Sicarius

Dunkle Handheld-Seelen

Heute um 9:30 Uhr öffnen sich in Köln die Tore. Nein, noch nicht zur gamescom 2011. Die startet erst am Mittwoch. Die GDC Europe 2011 ist stattdessen angesagt mit allerlei interessanten Vorträgen von bekannten Persönlichkeiten der Branche. Die GamersGlobal-Redaktion inklusive meiner Wenigkeit genießt aber noch ein bisschen den Feiertag (Bayern, ihr wisst schon) und wird erst heute Abend in Nordrhein-Westfalen einfallen. 30 bis 40 Spiele werde ich mir dann bis Freitagabend anschauen und Ziel ist es wie letztes Jahr mindestens über die Hälfte davon auch zu berichten. Entsprechend übernimmt den Donnerstagseintrag freundlicherweise Rondrer, während ihr mich ausschließlich, dafür aber sehr viel drüben bei GamersGlobal lesen werdet. Also schaut vorbei!

Und wenn wir schon bei GamersGlobal sind: JakillSlavik hat euch vergangenen Donnerstag nicht ohne Grund von seinem Laptop erzählt. Ich durfte mir derweil mal wieder ein Spiel anschauen:

Dark SoulsAngetestet zu Dark Souls – Das hat jetzt nichts mit dem Spiel zu tun, aber ich möchte mal festhalten, dass ich den PlayStation-3-Controller überhaupt nicht mag. Das Ding ist klein und die Buttons fühlen sich „schlabberig“ an. Ja, es ist vermutlich eine reine Gewöhnungssache. Aber selbst wenn ich den direkten Vergleich zum Logitech Rumblepad II ziehe, das ich jahrelang benutzt habe, dann schneidet das immer noch besser ab als der kleine Schwarze. Mittlerweile schwöre ich allerdings allein auf den Xbox-360-Controller. Ja, sie sind größer und schwerer. Aber ich mit meinen grobmotorischen und auf WASD-fixierten Fingern brauche das offensichtlich :smile: . Und, ganz wichtig, er wird selbst von den hartnäckigsten Spielen erkannt…

Zum Spiel selbst: Nun, ihr kennt mich ja. Ich schrecke vor keiner Herausforderung zurück. Auch Ghost Recon: Advanced Warfighter 2 starte ich immer noch, obwohl ich mir seit Tagen an der finalen Mission auf „Hardcore“ massiv die Zähne ausbeiße. Blöde Kameraden-KI. Ich mache vermutlich mit meiner Hartnäckigkeit stellenweise selbst denen was vor, die den Schwierigkeitsgrad von Demon’s Souls so vehement verteidigen und als Normal einstufen. Aber ganz ehrlich: Von Dark Souls war ich nach den drei Stunden nur noch genervt und zwar so richtig.

Aufreger der Woche

Es ist eine Sache, wenn ich wegen dummer oder unfairer KI nicht vorankomme und ständig sterbe. Und ich störe mich auch nicht an den wirklich herausfordernden Kämpfen, weil sei wirklich gut gemacht sind. Womit ich ernsthafte Probleme habe, ist mich nach jedem Tod erneut durch den halben Level (keine Übertreibung!) und dutzende, ewig gleiche Standardgegner kämpfen zu müssen, bevor ich an den eigentlichen Ort meines Ablebens zurückkehren und einen neuen Versuch wagen kann. Das hat nichts mehr mit fair oder herausfordernd zu tun, egal wie oft die Kommentare das Gegenteil behaupten, sondern mit schlichtem Auswendiglernen des Levels. Selbst beim Raiden in World of Warcraft wird man nicht so hart bestraft.

Das System von Dark Souls nervt wie Hölle, produziert massig Frust und hat als Konsequenz, dass ich noch öfters sterbe. Das mag früher durchgegangen sein, weil man nichts anderes hatte — was faktisch auch nicht stimmt –, aber vor allem heutzutage muss herausfordernd nicht mehr gleichbedeutend sein mit Respawnpunkten, die 300 Kilometer auseinanderliegen. Doppelt ärgerlich ist es, weil der Rest des Spiels schon sehr gelungen ist. Nun gut, lest mein Angetestet und bildet euch selbst eine Meinung. Der Titel mag nicht für jedermann sein, einen Blick ist er aber auf jeden Fall wert. Den Test zu Dark Souls werde jedoch nicht ich schreiben, soviel ist klar :smile: .

