Sicarius

Rollenspielüberflutung

Was für ein Stress! Seit Donnerstag bin ich gleich in zwei Rollenspielen gleichzeitig unterwegs. Eigentlich sogar drei, aber meinen Durchlauf mit Divinity II – Eco Dragonis (jetzt als Divinity II – The Dragon Knight Saga musste ich zu Gunsten der beiden anderen Titel erst einmal stoppen. Das ist etwas schade, weil sich das Rollenspiel wirklich vorbildlich entwickelt hat und zu einer klaren Empfehlung geworden ist. Ihr müsst euch quasi The Dragon Knight Saga wie die Enhanced Edition von The Witcher vorstellen. Unzählige Bufixes, Performanceverbsserungen, massive grafische Überarbeitungen, spielerische Neuerungen und Änderungen und so weiter und so fort sind im Paket enthalten. Und mittlerweile kommen auch Besitzer der ersten PC-Version plus Addon kostenlos in den Genuss all der Änderungen. Den entsprechenden Patch erhaltet ihr auf der Webseite von Larian Studios.

Zwei Hinweise zum Update

  • Die dort verlinkte Datei hat 350KB und ist nur ein Downloadmanager. Tatsächlich müsst ihr rund 5GB an Daten herunterladen, bevor ihr die Konvertierung durchführen könnt. Glücklicherweise lässt das Programm Unterbrechungen zu.
  • Habt ihr Divinity II – Ego Draconis mit oder ohne Flames of Vengeance installiert und gepacht, empfiehlt sich eine Neuinstallation (erst das Hauptspiel, dann direkt das Addon, dann der Konvertierungspatch). Wurden die Spiele vorher schon einmal aktualisiert, führt es in vielen Fällen zu einem schwarzen Bildschirm nach dem Spielstart.

Klare Kaufempfehlung

Divinity II – The Dragon Knight SagaWer sich damals von den Wertungen vieler Magazine abschrecken ließ, bei Bagdadsoftware wurde es hingegen zum drittbesten Rollenspiel des Jahres 2009 gekürt (hinter Risen und Dragon Age: Origins), sollte jetzt endlich zuschlagen und die rund 30 Euro in das Gesamtpaket investieren. Ihr müsst auch die Vorgänger, Divine Divinity und Beyond Divinity nicht unbedingt kennen, um es genießen zu können. Selbst ich habe die beiden 2D-Titel bis heute noch nicht durchgespielt. Also nicht länger zögern und kaufen! Es ist wirklich sowohl technisch als auch spielerisch ein sehr gutes Rollenspiel mit einigen äußerst interessanten und auch einzigartigen Ideen. Oder kennt ihr etwa ein anderes (Action-)Rollenspiel, in dem ihr die Gedanken von NPCs lesen könnt, um zusätzliche Quests, Talentpunkte oder Schätze zu erhalten? Oder eines, in dem ihr euch auf Knopfdruck in einen ausgewachsenen Drachen verwandeln könnt? Eben!

Festivitäten

Über Nummer zwei der drei Rollenspiele, die mich derzeit beschäftigen, darf ich hingegen noch nichts verraten. Da müsst ihr euch leider noch bis zum Embargoende am 8. März (Mitternacht) gedulden. Und ja, natürlich ist Dragon Age II gemeint. Das wird eine stressige Woche — vor allem, weil gleichzeitig Bagdadsoftware auch noch seinen 10. Geburtstag feiert. Das habe ich selbstverständlich nicht vergessen und wir sind schon fleißig am Vorbereiten! Aber ich schweife schon wieder ab.

Nummer drei auf der Liste ist hingegen seit langem mal wieder ein MMO: RIFT. Offiziell los geht es zwar erst am 4. März, aber ihr kennt mich ja: teuren Spezialversionen kann ich nie wiederstehen. Entsprechend darf ich den Headstart nutzen, wie einige hunderttausend andere Spieler auch. Sehr weit bin ich natürlich noch nicht, gerade erst Level 11 erreicht, aber als erfahrener MMO-Spieler möchte ich euch natürlich nicht meine ersten Eindrücke vorenthalten.

We’re not in Azeroth anymore

Wen ihr Werbung zu RIFT gesehen habt, dann kennt ihr den obigen Slogan sicherlich. Ganz schön mutig so direkt World of Warcraft anzugreifen. Vor allem, weil der erste Eindruck genau das Gegenteil ist: ich fühle mich als World of Warcraft-Spieler von der ersten Sekunde an wie zu Hause. Spiele wie Warhammer Online und Der Herr der Ringe Online mussten sich zwar den Vorwurf auch bereits gefallen lassen wie das große Vorbild zu sein, aber bei RIFT ist es wirklich extrem — und zwar sowohl spielerisch als auch technisch.

Natürlich versucht Trion Redwood Shores Studio die Tatsache so gut wie möglich zu kaschieren. Das Interface hat eine leicht andere Farbe und Verzierung, das gesamte Spiel ist dunkler gestaltet, um die Bonbon-Grafik zu kaschieren und statt drei Talentbäumen für eine Klasse zu haben, dürft ihr euch einen Mischmasch aus drei Klassen mit je einem Talentbaum basteln. Ich bin derzeit als eine Kombination aus Rächer, Schamane und Druide unterwegs (getarnt als weibliche Nacht…äh…Hochelfe auf Seiten der Allianz…äh…Beschützer). Soweit ich es verstanden habe, könnt ihr im Laufe des Spiels aber auch noch alle anderen Klassen einer jeweiligen Berufung (Krieger, Geistlicher, Schurke, Magier) lernen und, gegen massig Kohle natürlich, jederzeit austauschen.

Vorbildlicher Start

Der Headstart ist erfreulich glatt verlaufen. Klar, je später es wurde, desto länger waren die Warteschlangen. Aber der Server ist kein einziges Mal abgestürzt und obwohl alle im gleichen Startgebiet anfangen, ging weder die Performance in die Knie, noch musste man zum Erfüllen der Quests lange warten — eine hohe Respawnrate sei Dank. Definitiv der sauberste MMO-Start, den ich bislang erlebt habe. So konnte ich mich gleich ungestört aufmachen, um Quests zu lösen und im Level aufzusteigen.

