JakillSlavik

San Franzisco

Allein bei dieser Überschrift habe ich dieses furchtbare Lied im Kopf…Aber: Nein! Ich werde es nicht zitieren. „if you’re goin‘ to …“ * summ* Ach verdammt! Und verflucht sei das Cover der Global Deejays, doch das könnt ihr alles getrost ignorieren. Ohrwürmer sind vernachlässigbar.

Hintergrund des heutigen Eintrages ist die Stadt „San Franzisco“ und dessen Bedeutung in den zwei Kinofilmen, die ich heute anreißen möchte. Teilweise werde ich Einzelheiten verraten, aber versuchen starke Spoiler zu vermeiden. Der zweite Grund, warum ich wieder einen „Gastbeitrag“ verfasse, ist die Vorbereitung des aktuellen Podcasts für diesen Monat, den ihr am Montag höchstwahrscheinlich erwarten dürft.

Friendship! – ist mit Abstand der einzige Kinofilm der letzten Zeit, der es geschafft hat, dass ich während des Films gar nicht, bis kaum darüber nachgedacht habe, dass ich gerade einen Film schaue. Meistens bewundere ich im Hinterkopf das Handwerk. Ich überlege mir, wie an manchen Stellen Musik atmosphärisch unterlegt wird, wie geschnitten wurde, in bestimmten Situationen die Erzählung unterschwellig durchschlägt oder wie die Kamera-Einstellung den Blick optimal führt. Das sind noch die geringeren Gedanken neben dem großen Frage, die ich mir stelle: „Was kommt jetzt?“ und mir meist die Antwort doch schon selbst zusammenreimen kann. Verwunderlicherweise ist in Friendship! ist die Geschichte fix erzählt und doch anders: Die Berliner Mauer ist gefallen und die beiden jungen Ostdeutschen Veit und Tom wollen nach San Franzisco. Warum? Tom hat seit frühster Kindheit nie in das Muster eines DDR-Bürgers gepasst und erfährt von seinem Freund Veit, dass San Franzisco der westlichste Punkt der Welt ist, also genau sein Traumziel, um einen möglichst großen Abstand zur DDR einzuhalten. Veit hingegen – das erfährt man nicht aus dem Trailer – hat ganz private Interessen, denn sein Vater ist in seiner Jugend über die Mauer geflohen und schreibt ihm seitdem jedes Jahr zum Geburtstag eine Glückwunschkarte aus San Franzisco. Was man auch nicht erfährt, ist die Begebenheit, dass die Beiden eigene Kurzfilme mit einer mobilen Videoausstattung drehen und diese auch vorführen. Zusammen mit dem ostdeutschen Talent zur Improvisation machen sie sich mit dem Flugzeug nach Amerika auf, doch langt ihr Geld nur für ein Flugticket bis New York. Über unzählige einfallsreiche Aktionen gelingt es ihnen dort ,entgegen allen Geld- und Verständigungsproblemen, ihrem Ziel immer näher zu kommen. Die witzigen Dialoge sind größtenteils alle im Trailer enthalten, was noch hinzu kommt, ist die teils brillante, teils vorhersehbare Situationskomik. Insgesamt ist Friendship! aber eine nachdenklich stimmende Unterhaltung mit unerwartet langer Laufzeit, von knapp zwei Stunden. Jedoch habe ich keine Minute gespürt, dass hier etwas in die Länge gezogen wurde oder auf Durchzug geschaltet. Die Landschaftsaufnahmen, die Reise und die Charaktere sind schlichtweg stabil und dennoch setzt sich dieser Film klar von sonstigen Roadmovies ab, weil die Geschichte von dem introvertierten Veit und seiner Suche nach dem Vater den Zuschauer immer wieder einfängt. Dass der Film natürlich gegen Ende auf die Golden Gate Bridge als Schauplatz hinausläuft ist zwar keine Überraschung, aber auch danach wird in einer kurzen Abschlussszene die Geschichte konsequent zu Ende gebracht. Dieser Film verdient meiner Ansicht nach, die volle Anzahl an Sics. Mehr als empfehlenswert.

