JakillSlavik

Welcome to the Bastion

Vorwort
Im heutigen Gasteintrag informiere ich euch über das von mir bereits in den Kommentaren hoch gelobte Spiel Bastion. Ausschlag gebend für mein Interesse war – wie der aufmerksame Bagdadsoftware Stammuser bestimmt mitbekommen hat – der Eintrag von Christoph über ein paar sehr schöne Spielesoundtracks (Fünf auf die Ohren), die er nach eigenen Angaben öfter konsumiert als p0rn. Eine Empfehlung auf diesem Gebiet wird der Webmaster bei akuter Themenarmut und auf Nachfrage sicherlich auch noch irgendwann nachreichen (vermutlich in Form von „Fünf auf den Tennisarm“ o.Ä.). Diese Bemerkung von mir jedoch nicht ohne auf die Gefahr hinzuweisen, dass sich hierbei menschliche Abgründe auftun könnten sollte obiges Beispiel in den Top5 aufgeführt werden — doch widmen wir uns jetzt dem eigentlichen Thema.

Eine neue alte Geschichte
Gefahr ist nämlich genau das Stichwort, denn die allgemeine Gefahr, wie in einem Action-Rollenspiel üblich, ist die Zerstörung der Spielewelt. In Bastion ist die Vernichtung der Welt jedoch schon so sehr voran geschritten, dass lediglich noch Landschaftsfragmente in Form von schwebenden Gebieten existieren. Um diese Gebiete scharen sich die wenigen verbliebenen Kreaturen dieser Welt, darunter natürlich unsere Spielfigur: Der schweigsame Krieger, vom Erzähler bezeichnet als The Kid. Der Ursprung der Verwüstung ist zu Beginn des Spiels unbekannt und wird typischerweise erst nach und nach aufgeklärt. Berichtet wird jedoch von einer Katastrophe, der sogenannten calamity, welche die Spielewelt in besagte Fragmente gesprengt hat. Einziger Zufluchtsort und Bollwerk gegen die Zerstörung war die Namens gebende Bastion, die jedoch auch unter der calamity gelitten hat. Ziel für unsere Hauptfigur ist daher der Wiederaufbau des Refugiums zu einem neuen Zuhause.

Die ersten Schritte
Zu Beginn des Spiels wird man ohne lange Erklärungen direkt in die Welt von Bastion hinein geworfen und erhält direkt die Kontrolle über die Spielfigur. Während man das Erwachen des Helden ganz unspektakulär erlebt, fällt aber umso eindrucksvoller der wunderbare von Hand gemalte Comic-Look auf. Mit einer satten Auflösung der Hintergründe von 1080p schafft es Bastion vom ersten Moment an allemal das gleiche Erstaunen auszulösen, wie es seinerzeit die detailreichen Landschaften von The Whispered World taten. Jedoch wählt das hier beschriebene Spiel wesentlich kräftigere Farbtöne und vermittelt trotz der zerstörten Spielumgebung nur selten das Gefühl von Tristesse. Obwohl verschiedene Sprites zur Darstellung der interaktiven (zerstörbaren) Gegenstände und Charaktere verwendet werden, wirkt die Welt optisch, wie aus einem Guss. Die schräg versetzte Vogelperspektive macht die Spielwelt umso beeindruckender, zumal sich der Weg praktisch vor euren Augen durch vom Himmel fallende Gegenstände aufbaut.

Doch nicht nur visuell wird der Spieler vom ersten Moment an beeindruckt, denn bereits die wenigen Schritte nach dem Erwachen werden von der allwissenden Erzählerstimme aus dem Off kommentiert. Rucks, gesprochen von Logan Cunningham, einer der wenigen Überlebenden von Caelandia, beschreibt facettenreich unser Tun. Allein durch seine Worte wird nicht nur ein Großteil der Geschichte transportiert, sondern auch Ereignisse werden von ihm direkt aufgegriffen. So ist es mir ergangen, dass ich nur wenige Schritte nach dem Schlafplatz in den nächsten Abgrund gerollt bin. Rucks sagte sinngemäß: „Und dann stürzte er zu Tode–“, unterbrach sich als kurz darauf Kid wieder vom Himmel fiel und unsanft auf der Plattform landete und führte seinen Satz fort: „Nein, Ich mache nur Spaß.“ Genauso spöttisch kommentierte er das Aufsammeln der ersten Waffe – des Hammers – mit den Worten: „Es war ein sehr bewegender Moment“, während man selbst bereits damit beschäftigt war mit dem Hammer auszuprobieren, was man alles zerstören konnte. Der Erzähler vermittelt also nicht nur die Geschichte, sondern seine besonders signifikante Stimme sorgt außerdem für die Atmosphäre und dient somit als Stilmittel um Emotionen zu transportieren. Zum perfekt ergänzenden Soundtrack hat Christoph bereits alles Wichtige geschrieben.

