Sicarius

Mount&Blade

Wahnsinnig viel getippt die letzten Tage und doch nichts dabei, dass ich euch schon zeigen darf. Aber bald! Es wird nicht mehr lange dauern bis das Geheimprojekt endlich seine Toren öffnet. Bis dahin wartet aber noch einiges an Arbeit und eine Woche Urlaub ist schon wieder rum. Kommen wir deshalb gleich zu den Hauptthemen des heutigen Eintrags:

„Nein, Print wird nicht aussterben.“

Dieses kurze Interview war ursprünglich ein fünf Minuten langer O-Ton Bericht fürs Radio und war meine Lösung zur 12. Einsendeaufgabe. Und dieser O-Ton Bericht wiederrum war ein stark komprimierter Auszug aus der 6. Folge des Podcasts mit Studiogast Jörg Langer. Optimale Ausschlachtung eines Topthemas quasi. Wer sich also bis heute die 35 Minuten nicht angehört hat, kann sich nun zumindest die allerwichtigsten Punkte verinnerlichen. Da ihr aber natürlich alle fleißige Stammhörer seid, ist das alles nichts Neues für euch. Deshalb gibt es jetzt noch den angekündigten Angespieltbericht bzw. eigentlich fast schon Test zum Geheimtipp:

Mount&BladeMount&Blade (ScreenshotsDemo) – Mount&Blade ist eine mittelalterliche Kampfsimulation mit Rollenspiel und Strategieelementen. Oder zumindest so ähnlich lässt es sich zusammenfassen. Zu Beginn des Spiels erstellt ihr erst einmal einen Charakter in gewohnter Rollenspielmanier. Vom Aussehen bis zur Punkteverteilung müsst ihr dabei alles selbst machen. Zwar gibt es einen kleinen Fragebogen, der eure ungefähre Ausrichtung festlegt, dennoch wollen am Ende in die fünf Charaktereattribute, die sechs Waffenfertigkeiten und die dutzenden Talente noch weitere investiert werden. Besonders die Wahl der Talente beeinflusst dabei merklich wie ihr später im Spiel agiert. Wer eine große Armee aufbauen möchte, muss in „Führung“ investieren. Ohne genug Punkte, folgen euch nur eine Handvoll Soldaten. Viele Talente nutzen auch nur euch während andere der gesamten Armee zu gute kommen. Erschwert wird die Entscheidung durch die Charakterattribute. So ist das Talent „Überzeugungskraft“ eng mit dem eigenen Charisma-Wert verbunden und kann nur bis zu einem Drittel dessen Höhe gesteigert werden. Diese Limitationen garantieren, dass der eigene Charakter nie zu einer Ein-Mann-Armee wird und zeigen wie ernst es Mount&Blade mit dem Realismusanspruch nimmt.

Es spielt sich selbst
Nach der Charaktererstellung landet ihr direkt in der Welt von Caldaria. Unterteilt in fünf Königreiche steht es euch von nun an offen was ihr tut. Ein wirkliches Spielziel oder gar einen roten Faden gibt es nicht. Euer Abenteuerausflug dauert so lange, bis ihr euch entscheidet in Ruhestand zu gehen. Erst dann erfolgt eine Beurteilung eures Lebensweges. So steht ihr zu Beginn auf einem Pferd irgendwo auf der riesigen, wenig detaillierten Weltkarte und seid umgeben von Dörfern, Schlössern und Städten. Noch läuft die Zeit nicht. Erst wenn von euch ein Befehl gegeben wurde oder ihr die Leertaste gedrückt haltet, erwacht die dynamische Welt zum Leben. Sie funktioniert vollkommen ohne euch. Armeen bewegen sich über die Karte, schlagen Schlachten und belagern feindliche Schlösser und Städte. Gleichzeitig liefern Karawanen ihre Güter aus und Farmer pendeln zwischen den Dörfern und Städten hin und her um ihr alltägliches Brot zu verdienen – immer in der Angst von den herumstreuenden Desarteuren, Banditen oder gar feindlichen Armeen angegriffen zu werden.

