JakillSlavik

Uncle Sam

„Bzz… Sam, du bist in Gefahr…Sie haben dich gefunden!Wenn du das überleben willst, tu‘ was ich dir sage.“

Mit diesen Worten beginnt nicht nur die Gefahr für Sam Fischer, sondern auch für – ihr habt es dem Titel entnommen – ‚Uncle Sam‘ , der metaphorisch für die Vereinigten Staaten von Amerika im kürzlich erschienen Spiel [b]Splinter Cell: Conviction[/b]. Und mit ganz kritischen, aber auch lobenden Worten melde ich mich nach längerer Ruhepause als Gastautor zurück. Im Mittelpunkt des heutigen Eintrags steht der neue Stealth-Action Kracher von Ubisoft.

Der neuste Ableger von Tom Clancy’s Splinter Cell – Reihe knüpft mit etwas Abstand an die Ereignisse des Vorgängers [b]Double Agent[/b] an. Sam Fischer, Third Echolon Agent und Protagonist der Serie, hat gegen Ende des Vorgängers seinen guten Freund und ehemaligen Chef von Third Echolon Irving Lambert, um seine Tarnung als Doppelagent nicht zu gefährden, umgebracht. Jetzt versucht der mehr oder minder sich im Exil befindliche Agent auf Malta das Geschehene zu verarbeiten. Durch die Jahre als Soldat und Spezialagent ist er innerlich ziemlich verroht und der einzige menschliche Wesenszug als treusorgender Vater für seine Tochter Sarah, wurde ihm auch noch genommen, als diese bei einem Autounfall umkommt. Die tragische Entwicklung der Gestalt könnte kaum drastischer ausgeprägt sein.

Sam Fischer befindet sich gerade in einem öffentlichen Café, als der Kellner ihm einen Telefonanruf über ein Handy zustellt. Als Sam das Gespräch entgegen nimmt, sind es die in der Einleitung erwähnten Worte, die die packende Geschichte in Conviction in Gang setzen. Es stellt sich heraus, dass die ehemalige Verbindungsoffizierin bei Third Echolon, Anna Grímsdóttir, Sam ausfindig gemacht hat und sie brisante Informationen für ihn hat: Seine Tochter lebt. Die USA und sein Leben sind bedroht. Die Hintergründe für ihr Handeln bleiben fast bis zum Ende der Geschichte im Dunklen. Der Spieler, der wie immer die Rolle von Fischer übernimmt, erlebt hautnah mit der Hauptperson, wie er von einer Intrige in die Nächste gerät. Es fällt sehr schwer auszumachen, wem noch zu vertrauen ist. Ein ehemaliger Freund, mit dem Sam im ersten Golfkrieg gedient hatte, wird präsentiert als letzte Bezugsperson, doch auch dessen Beweggründe sind dem Spieler zunächst unklar. Conviction treibt die Spannung und das Wechselspiel aus Jäger und Beute von Anfang an auf den Höhepunkt.

Wer die vorherigen Teile kennt, ist meist eine recht vorhersehbare und lineare Story gewöhnt. Auch wenn die Serie sich gerade darin ausgezeichnet hat, ständig am Game Design bezüglich Level und Missionen zu arbeiten, muss man auch bei Conviction einräumen, dass man natürlich in Ansätzen absehen kann, was einen erwartet. Unerwartete Wendungen in der Geschichte treffen natürlich ein, aber sind nicht derartige Schocks, wie bei so benannten anderen Vertretern. Dennoch ist dieses Prinzip für die Spieleentwicklung an sich relativ neu und orientiert sich – ohne rot zu werden – ganz klar an der erfolgreichen TV-Serie [b]24[/b]. Parallelen zwischen Sam Fischer und Jack Bauer, Hauptfigur aus 24, wie ihr aus meinen letzten Gastbeiträgen erfahren habt, kann man schnell ziehen, doch hier ist Vorsicht geboten. Gerade weil – wie eben erwähnt – die Vorgänger bekannt sind, wird das alte Schleichprinzip in Conviction nicht direkt über Bord geworfen. Es ist das Rückgrat.

