JakillSlavik

Baumanns Keller in Mannheim

Einige Fragen, die ihr direkt nach dem Lesen der Überschrift des dritten Teils meiner Serie stellen möchtet:

– Wer mag nun wohl dieser Baumann sein?
– Und was ist so besonders an seinem Keller?
– Warum gerade in Mannheim?

In diesem Donnerstagseintrag betrachte ich die Zeitschrift DOCMA, welche sich vorallem in einem wesentlichen Punkt von allen ausgewählten Zeitschriften unterscheidet: Einer außergewöhnlichen Redaktion und einem außergewöhnlichen Charakter dahinter. Dies ist auch der Grund, für diesen ungewöhnlichen Titel.

DOCMA zeichnet vorallem die Tatsache aus, das ihr Chefredakteur Hans D. Baumann, seines Zeichens auch noch ‚Entwickler‘, dieses Magazins ist. Allein über Herrn Baumann, könnte ich hier schon eine eigene Serie schreiben, aber grob umrissen ist es für den folgenden Artikel notwendig zu wissen, dass er als Pionier der Bildbearbeitung und aufgrund seines Werdegangs sogar als Photoshop-‚Guru‘ gehandelt wird. Erstmals öffentlich bekannt wurde er als Chefredakteur des heute erfolgreichen Motorrad-Magazins ‚Bikers News‘, einer Szene Zeitschrift, welche vor Baumanns Regie immer am Rande der Pleite eine überschaubare Auflage hatte. Mittlerweile hat sich Dank ihm die Auflage innerhalb der letzten Jahre auf nun heute 100.000 Hefte pro Monat erhöht. In der Motorradclub-Szene wurde ihm als passionierter Motorradfahrer auch sein Spitzname ‚Doc Baumann‘ verpasst, welcher widerum namensgebend für DOCMA war. Zeit seines Lebens veröffentlichte er eine Vielzahl an Lernlektüre für Macintosh, weitere Graphikprogramme, aber auch weitere Rockerszeneberichte. Nicht zuletzt ist er in erster Linie durch das Buch zum Film ‚Der Name der Rose‘ zu seinem bedeutensten Erfolg gelangt. Seine Arbeit kam als erstes vollkommen elektronisch gestaltetes Buch in Deutschland auf den Markt, heutzutage wäre es undenkbar, ein Buch anders zu gestalten. Desktop Publishing sollte hier der Fachbegriff für nachschlagfreudige Leser sein, bekannte DTP Progamme wie QuarkXPress und Adobe InDesign schließen wieder den Kreis zu Adobe Photoshop und dieser Serie. Seit 2002 widmet Doc Baumann sich nun primär DOCMA, ist aber weiterhin bei anderen Magazinen als Autor tätig und werkelt sicher gerade wieder an einem neuen Buch.

Mit diesem Vorwissen stuft ihr die Zeitung jetzt schon als hochprofessionell ein, jedoch sind objektiv betrachtet, die Faktoren für ein erfolgreiches Konzept nicht vorrausgesetzt: Das Magazin hat mit über 110 Seiten Umfang sicherlich einen größeren Umfang als die .psd und mit weniger als drei bis fünf Seiten Nettowerbung wird dies auch nocheinmal bestätigt. Allerdings kommt die DOCMA ohne jeden Datenträger daher und besitzt mit fünf Leuten in der Hauptredaktion eine vermutlich sehr belastete Gruppe vor. Auch wenn das Magazin nur alle zwei Monate erscheint, so ist es in Anbetracht des Umfangs geradezu bemerkenswert, wie viel Arbeit auf jede einzelne Person der Redaktion zu kommt, von der widerum Doc Baumann selbst einen Großteil übernimmt. Ruft man sich nun wieder das Autorensystem der .psd ins Gedächtnis, so sieht man hier natürlich den Vorteil, dass nicht so große Schwankungen innerhalb der Zeitung vorhanden sind, aber bei der DOCMA ist das krasse Gegenteil der Fall: Doc hat auf alles seinen Finger drauf. Ob das jetzt positiv oder negativ zu bewerten ist überlasse ich euch, nachdem ihr die folgenden Absätze gelesen habt.