Spätestens hier macht sich dann die hohe Einsteigerfreundlichkeit des Spiels bemerkbar. Das Spiel stellt selbst Age of Conan: Hyborian Adventures in den Schatten. Und dort gab es bereits einen Aufschrei, weil auf der Karte die Questzonen markiert wurden. RIFT treibt es, zumindest in den Bereichen, die ich bislang gesehen habe, hingegen auf die Spitze.

Autopilot

RIFTEs fängt schon damit an, dass ihr vorbildlich von Questhub zu Questhub geleitet werdet. Die letzte Aufgabe an einem Standort ist es immer zum nächsten zu gehen. Und alle Quests an einem Ort hängen natürlich irgendwie zusammen. Werdet ihr ausgeschickt ein paar Pilze zu sammeln, dann gibt es natürlich auch gleich noch eine zweite Aufgabe bei der ihr die Gegner in dem Bereich töten müsst. Und welcher Bereich das ist, wird euch sprichwörtlich millimetergenau auf der Karte markiert. Einzigartige Questziele sind durch Punkte markiert, damit ihr sie nicht verfehlt und natürlich glitzert auch jeder Questgegenstand. Das ist alles sehr vorbildlich gelöst, es hat nur einen entscheidenden Nachteil: es ist mir tatsächlich irgendwie zu viel. Ich fühle mich als wäre ich mit einem Autopiloten unterwegs. Selbst wenn ich es gar nicht will, werde ich schön artig an der Hand genommen, damit auch ja nichts schief geht. Rondrer meinte zwar, dass wäre in World of Warcraft mittlerweile nicht anders, aber das macht es jetzt nicht besser.

Selbst die namensgebenden Risse, eine der „Innovationen“ des Spiels, sind perfekt in dieses System eingebunden — was hier auch tatsächlich spielerisch sinnvoll ist. Ihr bekommt immer mit, wenn sich irgendwo ein Riss gebildet hat oder eine gerade Invasion läuft, teilweise aktiviert sich gar automatisch ein Quest. Und nähert ihr euch einem Riss aus dem fröhlich Gegner strömen, reicht ein Knopfdruck und ihr nehmt am Raid teil. Keine langwierige Gruppensuche — es geht stattdessen gleich zur Sache. Selbst um den Loot gibt es keinen Streit. Die wichtigen Sachen erhaltet ihr, je nachdem wie gut ihr mitgemacht habt, automatisch nach Abschluss dieser öffentlichen Überlebenskämpfe. So muss Gruppenspiel aussehen, ohne dass man auch nur ein einziges Wort mit seinen nervigen Mitspielern wechseln muss :smile: . Die haben sowieso derzeit nicht besseres zu tun als erneut im allgemeinen Channel die alte „Dies ist ein Rollenspiel-Server, ihr Vollidioten!“-Debatte abzuhalten — wie bei jedem MMO-Start eben.

Erstes Fazit

Ich kreide es RIFT nur deshalb an wie World of Warcraft zu sein, weil es in der Werbung groß etwas anderes behauptet. Abgesehen davon wäre zwar ein bisschen Innovation ganz nett, aber wenn das Rad rund läuft, warum plötzlich ein eckiges erfinden, nur um anders zu sein? Wenn man genauer hinschaut, werden auch die ein oder anderen Unterschiede sichtbar. Ihr wisst gar nicht wie dankbar ich dem Spiel bin, dass ich schon mit Level 6 mein erstes Mount erhalten habe!

Was will ich euch also mit all dem sagen? Nun, RIFT scheint auf den ersten Blick nichts Grundlegendes falsch zu machen. Im Gegenteil ist es sogar so extrem durchdacht und stark poliert, dass es für Veteranen schon fast wieder lästig ist. Ob sich das im weiteren Spielverlauf legt? Weiß ich noch nicht. Aber wer World of Warcraft mag oder vielleicht auch mittlerweile satt hat, sich aber nicht großartig in ein anderes Spielsystem umdenken will, der sollte definitiv mal reinschauen. Ihr werdet keinen Kulturschock bekommen. Und wer bislang noch überhaupt nichts mit MMOs am Hut hatte, ist hier wohl genauso gut aufgehoben wie beim großen Konkurrenten.

Noch mehr zu RIFT kann euch Rondrer erzählen. Er hat bereits die Betaphase(n) mitgemacht und schon ein paar Level mehr als ich gesehen. Oder ihr lest einfach Philipps Vorschau. Sie war schließlich der Grund, warum ich mir das Spiel überhaupt vorbestellt habe.

Und nun entschuldigt mich — Sicarius Hawke wartet auch mich.

PS: Die neue Podcast-Folge wird am Mittwochabend aufgezeichnet. Mein Plan ist es die Folge noch für Donnerstag fertig zu bekommen, auch weil ich eben wie erwähnt die Woche drauf überhaupt keine Zeit habe. Aber ob ich es bis Mitternacht schaffe ist unklar. Stellt euch am besten auf einen kleinen Platzhalter ein, der erst im Laufe des Tages sich mit dem eigentlichen Inhalt füllt.

Sicarius

Spielfilme

Vorgestern haben wir bei GamersGlobal erneut eine interessante Exklusiv-Nachricht gebracht. Und zwar ging es um die Veröffentlichung von Heavy Rain – The Movie. Bevor ihr aber jetzt ins nächste Kino stürzt: Nein, es handelt sich nicht um ein offizielles Produkt. Stattdessen hat sich der erfahrene Cutter René Jacob hingesetzt und aus dem rund 8 bis 9 Stunden langen Spiel einen knapp drei Stunden dauernden Film zusammengeschnitten.

