Sicarius

Zwei Filme – Einer nicht so toll, der andere fantastisch

Was macht man, wenn man krank im Bett liegt? Ja, sich darüber ärgern, dass man die neuste Folge von Escape from the Movies nicht auf dem iPod schauen kann gehört dazu. Auch schlafen und lesen sind völlig korrekte Antworten. Ich suche aber eigentlich nach „DVD schauen“.

Apropos: Hier macht sich ein Nachteil meines Schwenks zu Blu-ray bemerkbar. Am Laptop kann ich sie nicht schauen. Aber gut – noch habe ich genug ungeschaute DVDs, dass das noch nicht ins Gewicht fällt. So let’s talk movies:

Dracula (1931)Dracula (1931) – Nein, ich meine nicht Francis Ford Coppolas Dracula. Vergesst den Film am besten gleich wieder. Ich frage mich ernsthaft, was der Kerl sich dabei gedacht hat…aber ich schweife ab. Ich meine natürlich das „Original“ von 1931 mit Bela Lugosi, der Inbegriff des Grafen. Wenn jemand Dracula sagt, dann meint er Bela Lugosi – selbst wenn er den Film noch nie gesehen hat und nicht einmal weiß, wer Bela Lugosi überhaupt ist. Seine Performance hat das Image des Vampirs bis heute geprägt.

Doch nun zum Film: Wer mich kennt, der weiß, dass ich durchaus was übrig habe für die alten Klassiker. Einem Panzerkreuzer Potemkin kann ich genauso viel abgewinnen wie einem Daybreakers. Aber obwohl Dracula aufgrund vieler Dinge berechtigt zu einer hohen geschichtlichen Bedeutung gelangt ist und Bela Lugosi, Edward Van Sloan und Dwight Frye die perfekte Besetzung für Dracula, Van Helsing und Renfield waren, war Tod Browning im Regiestuhl meiner Meinung nach komplett fehl am Platz. Wäre es ein kompletter Stummfilm, Tods Spezialität, wäre das Ergebnis unter Garantie viel besser geworden. Aber mit Tonfilmen hatte der gute Herr absolut nichts am Hut – und das wird nirgends so offensichtlich wie hier.

Man merkt ständig, dass er sich nicht entscheiden konnte was er jetzt eigentlich gerade dreht. Stille, langsame Stummfilmszenen wechseln sich mit unbeholfen wirkenden Tonaufnahmen ab. Alles wirkt wie der Ablauf der Geschichte selbst irgendwie planlos und unbeholfen. Es gibt Kritiker die loben den Film genau deshalb, aber ob da nicht auch wenig die rosafarbene Brille mit dabei ist? Ich weiß, es war 1931. Aber wer Fritz Langs Filme wie M – Eine Stadt such einen Mörder (Tonfilm, 1931) oder F. W. Murnaus Meisterwerk Nosferatu, eine Symphonie des Grauens (Stummfilm, 1922) kennt weiß, dass es schon damals besser ging. Aber es gibt ja noch die berühmte spanische Fassung (eine Erklärung dazu allenfalls in einem anderen Eintrag) – vielleicht haben die es auch ohne Bela Lugosi tatsächlich besser hinbekommen. Mal schauen…

Zu Dracula (1931) kann ich jedoch nur eins sagen: Man sollte ihn gesehen haben, um zu wissen wovon jeder (unbewusst) redet. Aber einmal reicht völlig. Nosferatu, eine Symphonie des Grauens ist der weit bessere Film. Es gab wohl sogar noch eine viel frühere Dracula-Verfilmung, aber die ist komplett verschollen.

Red CliffRed Cliff – Bevor wir anfangen, eine Warnung: Kauft auf KEINEN Fall die deutsche DVD/Blu-ray. Da ist nur die hirnlos zusammengekürzte internationale Fassung mit mageren zwei Stunden drauf. Das chinesische Original gibt es derzeit nur als Import aus England, ist in zwei Teile aufgespalten und insgesamt fast fünf Stunden lang – fünf Stunden, während derer ihr euch garantiert nicht langweilen werdet. Aber Vorsicht: Es gibt keine englische oder gar deutsche Synchronisation. Chinesisch mit englischen Untertiteln ist angesagt!

