Sicarius

Rollenspielüberflutung

Was für ein Stress! Seit Donnerstag bin ich gleich in zwei Rollenspielen gleichzeitig unterwegs. Eigentlich sogar drei, aber meinen Durchlauf mit Divinity II – Eco Dragonis (jetzt als Divinity II – The Dragon Knight Saga musste ich zu Gunsten der beiden anderen Titel erst einmal stoppen. Das ist etwas schade, weil sich das Rollenspiel wirklich vorbildlich entwickelt hat und zu einer klaren Empfehlung geworden ist. Ihr müsst euch quasi The Dragon Knight Saga wie die Enhanced Edition von The Witcher vorstellen. Unzählige Bufixes, Performanceverbsserungen, massive grafische Überarbeitungen, spielerische Neuerungen und Änderungen und so weiter und so fort sind im Paket enthalten. Und mittlerweile kommen auch Besitzer der ersten PC-Version plus Addon kostenlos in den Genuss all der Änderungen. Den entsprechenden Patch erhaltet ihr auf der Webseite von Larian Studios.

Zwei Hinweise zum Update

  • Die dort verlinkte Datei hat 350KB und ist nur ein Downloadmanager. Tatsächlich müsst ihr rund 5GB an Daten herunterladen, bevor ihr die Konvertierung durchführen könnt. Glücklicherweise lässt das Programm Unterbrechungen zu.
  • Habt ihr Divinity II – Ego Draconis mit oder ohne Flames of Vengeance installiert und gepacht, empfiehlt sich eine Neuinstallation (erst das Hauptspiel, dann direkt das Addon, dann der Konvertierungspatch). Wurden die Spiele vorher schon einmal aktualisiert, führt es in vielen Fällen zu einem schwarzen Bildschirm nach dem Spielstart.

Klare Kaufempfehlung

Divinity II – The Dragon Knight SagaWer sich damals von den Wertungen vieler Magazine abschrecken ließ, bei Bagdadsoftware wurde es hingegen zum drittbesten Rollenspiel des Jahres 2009 gekürt (hinter Risen und Dragon Age: Origins), sollte jetzt endlich zuschlagen und die rund 30 Euro in das Gesamtpaket investieren. Ihr müsst auch die Vorgänger, Divine Divinity und Beyond Divinity nicht unbedingt kennen, um es genießen zu können. Selbst ich habe die beiden 2D-Titel bis heute noch nicht durchgespielt. Also nicht länger zögern und kaufen! Es ist wirklich sowohl technisch als auch spielerisch ein sehr gutes Rollenspiel mit einigen äußerst interessanten und auch einzigartigen Ideen. Oder kennt ihr etwa ein anderes (Action-)Rollenspiel, in dem ihr die Gedanken von NPCs lesen könnt, um zusätzliche Quests, Talentpunkte oder Schätze zu erhalten? Oder eines, in dem ihr euch auf Knopfdruck in einen ausgewachsenen Drachen verwandeln könnt? Eben!

Festivitäten

Über Nummer zwei der drei Rollenspiele, die mich derzeit beschäftigen, darf ich hingegen noch nichts verraten. Da müsst ihr euch leider noch bis zum Embargoende am 8. März (Mitternacht) gedulden. Und ja, natürlich ist Dragon Age II gemeint. Das wird eine stressige Woche — vor allem, weil gleichzeitig Bagdadsoftware auch noch seinen 10. Geburtstag feiert. Das habe ich selbstverständlich nicht vergessen und wir sind schon fleißig am Vorbereiten! Aber ich schweife schon wieder ab.

Nummer drei auf der Liste ist hingegen seit langem mal wieder ein MMO: RIFT. Offiziell los geht es zwar erst am 4. März, aber ihr kennt mich ja: teuren Spezialversionen kann ich nie wiederstehen. Entsprechend darf ich den Headstart nutzen, wie einige hunderttausend andere Spieler auch. Sehr weit bin ich natürlich noch nicht, gerade erst Level 11 erreicht, aber als erfahrener MMO-Spieler möchte ich euch natürlich nicht meine ersten Eindrücke vorenthalten.