Gesehen habe ich ihn zum Verfassungszeitpunkt zwar noch nicht, ich warte schon den ganzen Tag auf die 720p-Fassung. Das Spiel ist aber schon von Haus aus so etwas wie ein interaktiver Film, von daher war es geradezu prädestiniert auf diese Art und Weise „verwurschtelt“ zu werden. Und JakillSlavik hat er gefallen, von daher kann ich an dieser Stelle nur eine Empfehlung aussprechen.

Mehr Spielfilme!

Ich finde es toll, wenn so ein Projekt das Licht der Welt erblickt. Es ist eine angenehme andere Art das Spiel noch einmal zu erleben, oder sich von mir aus auch die Vorgeschichte noch einmal in Erinnerung zu rufen ohne gleich irgendwelche langatmigen Let’s Plays schauen zu müssen. Und da es auch immer irgendwo ein Stück weit Neuinterpretationen des Materials sind, geben sie mitunter auch neue Einblicke in die Geschichte. Leider geschieht es viel zu selten. Mir persönlich sind gar nur drei solche Filmumsetzungen bekannt: Gothic – Der Film, Wind Commander III – Heart of the Tiger und Wing Commander IV – The Price of Freedom.

Bei den beiden Wing Comander-Filmen wurden „nur“ alle Zwischensequenzen zusammengeschnitten, Dialogsequenzen eingefügt und alles um kurze Gameplay-Sequenzen ergänzt. Das macht das Ganze zugegebenermaßen ein wenig Steif und teilweise auch abgehakt, aber das Ausgangsmaterial hatte auch schon mit diesem Problem zu kämpfen. Trotzdem natürlich eine klare Empfehlung unabhängig davon, ob ihr die beiden Spiele in der Vergangenheit schon einmal durchgespielt habt oder nicht. Allerdings solltet ihr es dringend einmal nachholen, wenn ihr es noch nicht getan habt. Das sind zwei der vielen Gründe warum man unbedingt einen Joystick im Haus haben sollte!

Gothic - Der FilmDie Abenteuer des namenlosen Helden

Gothic – Der Film geht schon mehr in Richtung eines Machinima. Er nimmt die Hintergrundgeschichte her und interpretiert sie, wie bei Heavy Rain – The Movie, auf seine ganz eigene Art und Weise. Beispielsweise kämpft hier nicht der namenlose Held alleine gegen den Schläfer, sondern hat seine Gefährten dabei. Das mag auf den ersten Blick nicht so richtig ins Spiel zu passen, funktioniert aber in einem Film definitiv viel besser und macht ihn auch ein Stück weit glaubwürdiger, als wenn der namenlose Held erneut alles selbst machen müsste.

Ganz besonders ist an diesem Werk, dass die Macher die Unterstützung von Piranha Bytes hatten und so während der Sprachaufnahmen von Gothic 3 auch ein paar neue beziehungsweise erweiterte Dialoge mit den Originalsprechern aufnehmen konnten. Entsprechend wirkt die Geschichte auch hier wie aus einem Guss und wirkt nur durch technische Limitationen (Stichwort Laufanimationen) teilweise etwas komisch. Aber auch hier gilt ganz klar: Nicht nur für Fans der Gothic-Serie eine klare Empfehlung!

Marketing-Tools

Wenn wir schon beim Thema Filme zu Spielen sind, muss ich aber auch gleichzeitig noch die Publisher und Entwickler kurz loben. Jahrelang haben sie Uwe Boll ihre Lizenzen nachgeschmissen, aber mittlerweile haben die Jungs und Mädels in der Marketingabteilung endlich die Möglichkeiten solcher Filme auch für sich entdeckt, auch wenn bislang noch kein abendfüllendes Projekt entstanden ist.

Das reicht von Machinimas, bestes Beispiel ist hier Blizzard mit den Story-Trailern zu den großen Patches für World of Warcraft über Halo Legends bis hin zur grandiosen Miniserie Assassin’s Creed: Lineage. So und nicht anders müsste eine Leinwandumsetzung von Assassin’s Creed aussehen! Der Stil, die Geschichte, die Charaktere — es sind zwar nur 36 Minuten, aber diese sind von einer beeindruckend hohen Qualität. Einfach fantastisch und unbedingt mehr davon! Da wird Dragon Age Redemption bestimmt nicht mithalten können, so sympathisch mir Felicia Day auch ist.

Wie sieht’s aus? Kennt ihr noch solche Spielfilme, die man unbedingt gesehen haben muss?

Spiele? Check. Katzen? Check. Filme? Check. Computerzeugs? Check. Bücher? Check. Comics? Mmmh, zu denen gibt es tatsächlich noch keinen Eintrag hier auf Bagdadsoftware seit die Witze-Sektion von der Seite geflogen ist. Das wichtigste Nerd-Thema überhaupt fehlt? Das kann ja nicht angehen. Andererseits: Was Hardcore-Comicsleser unter dem Begriff „Comics“ verstehen, interessiert mich nicht die Bohne. Spider-Man, Superman, Hellboy und wie sie alle heißen können mir gestohlen bleiben. Nicht nur wegen der schieren Unmöglichkeit bei dem riesigen Backlog noch einen Weg hinein in die Kontinuität finden zu können. Mir gefallen auch einfach der Zeichenstil und die erzählten Geschichten nicht.

Mir ist klar, dass ich mich mit dieser Aussage gleich schon wieder selbst disqualifiziert habe in den Augen der „echten“ Comicleser. Aber wen interessiert’s? Eben: Niemanden! Nachfolgend findet ihr stattdessen meine drei absoluten Lieblingscomics:

 Calvin and Hobbes Calvin and Hobbes – Der Klassiker unter den Klassikern. Wer den sechsjährigen Calvin und seinen Stofftiger nicht kennt, der hat ernsthaft etwas verpasst. Und so traurig es auch ist, dass der letzte Strip bereits vor 16 Jahren erschienen ist, bin ich Bill Watterson gleichzeitig unendlich dankbar dafür, dass er aufgehört hat, als es am Schönsten war. Schaut euch nur einmal im Vergleich Garfield, Dilbert oder Hägar der Schreckliche an. Alle drei äußerst erfolgreiche und einstmals richtig gute Comicstrips, die aber heutzutage in Sachen Qualität nur noch ein Schatten ihrer selbst sind und wie Die Simpsons schon lange ihre besten Zeiten hinter sich haben. Aber zurück zu Calvin and Hobbes:

Ich bin mit der außerordentlich gelungenen deutschen Übersetzung der Beiden sprichwörtlich groß geworden (der erste Strip erschien 1985, der letzte 1995), obwohl ich damals unter Garantie nicht einmal die Hälfte aller Witze wirklich verstanden habe (geschweige denn überhaupt lesen konnte). Aber schon der, vielleicht etwas krude Zeichenstil ist etwas sehr besonderes. Doch die eigentliche Faszination an Bill Wattersons Werk liegt woanders.

