCs durcharbeiten bis er denjenigen gefunden hat, von dem die Quest ursprünglich kam und so erst wieder erfährt, was eigentlich dort gemacht werden soll. Hinzu kommt auch noch, dass es keine Levelbegrenzung zu geben scheint. Besagter Quest ist für mich auf Level 22 reiner Selbstmord und wird es auch noch einige Zeit bleiben. Bis es dann soweit ist und ich angehen kann, habe ich garantiert vergessen, dass ich dort überhaupt noch einen hatte.

Streckengemecker
Diese Nebenquests und der Legacy Quest versuchen aber zumindest noch eine Geschichte zu erzählen. Die Terminalmissionen, von denen man jeden Tag 10 Stück machen darf, sind hingegen an Sinnlosigkeit nicht zu überbieten. Darin gilt es einfach nur irgendwo hinzugehen und ein Objekt zu zerstören – während man von dessen Beschützer angegriffen wird. „Grind“ ist für Missionen noch ein freundlicher Ausdruck da die Ziele meist weit auseinander liegen, womit wir den Bogen zum Star Wars Galaxies Trading Card Game geschlagen haben:

Am Anfang hatte ich nicht gedacht, dass ich das jemals zocken würde. Aber es hat tatsächlich seinen Sinn und hilft den nächsten Großen Kritikpunkt von Star Wars Galaxies, etwas zu glätten: Die langen Wege.

Ob auf dem Boden oder im Weltall, immer gilt es kilometerweite Strecken zu überbrücken. Und obwohl man nach dem Ende des Tutorials bereits ein Mount bekommt (einen Landspeeder, aber ich habe aus Star Wars Galaxies – Das komplette Onlineabentuer-Box einen AT-RT), ist man ewig unterwegs. Zum Glück muss man aber weder stark auf den Weg achten (Selbst Steilhänge nimmt man ohne Murren), bei den meisten Quests muss man am Ende jeder Stufe sogar nicht zurück zum Questgeber, sondern bekommt während des Einsatzes seine neuen Befehle. Dennoch lernt man schnell die Vorzüge kennen während der ganzen Laufer- und Fliegerei ein paar Züge im Star Wars Galaxies Trading Card Game zu machen. Ich bin zwar nicht gut darin (hänge schon am vierten Spiel der Kampagne) und zusätzliche Karten kauf ich mir ganz sicher auch nicht (kosten echtes Geld), aber ich muss den Hut vor SOE ziehen, die hier tatsächlich eine echte synergetische Goldgrube geschaffen haben. Und soweit ich mich mit Sammelkartenspielen auskenne, ist das hier auch wirklich gut digital umgesetzt.

Kampfgemecker
Aber wer denkt, jetzt würde ich endlich auf die positiven Dinge eingehen, der hat sich getäuscht. Es gibt noch einiges zu sagen. Zu den Kämpfen zum Beispiel:

Diese laufen prinzipiell auf dem Boden wie in allen anderen MMOs ab. Der eigene Charakter hat verschiedene Fähigkeiten und setzt diese auf Knopfdruck ein während beide Parteien sinnlos in der Gegend stehen. Wobei die KI tatsächlich manchmal auf den Wurf einer Granate reagiert und aus dem Weg geht bzw. generell ab und zu wie gestört in eine Richtung abhaut. Das sieht nicht nur dämlich aus, es ist auch wirklich nervig dann dem Typ hinterher rennen zu müssen um ihm endlich final eine auf die Schnauze geben zu können. Viel schlimmer ist jedoch das vollkommen unberechenbare Aggroverhalten.

