Sicarius

Reisebericht: Dublin

Je öfter ich auf Seminar bin, desto höher stehen die Chancen, dass ich endlich mal The Wheel of Time durchgespielt bekomme (ist hier auf dem Laptop installiert). Mit Ausnahme der Zwischensequenzen, die müsst ihr euch außerhalb des Spiels anschauen (liegen offen und klar gekennzeichnet im Spieleordner), läuft es auch dank Unreal Engine (1) selbst unter Windows 7 einwandfrei. Da sieht man mal wieder, wie gut viele Firmen damals ihre Grafikgerüste gebaut haben. Heutzutage muss man ja schon froh sein, wenn das Spiel ohne extra angepassten Treiber überhaupt startet.

Ich kann also ohne Bedenken jedem, der The Wheel of Time noch nie gespielt hat, nur wärmstens empfehlen es endlich nachzuholen. Ein wenig kantig anzuschauen und die meist zehnminütigen Zwischensequenzen etwas steif (Dreieck-Brüste for the win!), aber spielerisch und storytechnisch ist der Titel immer noch über jeden Zweifel erhaben und für einen Ego-Shooter sogar äußerst tiefgängig und anspruchsvoll. Allein die unzähligen Gegenstände, die teils als Waffe und teils als Lösung für Rätsel dienen erschlagen einen förmlich. Ich musste jetzt nach der längeren Pause auch erst einmal wieder reinkommen — und in einer Komplettlösung nachschauen, um herauszufinden wo ich eigentlich bin und was ich machen muss…

Ich hoffe, ich komme auch irgendwann mal dazu die Bücher zu lesen. Vielleicht wenn dann nächstes Jahr endlich der 14. und finale Band rauskommt. Wobei ich natürlich schon einmal anfangen könnte. Sind ja, wie bei mir üblich, ganz schön dicke Brocken (insgesamt 11.308 Seiten derzeit — danke Wikipedia für diese komplett sinnlose Information!) Und dann wäre da ja auch noch das neue Spiel, an dem Red Eagle Games und Obsidian Entertainment arbeiten. Nein, es gibt leider keine neuen Informationen. Der letzte Stand ist immer noch von Anfang 2010. Aber da kommt schon noch was :smile: .

Intime Details

Gut, jetzt habe ich mich erfolgreich drei Absätze davor gedrückt, aber es hilft nichts: Ich muss euch endlich mal ein bisschen was über meinen Ausflug nach Dublin erzählen. Viel wird es nicht sein, denn ich war natürlich unter gleichgesinnten und da wurde vornehmlich über Interna geredet. Und meine beiden Vorschau-Artikel zu Warhammer 40.000: Space Marine und Red Faction: Armageddon habt ihr, so vorbildlich wie ihr seid, natürlich auch schon vor vier Wochen gelesen. Aber schauen wir mal:

Das THQ-Event war meine allererste Auslandsreise und das zweite Mal überhaupt, dass ich Deutschland in einem Flugzeug verlassen habe. Stammleser erinnern sich auch an das erste Mal: Das war anno 2007 meine Reise mit Rondrer & Co. zu Daiah nach Schweden. Und auch wenn es sich eigentlich nicht gehört private Details von anderen Leuten preiszugeben, die mittlerweile nicht mehr mitlesen: Ich fühle mich trotzdem der Vollständigkeit halber verpflichtet quasi nebenbei zu erwähnen, dass Daiah IMMER noch am Studieren ist. Nur so als eingestreute Information. Soll natürlich keine Wertung sein. Kann ja jeder machen was er will. Die einen gehen arbeiten und helfen so den Sozialstaat am Leben zu halten, die anderen vergnügen sich ein Jahrzehnt auf dem Campus. Jedem das Seine :smile: .

Noch mehr planloses Gebrabbel

Äh, wo waren wir? Achja, Dublin. Azzkickr meinte im Vorfeld, er fände es toll wie locker ich an die Sache ranginge. Aber ich habe da wirklich keine Hemmungen mehr. Mein gesprochenes Englisch mag nicht das Beste sein, doch da bin ich bei so einem Event ja in guter Gesellschaft (waren Spaniern, Franzosen, noch mehr Deutsche und natürlich auch Engländer). Mit dem Verstehen habe ich hingegen keine Probleme, wenn es nicht gerade tiefster Dialekt ist…oder irisch. Irisch…das klingt im Vergleich zu English wie Holländisch zu Deutsch. Irgendwie total kaputt :smile: .