Anti-Fortschritt-Käufer

Nun aber genug aufgeregt. Kommen wir stattdessen noch zu einem anderen Thema: dem Nintendo 3DS. Ihr erinnert euch vielleicht an den Eintrag Anti-Fortschritt vom 28.03.2011. Dort hatte ich groß und breit dargelegt, wie nutzlos der 3DS ist und blablabla. An dieser Feststellung hat sich auch nichts Grundlegendes geändert. Meine Argumente Pro-iPhone und Anti-3D bleiben weiterhin bestehen. Lange Rede, kurzer Sinn: Wie ihr am Foto rechts unschwer erkennen könnt, bin ich trotzdem mittlerweile nicht nur Besitzer des Handhelds, sondern damit auch meiner ersten Nintendo-Hardware. Ja, ich hatte nie ein NES oder SNES oder einen Gameboy. „PC for life“, wisst ihr doch :smile: .

 Nintendo 3DS Ich kann die Schuld dafür auch nicht meinem Chefredakteur in die Schuhe schieben. Nein, der 3DS ist rein zu meinem Privatvergnügen angeschafft worden, als es Anfang August das unfassbar gute Angebot bei Notebooksbilliger gab. Vorurteile hin oder her — das war mir es dann doch wert endlich Titel wie Might & Magic: Clash of Heroes oder Scribblenauts spielen zu können. Aber bevor wir dazu kommen, was ich mir so für das Gerät angeschafft habe, ein paar Worte zur Hardware selbst:

Der 3D-Effekt

Prinzipiell liegt der 3DS, wie auch schon der NDS, gut in der Hand. Ich habe allerdings das Problem, dass mir nach relativ kurzer Spielzeit die linke Hand beziehungsweise der linke Daumen weh tut. Das passiert mir aber auch beim iPhone ständig. Ich vermute da wird bei mir in dieser Handhaltung irgendein Nerv eingeklemmt oder so. Ein bisschen erträglicher ist es mit dem Thumbstick, da er weiter oben und gut im Finger liegt. Woran ich mich als Nintendo-n00b hingegen erst gewöhnen musste war, dass die Knöpfe A/B und X/Y quasi vertauscht sind im Vergleich zum Xbox-360- und PlayStation-3-Controller. Aber mit der Zeit hat man das auch raus und geht nicht mehr ständig aus den Menüs raus, obwohl man eigentlich bestätigen wollte.

Was aber überhaupt nicht geht, ist die 3D-Funktion. Also funktionieren tut sie schon und ich kann das 3D auch sehen. Aber wie ich im Anti-Fortschritt-Eintrag bereits festgestellt habe, ist sie einfach 100% sinnlos. Ich habe sogar ausschließlich Nachteile dadurch: Ich kriege Kopfschmerzen, das Bild wird dunkler/unschärfer und ich darf den 3DS nur wenige Zentimeter bewegen, sonst geht der Effekt verloren und man kann praktisch gar nicht mehr spielen. Und von dem halben Dutzend 3DS-Titeln, die ich hier liegen habe, profitiert kein einziger davon.

Die Software

Die Bedienung und die vorinstallierte Software sind, Nintendo-typisch, vorbildlich gestaltet und sind selbst für die dümmsten Leute (=ich) geeignet. Und zumindest das vorinstallierte Face Raiders bietet auch eine etwas längere Spielzeit. StreetPass und das ganze Mii-Zeugs konnte ich hingegen noch nicht testen. Das wird erst auf der gamescom passieren. Mal schauen wie viele dort einen 3DS einstecken und auf Standby haben.

Kommen wir aber nun endlich zum Wichtigsten, den Spielen. Etwas mehr als ein Dutzend Titel habe ich mir mittlerweile geholt. Darunter natürlich nicht nur reine 3DS-, sondern auch DS-Spiele. Die Abwärtskompatibilität war schließlich einer der entscheidenden Kaufgründe. Ohne, hätte ich niemals zugeschlagen. Nachfolgend ein paar Ultra-Kurz-Eindrücke zu den Spielen, die ich mittlerweile etwas länger gespielt habe (Links gehen, soweit vorhanden, mal wieder zu MobyGames):