Die Steuerung
Wie euch eben aufgefallen sein dürfte, habe ich etwas von Abrollen geschrieben. Bastion wird vorwiegend auf der PC Version mit WASD und Maus gespielt. Die Bewegung der Figur erfolgt ausschließlich über die Tasten, das heißt das die Spielfigur nicht automatisch in Richtung des Maus Cursors schaut, sondern erst mit einem entsprechenden Klick dreht sich Kid zum Cursor und führt eine Aktion aus. Mit Linksklick benutzt man die primäre Waffe, mit Rechtsklick die Sekundäre. Durch Gedrückt-halten einer der beiden Tasten wird in den meisten Fällen eine weitere Funktion der Waffe aktiviert. Mit der Leertaste rollt man sich aus der Gefahrenzone, oder wie es mir oft passiert, in den nächstbesten Abgrund. Geschosse und Hiebe kann man außerdem mit einem Schild via Umschalttaste blocken und bei gutem Timing sogar Kontern. Des Weiteren gibt es Spezialaktionen (Standard: Q), die Tonikum verbrauchen. Bei den Spezialaktionen gibt es zwei verschiedene Arten: Manche Fertigkeiten erfordern eine bestimmte Waffe, andere wiederum sind Waffen-unabhängig einsetzbar. Euer Tonikum Vorrat wird automatisch mit jedem Besuch der Bastion aufgefüllt. Unterwegs jedoch müsst ihr aber verbrauchte Fläschchen erst finden und aufsammeln. Selbiges gilt im Übrigen für Heiltränke (Standard: E), die aber auch nicht spärlich zu finden sind.

Der Wiederaufbau
Der letzte Rückzugpunkt der Spielfigur besteht im Wesentlichen aus einer schwebenden runden Insel mit einer Plattform in der Mitte. Im Norden der Hauptplattform ist ein Teleporter, der sogenannte Sky Walk von dem aus man zu den nächsten Missionen und Trainingsarealen gelangt. Zu Anfang erkennt man an den Ecken einige Bruchstücke als Zeugen einstiger Bauwerke. Mit der Zeit wird man die Bastion wieder aufbauen, indem man nach dem erfolgreichen Bezwingen von Gebieten besondere Kern-Kristalle, auch Cores genannt, findet und auf die Plattform platziert. Die in den Kernen gespeicherte Energie ermöglicht es dann ein neues Gebäude zu bauen, bis alle Bauplätze belegt sind . Insgesamt wird es aber nur sechs verschiedene Gebäude geben, die man jedoch im späteren Verlauf noch aufrüsten kann.

