Sicarius

Square Eidos

Die Homepage der australischen Ratingorganisation OFLC (Office of Film and Literature Classification) ist im Notfallmodus – immer noch! Obwohl der Hackerangriff bereits am 26.03.2009 stattfand, sind deren Webmaster weiterhin nicht in der Lage endlich wieder den normalen Betrieb bereitzustellen. Normale Menschen interessiert das natürlich nicht, aber für MobyGames bin ich nun einmal auf deren Webseite angewiesen um auch das australische Rating eines Games eintragen zu können. Nur selten ist dieses auch auf der europäischen/deutschen DVD aufgedruckt.

Wenn jedoch schon das simple „Loch schließen und Seite wieder online stellen“ so ewig dauert, wundert es mich nicht, dass es das R18+-Rating immer noch nicht für Spiele gibt. Andererseits: Es ist im Gegensatz zu unserer Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) eine Seite der australischen Regierung. Und wie lange Bürokratie braucht wissen wir vermutlich alle. Allerdings gibt es Ausnahmen:

Square schluckt EidosAm 21.04.2009, einen Monat nach der Zustimmung der Aktionäre, hat ein Gericht bereits dem Aufkauf von Eidos (Tomb Raider) durch Square Enix (Final Fantasy) zugestimmt. Und seit gestern gehört Eidos zu Square Enix. Rund 95 Millionen Euro wechselten dafür den Besitzer. Nicht gerade viel, denkt man an letztes Jahr zurück als EA (Die Sims) mehr als 1,5 Milliarden Euro für die Übernahme von Take 2 Interactive (Grand Theft Auto) geboten hatte – und abgeschmettert wurde.

Im Gegensatz zu Take 2 Interactive, hatte Eidos aber auch nichts zu bieten. Tomb Raider Underworld war zwar ein gutes Spiel, floppte aber gnadenlos an den Kassen. Auch Age of Conan: Hyborian Adventures, die Hoffnung für den Publisher, konnte nicht die Schulden ausgleichen – und mehr potentielle Blockbuster kamen 2008 nicht unter der Eidos-Flagge. 2009 sieht genauso mager aus mit dem einzigen Release in Form des nicht-mehr-ganz-so-brutalen Shooters Shellshock 2 (nicht einmal indiziert). Und sonst tut sich nicht viel. Battlestations: Pacific verschiebt sich seit Monaten andauernd und Just Cause 2 sollte eigentlich auch schon auf dem Markt sein. Pyro Studios, Eidos besitzt rund 27% Anteil, haben die Commandos-Reihe schon lange fertig gemolken und haben seitdem nichts nennenswertes mehr auf den Markt geworfen. IO Interactive (Eigentümer: Eidos) werkelt nach dem Kane & Lynch: Dead Men-Debakel vor zwei Jahren angeblich an Hitman 5, lässt derzeit aber nichts verlauten. Deus Ex 3, bei Eidos Montreal in Entwicklung, ist noch einige Zeit entfernt und auch Highlander wird vor Ende 2010 nicht das Licht der Welt erblicken – wahrscheinlich eher noch später. Crystal Dynamics arbeitet derweil vermutlich an einem weiteren Tomb Raider-Teil statt den Fans endlich das zu liefern, was sie wirklich wollen: den nächsten Abschnitt der Legacy of Kain-Saga.

Andererseits tut es Square Enix ganz gut ihr Portfolio etwas zu erweitern. Zwar sieht Final Fantasy XIII richtig genial aus und The Last Remnant ist ein empfehlenswertes Japano-Rollenspiel, aber genau hier liegt der Hund begraben: Square Enix macht seit Jahren nichts anderes als Japano-Rollenspiel. Die paar (Runden-)Strategietitel, die da noch zwischendrin versteckt sind, bestätigen eher die Regel als sie zu entkräften. Vor allem sind ein Großteil ihrer Veröffentlichungen Teil des Final Fantasy-Franchise – meistens Remakes oder Spin-Offs von Teil 1 oder 7. Zugegeben: Die Qualität stimmt in den allermeisten Fällen und der Fan bekommt etwas für sein Geld im Gegensatz zum Käufer des 500. Die Sims 2 – IKEA-Winter-Möbel-Addon-Pack. Statt Final Fantasy VII, dass 9. Remake in dem Cloud erstmals eine lila Hose anstatt einer blauen trägt würde ich jedoch lieber die grafische Brillanz und Inszenierung eines Final Fantasy XII/XIII in anderen Genre sehen.

Mit Eidos einen ehemals renommierten, westlichen Publisher zu übernehmen ist sicherlich der erste Schritt in diese Richtung. Was würden die Fanboy-Herzen höher schlagen wenn ein Tomb Raider-CGI-Film wie Final Fantasy VII: Advent Children erscheinen und die Erinnerung an die schlechten Realfilme auslöschen würde. Oder zumindest 20-minütige High Definition-Zwischensequenzen in denen die virtuelle Dame…aus Gründen des Jugendschutzes und aufgrund des riesigen „Dork“-Faktors kann ich diesen Gedanken leider nicht zu Ende ausführen.

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