Sicarius

Öffentlicher Abbau von Rest-Aggressivität

Nach der Überdosis an Einträgen und auch größtenteils richtig langen Einträgen (mit nicht minder kurzen Kommentaren), wollte ich es heute eigentlich etwas ruhiger angehen. Ein paar Ultra-Kurz-Berichte zu Spielen und Filmen und schon wäre die Sache erledigt gewesen. Doch zwischen Vorhaben und Durchführung habe ich zwei Fehler gemacht: Ich habe versucht League of Legends online mit und gegen menschliche Spieler zu spielen und habe endlich Assassin’s Creed (ja, Teil 1) durchgespielt. Da war es vorbei mit der Ruhe und ich habe sogar jetzt noch etwas Restaggressivität übrig…

Anon – Dein Freund und Helfer

Ich bin seit 1996 im Internet unterwegs, wenn ich mich richtig erinnere. Damals (1995-1997) lief ja die flächendeckende Einführung von ISDN und mit ISDN kam eben auch eine ISDN-Karte (CAPI-Treiber – mir läuft es schon kalt den Rücken runter, wenn ich nur dran denke) in den Rechner (P133). Man kann also sagen, dass ich durchaus schon viele Erfahrungen mit der Spezies „Anonymous“ gemacht habe. Aber so viele Arschlöcher auf einem Haufen, wie bei League of Legends, habe ich echt noch nicht erlebt – wobei ich natürlich noch nie über Xbox Live gespielt habe. Wird vermutlich die gleiche Liga sein, nur mit dem Unterschied, dass bei League of Legends die eigenen Teammitglieder mich zum Glück nur per Text beleidigen.

Wer League of Legends nicht kennt: das ist ein kostenloser Defense of the Ancients-Klon mit Ingame-Shop wo ihr eure echten Euros loswerden könnt. Ihr steuert einen Helden und müsst euch mit Hilfe endlos spawnender Minions den Weg in die gegnerische Basis bahnen und dort den Nexus zerstören, um den Sieg nach Hause zu tragen. Der eigene Held levelt durch das Töten von Feinden bis maximal Stufe 18 hoch und schaltet dabei nach und nach seine Fähigkeiten frei. Nach dem Match ist er aber wieder auf Level 1. Allerdings bekommt auch ihr Erfahrungspunkte für das Beenden von Matches und bekommt Meisterschaftspunkte, die ihr in Talentbäume investieren könnt und all der Kram. Ich fand es gegen Bots ein sehr unterhaltsames Spiel, auch wenn es selbst ein Jahr nach Release immer noch nur zwei Karten gibt.

Du Noob!

Mein Avatar ist derzeit auf Stufe 5 und ich habe vielleicht insgesamt erst 15 Matches bestritten. Man darf mich also zu Recht als Noob bezeichnen. Aber was ich mir von meinen „Teamkameraden“ alles anhören musste, obwohl ich selbstverständlich mein Bestes gegeben habe, geht auf keine Kuhhaut. Wenn es nur ein Match gewesen wäre, würde ich ja nichts sagen, aber ich hatte in der ganzen Zeit nur ein einziges Spiel wo alle Beteiligten tatsächlich gesittet miteinander umgegangen sind und einen selbst nach der Niederlage noch auf die Freundesliste setzen wollten. Und das Schlimme ist: eine Runde dauert locker mal 45 Minuten. „Nur mal kurz über sich ergehen lassen“ ist also nicht wirklich angesagt…

Klar, das ist kein neues Phänomen, auch wenn es mir heftig vorkam. Schon wer Counter-Strike damals gespielt hat, kennt die Tiefe menschlicher Abgründe. Und ich will gar nicht wissen, was damals Anfang der 90iger schon im Usenet alles los war. Die Argumentation ist immer, dass die Leute sich hinter der Pseudo-Anonymität sicher fühlen und eben die Sau rauslassen. Mir ist allerdings jetzt die Frage in den Sinn geschossen: Was ist, wenn das Ganze mittlerweile ein einziger Teufelskreis geworden ist? Um es mit den Worten von The Offspring (Ixnay On The Hombre, Track 11, Way Down The Line) auszudrücken:

Nothing changes cause it’s all the same
The world you get’s the one you give away
It all just happens again
Way down the line

Auf Deutsch: Ein Neuling wird von einem angeblich erfahreneren Spieler zur Sau gemacht. Irgendwann schafft es dann der Anfänger, trotz der widrigen Umstände, selbst zu einem erfahreneren Spieler aufzusteigen. Und dann macht er selbst die Einsteiger zur Sau, quasi als Ausgleich für die Ungerechtigkeit, die er selbst erfahren musste.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich glaube tatsächlich, dass „wir“ einen großen Teil der anonymen Volldeppen selbst herangezogen haben und die nun wiederrum die nächste Generation erziehen. Derselbe alte Zyklus startet wieder von vorne und wird deshalb niemals enden, egal wie sehr wir uns bemühen. Was meint ihr? Vollkommener Blödsinn, ein Körnchen Wahrheit oder einfach nur eine uralte Erkenntnis, die schon 20 vor mir hatten?