Grenzenlose Freiheit
Wenn ihr wollt, könnt sogar ihr derjenige sein, der Angst und Schrecken verbreitet und vor dem selbst die größten Armeen Reißaus nehmen. Die Mannskraft dafür heuert ihr in Dörfern an und trainiert diese durch erfolgreiche Schlachten oder geht in die unzähligen Tavernen und kauft gegen bares Geld bereits erfahrene Männer ein. Auch ihr verdient durch Kämpfe und erfüllte Quests Erfahrungspunkte, steigt im Rang auf und erhaltet weitere Punkte um sie in Attribute, Talente und Waffenfertigkeiten zu investieren. Wer es friedlicher mag oder das ganze Gold für sich behalten möchte, nimmt an Turnieren teil oder spielt Botenjunge für die Lords und Könige des Landes. Jede Person im Spiel lässt sich ansprechen und viele haben Quests aller Art für euch parat. Kämpfen ist aber in Mount&Blade kein Muss – aber dank des ausgereiften Kampf- und Diplomatiesystem doch eine der interessanteren Karrieremöglichkeiten.

Buttonmashing bringt nichts
Mount&Blade simuliert unzählige Waffenarten darunter einhändige und zweihändige Schwerter, Lanzen, Armbrüste und was im Mittelalter sonst noch angesagt war. Während die Fernkampfwaffen mit einer realistischen Flugbahn der Geschosse den Schwierigkeitsgrad in die Höhe treiben, kommen im Nahkampf noch weitere Faktoren hinzu. Die linke Maustaste drücken lässt den eigenen Charakter zwar zuschlagen, aber der richtige Moment entscheidet darüber ob es ein Treffer wird oder nicht. Hat der Gegner gerade das Schild erhoben, dringt nur ein dumpfes Holzgeräusch aus den Boxen. Auch die Werte der Waffe wie Reichweite und Schlaggeschwindigkeit spielen eine wichtige Rolle. Vom Kampf zu Pferde ganz zu schweigen. Die Höhe des Schlages, die Geschwindigkeit des Pferdes, die eigene Reitfertigkeit und viele weitere Faktoren sind von entscheidender Bedeutung. Wurde der Schlag zu früh ausgeführt oder ist nur einen Millimeter zu hoch angesetzt, läuft der Angriff ins Leere. Die gleiche Komplexität gilt für die Defensive. Schilder können zerschlagen werden und Angriffe müssen im richtigen Moment und von der richtigen Seite geblockt werden. Selbst ein Schild ist keine Garantie für den unbeschadeten Angriff auf einen Bogenschützen. Ist der Schild zu klein, sind die Füße immer noch verwundbar – und bei einem Glückstreffer steckt auch schon einmal ein Pfeil plötzlich im eigenen Kopf während man ohnmächtig zu Boden fällt.

Unsterblichkeit FTW!
Da ist es ganz hilfreich, dass Helden nicht sterben können. Sie legen sich nur sanft ins Gras und die Schlacht endet sofort. Sind noch eigene Einheiten übrig, werdet ihr schwer verwundet vom Schlachtfeld getragen und fallt meist für den Rest des Gefechts aus. Dann müsst ihr entweder eure Armee alleine losschicken oder versuchen die Flucht zu ergreifen. Kämpft eure Armee alleine, dürft ihr jedoch keine Befehle erteilen, die die Kämpfe noch taktischer machen. Allerdings reagieren eure Mannen nur auf den freien Feldern auf eure Befehle. Greift ihr eine befestigte Stellung an oder müsst eine verteidigen, macht die KI was sie möchte. Zwar reicht dies meist trotzdem zum Sieg wenn die Kräfteverhältnisse einigermaßen gleich oder der Feind in der Unterzahl ist, aber ihr erfahrt dadurch sehr viele unnötige Verluste. Ist keiner mehr da um euch zu beschützen, werdet ihr Gefangen genommen und müsst bis zu eurer erfolgreichen Flucht aussetzen. Habt ihr die Schlacht hingegen gewonnen, dürft ihr befreite Gefangene in eure eigene Armee aufnehmen, selbst Gefangene nehmen um sie später zu verkaufen und natürlich unzählige Gegenstände vom Schlachtfeld einsammeln und damit euch und eure weiteren angeheuerten Helden in der Gruppe ausstatten.