Inhaltlich hat DOCMA zuerst einmal ein umfangreiches Vorwort mit einem immer anders gestalteten Bild vom Doc vorzuweisen. Danach folgt eine Doppelseite Werbung aus dem graphischen Bereich, dann die dreiseitige Inhaltsübersicht samt Impressum und erneut eine Seite Werbung. Meist war es das hier schon mit Marketing insgesamt, doch wie oben erwähnt, kann man hier vermuten, dass noch die Heftrandwerbepräsenz das ein oder andere Mal zum Einsatz kommt. Die inhaltliche Gliederung zeigt auch noch die Rubriken auf. Es fällt positiv ins Auge, dass das Versprechen auf der Titelseite jeder Ausgabe mit 70 und mehr Seiten Workshops eingehalten wird, da die Rubrik ‚Workshops‘ wirklich dominiert. Eingeleitet wird das Heft jedoch mit Reportagen über Peripherie, also Kameras, Scanner, Drucker etc., desweiteren Software und Internetpräsenzen. Danach kommt das aktuelle Titelthema, in dem dann auch entweder eine künstlerische Gruppe oder ein einzelner Graphikdesigner vorgestellt wird. Hier liegt dann auch häufig die Verantwortung für das Titelbild. Dann folgen Workshops auf Workshops, auf die ich im nächsten Absatz eingehe. Zu den Workshops gehören aber auch ein paar Leserbriefe, die eine Problemlösung zu einem Photoshopthema suchen. Diese Problemlösungen sind dann auch als Workshops angelegt. Auf den letzten Seiten des Magazins wird ein Programm, wie ‚Pimp my Lightroom‘ oder ein Zubehörteil, beispielsweise die neue Wacom Intuos Reihe, näher beleuchtet, bis schließlich über den DOCMA Award und den Tech-Talk das Heft abgerundet wird. Insgesamt kann man also sagen, dass die einzelnen Rubriken schon auf die Darauffolgende vorbereiten und somit ineinander übergehen. Logischerweise lassen sich nicht alle Workshops thematisch in die selbe Nische einordnen, dennoch achtet Doc sehr darauf einzelne markante Themen ŕ la Typographie, Photographie und künstlerische Schöpfungen nicht sinnlos durcheinander zu würfeln, aber sie auch nicht strikt zu trennen. Wenn ein typographisches auch noch mit Photomanipulation spielt, benutzt er solche Mischthemen als Schnittstellen und Übergänge.

Die Workshops sind individuell gestaltet. So verwendet DOCMA natürlich auch das euch aus .psd bekannte System, mit vier Bildern pro Seite nebst Erklärungen, jedoch sind diese hier wesentlich umfangreicher und beinhalten neben Farbwerten auch noch Tastaturkürzel und alternative Lösungsansätze. Hinzu kommen oben erwähnte Leserbriefe, die meist auf ein bis zwei Seiten mit wechselndem Layout auch versuchen auf Probleme der Leser mit Bildbeispielen einzugehen. Ein Gastauftritt wird ebenfalls innerhalb der Workshops durchgeführt und zwar in der Form, dass ein – in der Szene – bekannter Künstler, anhand aktueller oder erfolgreicher Werke seiner selbst, seine gesamte Vorgehensweise darstellt und sogar kritisch analysiert. Meist merkt man jedoch, dass Doc nicht nur redaktionell sehr in die Geschichten eingreift, so ging ihm einmal ein Beispiel zur Verschönerung diverser Photomodells nicht weit genug und er setzte einen eigenen Workshop räumlich hinter den Gastartikel. Alles in allem ist er aber dennoch bemüht auch der Kreativität ihren Raum zu lassen und varriiert daher auch inhaltlich, so ist er jeder neuen Bewegung im Photoshopbereich gegenüber aufgeschlossen ohne direkt kritisch zu kommentieren.

Der DOCMA Award ist für Baumann das Aushängeschild seiner Zeitung. Hier versucht er eine Nachkommenschaft für die Photomanipulation heranzuzüchten. In jeder Ausgabe wird ein Thema vorgegeben, welches sich natürlich um die praktische digitale Bildbearbeitung dreht. Hier werden kleine Auszeichnungen vergeben, die quasi die Vorläufe für den jährlichen Wettbewerb mit richtigen Auszeichnungen und Preisen sind. Das Thema wird hierbei beibehalten und die Gewinner werden in der Kunstgalerie in Koblenz geehrt.