  1. Mit einem Arsenal kann man Waffen und Fertigkeiten ausrüsten und Beschreibungen dazu durchlesen. Im Spiel ist es euch möglich bis zu zwei Waffen und einen Skill mitzuführen. Im Groben lassen sich Waffen in Nah- und Fernkampf unterteilen, es ist euch hierbei nach Belieben freigestellt diese zu Kombinieren. In den Trainingsarealen könnt ihr allerdings nur die Waffe benutzen, die ihr dort perfektionieren lernen sollt.
  2. In der Schmiede (Forge) könnt ihr eure Waffen verstärken. Waffenverbesserungen werden verfügbar sobald ihr die jeweilige Waffe gefunden habt. Die meisten Rohstoffe zum Schmieden findet ihr im Spielverlauf, aber es gibt auch Einige, die ihr erst in den Trainingsarealen freispielen müsst. Um eine Waffe erfolgreich aufzurüsten braucht ihr außerdem Geld, dargestellt mit Kristallen als ingame-Währung. Wenn ihr eine Waffe aufwertet, könnt ihr aus zwei neuen Eigenschaften eine Neue wählen. So könnt ihr beim Speer wählen, ob ihr lieber den Nahkampf Aspekt mit einer höheren Chance auf kritische Treffer steigert oder mehr Fernkampfschaden austeilen wollt, indem ihr auswählt, dass ihr fortan zwei Speere auf einmal werfen könnt. Welche Eigenschaften die Waffe hat, könnt ihr bei jedem Besuch der Schmiede neu bestimmen ohne zusätzliche Kosten tragen zu müssen. Bemerkenswert für die Technik-Freaks ist an dieser Stelle Anzeigeoption, die euch benachrichtigt, falls der Effekt einer Eigenschaft mit einer anderen Fähigkeit stapelbar ist, um dadurch eine höhere Wirkung zu erzielen.
  3. Die Getränkebrauerei, genannt Distillery, ermöglicht es die Spielfigur mit jedem Levelaufstieg einen weiteren Trank mitnehmen zu lassen. Diese Tränke sind vergleichbar mit Attributspunkten, die ihr jedoch während des Spielverlaufs jederzeit ändern könnt, wenn ihr euch in der Bastion befindet. Das Prinzip ist also genauso flexibel, wie es bei den Waffenaufwertungen der Fall ist. Diese Tränke für die Brennerei erhaltet ihr entweder durch den Abschluss von Missionen oder ihr erwerbt sie später im Fundbüro.
  4. Das Fundbüro (Lost and Found) gibt euch die Möglichkeit nicht gefundene Gegenstände im Nachhinein zu kaufen. Jedoch sollte man beachten, dass durch das Aufwerten der Waffen allein schon sehr viel Geld verschlungen wird und man sich daher im Vorfeld schon gut in den Levels umschauen sollte. Außerdem lohnt sich das Durchstöbern der Spielwelt immer, da besonders Artefakte, die zusätzliche Erfahrungspunkte geben gut versteckt sind, aber den Spieler wirklich belohnen.
  5. Um außerdem schneller an noch mehr Geld und Erfahrungspunkte zu kommen, könnt ihr mit Hilfe des Schreins, engl. Shrine, das Spiel im Schwierigkeitsgrad skalieren. Hierzu müsst ihr gefundene oder gekaufte Figurinas im Schrein ausstellen und erhaltet Boni beim Vernichten von Gegnern. Jede aktive Figurine sorgt jedoch im Gegenzug für einen Moralschub der Gegner, sodass sie beispielsweise eine Lebensregeneration oder eine höhere Abwehr gegen eure Schusswaffen haben. Mit diesem Feature habt ihr die Möglichkeit das normale Spiel wirklich anspruchsvoll werden zu lassen.
  6. Vervollständigt wird die Bastion mit dem Memorial, ein Denkmal, dass besondere Leistungen belohnt. Im Grunde ist dies der Achievement-Anteil dieses Spiels, doch im Gegensatz zu Gamerpoints oder sonstigen Vergleichswerten, erhaltet ihr für jede nebenbei abgeschlossene Aufgabe jede Menge ingame-Währung. Diese Aufgaben sind jedoch teilweise recht kniffelig und mit nicht aufgerüsteten Waffen nur schwer zu schaffen.

Spielewelt und Charakterentwicklung
In Bastion bewegt ihr euch, wie bereits angedeutet, auf einer Schachbrettebene. Die Bewegungen und Kämpfe der Hauptfigur und der Gegner sind sehr dynamisch gestaltet, sodass euch das Spiel höchstwahrscheinlich an ein Hack and Slay erinnern wird. Zusätzlich könnt ihr mit Schaltern, Gegenständen und Nebencharakteren interagieren. Erfahrung sammelt ihr durch das Besiegen von Gegnern und das Aufsammeln von bestimmten Artefakten. Diese Artefakte könnt ihr in der Bastion zwar noch mit den dortigen Bewohnern diskutieren, haben aber ansonsten keinen Einfluss mehr auf das Spiel. Um die ein oder andere Anekdote aus der Spielewelt zu erfahren eignet es sich aber dennoch.

Das Erreichen neuer Levels ändert auch nichts an den Werten eures Charakters, sondern erlaubt es euch lediglich in der Distillery eine weitere Tonic auszurüsten, welche dann passiven Einfluss auf eure Charakterentwicklung hat. Von der Bastion aus gelangt ihr in ein Oberweltmenü. Hier könnt ihr die nächste Mission auswählen und bereist ein neues Gebiet. Die unterschiedlichen Regionen bieten nicht nur optische Änderungen, sondern ändern auch eure Spielweise: Einmal müsst ihr beispielsweise einen alten Minenschacht „erklimmen“ und werdet dabei von einem Transportband bewegt, ein anders Mal fliegt ihr durch ein Level auf einer Transportplattform, die ihr so gut es geht verteidigen müsst. Im Grunde muss man aber einräumen, dass viele Level sehr leicht gehalten sind und zumindest zu Anfang sich die Gegner-Fauna relativ wenig unterscheidet. Im späteren Verlauf werden die Missionen zwar fordernder, aber mit dem richtigen Waffenarsenal immer noch keine Gefahr. Herausfordernd hingen sind die Trainingsareale und die Nebelaufgaben.