Intelligente Strips

Ich lese Calvin und Hobbes auch heute noch sehr gerne (ich habe selbstverständlich alle Sammlungen), aber anders als bei einem Garfield, haben sich die Geschichten in Laufe meines Erwachsenwerdens verändert. Natürlich lache ich immer noch gerne einfach so über Calvins Eskapaden. Doch ein Großteil der Strips, speziell Calvins Traumsequenzen oder die wenigen, zusammenhängenden Geschichten, sind über die Jahre zu sehr viel mehr als nur einem Witz geworden. Stattdessen regen sie zum Nachdenken an. Nicht nur über die Themen, die sie explizit behandeln (beispielsweise als Calvin und Hobbes auf den gerodeten Wald stoßen), sondern auch so vieles mehr, dass sich einfach nur durch die Handlungen der Charaktere und ihre Dialoge ergibt. Speziell der Sarkasmus von Calvins Vater enthält sehr viele, auch heute noch gültige Erkenntnisse über die Welt an sich und auch hinter Calvins kindlichem Gemüt steckt so viel mehr Symbolik, als der erste Blick vermuten lässt.

Früher habe ich das nicht verstanden, konnte aber trotzdem lachen. Heute kann ich immer noch lachen, sehe aber gleichzeitig auch noch die Hintergründe und habe so noch viel mehr vom Comic. Und das ist, vielleicht ähnlich der Peanuts — die ich aber überhaupt nicht mag –, vermutlich auch der Grund des immensen Erfolgs der von Calvin und seinem Stofftiger. Es ist eben nicht einfach nur ein Comicstrip — es ist ein richtig intelligenter Comicstrip.

Questionable ContentQuestionable Content – Kennt ihr noch die erfolgreiche TV-Serie Friends? Ja? Dann wisst ihr auch schon was euch bei Questionable Content erwartet: eine seit Jahren andauernde Sitcom mit größtenteils normalen Charakteren, die in alltägliche Situationen geraten und dabei amüsante Sachen erleben. Es gibt sogar einen Coffee Shop (mittlerweile zwei…) in dem die Freunde immer abhängen. Einen deutlicheren Hinweis gibt es wohl nicht, oder? Okay, gibt es: Marten und Faye sind ganz klar von Ross und Rachel abgekupfert.

Seichte Unterhaltung?

Wer Friends nicht mochte, wird also auch das Werk von Jeph Jacques nicht mögen. Ich bin hingegen schon mindestens seit 1.000 Strips dabei (und habe natürlich auch die vorherigen schon lange nachgeholt). Mir gefallen die Charaktere und die Geschichten, die sie erleben. Egal ob Marten, Hanners oder Pintsize — alle sind über die Jahre so unglaublich facettenreich und liebenswürdig geworden und ich habe ein tatsächliche Interesse daran zu erfahren, wie es denn mit Marten nach seiner Trennung von Dora weitergeht. Oder die stark OCD-geschädigte Hanners auch mal Männerglück haben wird und wie das aussieht (einen ersten Vorgeschmack gab es schon). Oder schlicht wie der nächste Comicrelief-Moment mit dem Roboter Pintsize aussieht.

Das ist ein weiteres Aushängeschild von Questionable Content: die Charaktere entwickeln sich immer weiter. Speziell natürlich Marten, als der eigentliche Hauptcharakter, hat sich über die Jahre stark verändert. Ein Punkt, der mich vor allem an Serien wie Die Simpsons auf lange Sicht immer stört. Jede Folge fängt faktisch wieder bei null an, auch wenn mir jetzt wieder einige Fans Steine an den Kopf werfen. Gleichzeitig arbeitet Jeph aber auch nicht mit der Holzhammermethode wie es beispielsweise CTRL+ALT+DEL tut. Er weiß wie man eine gute Geschichte erzählt und lässt sich auch die Zeit dafür sie zu erzählen. Wir reden hier schließlich von mittlerweile 1.865 (nur unterbrochen von ein paar lustigen Füllern). Da geschieht nicht von einem Strip auf den nächsten plötzlich eine Fehlgeburt…*hust*

The Order of the StickThe Order of the Stick – Ein Strichmännchencomic mit einer Rollenspielthematik. Wie einfallsreich mag der ein oder andere Denken! Zu Beginn hat das auch definitiv gepasst. Da war es tatsächlich nicht viel mehr als jeweils ein in sich geschlossener Strip, der sich über irgendeine Dungeons & Dragons-Regel lustig gemacht hat. Doch das hat sich sehr schnell geändert. Heutzutage ist The Order of the Stick eine wahrlich epische Geschichte, die online mittlerweile 776 Strips umfasst und die Erlebnisse einer Abenteuergruppe erzählt, welche die Welt retten muss.

Wie, das ist auch nicht einfallsreich? Gut, mag sein. Aber auch hier gilt die Devise: der Strip hat sich über die Jahre sehr gut entwickelt. Aus den Klischee-Charakteren sind Figuren geworden, deren Leben mich interessiert, deren Schicksal mich trifft und die eben dann doch keine 08/15-Geschichte erleben. Natürlich zweifle ich nicht daran, dass am Ende die Guten siegen werden. Aber mit wie vielen Verlusten? Und wie in einem guten Buch, ist vor allem der Weg das Ziel und Rich Burlew schafft es auch immer wieder den Leser zu überraschen, aus der Komfortzone herauszuholen und somit die Geschichte auf Dauer spannend zu halten (natürlich inklusive vieler lustiger Gags). Ohne zu viel zu verraten: es stirbt sogar einer der Hauptcharaktere!