  • Might & Magic: Clash of Heroes – Keinerlei Überraschung hier und auch das erste Spiel, das in meinen Warenkorb gelandet ist. Im Prinzip der einzige Grund, warum ich je mit einem NDS geliebäugelt habe. Ich habe auch schon wieder 7 Stunden Spielzeit darin versenkt. Einfach ein fantastisches Spiel. Die genauen Gründe dafür könnt ihr in meinem ausführlichen Test von Anfang 2010 nachlesen.
  • New Super Mario Bros. – Wer nicht weiß, was ihn bei Super Mario Bros. erwartet, der hat die letzten beiden Jahrzehnte unter einem Stein verbracht. Auch der neuste Teil ändert nichts an der bekannten Formel der anspruchsvollen Jump ‚n‘ Run-Serie. Mario hat nur ein paar neue Fähigkeiten beziehungsweise Items mit im Gepäck und in den Levels warten viele neue Herausforderungen auf euch. Sogar einen Koop-Modus gibt es. Definitiv ein sehr gutes Spiel und ein Pflichtkauf, an dem mich jedoch eine Sache stört: Ihr könnt nicht nach jedem beendeten Level speichern. Einfach mal für fünf Minuten das Spiel starten, einen Level meistern und dann wieder aus geht deshalb nicht. Das nervt ungemein, vor allem in den späteren Welten, wo ihr nicht nur einen Anlauf braucht, bis ihr einen Level geschafft habt. Mir fällt auch absolut kein triftiger Grund ein, warum diese Designentscheidung getroffen wurde.
  • Rabbids 3D – Nach ihrem Auftritt in Rayman Raving Rabbids haben sich die schreienden Hasen zu einer stärkeren Marke als es Rayman je war entwickelt. Statt einer Sammlung von Minispielen, erwartet euch im neusten Ableger jedoch ein vollwertiger Super Mario Bros.-Klon. Anders als das große Vorbild, wird hier jedoch nach jedem Level gespeichert und der Schwierigkeitsgrad ist auch niedriger. Ich bin dennoch mittlerweile komplett auf Rabbids 3D umgestiegen. Nicht nur, weil mich New Super Mario Bros. mit seinem Speichersystem nervt, sondern auch weil ich die Rabbids einfach cooler finde als den Klempner. Da fällt mir ein: Gibt es eigentlich ein richtiges Donkey Kong für DS/3DS? Egal: Wer mit den Hasen nichts anfangen kann und/oder nur anspruchsvolle Spiele möchte, der wird mit dem Spiel nicht glücklich. Wer ein Spiel für seine Freundin oder den Nachwuchs sucht, sollte aber unbedingt zuschlagen.
  • Scribblenauts – Den Nachfolger, Super Scribblenauts, konnte ich auf der gamescom 2010 anspielen und schon damals hat mir das Spielprinzip sehr gut gefallen. Im Prinzip ist es ein Puzzlespiel, doch um die vielen Rätsel lösen zu können, müsst ihr eurer Spielfigur (oder anderen Figuren auf dem Bildschirm) die Gegenstände in die Hand geben, die sie braucht. Diese liegen jedoch nicht einfach so in der Gegend rum. Ihr müsst sie stattdessen erst erschaffen, indem ihr den Namen ausschreibt. Je ausgefallener eure Lösungsvariante und ungewöhnlicher der eingesetzte Gegenstand, desto mehr Punkte gibt es. Das ist nicht nur sehr motivierend, sondern auch äußerst lehrreich — in meinem Fall sogar noch mehr, da ich meinen 3DS auf „englisch“ umgestellt habe und somit englische statt deutsche Vokabeln benutzen muss. Definitiv ein sehr gutes (Lern-)Spiel für alle Altersgruppen. Nein, „Penis“ lässt sich nicht eingeben.
  • Puzzle Bobble Universe – Das Original Bubble Bobble von 1987 habe ich nie wirklich gespielt. Ich kenne die zwei Drachen schon immer nur aus der Tetris/Bejeweled-Variante Puzzle-Bubble beziehungsweise Bust-A-Move. Hier verschießt ihr von unten farbige Blasen ins Spielfeld und lasst so drei oder mehr gleichfarbige Blasen platzen mit dem Ziel das gesamte Spielfeld zu räumen. Und genau dieses Spielprinzip kommt auch im 3DS-Ableger ohne irgendwelche Veränderungen zum Einsatz. Wer solche Puzzle-Spiele mag und/oder die Vorgänger gespielt hat, der macht mit dem Kauf nichts falsch.
  • Mario Kart DS – Ja, ich hatte ganz verpeilt, dass Ende des Monats die 3DS-Version kommt, sonst hätte ich es mir nicht geholt. Abgesehen davon ist es eben Mario Kart — mit allen Vor- und Nachteilen. Für eine Runde zwischendurch immer mal wieder nett, aber nichts wo man jetzt Stunden drin versenkt. Muss man nicht haben, gehört aber doch irgendwie in die eigene Sammlung.
  • Dead or Alive: Dimensions – Abseits der „realistischen“ Busenwackelsimulation, typische Beat’em Up-Kost — allerdings mit einem genialen Feature, das mir als Grobmotoriker sehr zu Gute kommt: Auf dem unteren Bildschirm werden nicht nur die möglichen Kombos angezeigt, ihr könnt sie sogar durch Anklicken darüber auslösen. Natürlich funktioniert das nur auf den unteren Schwierigkeitsstufen wirklich gut, wenn euch die Gegner noch Zeit für solche Spielereien lassen. Aber endlich kann ich zumindest so tun, als hätte ich mehr als simples Button-Mashing drauf! Das sollte zu einem Standardfeature werden. Ach und eine richtige Story gibt es dieses Mal auch, sogar mit Zwischensequenzen und allem Drum und Dran. Alles in allem ein sehr guter Genrevertreter.