Die letzte Innenseite des Magazins ist eine Art Kolumne, die aber einen starken technischen Aspekt aufweist. So ist hierfür meist der Co-Redakteur Christoph Künne verantwortlich, der – laut Docs eigenen Angaben – ein ziemlicher Gegenpol zu ihm selber sei. Interessant ist auch der Hintergrund, dass Doc seit jeher auf seinen Mac als Arbeitsmaterial schwört und Künne deshalb sehr in seinem Team begrüßt, weil er die Massenmarkt Alternative bis in die neunziger Jahre nutzte, doch nun, seit der Gründung des Magazins, auch den Mac nicht mehr missen mag.

Letztendlich muss ich gestehen, dass ich sehr davon überzeugt bin, dass in den Punkten Wissen und Professionalität, DOCMA mit Abstand vor allen anderen Zeitschriften liegen mag. Indirekt bin ich als Mitleser der ‚Bikers News‘ und ebenfalls passionierter Motorradfahrer ebenfalls von Baumann vorgeprägt. Möglichst objektiv betrachtet muss ihm aber ankreiden, dass eine Einstiegerfreundlichkeit wirklich kaum gegeben ist. Ziemlich oft muss man mit Fachbegriffen kämpfen, welche – aufgrund der verschiedenen Photoshopversionen – auch noch meist unterschiedlich oder doppelt vorhanden sind. Nicht zuletzt beschreibt Doc in seinen Workshops zwar ausführlich, aber nutzt sein Wissen eben doch dahingehend, dass er viele Schritte in einem Atemzug beschreiben kann. Das DOCMA sein persönliches Ziehkind ist, merkt man auch an jeder Stelle, womit für den Leser selbst nur die Frage bleibt, ob man sich selbst dem Anspruch der Zeitung und der einseitigen Prägung gewachsen fühlt. Aufgrund seiner Darstellungsweise und seiner Umgänglichkeit, was sicherlich nicht zuletzt seinen Erfolg ausmacht, ist hier jedoch eine Kaufempfehlung zu geben.

Abweichend vom Thema und die letzte Frage betreffend: Warum in Mannheim? Der Verlagssitz der Bikers News ist in Mannheim und war somit für mich der einzige Anhaltspunkt für einen Aufenthaltsort von Hans D. Baumann, da dieser wegen seinem vielen Reisen, überall zu Hause sein könnte. Hauptgrund ist aber jener, dass ein ehemaliger Chefredakteur einer Szene Zeitschrift sich schließlich nicht immer überall Freunde macht.

Kessy Frankfurt

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Bei diesem Bild wurden auch wieder mehrere Workshops als Inspiration und Leitfaden verwendet. Der simple Hintergrundgedanke war es, fotographierte Freistellmasken für erstklassige Photomontagen zu verwenden. Der Webmaster hatte es glücklicherweise geschafft, seine Katze im Winter derart geschickt auf seinem Geländer zu fotographieren, dass er es mir leicht machte, Kessy freizustellen. Im nächsten Schritt suchte ich mir einen passenden Hintergrund und wählte ein Foto, welches die Skyline der Frankfurter Innenstadt mit Blick auf den Hauptplatz zeigte. Da es nicht gelang Kessy glaubhaft vor einer konzeptionsähnlichen skizzierten Frankfurter Innenstadt in Szene zu setzen, verwischte ich das Bild minimal radial um eine Fluchtpunktperspektive vorzutäuschen. Gleichzeitig gab der nicht mehr eindeutige Hintergrund der Montage eine gewisse Dynamik, leider jedoch von Kessy weg, obwohl sie sich der Fluchtpunkt hinter Kessy im Zentrum befand. Also veränderte ich die Sättigung und die Beleuchtung des Hintergrunds derart, dass ich immer mehr an Farben einsparte und schließlich ganz auf Grautöne setzte, geschmacksbedingt. Da das Katzenfell bei dieser Operation ziemlich litt, musste ich es künstlich mit einem Pinsel nachzeichnen. Der Blick des Betrachters blieb aber dennoch nicht an Kessy hängen, also erinnerte ich mich an einen Workshop aus einer früheren DOCMA Ausgabe, in der Augen in alten schwarz-weiß aufnahmen nachgefärbt wurden. Ich markierte die Katzenaugen, kopierte sie und machte sie transparent. Dann wählte ich einen starken Grünton, der aufgrund der dazwischengeschobenen Ebene mit Katzenaugen, dem grün einen dunklen Smaragdcharakter gab. So brillierten die Augen der Katzendame vor dem Hintergrund annehmbar auffallend.

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