Grundsätzlich ist Conviction ein Bruch mit Allem, was man vorher kennt, doch hat sich auch Vieles positiv verändert. Die Menü-Führung, ins Spiel projizierte Hilfestellungen und das schlankere Interface machen das Spiel schneller, eingängiger und Bremsen die Geschichte nicht. Endlich nicht mehr zwischen dem „Schleichen“ und dem „Schießen“ umschalten zu müssen, dynamisches Deckung suchen, das Alles mag untypisch für die alte Fangemeinde sein, weil das Spiel wirklich um Einiges Action lastiger ist. Dennoch kann man ohne Einschränkungen sagen: Ohne kluges Vorgehen und dem aktiven Nutzen von Dunkelheit oder Heimtücke, wird man mit der Rambo-Manier in Splinter Cell zumindest ab dem mittleren Schwierigkeitsgrad auf Granit beißen. Man kann mit Hilfe eines selbst zusammenstellbaren Waffenset zu einem kleinen Teil auf Einfluss auf die Ausrichtung von Sam Fischer nehmen.

Die „Künstliche Intelligenz“ und die vorgezeichneten Wege sind dennoch so gestaltet, dass man die meiste Zeit Passagen hat, dass man von freiem Vorgehen sprechen kann. Die KI ist stellenweise sogar recht klug und durchkämmt das Gelände zielstrebig auf der Jagd nach Fischer. Meist sogar in Absprache untereinander. Trotzdem gibt es grobe Schwächen bei den Computergegnern, die man in übermächtigen Situationen gerne ausnutzt. So ist es nicht untypisch, dass man aus Verzweiflung auch mal einfach wartet und 25 Leute durch ein und dasselbe Fenster zieht und ins Jenseits befördert. Das gewohnte ‚Computergegner bleiben an einem Hindernis hängen‘ tritt selten auf, aber tritt auf. Genauso negativ fallen einzelne Levels auf, die stur vorgeben, welchen Weg man gehen muss und den Spieler kaum einen Zentimeter von diesem abweichen lassen. Beschwichtigend muss man aber anführen, dass diese Level in der starken Unterzahl sind und bei erneutem Durchspielen auch innerhalb von wenigen Minuten abgearbeitet. Level die Lautlosigkeit und Pazifismus vorschreiben existieren auch und sind sehr streng, doch auch diese sind im Grunde recht schnell zu passieren.

Grafisch ist Splinter Cell: Conviction relativ gut gelungen. Die Umgebungen sind sehr detailliert gemacht und auch bei den Figuren wird sich um ein glaubhaftes Erscheinungsbild bemüht. Leider erkennt man der Unreal-Engine an, dass sie nicht gerade Glanzleistungen bei Mimik und Gestik abliefert. Ebenfalls fällt der starke Kontrast zwischen den leicht gerenderten Missionsübersichten, auf, vor allem, wenn diese dann zur wirklichen Spielegrafik wechseln. Die Kanten bleiben gerne kantig, trotz Kantenglättung und manche Texturen sind verschüttete Farbtöpfe, selbst bei hohen Grafikeinstellungen. Atmosphärisch und im Zusammenspiel von Licht und Schatten kann man Splinter Cell 5 allerdings keine Vorwürfe machen: Das kann das Spiel einfach und auch gerade was das Gameplay betrifft, sollte dieser Punkt eine etwas höhere Gewichtung haben.

Die Musik, die Soundeffekte, die Vertonung ist grandios. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich aufgrund meiner vergangen Spielerfahrung mit den ersten Splinter Cell Titeln auf deutscher Sprachausgabe, den aktuellen Titel auch in meiner ?mother tongue“ anhöre. Dies mag auch daran liegen, dass ich die deutsche Synchronstimme von Nicolas Cage, die auch Sam Fischer in allen Teilen vertont, einfach grandios finde. Die Vertonung der Feinde ist auch sehr gut gelungen, obwohl die üblichen Handlanger meist von den selben Stimmbändern sich bedienen. Natürlich werden mit der Zeit Sprüche wiederholt, Reaktionen der Gegner vorhersehbar und Kommentare sehr gedehnt. Wirklich störend auffallend, wie das zuletzt angesprochen Sacred 2, empfinde ich es allerdings nicht.