Sechs Bücher bislang

Der Vergleich mit einem Buch kommt nicht von ungefähr, denn so richtig zur Geltung kommt der Strips tatsächlich erst in gedruckter Form. Bislang gibt es vier Bücher, welche die Strips 1-672 umfassen, sowie zwei exklusive Origin-Geschichten (einmal von den Guten und einmal von den Bösen), die nie ihren Weg online finden werden. Wie von Webcomic-Sammlungen gewohnt, sind in den Büchern aber natürlich auch allerlei Bonusstrips enthalten, die einige Abschnitte noch weiter vertiefen oder mittlerweile sogar ganze Szenen einfügen, die aus Zeitgründen nicht online veröffentlicht wurden.

Zeitgründe? Klingt komisch, ich weiß. Aber der Strip wird online nur äußerst unregelmäßig aktualisiert (aber immer noch regelmäßiger als VG Cats) und entsprechend lange dauert es, bis die Geschichte wirklich voranschreitet. Deshalb kürzt Rich immer mal wieder hier und dort, damit es etwas schneller geht. In einem Buch ist das wieder was anderes. Da geht man ja schneller durch die Erzählung durch und vergisst nicht gleich, was auf der vorherigen Seite geschah. Entsprechend fügt er hier die gekürzten Sachen wieder ein und macht The Order of the Strip zum einzigen, mir bekannten Webcomic, das ausgedruckt tatsächlich 100mal besser ist als online.

Paradox, ich weiß, aber der Vergleich mit einem guten Buch kommt eben nicht von ungefähr. Don’t Split the Party, das aktuellste Buch, hat mich beispielsweise so richtig umgehauen. Für mich steht The Order of the Stick deshalb mittlerweile auf gleicher Stufe wie die Spiel der Götter-Saga, der Avalon-Saga (Marion Zimmer Bradley) oder dem Mittelerde-Zyklus — nur statt 500 Seiten Text ohne viele Bilder, habe ich hier eben 500 Seiten Bilder ohne viel Text :smile: .

Schlussworte

Nun wisst ihr endlich auch, welche meine absoluten Lieblingscomics sind. Natürlich lese ich noch einige weitere (unter anderem Rooster Teeth Comics, Little Gamers und die ganzen populären natürlich wie Penny Arcade oder xkcd) aber wir wollen ja noch etwas für zukünftige Einträge aufheben. Und wer jetzt meckert, dass man sich zumindest in zwei der drei genannten Comics auch erst durch den Backlog lesen muss: das geht 1000mal schneller als bei einem Spider-Man-Comic und seinen fünfhundert Spin-offs, die alle irgendwie zusammenhängen. Von den Kanon-Crossover-Geschichten ganz zu schweigen…

PS: Podcast Folge Nr. 31 kommt leider nicht mehr im Februar. Mein Gast hat erst in der ersten März-Woche Zeit. Rechnet mit einer Veröffentlichung entsprechend frühestens am 3. März.

Kessy

Abrechnung

Was schaut ihr doofen Dosenöffner so dumm? Habt ihr etwa einen weiteren Eintrag über irgendwelche sinnlosen Konsumgüter erwartet, die euer sowieso schon zermartertes Hirn noch weiter in Richtung Irrenanstalt führen? Ihr seid so erbärmlich. Aber über mich meckern, wenn ich den ganzen Tag irgendwo herumliege und meinen Schönheitsschlaf halte. Ich nutze die dadurch aufgestauten Energien wenigstens sinnvoll und verschwende sie nicht einfach beim Taschenbillard — was auch immer das eigentlich ist…

Kessy auf dem BalkonIn einem Monat bin schon satte vier Jahre beim Webmaster. Aber werde ich hier wie eine Königin behandelt? Pustekuchen! Dabei sehe ich doch eindeutig so aus (siehe Bild rechts). Stattdessen fühle ich mich immer öfter wie ein Bestandteil des Inventars. Wenn ich die lieben Herren (und Herrin) störe, werde ich einfach durch die Gegend getragen. Und der alte Sack zieht mich zu seiner eigenen Erheiterung immer noch regelmäßig nach dem Mittagsessen „leicht“ am Schwanz, wenn ich gerade auf dem Stuhl daneben schlafe. Boah, da kriege ich schon wieder den Raster, wenn ich nur dran denke. Dem habe ich schon so viele blutige Ohrfeigen verpasst, aber es scheint ihn überhaupt nicht zu stören.

Bei Wasser und Brot

Und dann wäre da auch noch das leidige Thema „Essen“. Vier Jahre bin ich wie gesagt schon hier, aber sie kapieren es einfach nicht. Wenn ich „Miau!“ sage, dann hat man meinem Befehl gefälligst augenblicklich Folge zu leisten! Wenn die Kühlschranktür aufgeht, dann WILL ich Milch haben! Ist das denn so schwer verständlich? Und morgens hat es gefälligst Leckerli vom Himmel zu regnen. Aber stattdessen werde ich barsch mit den Füßen von meinem Liegeplatz vor der Arbeitsfläche in der Küche verdrängt, nur weil die Chefin unbedingt ihren doofen Tee zubereiten möchte. Ich könnte echt kotzen!

Wie gut, dass ich das tatsächlich öfters mache. Ich muss ja wie gesagt froh sein, wenn ich hier überhaupt mal was Anständiges zu essen kriege. Da futtere ich dann als gäbe es kein Morgen mehr – und entleere mich ein paar Meter weiter natürlich direkt auf dem Teppich. Und das Katzenklo? Pah! Denen gebe ich. Ich scheiß derzeit demonstrativ davor. Vielleicht lernen sie es dann endlich mal. So ein Dreckshaufen. Anfangs habe ich das ungenießbare Felix-Katzenfutter aus Mitleid ja noch gegessen. Aber langsam wird’s echt Zeit, dass ich etwas zu futtern kriege, das einer Königin gerecht wird! Was schert es mich, wenn es fünf Euro pro 100g Döschen kostet?