In Ersteren müsst ihr, wie ihr bereits unter Memorial lesen konntet, eine bestimmte Waffe meistern. Sobald ihr in den Missionen eine neue Waffe findet, wird beim nächsten Besuch des Sky Walk das entsprechende Trainingsgelände verfügbar sein. Dort erhaltet ihr eine bestimmte Aufgabe, die ihr nur mit der jeweiligen Waffe lösen könnt, beispielsweise Punkte sammeln durch das Besiegen von Gegnern oder einen Zeitangriff gegen die Uhr. Als Belohnung erhaltet ihr in den meisten Fällen Waffenaufwertungen für die jeweilige Waffe, aber auch EXP und Geld. Pro Areal gibt es drei Preise als Belohnung. Die Belohnung wird nach Schwierigkeitsgrad gestaffelt, das heißt je besser ihr seid, desto besser ist der Preis, den ihr bekommt. Ich muss an dieser Stelle aber wirklich darauf hinweisen, dass ich mir schon so einige Abende die Zähne an den Missionen ausgebissen habe. Solltet ihr in der Lage sein direkt den zweiten oder ersten Preis zu ergattern, wird euch das Spiel die „einfacheren“ Preise ebenfalls geben. Habt ihr eine Mission oder ein Trainingsgelände abgeschlossen könnt ihr es übrigens nicht mehr besuchen!

In den Nebelaufgaben müsst ihr lediglich einige Gegnerwellen mit eurem aktuellen Waffen Setup niedermähen. Es gilt jedoch zu beachten, dass ihr euch auf einem festen Gelände aufhaltet, dass mit der Zeit durch herbeigeführte Explosionen immer mehr Löcher bekommt. Es gibt verschiedene Karten mit der dort jeweils heimischen Fauna und Flora. Als Belohnung für das erfolgreiche Abschließen dieser Herausforderung erhaltet ihr vornehmlich Geld, wodurch die Nebelherausforderung im späteren Spielverlauf die einzige Möglichkeit sein wird, um an genügend Geld zu kommen, damit ihr wirklich alle Waffen aufwerten könnt.

Nach dem Durchspielen ist es möglich ein neues Spiel mit eurem alten Spielstand zu starten und so noch einmal alle Levels neu und mit allen Ausrüstungskombinationen zu erleben. Durch Variation der Gegnerhorden und skalieren der Schwierigkeit anhand eurer ausgestellten Figurinas ist hier auch im Endgame-Bereich der Wiederspielwert gedeckt. Die sich stark voneinander unterscheidenden Waffen und Fähigkeiten tun hierbei ihr Übriges.

Abschlussworte
Wer sich aufgrund meiner Schilderung jetzt selber einen kostenlosen Eindruck vom Spiel machen möchte, kann sich auf Steam die Demo von Bastion (ca. 1 GB Größe) herunterladen. Einschränken möchte ich hierbei aber, dass man den beinhalteten Anfangsabschnitt bestenfalls als Appetitmacher und nicht als allumfassend repräsentativ ansehen darf. In der Demo anspielbar wird der Kampf bis zur Ankunft an der Bastion, samt erstem Bossgegner sein. Die Bastion selbst mit den Baumöglichkeiten, den Bewohnern und dem fein gesponnenen Item- und Aufrüstungssystem lernt ihr leider nur in der Vollversion kennen, genauso wie eine größere Vielfalt an Gegnern und Waffen auch erst ab der zweiten Hälfte des Spiels auftritt. Mit ein paar weiterführenden Informationen und Links beende ich nun diesen Eintrag und hoffe auch weitere Käufer dieses außergewöhnlichen Spiels.

Erwähnenswertes
Launch Trailer
Official Trailer
Besonderes Easter Egg (Spoiler)

Systemvoraussetzungen:
Betriebssystem: Windows XP/Vista/7
Prozessor: 1,7Ghz Dual Core oder besser
Grafikkarte: 512MB DirectX9.0c kompatibel (Shader 2.0)
Arbeitsspeicher: 2GB
Sound: DirectX9.0c kompatibel
Ebenfalls verfügbar für: XBOX Live Arcade

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5 Kommentare

Klingt alles sehr nett ;)
Ich war auch sehr interessiert… Doch dann hab ich Screenshots gesehen. Mit dem Grafikstil kann ich leider garnichts anfangen :sad:

Danke für den Beitrag. Ich denke, das wird ein Weihnachtsgeschenk werden. Vielleicht kommt ja bis dahin noch eine Retailfassung – macht sich irgendwie besser unterm Baum.

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