Sicarius

Comics, die Zweite

Wie die Zeit vergeht. Ich hatte nicht erwartet, dass der erste Eintrag über Comics schon wieder neun Monate her ist. So kann man sich irren. Da wird es auf jeden Fall mal Zeit für den zweiten Eintrag dieser Art. Zwar lese ich relativ wenige Comics online, aber kaufe mir sehr gerne die gedruckte Version.

Wie ich dann auf neue Sachen stoße, wenn ich sie vorher gar nicht gelesen habe? Gut, dass du fragst, lieber Besucher! Es ist eigentlich ganz einfach: Nicht jedes Onlinecomic hat seinen eigenen Shop. Wenn also eines meiner frequentierten Comics mal wieder eine gedruckte Sammlung rausbringt, lande ich meist irgendwo, wo es auch noch andere Sachen zu kaufen gibt. Und da die Versandkosten aus Amerika immer so schweinisch hoch sind, schaue ich mich dann natürlich ausführlich um und blicke bereitwillig über den Tellerrand, damit sich die Bestellung auch wirklich lohnt.

Einschränkung

Ich gebe offen zu, dass ich dabei das ein oder andere Mal durchaus ziemlich ins Klo gegriffen habe. The Adventures of Dr. McNinja ist zum Beispiel eines dieser alternativen Comics, die das negative Klischee absolut erfüllen. Verwirrende Handlung, schlechte Zeichnungen und idiotische Charaktere haben dazu geführt, dass ich mitten im Buch aufgehört habe zu lesen. Aber solche Fehlkäufe sind zum Glück noch in der Minderheit. Stattdessen habe ich unter anderem folgende Perlen entdeckt:

UnshelvedUnshelved – Ein Comic, das in einer Bibliothek spielt. Klingt wahnsinnig spannend, ich weiß. Und die Zielgruppe sind auch vornehmlich Bibliothekare. Dennoch kann man auch als Normalsterblicher Gefallen an den Abenteuern von Dewey und seinen Arbeitskollegen finden — zumindest, wenn ihr in irgendeiner Form schon einmal selbst mit Kunden zu tun hattet.

Die wichtigsten Charaktere

Dewey ist ein fauler Hund. Besser lässt es sich nicht beschreiben. Wenn es einen Weg gibt die Arbeit nicht zu erledigen, dann wird er ihn finden und ausnutzen. Und wenn jemand etwas von ihm will, dann ist er sich auch nicht für einen dummen Spruch zu schade, um den Bittsteller abzuwimmeln. Tamara hingegen ist das, was man landläufig als Hippie bezeichnen würde. Eine kinderfreundliche Veganerin, die immer nur das Gute im Leben sieht. Das krasse Gegenstück? Die verbitterte Colleen. Sie war schon eine Bibliothekarin, da haben alle anderen noch in die Windeln gemacht. Computer, Internet und all der Kram sind Teufelszeug. Das einzig Wahre sind die alten Papierkarten. Mel hingegen ist die Cheffin. Sie hat einen Bürokatalogfetish, mag Statistiken und was sonst noch einen Manager so anmacht. Merv spielt hingegen die Rolle des ungestümen Teenagers, der allen auf die Nerven geht, mehr von Computern versteht als alle anderen zusammen und Bücher höchstens als Fußunterlage benutzt. Unterstützt werden sie durch drei, vier weitere wiederkehrende und nicht minder schräge Figuren. Darunter ein Anwalt, der aus Protest gegen die Obrigkeit nackt seine liberale Zeitung liest.

Oder kurz gesagt: Unshelved handelt von einer äußerst ungewöhnlichen Gruppe von Leuten, die zum Wohl der Allgemeinheit jeden Tag zusammenarbeiten muss und ständig ihrem ärgsten Feind gegenübersteht: dem gemeinen Bibliotheksbesucher, der dämliche Fragen stellt, ungestüm auftritt, von Computern nichts versteht und auch sonst jedwedes Klischee erfüllt, um den Hauptfiguren die nötige Steilvorlage für den nächsten Gag zu liefern. Zwar gibt es öfters mal kleine, meist 5-6 Strips lange Geschichten, aber größtenteils ist es doch eher ein One-Gag-A-Strip-Comic mit etwas Charakterentwicklung zwischendurch — was es aber nicht schlechter macht. Zumal die Charaktere sich glaubwürdiger verhalten und entwickeln als in so manch anderem Webcomic *hust* CAD *hust*. Ach und um Bücher geht es auch ab und zu. Aber die Witze verstehe ich größtenteils leider nicht :wink: . Trotzdem kann ich es euch nur empfehlen mal reinzuschauen.

Das Comic gibt es seit neun Jahren und anders als viele Webcomics, hat es sich dem Sprung zur Farbe bislang verweigert. Auch der Stil an sich ist eher simpel mit wenig Hintergründen und eher einfach gezeichneten Figuren. Ich würde allerdings nicht so weit gehen und sagen, dass es schlecht aussieht, eher „klassisch“.

Looking For GroupLooking For Group – Das Comic startete als World of WarCraft-Parodie, auch wenn mittlerweile andere Fantasy-Berühmtheiten wie Dungeons & Dragons, Everquest oder Der Herr der Ringe als Inspirationsquellen herhalten durften und das Comic weder in Azeroth spielt noch irgendwelche offensichtliche Hinweise auf seine Herkunft gibt. Außerdem wurde es relativ schnell ernster. Zwar gibt es natürlich immer noch die Gags am Rande, doch das eigentliche Schicksal der Gruppe und das Land Egarion ist schon länger in den Vordergrund gerückt. Einseitige Gags gab es nur die ersten paar Strips. Seitdem läuft wie bei The Order of the Stick das eigentliche Abenteuer.