Ich weiß nicht ob es die Schuld von Lag oder sonstigen Verbindungsproblemen ist, aber manchmal kann man durch einen Gegner durchlaufen ohne das er einen registriert, manchmal wird er erst aggressiv, wenn man schon 30 Meter weiter ist und in welchen Fällen man ein paar seiner Freunde mit zum Kampf einlädt, ist nie wirklich sauber erkennbar. Ab und zu ist es möglich jemanden inmitten von 20 anderen anzugreifen und nur er kommt und in anderen Fällen steht der Gegner vermeintlich alleine da, um dann plötzlich wie aus dem Nichts ein paar Freunde mitzubringen. Meistens das Todesurteil für den eigenen Charakter. Da kommt es ganz gelegen, dass man zuerst nur bewusstlos ist. Nach 10 Sekunden darf man einfach wieder aufstehen und weitermachen. Erst wenn man innerhalb der nächsten 60 Sekunden noch einmal stirbt, wird der Charakter mitsamt eines 10 Minütigen Debuffs in eine Hauptstadt seiner Wahl versetzt.

Und wenn wir schon dabei sind uns über die Verbindung aufzuregen: Betritt man ein Haus, erscheint es erst einmal leer. Wartet man jedoch einige Zeit (teilweise Minuten), erscheint plötzlich der Inhalt und reißt die gesamte Performance erst einmal in die Knie obwohl die Grafik aufgrund ihres Alters heute sowieso keinen Blumentopf mehr gewinnt. Die Landschaften sind leer, die Gebäude sind eckig und Details sucht man mit der Lupe – zumindest auf dem Boden. Im Weltall sieht die Sache schon wieder ganz anders aus. Um die negativen Aspekte jedoch jetzt nach über zwei Seiten endlich abzuschließen, noch eine kleine Geschichte:

Wirtschaftsgemecker
Vergangen Samstag war ich mal wieder in meinem kleinen TIE Fighter unterwegs und hatte den Auftrag einen ausgewachsenen Y1300 (gleiche Schiffsklasse wie der Millenium Falcon) zu plätten. Leider, dass wissen wir ja aus den Filmen, hauen die Turbolaser des Schiffs ganz schön rein und in wenigen Sekunden war mein kleiner TIE Fighter bewegungsunfähig – aber noch nicht zerstört. Das ist ein wichtiger Punkt, denn wird das Schiff zerstört, landet man vollständig repariert an der nächsten Raumstation. Aber ich war noch nicht ganz kaputt und anstatt den Selbstmordbutton zu drücken um den obigen Effekt zu erzielen, habe ich mich aus Frust einfach ausgeloggt. Das stellte sich nach dem Einloggen als Fehler heraus:

Das Reparieren des eigenen Schiffes ist erst am einfachsten nur im Weltall möglich. Da jedoch sowohl mein Reaktor als auch meine Triebwerke im Eimer waren, konnte ich nicht mehr ins All starten. Gut, geht man eben zu einem NPC-Händler und kauft sich ein Reparaturkit. Pustekuchen. Die Wirtschaft in Star Wars Galaxies wird komplett von Spielern kontrolliert. Dazu stellen Spieler in ihren Häusern NPCs auf und befüllen sie mit Gegenständen. Von anderen NPCs kann man nichts kaufen. Die nächsten Stunden habe ich also damit verbracht den ganzen Planeten nach Spielerhändlern abzusuchen, die entweder ein Reparaturkit haben oder ein Ersatzteil. Dass ich derzeit nur Anfängergegenstände nutzen kann (auf Stufe 7 bekommt man auf die nächste Stufe), erschwerte die Sache noch einmal. Frust pur und eine dämliche Designentscheidung in einer Welt die zum einen relativ wenig Spieler hat und zum anderen unzerstörbare Gegenstände nutzt und so die Wirtschaft durch nichts wirklich angekurbelt wird.