We’re not in Azeroth anymore

Wen ihr Werbung zu RIFT gesehen habt, dann kennt ihr den obigen Slogan sicherlich. Ganz schön mutig so direkt World of Warcraft anzugreifen. Vor allem, weil der erste Eindruck genau das Gegenteil ist: ich fühle mich als World of Warcraft-Spieler von der ersten Sekunde an wie zu Hause. Spiele wie Warhammer Online und Der Herr der Ringe Online mussten sich zwar den Vorwurf auch bereits gefallen lassen wie das große Vorbild zu sein, aber bei RIFT ist es wirklich extrem — und zwar sowohl spielerisch als auch technisch.

Natürlich versucht Trion Redwood Shores Studio die Tatsache so gut wie möglich zu kaschieren. Das Interface hat eine leicht andere Farbe und Verzierung, das gesamte Spiel ist dunkler gestaltet, um die Bonbon-Grafik zu kaschieren und statt drei Talentbäumen für eine Klasse zu haben, dürft ihr euch einen Mischmasch aus drei Klassen mit je einem Talentbaum basteln. Ich bin derzeit als eine Kombination aus Rächer, Schamane und Druide unterwegs (getarnt als weibliche Nacht…äh…Hochelfe auf Seiten der Allianz…äh…Beschützer). Soweit ich es verstanden habe, könnt ihr im Laufe des Spiels aber auch noch alle anderen Klassen einer jeweiligen Berufung (Krieger, Geistlicher, Schurke, Magier) lernen und, gegen massig Kohle natürlich, jederzeit austauschen.

Vorbildlicher Start

Der Headstart ist erfreulich glatt verlaufen. Klar, je später es wurde, desto länger waren die Warteschlangen. Aber der Server ist kein einziges Mal abgestürzt und obwohl alle im gleichen Startgebiet anfangen, ging weder die Performance in die Knie, noch musste man zum Erfüllen der Quests lange warten — eine hohe Respawnrate sei Dank. Definitiv der sauberste MMO-Start, den ich bislang erlebt habe. So konnte ich mich gleich ungestört aufmachen, um Quests zu lösen und im Level aufzusteigen.

Spätestens hier macht sich dann die hohe Einsteigerfreundlichkeit des Spiels bemerkbar. Das Spiel stellt selbst Age of Conan: Hyborian Adventures in den Schatten. Und dort gab es bereits einen Aufschrei, weil auf der Karte die Questzonen markiert wurden. RIFT treibt es, zumindest in den Bereichen, die ich bislang gesehen habe, hingegen auf die Spitze.

Autopilot

RIFTEs fängt schon damit an, dass ihr vorbildlich von Questhub zu Questhub geleitet werdet. Die letzte Aufgabe an einem Standort ist es immer zum nächsten zu gehen. Und alle Quests an einem Ort hängen natürlich irgendwie zusammen. Werdet ihr ausgeschickt ein paar Pilze zu sammeln, dann gibt es natürlich auch gleich noch eine zweite Aufgabe bei der ihr die Gegner in dem Bereich töten müsst. Und welcher Bereich das ist, wird euch sprichwörtlich millimetergenau auf der Karte markiert. Einzigartige Questziele sind durch Punkte markiert, damit ihr sie nicht verfehlt und natürlich glitzert auch jeder Questgegenstand. Das ist alles sehr vorbildlich gelöst, es hat nur einen entscheidenden Nachteil: es ist mir tatsächlich irgendwie zu viel. Ich fühle mich als wäre ich mit einem Autopiloten unterwegs. Selbst wenn ich es gar nicht will, werde ich schön artig an der Hand genommen, damit auch ja nichts schief geht. Rondrer meinte zwar, dass wäre in World of Warcraft mittlerweile nicht anders, aber das macht es jetzt nicht besser.

Selbst die namensgebenden Risse, eine der „Innovationen“ des Spiels, sind perfekt in dieses System eingebunden — was hier auch tatsächlich spielerisch sinnvoll ist. Ihr bekommt immer mit, wenn sich irgendwo ein Riss gebildet hat oder eine gerade Invasion läuft, teilweise aktiviert sich gar automatisch ein Quest. Und nähert ihr euch einem Riss aus dem fröhlich Gegner strömen, reicht ein Knopfdruck und ihr nehmt am Raid teil. Keine langwierige Gruppensuche — es geht stattdessen gleich zur Sache. Selbst um den Loot gibt es keinen Streit. Die wichtigen Sachen erhaltet ihr, je nachdem wie gut ihr mitgemacht habt, automatisch nach Abschluss dieser öffentlichen Überlebenskämpfe. So muss Gruppenspiel aussehen, ohne dass man auch nur ein einziges Wort mit seinen nervigen Mitspielern wechseln muss :smile: . Die haben sowieso derzeit nicht besseres zu tun als erneut im allgemeinen Channel die alte „Dies ist ein Rollenspiel-Server, ihr Vollidioten!“-Debatte abzuhalten — wie bei jedem MMO-Start eben.