Die Charaktere

Die namensgebende Gruppe besteht aus dem Blutelfen Cale’Anon Vatay, der lieber an Blümchen riecht, als zu kämpfen. Passend dazu hat er mit Sooba auch noch eine schwarze Wildkatze als Begleiter dabei. Der zweite in der Gruppe ist der mordlüsternde und untote Hexenmeister Richard, der keinen Hehl daraus macht, dass er am liebsten alles anzünden würde, was ihm vor die Nase läuft. Dann wäre da noch die taffe Ork-Priesterin Benn‘Joon, die als stereotypisch starke Frau mit flotten Sprüchen dient, der Taurenkrieger Krunch Bloodrage, der zu Beginn für einige Kuhwitze missbraucht wird und Pella, die Zwergenkriegerin, die selten für Slapstickeinlagen missbraucht wird.

Obwohl Cale’Anon Vatay die eigentliche Hauptfigur ist, ist mein persönlicher Lieblingscharakter ganz klar Richard. Es war auch gar nicht so schwer für ihn, sich einen Weg in mein Herz zu bahnen, weil er ganz klar als Comic Relief angelegt ist. Meist gehört ihm das letzte Worte in einem Strip. Auch deshalb, weil er so herrlich unbekümmert ist, wenn er mal wieder ein halbes Dorf abbrennt und daran jetzt nichts Schlimmes findet. Es gibt einen Strip, den ich aber leider nicht auf Anhieb im Onlinearchiv finde, da habe ich nach dem Lesen buchstäblich geroflt. Das hab‘ ich schon lange nicht mehr beim Lesen eines Comics getan. Hier werden übrigens wieder starke Parallelen zu The Order of the Stick und den dortigen Charakter Belgar Bitterleaf, einen extrem mordlustigen Halbling, sichtbar.

Der Stil

Zeichnerisch sieht Looking For Group weniger wie ein Webcomic aus, sondern eher wie ein richtiger Comic. Detaillierte Hintergründe, stark ausgearbeitete Charaktere und ein ansprechender Gebrauch von Schatteneffekten helfen dabei das im Grunde ziemlich bunte und unwirkliche Erlebnis ernster und damit die Geschichte glaubwürdiger zu machen. Am besten sieht das Werk tatsächlich in den gedruckten Büchern aus, wo alle Farben schön kräftig und unverfälscht sind. Der sehr schöne Zeichenstil war es auch, der mich überhaupt dazu getrieben hat mir das Werk mal anzuschauen. Dass dann auch noch der Inhalt spannend und lustig ist, auch wenn ich The Order of the Stick derzeit noch vorziehe, freut mich umso mehr.

Am meisten Freude werden vermutlich World of WarCraft-Kenner mit Looking For Group haben. Aber auch Fantasyliebhaber können sich nach den ersten Strips sicherlich ohne weiteres in die ungewöhnliche Gruppe verlieben. Tierliebhaber müssen jedoch draußen bleiben. Schon auf der ersten Seite wird auf brutalste Art und Weise ein Kannichen ermordert :smile: .

Hijinks EnsueHijinks Ensue – Der Untertitel dieses Machwerks lautet „A Geek Comic by Joel Watson“ und ein Geek-Comic ist es definitiv. LOST, Star Trek, Joss Wheadon, Doctor Who, Battlestar Galactica, Firefly, Apple George Lucas, Star wars, Harry Potter, Batman und was sonst noch so alles in Sachen Filme, Serien, Comics und vereinzelt auch Videospielen Relevanz hat wird auf unterschiedlichste Art und Weise parodiert. Diese Fokussierung ist gleichzeitig Fluch und Segen dieses Comics.

Fluch deshalb, weil derjenige, der nicht auf der Höhe der Zeit ist bei diesen Themen, 99% der Gags nicht verstehen wird. Als ich Buch 1 angefangen habe, wo es sofort mit LOST-Witzen losgeht, habe ich ehrlich gesagt auch nur ein Viertel verstanden, weil die Serie bis heute noch nicht gesehen habe. Außerdem hat der Autor durchaus eine leichte arrogante Art, was aber vermutlich bei solchen Themen ganz normal ist. Aber auch hier muss ich einschränken: Ganz so schlimm wie bei anderen Comics *hust* GU Comics *hust*, es ist dann doch wieder nicht :smile: .

Die positiven Seiten

Und der Segen? Nun, ich bezeichne es gerne als das Penny Arcade für Nicht-Spieler. Während sich Tycho und Gabe voll auf Videospiele und Pen & Paper-Rollenspiele konzentrieren und das dortige Tagesgeschehen kommentieren, macht Joel Watson das gleiche in Grün nur eben für das oben genannte Zeug. Selbst der Zeichenstil und die Schriftart erinnern mich an die Hochzeiten von Penny Arcade, als Gabe noch Spaß an seiner Arbeit hatte und nicht einfach nur unproportionierte Männchen mit komischen Armen und Fingern hingeschmiert hat. Joel legt hingegen schon immer sehr viel Wert auf kräftige Linien und viele Details, was mir persönlich sehr gut gefällt. Ach und statt zwei Hauptpersonen, sind es hier drei. Aber erneut basieren sie grob auf realen Personen.

Wer also in Sachen Popkultur immer relativ aktuell ist, der darf sich Hijinks Ensue schlicht nicht entgehen lassen. Wenn man sie versteht, dann zündet ein Großteil der Gags wirklich gut.

Und damit wäre dieser Eintrag auch schon wieder am Ende angelangt. Abschließend kann ich nur noch einmal empfehlen mal einen Blick auf die drei Werke zu werfen, falls ihr sie noch nicht kennt. Ich habe den Kauf definitiv nicht bereut und warte bei allen drei sehnsüchtig auf die nächsten gebundenen Ausgaben.

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