Wer meint, dass John Woo seit Im Körper des Feindes (Face/Off, 1997) den Zenit seiner Karriere überschritten hat – seien wir doch ehrlich: Weder Mission Impossible II noch Paycheck waren der Brüller -, wird mit diesem monumentalen Meisterwerk vom Gegenteil überzeugt. Mexican Stand-offs und coole Helden und Bösewichter sucht ihr hier aber vergebens. Nur weiße Tauben, Woos Markenzeichen, kommen zu Hauf vor. Stattdessen basiert die Geschichte auf der realen Schlacht um Red Cliff während der Zeit der drei Königreiche in China. Das war angeblich 220-280 A.D., der Film spielt 208 A.D. – aber gut, in Wirklichkeit war es auch Winter als es bei Red Cliff fetzte und nicht Frühling/Sommer, wie im Film dargestellt. Das macht das Ganze aber jetzt nicht weniger gut.

Es geht um drei Königreiche, die im Krieg sind. Das eine wurde bereits von der übermächtigen Armee des Bösewichts Cao Cao so gut wie vernichtet und verbündet sich nun mit der anderen Armee, um bei Red Cliff in Unterzahl darüber zu entscheiden, ob die südlichen Ländern in die Hände von Cao Cao fallen oder alles wieder gut wird. Mittendrin ist der Charakter des Zhuge Liang, ein brillanter Strategie und die zentrale Figur des Films – auch wenn es manchmal nicht den Anschein hat. Vornehmlich dank ihm schaffen es die Guten die Bösen zu besiegen und alle sind wieder Happy. Und diese fast schon allwissende, aber keinesfalls überhebliche Art wie Takeshi Kaneshiro den Charakter spielt wäre definitiv einen Oskar wert gewesen.

Wie? Ihr hattet jetzt mehr Tiefgang erwartet? 80% des Films findet ausschließlich in Red Cliff und dem gegenüberliegenden feindlichen Lager statt. Da gibt es keine großartigen Wendungen und Überraschungen. Im Gegenteil ist der Film sogar äußerst berechenbar. Aber wie in einer Folge Mission Impossible, wo wir zwar ganz genau wissen, dass die Guten am Ende gewinnen, ist auch hier der Weg das Ziel. Wir wollen sehen, wie der geniale Plan in die Tat umgesetzt wird. Vor allem weil der Film gigantisch inszeniert ist. Am offensichtlichsten sind die riesigen und minutenlangen Schlachtsequenzen – allen voran natürlich die Endschlacht. Was hier auf der Leinwand abgeht, ist der helle Wahnsinn und verdient das Prädikat „Episch“. Außerdem sind die Schlachten auch inhaltlich sehr interessant. Da rennen nicht einfach nur zwei Armeen aufeinander zu und wir sehen den Helden ständig in der Nahaufnahme mittendrin stehen und in Zeitlupe haufenweise Leute abschlachten. Hier gibt es tatsächlich innovatives und abwechslungsreiches zu sehen. Ich habe mich mehr als einmal gefragt, ob die das damals tatsächlich so gemacht haben, oder das jetzt dem Hirn eines Autors entstammt. Die Römer mit ihren zwei, drei Formationen waren Langweiler dagegen.

Aber auch abseits der Action gibt es gewohnte Woo-Kost mit spannenden und sehr gut inszenierten Dialogen, die auch ohne Desert Eagle in der Hand wunderbar funktionieren und wortlos alle Arten von Emotionen erzeugen können. Wenn ich etwas am Film zu bemängeln habe, dann höchstens die teils doch etwas übertriebene, fast schon slap-stick-hafte Darstellung der vier übermenschlichen Krieger, deren Namen ich definitiv nicht mehr auswendig weiß und der Soundtrack. Zwar ist das Motiv des Films sehr gelungen, aber ich hatte in den fünf Stunden doch viel zu oft das Gefühl, immer wieder das gleiche Lied zu hören. Und DAS ist kein Zeichen für einen guten Soundtracks.

Das soll euch aber nicht davon abhalten diesen Film in der Originalfassung unbedingt anzuschauen. Auch wenn vieles typisch asiatisch ist und dadurch vielleicht abschreckend wirkt, mir fällt da beispielsweise die tiefgründige und äußerst bedeutsame Musikszene ein, werdet ihr allein der Blut und Morde wegen gut unterhalten.

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Ein Kommentar

Bei Red Cliff erging es mir genauso… ich hab teilweise gehofft, dass noch einer der Helden stirbt, weil die wirklich zäher sind, als jeder SinCity Veteran. Wer sich hier nur an Marv erinnert, dem sei verziehen -> Er ist nur ein schwaches Abbild eines Helden im Vergleich zu diesen…Sprösslingen.

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