The Book of ELI – ist auf den ersten Blick ein typischer post-apokalyptischer Film, der in Nordamerika spielt. (Wo auch sonst?) Mehr oder weniger zufällig, bin ich genau am 18. Februar zum Kinostart in den Film gegangen und er war nicht gerade übermäßig besucht. Wie zu erwarten war, war ein „Großer Krieg“ Auslöser für den „hellen Blitz“, der für die Zerstörung nahezu sämtlicher Zivilisation verantwortlich ist. So weit, so platt. Denzel Waschington als ergrauter einsamer Streiter, mit einer sehr spitzen Machete, einem Bogen und unzähligen anderen Waffen, schnetzelt sich 30 Jahre nach der Apokalypse durch die Überlebenden. Die haben bereits alle keine Erinnerung mehr an die Zeit vor dem Blitz und sind dementsprechend unzivilisiert. Wer Spiele wie Fallout kennt, Ideen von Postman, Waterworld und dergleichen verstanden hat, der bekommt die erste halbe Stunde und gegen Ende noch richtig schöne Landschaftsaufnahmen, wie sie zu erwarten sind. Zwischendurch geht dies etwas verloren. Was auch verloren geht, ist die Action zu Beginn des Filmes, denn dies ist kein Actionspektakel, auch wenn der Trailer das verheißen mag. Denn die wenigen gezeigten Szenen aus der Vorschau sind bereits alle Szenen, die es in der Bauart gibt, doch gerade die sind besonders kunstvoll gestaltet, auch wenn die Brutalität grenzwertig ist. Schlagwort Kettensäge. Zeitweilig könnte man sich an einen Quentin Tarantino – Streifen erinnert fühlen, auch wenn hierzu die Samurai-Schwerter fehlen. Was besonders ist, ist die Geschichte um das Buch, die bereits nach wenig Überlegen uns Elis Buch als… das Buch… herausstellt. Ich denke, mehr muss dazu nicht gesagt werden. Eine höhere Instanz, ohne dabei in zu tiefe Gläubigkeit ab zu driften, verleitet Eli aka Denzel Waschingten das Buch zu finden und fortan nach Westen zu bringen. (Nach San Franzisco, wie man sich nach kurzer Zeit bereits denken kann.) Ihm entgegen gestellt, wird ein Gary Oldman als strategischer Gegner, der ebenfalls noch Erinnerungen an die Zeit vor dem Krieg und in der Geschehenszeit ziemlichen Einfluss hat und die Macht der Worte des Buches kennt. Obwohl man jetzt vermuten könnte, dass man hier auf spirituelle Ebenen gezogen wird und Eli wirklich sehr zäh, sowie übermenschlich erscheint, wird hier keinerlei göttliche Intervention hoch gejubelt. Genauso habe ich mich während des Filmes aber ständig ertappt, dass ich erwartet habe, dass JETZT etwas Außergewöhnliches passiert und das Außergewöhnliche war, das eben nichts dergleichen passiert ist. Auch wenn das wenig spektakulär klingt, ist es deswegen neu, weil man wie in unserer Zeit, keine Wunder erwarten darf, solange keine Wunder in einem selbst geschehen und so gesehen ist der Film auf subtile Weise, wenn man darüber reflektiert, sehr religiös ohne aufgesetzt christlich zu sein. Das und die vielen Passagen in denen lange Zeit kaum ein Wort zwischen den Personen gewechselt wird, sorgen für eine dichte Atmosphäre. Allerdings stellt sich The Book of Eli selbst ein Bein, weil dieses Stilmittel des stillen Moments schon ab der Hälfte des Filmes ziemlich überreizt ist. Doch pünktlich zum Ende, wenn wieder die beeindruckenden Bilder der zerstörten Golden Gate Bridge und San Franzisco insgesamt zu sehen sind, fängt sich die Stimmung wieder. Auch als kurz darauf ein sehr heftiger Wendepunkt in der Handlung eintritt, führt sich dieser Abschnitt stimmig ein, wie die Glieder einer Kette. Die allerletzte abschließende Szene hingen, ist in Anbetracht der vorher genial verschleierten Wendung gerade zu lächerlich. Ich würde diesen Film etwa zwischen drei bis vier Sics einordnen, eher drei. Führe mich zu frischem Wasser.

Heimlicher „Held“ war für mich in beiden Filmen, die Gefängnisinsel Alcatraz. Wer die Filme gesehen hat, weiß worauf ich hinaus will. In diesem Sinne wünsche ich euch schon einmal ein schönes Wochenende, bis zum nächsten Eintrag meinerseits. Als kleine „backstage“ Information kann ich noch anmerken, dass ein weiterer Gastautor sich in naher Zukunft auch mal wieder die Ehre geben wird. Friendship!

–jks

Print Friendly, PDF & Email
Tweet about this on TwitterShare on FacebookEmail this to someone

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

:smile: :sad: :wink: :tongue: :-x :roll: mehr »
*