Bringt mir den Designer!

Nach dem League of Legends-Debakel, habe ich mich dann wieder einem Einzelspielertitel zugewandt. In Anbetracht der Tatsache, dass schon bald Assassin’s Creed: Brotherhood für den PC kommt, hatte ich mich entschieden endlich Assassin’s Creed zu beenden. Mir war nach Memory 3 schlicht die Lust vergangen, weil es einfach immer derselbe Mist ist und auch die Attentate an sich keine Begeisterungsstürme in mir hervorriefen. Nun habe ich mich endlich durch die letzten Erinnerungen gequält und musste feststellen: das ewige Wiederholen der immer gleichen Aufgaben und das immer weiter ermüdende Klettern über die Dächer der Städte ist nichts im Vergleich zum finalen Abschnitt des Spiels. Der Designer, der den verbrochen hat, sollte gezwungen werden nur diesen Teil wochenlang immer und immer wieder zu spielen.

Lag bis hier der klare Fokus auf Schleichen, Hinterhältigkeit und Geschicklichkeit, besteht das Finale aus einem unfairen Kampf nach dem anderen. Was habe ich allein bei diesem scheiß Kampf gegen den vorletzten Bossgegner und seine Schergen geflucht. Altaïr IST ein lautloser Mörder und kein Kämpfer! Man rennt nicht umsonst von 99% der Kämpfe davon und versucht sich zu verstecken. Ja, das misslungene Kampfsystem ist auch ein Grund dafür, aber der Punkt bleibt: Ich spiele einen Attentäter, keinen Ritter. Es ist also wenig verwunderlich, wenn ich gegen eine Gegnerhorde aus 10-15 Mann überhaupt keine Chance habe. Vor allem nicht, wenn ich keinen Raum habe mich zu bewegen, denn natürlich wird das Areal plötzlich begrenzt. Und das müsst ihr in diesem Abschnitt nicht nur einmal hinter euch bringen, sondern gut ein halbes Dutzend Mal…

Finger weg!

Nach zwei oder drei Stunden Zähneknirschen habe ich es dann durch den kreativen Einsatz der Spielmechanik (und der dümmlichen KI) irgendwie geschafft auch den letzten Bossgegner zu besiegen und das offene Ende zu erleben. Das hat mich allerdings ausnahmsweise nicht aufgeregt, weil zum Glück Assassin’s Creed II schon über meinen Bildschirm geflackert ist. Stattdessen habe ich erleichtert das Spiel beendet, es sogleich deinstalliert und damit das Thema endgültig hinter mich gebracht.

Unterm Strich hat sich also Assassin’s Creed bis zum Ende hin eher noch verschlechtert als verbessert und alle meine Kritikpunkte aus dem damaligen Review sind weiterhin unverändert gültig – auch die Wertung darunter. An diejenigen unter euch, welche die Serie tatsächlich noch nicht gespielt haben, kann ich somit nur die Empfehlung richten: Wenn es euch nicht so wichtig ist die „Vorgeschichte“ selbst erlebt zu haben, dann vergesst einfach, dass Assassin’s Creed jemals erschienen ist und legt direkt mit dem saumäßig gut gelungenen Nachfolger los. Wäre das Spiel nur halb so lang geworden, würde die Sache anders aussehen…

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8 Kommentare

Ich bin bei LoL nie darüber hinaus gekommen gegen Bots zu spielen. Was zwar 2-3 Spiele lang ganz lustig war, aber letztendlich nichts für mich, ich fand auch DotA schon ziemlich öde. Man hätte ja zumindest so tun können, als hätte man minimale eigene Ideen, aber gut….
Dann wars wohl gut, dass ich mich nicht auch noch in den MP gestürzt hab, da hatte ich eh schon entsprechende Befürchtungen (die DotA "Community" hatte ja auch schon immer einen entsprechenden Ruf)

Ja, bei LoL ist das recht krass. Wenn man nicht gerade mit einem Bündel von Kollegen losgeht, ist es wirklich bestialisch, was da abgeht. Das ist jetzt aber bei den meisten Free2Play Games nicht anders. Nicht umsonst setze ich mich wenn, dann auch nur monatsweise, diesem Frust in den öffentlichen S4 Channels aus.