Und damit wäre vorerst alles gesagt, was ich zum Nintendo 3DS zu sagen habe. Ich wünsche eine angenehme gamescom-Woche!

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3 Kommentare

Danke für diesen wirklich informativen Eintrag! Der 3DS interessiert mich schon ne ganze Weile. Vorwiegend deswegen, weil ich kein Handheld besitze, das letzte Nintendo-Spiel, dass ich angerührt habe wohl Mario Kart auf dem SNES war und ich wohl der letzte Mensch auf der Welt bin, der immer noch kein 3D erlebt hat. Weder im Kino noch sonst wo. Eigentlich peinlich für so einen technickaffinen Typen :( Wie auch immer: der 3DS wäre ja für mich die Möglichkeit, alle 3 "Makel" mit einem Schlag zu beseitigen. Trotzdem – und nicht nur, weil das 3D wohl eher ein Marketing-Gag ist, wie du ja auch schreibst – will der letzte Funke bei mir nicht so überspringen. Ich habe einfach nicht das Gefühl, dass er 155 Euro wert ist (+Spiele). Zumal ja auch technisch mittlerweile noch viel mehr geht. Und die Verarbeitung muss jetzt auch nicht so toll sein. Was kannste denn über die Haptik erzählen?

Ansonsten teile ich natürlich den Hass auf zu weit auseinandergesetzte Respawn-Punkte. Nur in einem Punkt haste deine absolute Inkompetenz bewiesen: selbstverständlich ist der PS3 Controller der beste auf dem Markt :P

Noch ne Frage: Kann der 3DS nur "Tiefe" vermitteln, oder fliegt auch mal was ausm Bild raus? Ich bin mir nämlich nicht sicher, glaube aber, dass das autostereoskopisch nicht möglich ist.

In [b]Rabbids 3D[/b] gibt es Szenen (das Ubisoft-Intro, wenn dein Hase stirbt), wo auch etwas zu hinfliegt. Und [b]Face Raiders[/b] setzt sogar sehr stark drauf, weil die Figuren nur mit dir interagieren (= auf dich schießen). Kurz zur Erklärung: In dem Spiel machst du ein Foto von einer Person und das wird dann in einen fliegenden Kopf verwandelt, gegen den du Kämpfen musst. Gesteuert wird frei, also du bewegst dich und den 3DS frei im Raum und musst einfach nur zum Schießen A drücken. Ob das jetzt aber unter richtiges rausfliegen fällt oder nur mit anderen Tricks gearbeitet wird, kann ich dir aber nicht sagen. So gut bin ich im Thema 3D nicht drin.

Und wegen Verarbeitung: Es ist ein einziges Stück Klavierlack und so fühlt es sich auch an — auch die Knöpfe und das Digipad, wenn auch mit ein klein wenig mehr Widerstand. Der Brüller ist es jetzt nicht, aber wenn ich wieder den Vergleich zum iPhone mache, dann ist es schon angenehmer als mit den Fingern an der linken Hand unangenehm auf der Glasfläche herumzurutschen und rechts ständig das Gefühl zu haben ein Kondom zu halten (ich habe eine Gummihülle um das Gerät). Schlechter wird's, wenn der Touchscreen dazu kommt. Da rutsch ich dann auch wieder aufner Glasfläche herum, oder ich muss den Stylus benutzen was einfach in manchen Spielen scheiße gelöst ist. Entweder ich kann das ganze Spiel mit Stylus und maximal noch Digipad steuern, oder er darf einfach nicht zum Einsatz kommen. Aber wenn ich [b]Splinter Cell 3D[/b] sehe, wo ich Digipad/Tumbstick (laufen), die Buttons (Kamerasteuerung) und auch noch den Touchscreen (schießen, normale Interaktion mit der Welt) brauche – da könnte ich die Entwickler das Gerät nachschmeißen.

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