Ausgesperrt!

Ich höre euch schon sagen: „Kessy, sei doch nicht so unhöflich deinen Gastgebern gegenüber. Du hast eine Dach über dem Kopf, eine Familie die dich liebt und knuddelt und auch sonst geht es dir doch sehr gut“. Aber ihr habt gar keine Ahnung was ich hier über mich ergehen lassen muss! Die sperren mich einfach nachts raus, nur weil ich nicht zu den von ihnen festgelegten Uhrzeiten wieder bei Fuß bin. Sehe ich aus wie ein dämlicher Hund? Ich komme und gehe wann ich will und nicht wie es der Chefin gerade passt! Sollen sie sich einen Nachtpförtner anschaffen, wenn sie unbedingt ins Bett wollen!

Wie, das ist nicht mehr die Kessy, die ihr vor vier Jahren lieben und knuddeln gelernt habt? Pech! Ich bin nicht zu eurer Unterhaltung da! Ich bin meine eigene Katze und in den besten Jahren meines Lebens. Da muss ich mir von euch so was nicht gefallen lassen. Also kniet entweder nieder und gebt mir Leckerli, oder macht euch auf euren Untergang gefasst! Ich werde in Zukunft nicht mehr lange fackeln…

Sicarius

Zwei Spiele angespielt

Die letzten Einträge habe ich ja viel über die Kommentare bei GamersGlobal gemeckert. Nicht unbedingt die feine Art, aber ich musste es einfach mal loswerden. Gleichzeitig machen die Aufreger-Kommentare natürlich nur einen verschwindend geringen Teil aus. Wenig verwunderlich also, dass ihr das erste Thema des heutigen sehr langen Eintrags dem User golgarta2905 zu verdanken habt.

Uninteressante Hintergrundgeschichte

Unter die Ankündigungs-News der Balls of Steel Edition von Duke Nukem Forever, die ich mir selbstverständlich ohne mit den Wimpern zu zucken holen werde, schrieb er unter anderem folgenden Satz:

„Gearbox hat ja noch kein einziges „Top Game“ bisher in seiner Historie.“

Das gab mir natürlich zu denken. Nicht, weil ich ihm etwa zustimme, sondern weil mir auf Anhieb „nur“ Borderlands, die Brothers in Arms-Serie und die Half-Life-Addons eingefallen sind. Da hat mich meine journalistische Neugierde dazu getrieben mal genauer zu recherchieren, was den eigentlich alles auf das Konto des Studios geht. Und siehe da, die Jungs aus Texas sind tatsächlich für ein Produkt verantwortlich, dass ich bis dato nicht kannte. Eine Wissenslücke, die ich sofort schließen musste:

Half-Life: DecayHalf-Life: Decay – Das „verschollene“ dritte Addon für Half-Life. Verschollen deshalb, weil es offiziell nie für den PC erschienen ist. Stattdessen war es Bestandteil des Ende 2001 veröffentlichten PlayStation 2-Ports des Shooterklassikers — und wer hat den schon gespielt… Half-Life: Decay hat somit die gleiche Hintergrundgeschichte wie schon Half-Life: Blue Shift, nur mit einem anderen Ausgang. Letzteres sollte eigentlich Bestandteil der Dreamcast-Version von Half-Life werden, die aber Mitte 2001 eingestellt wurde. Sierra entschied sich Half-Life: Blue Shift zumindest für den PC zu veröffentlichen.

Half-Life mit Koop-Modus

Doch genug der Vorgeschichte. Wie schon Half-Life: Opposing Force und Half-Life: Blue Shift, setzt auch Half-Life: Decay nicht die Geschichte des Hauptspiels fort. Ihr schlüpft stattdessen in die Rolle der beiden Doktoren Colette Green und Gina Cross, die in Black Mesa einen Etage tiefer arbeiten. Eine von beiden ist es beispielsweise, welche die Probe für Gordon in den Aufzug schiebt. Aber hier hören die Parallelen noch lange nicht auf. Ihr seid es, der das Militär zu Hilfe ruft. Ihr helft Dr. Rosenberg (Half-Life: Blue Shift) an die Oberfläche. Ihr besucht sogar noch einmal den, jetzt zerstörten, Trainingparkour. Und noch vieles mehr. Damit gehört der Black Mesa Incident wohl zum am besten dokumentierten Desaster in der Geschichte der Videospiele :smile: .

Aber Moment: Wie könnt ihr in die Rolle von zwei Charakteren gleichzeitig schlüpfen? Ganz einfach: Half-Life: Decay ist ein reiner Coop-Titel. Auf der PlayStation 2 machen sich zwei Spieler im Splitscreen auf die Reise, am PC läuft das Ganze über LAN bzw. Internet. Theoretisch ist es auf beiden System zwar auch möglich alleine zu spielen — ein Knopfdruck und ihr wechselt zwischen beiden Charakteren hin und her — aber glaubt mir, das hat überhaupt keinen Spaß gemacht. Ich habe mir stattdessen Rondrer geschnappt und nach der komplizierten Einrichtung des Dedicated Servers losgelegt.

Koop mit Wettkampfcharakter

Obwohl Half-Life: Decay eine durchgängige Geschichte erzählt, besteht es aus 11 in sich geschlossenen Level. Ihr startet also jedes Mal mit einer vorgegebenen Bewaffnung und übernehmt nichts aus dem vorherigen Abschnitt, selbst wenn der neue direkt daran anschließt. Sinn und Zweck des Ganzen: Beide Spieler werden am Ende jedes Levels mit Schulnoten bewertet, basierend auf ihrer Schussgenauigkeit, wie oft sie verwundert wurden und so weiter und so fort. Da gilt es natürlich gleiche Voraussetzungen zu schaffen. Auch innerhalb eines Levels zu speichern ist deshalb nicht möglich. Stirbt einer von euch, heißt es neu anfangen. Aber keine Angst: die einzelnen Abschnitte sind nicht wirklich umfangreich.