Erstes Fazit

Ich kreide es RIFT nur deshalb an wie World of Warcraft zu sein, weil es in der Werbung groß etwas anderes behauptet. Abgesehen davon wäre zwar ein bisschen Innovation ganz nett, aber wenn das Rad rund läuft, warum plötzlich ein eckiges erfinden, nur um anders zu sein? Wenn man genauer hinschaut, werden auch die ein oder anderen Unterschiede sichtbar. Ihr wisst gar nicht wie dankbar ich dem Spiel bin, dass ich schon mit Level 6 mein erstes Mount erhalten habe!

Was will ich euch also mit all dem sagen? Nun, RIFT scheint auf den ersten Blick nichts Grundlegendes falsch zu machen. Im Gegenteil ist es sogar so extrem durchdacht und stark poliert, dass es für Veteranen schon fast wieder lästig ist. Ob sich das im weiteren Spielverlauf legt? Weiß ich noch nicht. Aber wer World of Warcraft mag oder vielleicht auch mittlerweile satt hat, sich aber nicht großartig in ein anderes Spielsystem umdenken will, der sollte definitiv mal reinschauen. Ihr werdet keinen Kulturschock bekommen. Und wer bislang noch überhaupt nichts mit MMOs am Hut hatte, ist hier wohl genauso gut aufgehoben wie beim großen Konkurrenten.

Noch mehr zu RIFT kann euch Rondrer erzählen. Er hat bereits die Betaphase(n) mitgemacht und schon ein paar Level mehr als ich gesehen. Oder ihr lest einfach Philipps Vorschau. Sie war schließlich der Grund, warum ich mir das Spiel überhaupt vorbestellt habe.

Und nun entschuldigt mich — Sicarius Hawke wartet auch mich.

PS: Die neue Podcast-Folge wird am Mittwochabend aufgezeichnet. Mein Plan ist es die Folge noch für Donnerstag fertig zu bekommen, auch weil ich eben wie erwähnt die Woche drauf überhaupt keine Zeit habe. Aber ob ich es bis Mitternacht schaffe ist unklar. Stellt euch am besten auf einen kleinen Platzhalter ein, der erst im Laufe des Tages sich mit dem eigentlichen Inhalt füllt.

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6 Kommentare

Soviel über RIFT kann ich auch nicht erzählen, nur dass ichs nicht mag ^^
Und man als nicht CE-Käufer sein Reittier erst ab lvl 20 bekommt, was echt nervig ist da schon da erste "richtige" Gebiet ziemlich groß ist und einen die Quests ständig von einer Ecke zur anderen schicken…

Man kann doch schon mitten im ersten Gebiet ein Pferd kaufen. Es sah jetzt auch nicht zu teuer aus. Aber klar, CE-Käufer sind im Vorteil.

Vielleicht ham sie das geändert? Irgendwann wars auf jedenfall ab lvl 20 und 2 Platin, was bezahlbar ist mit lvl 20 aber schon relativ ordentlich

Mmmh…muss ich mal nachschaun. Ich fände es auf jeden Fall äußerst extrem unfair wenn ich als CE-Käufer satte 14 Level lang einen so massiven spielerisch Vorteil hätte – und das ist ein Mount definitiv.

Ich hab' übrigens nachgeschaut: Beim Händler im ersten Gebiet kann man ein Pferd für zwei Platin kaufen, was scho a weng Holz ist — aber dafür ohne Stufenlimit.

Ich bin jetzt mit Level 21 (!) von 50 endlich aus dem Startgebiet Silberwald raus…und einen Quest habe ich trotzdem immer noch im Gepäck, den ich dort eigentlich erledigen müsste. Schon irgendwie krank.

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