"[…]It all just happens again
Way down the line"

Das ist eigentlich immer so. Deiner Theorie ganz folgen mag ich für mich persönlich aber nicht, da ich in den seltensten Fällen flame. Ich rege mich zwar auch gern über "n00bs" auf, wenn ich ein "PG" bin, aber grundsätzlich kann ich mir das schon vorstellen.

Deine erneute Assassin's Creed wundert mich eigentlich kein Stück. Ich habe es wirklich versucht und es ödete mich damals schon nach einer halben Stunde an. Am Schlimmsten fand ich eigentlich das Inventar bzw. der Umstand, dass ich die Waffen nicht direkt irgendwie auswählen konnte, sondern immer zwischen den gewünschten Teilen wechseln sollte. Wenn mich das Spiel schon glauben lassen will, dass ich der obercoole Einzelgänger-Assassine bin, der in den Trailern auch blitzschnell auf jede Situation reagieren kann, dann sollte das durch das Gameplay auch möglich sein. Auch ein Punkt den ich immer noch am zweiten Teil bemängele.

Fazit für mich: LoL / AC rühr ich so schnell nicht mehr an.

Sic, hätteste mit deinem AC-Urteil net noch ein bisschen warten können, ich bin doch auch noch mittendrin und war so gerade dabei, wieder Motivation zu sammeln für die zweite Hälfte des Spiels…grml.

…und ich dachte, es wäre allgemein bekannt, dass ich es seit dem Review nicht mehr angefasst hatte. :tongue:

Es mag durchaus sein, dass wir eine neue Generation an Noobs aufziehen, die sich irgendwann mal an anderen rächen werden.

Ich allerdings halte mich da außen vor: Ich würde nie jemanden als n00b bezeichnen, ich flame nicht in Spielen, egal ob wir gewinnen oder verlieren. Sowas finde ich scheiße und nimmt einen den Spielspaß. Da können meine Teammates mich noch noch so viel beleidigen: Ich bleib stumm. Es lohnt die Mühe einfach nicht.

Also im RenaiClan muss ich schon sagen, dass ich mich da dort relativ über S4 aufrege, aber wohl am Meisten, wenn es laggt. Vor allem aber aus dem Grund, weil ich weiß, dass durch viele Jahre des Shooter-Spielens einfach ganz andere Reflexe bei mir da sind, als bei vielen der Anderen (ich sag jetzt mal arge Gelegenheitsspieler) und dann im Endeffekt nur noch die Leitung entscheidet. Der Unterschied ist es aber hier, dass es meist Leute sind, die ich dann kenne und weiß, wie die Möglichkeiten hier in einer Kommunikation sind.

Ich rege mich dann meistens eher bei den Personen als auch allgemein über das Spiel auf, weil es eben ein Peer2Peer System ist, im Gegensatz zu den Hybrid-oder Serversystemen wie bei BFBC2 oder CoD oder MoH. Da sind dann de facto die schlecht eingestellten Router (Portforwarding) der Anderen, meine lahme Verbindung in Gunzenbach, die überlasteten Lobby-Server von alaplaya an Patch-Tagen oder mies konfigurierte Firewalls der anderen Schuld. Wenn dann noch auf der anderen Seite ein schwacher Rechner hinzu kommt, der zwar scheinbar ruckelfrei auf maximalen Details läuft, aber im Netzwerk dies nicht tut und dann ständig Schüsse aus dem nichts einen Töten — dann fange ich an zu jammern, weil mir das Ganze dann den Spielspaß nimmt.

Unbekannte Spieler bekommen bei mir nur scharfe Zurechtweisungen und sarkastische Kommentare, wenn sie von Anfang an grundlos aggressiv im Chat kommunizieren. Ohne ausfallend zu werden, werden dann alle Eckdaten mitnotiert, aufgenommen oder nur gescreent und darauf hingewiesen, dass das Verhalten Konsequenzen haben wird, wenn das nicht eingestellt werden sollte. Meistens ist da schon Ruhe. Cheater bekommen direkt einen Report, bis jetzt kam es aber noch nicht soweit.

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