Wenn ich könnte, hätte ich auch schon viel früher und viel öfter solche ausländischen Entwicklerbesuche machen können. Angeboten bekommen wir die fast ständig. Ich kann aber nicht einfach mal von heute auf morgen Urlaub nehmen. Zumal ich so viel Jahresurlaub auch gar nicht habe, als das ich ihn ständig für solche Lustreisen verbraten könnte. Da kommt dann einer meiner Kollegen in den Genuss. Sehr schade, auch weil man natürlich viele Bekanntschaften macht bei solchen Sachen, aber da ist am Ende des Tages wieder die Sache mit der Priorisierung.

Dublin

Doch zurück zum Thema: Meine einzigen Bedenken waren die Sicherheitskontrollen an den Flughäfen. Man hört da ja, zumindest aus den USA, haufenweise Horrorstories von wegen Laptops, deren Festplatten im Hinterzimmer geklont werden und so was. Aber auch hier hatte ich mich gut vorbereitet und am Ende weder in Frankfurt noch in Dublin Probleme. Und das, obwohl zwischen beiden Flüghäfen Welten liegen. Ist Frankfurt das riesige HighTech-Zentrum, kommt man in Dublin an und steigt erst einmal ein paar Holztreppen runter…

Ein Eindruck, der sich auch durch die restliche Stadt zieht. Es klingt herzlos, aber man merkt einfach, wo vor 70 Jahren keine Bomben gefallen sind. Dublin ist alt und irgendwie auch „abgesifft“, wie man auf Neudeutsch sagen würde. Und der Ökonomie scheint es auch nicht so gut zu gehen, wenn man so durch die Straßen an den vielen geschlossenen Geschäften vorbeigeht. Das verstärkt natürlich den heruntergekommenen Eindruck noch mehr.

Die Autofahrer

Andererseits: Was will man von Leuten erwarten, die auf der falschen Straßenseite fahren? Und wie sie da fahren. Komplett ohne Rücksicht auf Verluste — und zwar sowohl ohne Rücksicht auf Mensch als auch Technik. Wenn unser Busfahrer geschaltet hat, tat mir immer das Auto leid. Und wer als Fußgänger an einer roten Ampel hält, der ist eindeutig Tourist. Alle anderen gehen einfach drüber. Kann ich auch verstehen, so lang wie die Rotphasen da immer dauern.

Wer schon einmal in Paris war und die dortigen Autofahrer erlebt hat: Die Iren sind davon nicht mehr weit entfernt. Sie parken allerdings mit angezogener Handbremse. Den unrühmlichen dritten Platz haben übrigens die Italiener. Die fahren auch wie die Gestörten– halten aber zumindest in gefühlt 60% der Fälle an, wenn man am Zebrastreifen steht :smile: .

Das 20 Euro Steak

Da die Reise zwei Tage gedauert hat, haben wir natürlich auch in einem Hotel übernachtet. Fragt mich bitte nicht nach dem Namen. Ich habe es wirklich schon wieder vergessen. Aber es war ein echter Luxus. Aus dem Zimmer machen andere eine ganze Eigentumswohnung. Riesiges Bett, vornehmes Bad mit geräumiger Dusche UND Badewanne. Kaffeemaschine im Zimmer; Großer Fernseher mit weitreichendem Video on Demand-Angebot sowie kostenloses W-LAN inklusive. Und eine Ecke mit Kaffeetisch, Couch und Sesseln gab es auch. Wenn ich mich da hier im Commundo Tagungshotel in Stuttgart umschaue, das nicht einmal zu den schlechtesten der ganzen Kette gehört — Mittelalter! Ach, apropos Mittelalter: Strom floss nur, wenn die Zugangskarte in einem Slot neben der Tür steckte. Habe ich auch einen Moment gebraucht, bis ich das kapiert habe. Was machen die das auch so kompliziert für Touristen… :smile:

Abends waren wir dann in einem „original“ amerikanischen Restaurant. War sogar eins irgendeiner sehr bekannten Kette, deren Namen ich aber auch schon wieder vergessen habe. Ja, ich weiß — in Irland sein und dann Amerikanisch essen gehen. Haben wir genauso gesagt, aber THQ Amerika wollte sich wohl wie zuhause fühlen. Blöd nur, dass das Essen absolut grottig war — ohne irgendeine Übertreibung. Für mein Steak, das zu allem Überfluss über 20 Euro gekostet hat, hätte ich nicht einmal 5 bezahlt. Dabei sollen die Amerikaner doch angeblich was davon verstehen! Stattdessen sollten sie mal beim Parkhotel Ost in Haar-Salmdorf vorbeischauen. Deren 300g Steak ist nicht nur wesentlich günstiger, es ist auch das beste Stück Fleisch, das ich in meinem bisherigen Leben gegessen habe…und ich esse viel Fleisch! Boah, da krieg ich schon wieder Hunger, wenn ich nur dran denke. Aber das nur so als Werbung nebenbei. Wie war das mit dem „Gekauft“? *pfeif*

Abschließende Worte

Zu den Events selbst gibt es nichts weiter zu sagen, was nicht auch in den Artikeln steht. Ja, Red Faction: Armageddon wurde im Guiness Storehouse gezeigt und bei Warhammer 40.000: Space Marine waren wir in der Kirche irgendeines Schlosses. Aber ich bin ja nicht da, um Sightseeing zu machen, sondern um mir die Spiele anschauen. Ja, Mama, du brauchst nicht schon wieder die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Das ist einfach so. Die hätten mich nicht so viele Kilometer fahren müssen. Eine selbstgebrannte DVD mit der Vorschauversion hätte wie sonst auch gereicht :smile: .

