Sicarius

Überlange Soundtracks

Spielesoundtracks von asiatischen Komponisten sind so eine Sache für sich. Damit meine ich jetzt nicht den teilweise gewöhnungsbedürftigen Stil. Ich habe mich überraschend schnell dran gewöhnt, dass sie einen extremen Hang zur Kakophonie und E-Gitarren haben (meist beides gleichzeitig), auch wenn ich trotzdem immer noch hier und da zusammenzucke, wenn es besonders extrem wird. Nein, mir geht es um das Arrangement der Alben, das im fernen Osten durchaus anders gehandhabt wird als bei uns im Westen.

Bayonetta SoundtrackAuf den ersten Blick ist man durchaus beeindruckt davon, dass der Score zu Devil May Cry 4 ganze drei, der von Ace Combat 5: The Unsung War satte vier und der zu Bayonetta gleich wahnsinnige fünf prallvolle CDs umfasst. Da macht schon das Auspacken richtig Laune. Und für die Hardcore-Komplettisten ist es das Beste, was passieren kann. Es kommt selten vor, dass es dann noch irgendwo ein fitzelchen Musik im Spiel gibt, das nicht auch im offiziellen Soundtrack zu finden ist. Doch Quantität führt nicht gleichzeitig zu einem herausragenden Hörgenuss.

Des Webmasters komische Hörgewohnheiten

Es fängt schon mit einem grundlegenden Problem an: Es ist faktisch unmöglich die mehr als fünf Stunden Musik von Bayonetta aufmerksam am Stück zu hören. Sich einfach mal hinzusetzen, die Lieder abzuspielen und sich berieseln zu lassen geht einfach nicht. Doch das ist, aus meiner Sicht, ein wichtiger Faktor nicht nur bei einem Soundtrack, sondern generell bei einem Musikalbum.

Das ist jetzt vielleicht für den ein oder anderen nicht ganz nachvollziehbar. Aber lasst mich versuchen es erklären: Da wäre zum einen, dass sich der Künstler beziehungsweise der Arrangierer normalerweise etwas dabei gedacht in welcher Reihenfolge die Lieder auf der CD erklingen. Es gibt natürlich einige Ausnahmen wie zum Beispiel der Score zu Civilization V, bei dem einfach nur alles auf die CD geklatscht wurde, aber er taucht auch nicht ohne Grund äußerst selten in irgendwelchen „Die besten Soundtrack aller Zeiten“-Listen auf. Zwar haben es Film- und Spielesoundtracks da einfacher, schließlich ist der Spannungsbogen bereits durch das eigentliche Medium vorgegeben. Dennoch gibt es selbst hier nicht ohne Grund viele Komponisten, die ihren ganz eigenen Weg gehen. Wenn ich also mittendrin das Hören unterbreche, ist es so, als würde ich das Spiel oder den Film mittendrin einfach abschalten.

Aufbauend darauf, muss Musik auf einen einwirken können. Klar lausche auch ich die meiste Zeit während ich mich nebenbei auf anderes konzentriere. Doch wie oft ist dann das Album plötzlich vorbei und man fragt sich „Was habe ich da eigentlich gerade gehört?“. Außer einigen Bruchstücken bleibt meist nichts in Erinnerung und das ist sehr schade. Natürlich wird es dadurch kompensiert, dass man dann gleich noch einmal von vorne anfängt und so nach und nach die Feinheiten raushört. Es geht aber trotzdem nichts darüber sich die Zeit zu nehmen eine frische CD einzulegen und nur mal Zuzuhören und den Gedanken freien Lauf zu lassen. Leider schaffe auch ich das weniger oft, als ich gerne möchte — und bei einem Monstersoundtrack wie der zu Bayonetta schon mal gar nicht.

Viel Mist

Homefront SoundtrackDas viel größere Problem bei solch einer Menge Musik ist jedoch die Qualität der einzelnen Stücke. Es ist völlig normal, dass selbst bei einem Spiel wie Homefront, das bereits nach drei bis vier Stunden vorüber ist, mehr im Spiel zu Hören ist als auf die Soundtrack-CD passt. Entsprechend muss sich der Komponist genau Gedanken darüber machen, was er nimmt, was er weglässt und was er unter Umständen sogar vorher neu arrangiert. Die Chance, dass dabei nur die tatsächlich guten und erinnerungswürdigen Stücke zu hören sind, ist hier groß. Bei Ace Combat 5: The Unsung War hingegen? Nun, 90% der Stücke sind aus meiner Sicht einfach nur Durchschnitt oder sogar der letzte Müll, der sicherlich zwar im Spiel funktioniert, aber den ich nicht separat hören möchte. Die restlichen, eigentlich guten Lieder gehen da völlig unter. Ich könnte euch auf Anhieb entsprechend kein einziges nennen, dass es sich lohnt anzuhören.

Die Ace Combat-Reihe ist in der Hinsicht übrigens ein Serientäter. Bis vor kurzem gab es keinen Serienteil, der nicht mindestens zwei Stunden Material auskam. Nur beim neusten Titel, Ace Combat: Assault Horizon, da ist es nur eine CD und siehe da: Obwohl die gleichen Komponisten dafür verantwortlich sind, gefällt mir das actiongeladene Album ausgesprochen gut (mit Ausnahme des Popsongs „Gotta Stay Fly“) und bekommt von mir sogar eine Kaufempfehlung. Ganz im Gegensatz zum Großteil der vorherigen.

Thesis proofed, case closed :smile: .

PS: Für den Fall, dass jetzt einer Universe at War mit seinen drei CDs als Gegenbeispiel anbringt: Zum einen bestätigt der OST die Regel und zum anderen sind es eigentlich drei Soundtracks in einem :tongue: .

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Ein Kommentar

In dem Zusammenhang muss ich mich an den Guild Wars: Factions Soundtrack erinnern, bei dem Jeremy Soule versucht das Guild Wars MainTheme mit Streichinstrumenten asiatisch erscheinen zu lassen. Ich muss dazu sagen, dass mir der Soundtrack sehr gut gefällt und viele Stücke von Jeremy Soule sowieso meinen Geschmack treffen, auch wenn er viel zu vorhersehbar ist und genau genommen seine Stücke immer gleich klingen (wie Hans Zimmer mittlerweile). Bei den angesprochenen Werken hört man jedoch an jeder Ecke eine positionierten schlechte Kopie. Damit meine ich, dass es viel zu typisch "asiatisch" klingt, aber eben aus europäischer Sichtweise heraus. Und das ist schade. Menschen die mit Fernost sowieso wenig anfangen können, werden weiter verprellt, weil zu archetypisch und Sympathisanten stoßen sich irgendwann daran (abhängig davon, inwiefern sie Puristen sind).

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