Die Bewertung ist aber nicht nur zur Show. Die weiteren Levels schaltet ihr nur frei, wenn ihr mindestens ein „B“ erhaltet habt. Schafft ihr es gar alle Levels mit „A“ zu beenden, bekommt ihr Zugang zu einem Bonuslevel, in dem ihr die Kontrolle über zwei Vortigaunts übernehmt. Dieses gibt angeblich mehr Hintergrundinformationen über den finalen Bosskampf gegen das Riesenbaby in Half-Life, aber so richtig verstanden habe ich es ehrlich gesagt nicht. Cool war der Level aber trotzdem, eben weil man endlich mal in die Rolle eines Außerirdischen schlüpft. Das ist bislang einzigartig im Half-Life-Universum. Einen Level zu überspringen ist allerdings nicht möglich. Verlasst ihr den Server, geht es wieder ganz von vorne los, es sei denn ihr passt den Mapcycle an. Manuelles Springen wird mit einem „Access denied“ quittiert.

Puzzlelastig

Eine weitere Besonderheit von Half-Life: Decay ist seine Puzzlelastigkeit. Und natürlich sind so gut wie alle nur zu zweit lösbar. Quasi ein Vorgeschmack auf Portal 2. Und glaubt uns: ihr müsst mitunter tatsächlich Nachdenken, bevor ihr weiterkommt. Rondrer und ich haben schon im vierten Level auf einen Walkthrough zurückgegriffen. Wir sind partout nicht darauf gekommen, dass sich einer in die Tür stellen muss, um sie so nach dem Drücken des Knopfes am Zugehen zu hindern und damit den Stromfluss zu unterbrechen. Erst dann ist es dem ersten Spieler möglich gefahrlos durch eine Wasserpfütze zu laufen. Leider läuft der Dedicated Server unglaublich instabil. Ihr möchtet gar nicht wissen, wie oft wir besagtenvierten Level neu starten mussten deswegen. Auch sonst gibt es leider hier und da Plotstopperbugs, die euch zwingen im Walkthrough nachzuschauen, wie es „korrekt“ gemacht wird.

Zum Abschluss noch ein Wort zur Grafik: Mit Half-Life: Blue Shift wurde das High Definition Pack eingeführt, welches höher aufgelöste Modelle ins Spiel einfügte. Mit Half-Life: Decay wurde dieses noch einmal aktualisiert. Nicht nur haben die Modelle nun noch mehr Polygone spendiert bekommen, sondern auch neue Animationen wie Gesichtsausdrücke. Das Ergebnis sind doppelt so detaillierte Figuren wie im High Definition Pack, was man ihnen zumindest auf dem PC auch definitiv ansieht. Bei der niedrigen Auflösung der PlayStation 2-Fassung hingegen…da sieht man vor lauter riesigen Pixeln sowieso nichts :smile: .

Bagdadsoftware meint: Ich habe mich zwar beim Durchspielen hin und wieder wegen der technischen Probleme geärgert, aber unterm Strich bekommt es dennoch satte 4 von 5 Sics. Lief alles rund, hat es wirklich Spaß gemacht und vor allem das Bonuslevel hat mich wirklich überrascht und begeistert. Wen das Half-Life-Universum also auch nur ein bisschen interessiert, der sollte sich unbedingt einen Freund schnappen und den inoffiziellen PC-Port herunterladen (Half-Life wird logischerweise benötigt) und spielen — dauert auch nur rund drei bis vier Stunden, je nachdem wir lang ihr an Rätseln hängen bleibt und wie die Technik mitmacht. Es lohnt sich definitiv, nicht nur wegen der zusätzlichen Hintergrundgeschichte.

Audo faaahn

Neben Half-Life: Decay hat mich dieses Wochenende noch ein Rennspiel beschäftigt, schließlich bin ich immer froh, wenn ich mein Logitech G25 auspacken kann. Passenderweise ist am Freitag auch ein Spiel erschienen, welches alle Funktionen des Mercedes unter den Lenkrädern vollständig unterstützt:

Test Drive Unlimited 2Test Drive Unlimited 2 – Für alle, die damals schon Test Drive Unlimited gespielt haben: der zweite Teil ist dasselbe in Grün – inklusive der gleichen Probleme. So ist auch dieses Mal wieder die Verfügbarkeit des Servers allein vom aktuellen Planetenstand abhängig. Was schade ist, denn die Onlinekomponente des Spiels ist immer noch eine nette und im Kern auch gut umgesetzte Idee. Die beiden Inseln Ibiza und Oahu (seit Teil 1 etwas überarbeitet) sind derzeit gut mit Spielern bevölkert, die ihr on-the-fly herausfordern könnt, wenn ihr ihnen auf den 3.000 Kilometer Straße begegnet. Aber auch die von der Community erstellten Challenges sind wieder zahlreich vorhanden und halten euch im Prinzip auf ewig bei der Stange.

Gutes Fahrmodell

Test Drive Unlimited fand ich damals aus zwei Gründen gut: zum einen bot es eine unglaubliche spielerische Freiheit, eben die komplett befahrbare Insel Oahu. Zum anderen war es das einzige Spiel, das nicht nur alle Funktionen meines Logitech G25 vollständig unterstützte, sondern auch die entsprechenden Möglichkeiten bot sich damit auszutoben. In Sachen Qualität und Simulation mag ein Titel wie GTR 2 FIA GT Racing Game klar die Nase vorne haben. Aber auf engen Rundkursen einen Lamborghini Murcielago R-GT ins Ziel zu bringen ist doch ein ganz anderes Thema. Da brauche ich erst gar nicht anzufangen auf manuelles Schalten umzustellen.