Fazit meinerseits ist, dass das Spiel wirklich sehr empfehlenswert ist. Ich kann es schlichtweg nicht so loben, wie es GamersGlobal.de und andere Medien derzeit tun, aber ich kann es auch nicht so abstrafen, wie es Hut tragende hyperaktive Video Reviewer zum Teil versuchen. Ich möchte dem Spiel gerecht werden und dazu muss ich sagen, dass Ubisoft bei diesem Titel sehr sehr nahe an ein zukunftsweisendes Spiel kommt.

Als Abrundung möchte ich hiermit verkünden, dass ich in letzter Zeit noch nie so sehr eine gute Mischung aus Action, taktischem Vorgehen und einer interessanten Geschichte erlebt habe, wie jetzt in Conviction. Der Titel ist seit langer Zeit für mich zwar nicht der Messias, wie etwa [b]Portal[/b] für die Spielemagazine, aber auf jeden Fall etwas, dass bei mir die skeptische Einstellung gegen Erscheinungen für den PC und Spiele allgemein etwas auflockert. Ich versuche objektiv zu schreiben, aber hier zementiere ich: Conviction überzeugt mich und gibt mir Hoffnung. Darum vergebe ich die Maximalwertung.

5 von 5 Sics

Lobenswert möchte ich auch noch – ohne Auswirkung auf die Wertung – das Gesamtpaket an Nebenmissionen, Kaufsystem mit Gamepoints (die auch wieder umstritten sind), Multiplayer, Kooperationsmodi und Belohnungssystem, das einen weiteren Eintrag füllen könnte, erwähnen.

Einen wunderbaren Start in den Mai wünscht euch
– jakillslavik

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2 Kommentare

Zugegeben: Ich hab\' abseits des stylischen Hauptmenüs und den ewig langen Credits noch nichts vom Spiel gesehen.

Aber für mich ist die Serie schon mit Double Agent aus dem Vergleich mit Hitman und Thief und das finde ich einfach schade. Deswegen ist SCC sicherlich kein schlechtes Spiel – im Gegenteil ist es im Vergleich zu Double Agent garantiert 100mal besser, aber mir persönlich gefiel der \"alte\" Sam Fisher mit seinem ikonischen Nachtsichtgerät einfach besser. Schon allein weil die gefallene Helden-Story mittlerweile genauso nervt wie der x-te WWII-Shooter. Mir grauts vor Max Payne 3…

Jopp das ist sicherlich wahr, aber Chaos Theory beispielsweise, hatte einfach viel zuviele Unbequemlichkeiten, die den "Style" zwar nicht gemindert haben, aber auf die Dauer einfach nervig waren. Es wurde versucht das klassische 3-mal Alarm auslösen und vorbei – System abzulösen, mit einer manchmal sehr Undurchsichtigen Geschichte: Wann habe ich das Spiel verloren? bzw. Warum jetzt? Außerdem war die Aussage, dass Sekundär-Aufgaben wirklich nur nach Belieben gemacht werden dürfen, schlichtweg falsch, weil sie eben später doch bindend wurden. Aber zurück zum Style… ja der fehlt an manchen Stellen auch. Ein bisschen was bekommt man ja wenigstens mit dem Sonar zurück. Bei den Schleifaspekten fehlte mir, dass es relativ steif war. Auch wenn man in Thief 3 keine Leute tothopsen konnte, ist Thief immer wesentlich dynamischer gewesen. Das SCC hier nicht weil es ein gutes Stealth Spiel ist, von mir gelobt wurde, dürfte wohl klar sein. Stealth Action q.q" More plz q.q habs das zweite Mal durch und hab es erst gute 48 Stunden gesuchtet q.q" mit Nebenkrimmskramms und so…

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