Doch ich möchte natürlich nicht undankbar sein. Der Event verlief zwar nicht ganz reibungslos, es war aber schon cool was THQ da abgezogen hat. Eine höhere Wertung gibt es dafür zwar nicht, eher eine niedrigere wegen versuchter Bestechung :wink: . Doch der Besuch in Dublin war definitiv eine Erfahrung, die ich gerne gemacht habe und am liebsten auch noch öfters machen würde. Mal schauen was sich da so noch ergibt…

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5 Kommentare

Du warst noch nie in Madrid, Barcelona oder Athen… vor allem Letzteres… da wünscht du dir, dass sie nicht nur auf der falschen Seite fahren! :laughing:

Ansonsten: Netter Bericht. Mir hat Dublin sehr gefallen, vielleicht auch, weil ich dieses Heruntergekommene mag. Ich fühle mich wohl in solchen Städten, in denen man noch Atmen kann, im Gegensatz zu Frankfurt Innenstadt und Aschaffenburg. Und das obwohl Aschaffenburg ja die grünste Stadt sein soll…! Was mich außerdem noch verwundert, dass das FLAISH! so schlecht war. Aber vermutlich haben die das Fleisch auch eher für den irischen Gaumen zubereitet. Achja: hieß die Kette Maredo? Falls ja, würde mich das noch mehr verwundern. ^^

Also ich bin jetzt auch neugierig. Grundsätzlich mag ich nämlich auch die alten, "heruntergekommenen" Städte mehr als diese modernen Vertreter. Vor allem, wenn ich dran denke, wieviele unserer schönen Fachwerkhäuser durch die Bomben zerstört wurden, kann ich dieser Zeit nur nachtraueren und würde sie jederzeit wieder gegen diese Betonklötze eintauschen. Von daher würde ich vermuten, dass mir auch Dublin recht gut gefallen dürfte (gleich ma nach Bildern googeln ^^)

Eine schöne Altstadt hat schon was, klar. Aber wenn die Bürgersteige nur so von Lochfrass befallen sind und auch die Häuser so aussehen, als würden sie jeden Moment auf die Straße fallen…das hat nix mit schönen Fachwerkhäuser zu tun.

@JakillSlavik — Nein, Maredo war es nicht. Das Logo kenne ich. Hab' grad mal gegoogelt und ich glaube es war T.G.I. Friday's ( http://www.tgifridays.com ). Zu Futtern hatte ich irgendeine Form des Jack Daniel Steaks (medium). Das erste Mal, dass ich Shrimps gegessen habe (das einzig gute auf dem Teller). Die Chicken-Probeplatte im Vorfeld war auch um Längen besser.

Das Hotel war hingegen das Radisson Blu ( http://www.radissonblu.ie/royalhotel-dublin )

Pfff, muss ich halt wie immer den Gegenpol spielen…

Ich mag keine alten heruntergekommenen Städte. Historische Altstädte sind natürlich auch was schönes, aber bitte nur, wenn sie ordentlich restauriert wurden und auf Hochglanz poliert sind ;) Mit alt und vergammelt kann ich da nichts anfangen.

Die einzige Ausnahme sind alte verlassene Industrieanlagen/Hallen/Bahnanlagen etc. die üben auf mich aus irgend einem Grund eine gewisse Faszination aus ;)

And now to something completely different:
Ansonsten kann ich nur sagen, dass ich vorletzte Woche oder so auch ein Steak für 20€ gegessen hab und zu dem kann ich definitiv auch sagen:
"das beste Stück Fleisch, das ich in meinem bisherigen Leben gegessen habe…und ich esse viel Fleisch! "
Das Filet ist halt doch nicht ohne Grund das teuerste Teil vom Rind ;)

*mit Finger auf Ron deut*

wiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitch!

Aber zum Thema: Alte Häuser ~
Ich glaube Azz und ich (oder zumindestens ich) haben da eine total verklärte (oder beweihräucherte) Sicht der Dinge (oder?). Das mit den Industrieanlagen etc. kann ich nachempfinden.

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