Diplomatie der Punkte
Die anderen Helden sind Abenteurer wie ihr, die sich euch aus diversen Gründen anschließen wenn ihr es zulasst. Sie sind besonders wichtig, da ihr deren Skillpunkte auch selbstständig verteilen dürfen. Das erlaubt es sich selbst auf einige wenige Talente zu konzentrieren und für alle anderen Dinge die Helden herzunehmen. Es reicht einen Ingenieur in der Gruppe zu haben um Leitern und Belagerungstürme zu bauen – der eigene Held muss nicht alles machen. Man muss die Helden und auch seine Armee jedoch bei Laune halten und nicht alle Helden vertragen sich untereinander. Jeder hat seine eigene Persönlichkeit und beschwert sich wenn ihm etwas nicht passt. Wird die Situation nicht besser, verlässt er schlimmstenfalls eure Gruppe und seine Talente sind für euch erst einmal verloren. Erst nach einiger Zeit erwarten sie euch wieder in einer der Tavernen und bitten darum wieder aufgenommen zu werden.

Genug der Lobpreisungen
Es gäbe noch so viel mehr zu erzählen. Von den Ländereien, die ihr euch selbst verdienen oder erobern könnt. Von den Auswirkungen euer gewonnen Schlachten auf den Respekt anderer euch gegenüber. Und insgesamt vom Einfluss eurer Tätigkeiten auf die Welt. Aber Mount&Blade wäre kein Geheimtipp, wenn es das ultimative Spiel wäre. Während die spielerische Seite sich durchaus sehen lassen kann, mangelt es besonders in technischer Hinsicht. Die Grafik ist größtenteils undetailliert und schlichtweg hässlich. Da hilft es auch nicht, dass es verschiedene Witterungsverhältnisse gibt und die 3D-Level abwechslungsreich gestaltet sind. Die Animationen der Charaktere lassen zusätzlich stark zu wünschen übrig und selbst auf den höchsten Realismuseinstellungen ist besonders in den Arenakämpfen die KI von unzähligen Aussetzern geplagt. Speziell beim Kampf zu Pferd wird auf die nächste Wand zugeritten und erst einmal eine Pause eingelegt. Außerdem ist der Titel sehr Text- und Menülastig. Einfach in eine Stadt hineinspazieren geht nicht. Im Falle von Schlössern gilt es erst einmal auf einem drögen Textbildschirm auszuwählen aus drei Optionen zu wählen. Dann landet ihr auf einem weitern Bildschirm und erst nach der dortigen Auswahl landet ihr in der 3D-Welt an. Zumindest gibt es dort dann Türen die direkt zu den einzelnen Bereichen wie Taverne oder Gefängnis führen. Auch die Händler stehen direkt in den sterilen, aber abwechslungsreichen Umgebungen bereit.

Fazit: Geheimtipp für Selbstmotivatoren
Ich habe in den letzten Tagen viel zu viele Stunden mit Mount&Blade verbracht und ärgere mich fast ein bisschen, dass ich es erst ein halbes Jahr nach seiner Erstveröffentlichung entdeckt habe. Die Möglichkeiten die das Spiel bietet sind zwar nicht unbegrenzt, aber man findet doch immer etwas zu tun. Besonders die anspruchsvollen Kämpfe führen schnell zum alten Suchtmuster „nur noch ein Turnier/Schlacht/Belagerung“. Auch die vollkommen dynamische Welt lässt mich die potthässliche Grafik, die Textlastigkeit und vor allem die vielen Schema F-Quests vergessen. Wer sich jedoch nicht selbst motivieren kann und immer ein Ziel braucht, der muss um dieses Spiel einen großen Bogen machen. Auch Einsteiger werden trotz dickem Handbuch und kurzem Tutorial schon während der Charaktergenerierung erschlagen. Dass im Spiel von den Schlachtfeldern bis hin zu den Dialogantworten fast alles zufallsgeneriert wird (nur die Dörfer und Befestigungen sind handgebaut), hilft freies Speichern nur bedingt. Nach dem Neuladen kann die Situation mitunter sogar noch schlechter aussehen.

Besonders Rollenspieler sollten jedoch zumindest die umfangreiche Demo (381 MB) ausprobieren. Diese gibt vollen und unbegrenzten Zugriff auf die Welt, lässt euch aber nur bis Level 7 aufsteigen und hört dann einfach auf. Wer gleich richtig loslegen will: Im Laden kostete die deutsche Version (allerdings Multilanguage) zum Verfassungszeitpunkt 27,90 Euro (OkaySoft). Wer auf die Verpackung und das gedruckte Handbuch verzichten kann, bekommt es derzeit für exakt 24,28 Euro direkt bei den Entwicklern. Einen Kopierschutz gibt es nicht. Ihr gebt einen CD-Key ein und die Sache ist erledigt. Keine DVD wird im Laufwerk benötigt und es findet keine Internetaktivierung statt.

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