In Test Drive Unlimited und jetzt auch Test Drive Unlimited 2 sieht die Sache schon anders aus. Hier komme ich auch spielerisch voran, wenn ich wirklich zum Schaltknüppel/Schaltwippen greife, sprich mir werden Fehler verziehen. Und durch das weite Straßennetz kann ich mich auch außerhalb der Events in meinem Audi TTS zurücklehnen und genüsslich die Autobahn entlang heizen — natürlich auf der falschen Seite, damit ich auch noch ordentlich Kohle durch riskante Fahrmanöver kassiere. Viel wichtiger ist aber noch: wenn ich möchte, kann ich mich hier den Verkehrsregeln unterwerfen und zwar ohne, dass die KI bei meinem Anblick sofort ausrastet und Unfälle baut. Ein echter Sandkasten eben, dem nur ein Tempomat fehlt. Mit dem richtigen Lenkrad eine wahre Freude!

Abwechslungsreiche Missionen

In Sachen Umfang legt Test Drive Unlimited 2 die Latte noch einmal ein gutes Stück höher im Vergleich zum Vorgänger. Beide Inseln strotzen nur so vor Möglichkeiten seine Zeit zu verplempern. Neben den Turnieren, der eigentlichen Story im Spiel, in denen ihr mehrere Events wie Zeitrennen, Blitzerfahrten oder normale Rennen absolviert, gibt es auch wieder die Anhalter an der Straße. Hier müsst ihr beispielsweise dem Auto einer Freundin (oder Freund) des Anhalters mit Abstand folgen, um herauszufinden ob er oder sie fremdgeht. Ein andermal möchte der Anhalter unbedingt einen Schuss Adrenalin und verlangt von euch so ungestüm wie möglich zu fahren – oder umgekehrt. Oder ihr müsst eine sündteure Luxuskarosse, die ihr euch erst sehr spät im Spiel selbst leisten könnt, unversehrt zu einer Werkstatt fahren (massig Kohle!). Ganz neu sind Offroad-Rennen. Wer jedoch jetzt an Colin McRae DiRT denkt, muss seine Erwartungen etwas zurückschrauben. Da kommt es dann doch nicht ran. Alles in allem werdet ihr vermutlich 25-30 Stunden mit Test Drive Unlimited 2 beschäftigt sein, ohne jemals mit einem menschlichen Spieler ein Wort wechseln zu müssen.

Dazu kommt ein Haufen Drumherum. Statt zu Beginn euren Avatar zusammenzubauen, gibt es im Spiel Frisörsalons und Schönheitskliniken (inkl. rund 45 Minuten Bandagen im Gesicht). Zudem könnt ihr euch überall Häuser kaufen, damit ihr eure anwachsende Sammlung von dutzenden komplett lizenzierter Autos unterbringen könnt. Toll: in allen betretbaren Gebäuden lauft ihr in der Ego-Perspektive herum. Nachteil für Lenkradbesitzer: das geht nur mit dem Keyboard anständig. Und obwohl die Grafik im Vergleich zu Teil 1 ein wenig aufgebohrt wurde, sieht das Spiel doch größtenteils sehr langweilig und auch schlicht leer aus.

Ein Großteil des Drumherums müsst ihr jedoch erst freischalten. Das reicht vom simplen „erstmals daran vorbeifahren“ bis hin zum Erreichen eines bestimmten Rangs, der euch dann Zugriff auf neue Klamotten gewährt. Punkte für den Levelaufstieg verdient ihr euch hingegen durch eure Rennerfolge, durch das simple Erkunden der Insel oder eure Interaktion mit anderen Mitspielern.

Schicke Autos

Nur bei den Hauptpersonen des Spiels, den Autos, wurde natürlich in Sachen Grafik nicht gespart. Bis ins Detail wurde jeder einzelne Wagen der Realität nachempfunden. Das geht soweit, dass ihr sogar die Fenster runterlassen oder das Verdeck aufmachen könnt. Selbst Blinker setzen ist möglich, womit wir wieder beim Thema Sandkasten sind. Leider bringen die lizenzierten Wagen einen Nachteil mit sich: wie so oft, fehlt das Schadensmodell. Zwar werden eure Karren angenehm dreckig und kriegen auch den ein oder anderen Kratzer. Aber wer mit 250 km/h in die Leitplanke heizt, dem fällt nicht einmal die Stoßstange ab, geschweige denn das Fahrverhalten ändert sich. Nur der Unterschied trockene und nasse Straße wirkt sich spürbar negativ aus. Immerhin dürft ihr die Autos nach Lust und Laune umlackieren, mit Aufklebern vollklatschen und auch ein wenig tunen.

Wenn nicht immer die technischen Probleme einem den ganzen Spaß verderben würden, wäre Test Drive Unlimited 2 somit eine uneingeschränkte Empfehlung. Aber wenn mir das Spiel mitten in einem 10km-Rennen mehrfach oder beim Wechseln der Auflösung abstürzt, der Onlineserver nicht erreichbar ist und mir das Spielen damit komplett unmöglich macht (ihr müsst zu Beginn zwischen Online und Offline wählen — dazwischen wechseln geht nicht) und die Framerate bei einer bestimmten Anzahl an Avataren auf dem Bildschirm massiv in die Knie geht (und ich habe keine wahrlich schlechte Grafikkarte), dann bin ich doch öfters drauf und dran das Lenkrad wieder in den Schrank zu stellen…

Bagdadsoftware meint: Wenn ihr nur ein Rennspiel sucht, dann solltet ihr auf Shift 2 Unleashed warten. Wenn euch aber spielerische Freiheit bzw. das Gefühl wirklich in einem Auto zu sitzen und eine umfangreiche Onlinekomponente wichtiger sind als die Technik, führt kein Weg an Test Drive Unlimited 2 vorbei. Spätestens sobald ihr euer erstes A6/A7-Auto besitzt, seht ihr auch über die ganzen Fehler hinweg und erwischt euch dabei, wie ihr die Fenster herunterlasst und versucht den Ellbogen abzulegen.

Ich wünsche eine angenehme Arbeitswoche!

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