Endlich kein Gemecker!
Bleibt also die berechtigte Frage: Wenn alles so scheiße ist, warum zocke und vor allem bezahle ich für den Kram überhaupt? Das hat mehrere Gründe unter anderem:

– Die Welt ist wirklich groß und auch wenn sie nicht nach einem Crysis aussieht, macht das Entdecken vor allem als Filmfan richtig Spaß. Dass man an allen Ecken und Enden dafür sogar belohnt wird mit mehr oder weniger sinnlosen Gegenständen, erhöht den Anreiz noch einmal mehr.
– Der Legacy Quest erzählt bislang eine interessante und wirklich spannende Geschichte.
– Für das Imperium! Tot den Rebellen!
– Dank meines außerordentlichen Charmes habe ich bereits eine nette und hilfsbereite Gilde gefunden. Dadurch habe ich nicht nur bereits ein eigenes Haus in der Gildenstadt, sondern trainiere auch mein gesprochenes Englisch, da sie sich nur über Ventrillo unterhält – was bei der Umständlichkeit des Chats auch kein Wunder ist.
– Die Non-Combatklassen sind wirklich sehr interessant und es juckt mich von Tag zu Tag mehr doch jetzt schon einen zweiten Charakter aufzumachen

Der wichtigste Grund ist jedoch „Space Combat“. Als absoluter Fan von X-Wing, TIE Fighter und X-Wing Alliance juckt es mir schon seit Jahren in den Fingern endlich mal wieder in einen TIE Fighter einsteigen zu dürfen und Star Wars Galaxies stillt dieses Verlangen.

Zwar gibt es als Kritikpunkte dort draußen wie erwähnt die langen Wartezeiten auf den Flügen von einem Wegpunkt zum nächsten und die elendig langweiligen Eskortmissionen, aber die Dogfights, die einem am Ende immer erwarten, machen das alles wieder wett. Das vertraute „Piu Piu“ der Laser, welches dank Force Feedback-Unterstützung nun endlich auch spürbar ist und die bekannten Geräusche der vorbeifliegenden Schiffe wecken vertraute Erinnerungen. Auch die Steuerung ist wie früher und man findet sich als Veteran sofort zurecht. Und im Gegensatz zu den Objekten auf den Planeten sind die Schiffsmodelle detailliert, der Weltraum farbenfroh und die Explosionen satt. Da macht es einfach Spaß sich hinter den Joystick zu klemmen und die stupiden Grindmissionen zu absolvieren bis man genug Erfahrung für die nächste Stufe und damit Zugang zur nächsten Hauptmission hat. Fast alles was man von früher kennt ist wieder vertreten.

Fazit
Was bleibt also von den vier Seiten über Star Wars Galaxies übrig, von denen mehr als die Hälfte äußerst negativ ist? Zum einen der Wunsch nach einem echten TIE Fighter 2 aus erfahrenen Händen. Zum anderen, dass ich noch viel mehr Positives zu erzählen hätte und sowieso noch nicht einmal ansatzweise alles gesehen habe bislang. Star Wars Galaxies hat sich definitiv ganz gut gehalten in den letzten sechs Jahren. Trotz der veralteten Bedienung macht es doch Spaß und das Star Wars-Feeling wird richtig gut eingefangen. Ob es jetzt vor dem NGE wirklich besser war oder nicht, kann und werde ich natürlich nie beurteilen können. Aber dass ich trotz der Kritikpunkte seit 10 Tagen eigentlich kein anderes Spiel mehr wirklich gespielt habe zeigt doch, dass es hier wirklich noch etwas zu holen gibt.

Da der Release von Star Wars – The Old Republic noch weit entfernt ist, eignet sich Star Wars Galaxies nach meinen bisherigen Eindrücken auf jeden Fall zur Überbrückung. Dank drei Spielen in einem, findet hier jeder seinen Fix und sollte so schnell keine Langweile bekommen. Aber am besten einfach mal die Trial mit 14 Tagen Spielzeit herunterladen. Wer will, findet mich (Fjolnara Sicarius) und den Clan FOO auf Europe-Chimaera. Kostenlose Häuser für alle, die in unserer Stadtgrenze bauen möchten!

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