Sicarius

First-Person-Shooter vs. Third-Person-Shooter

Wie ihr euch vielleicht denken könnt, arbeite ich momentan an den Bagdadsoftware NOCAs. Der äußerst lange Eintrag soll schließlich rechtzeitig am 22.12. erscheinen. Die eigentliche Liste der Nominierten (und auch der Sieger) steht auch bereits, aber der Text dazwischen fehlt noch. Während dem Aufstellen der Liste ist mir jedoch was aufgefallen: Der Ego-Shooter ist wieder salonfähig geworden. Ihr glaubt mir nicht? Hier eine Liste, die dieses Jahr erschienen Titel:

  • Battlefield 3
  • Bodycount
  • BRINK
  • Bulletstorm
  • Call of Duty: Modern Warfare 3
  • Call of Juarez: The Cartel
  • Conduit 2
  • Crysis 2
  • Dead Island
  • Deus Ex: Human Revolution
  • Duke Nukem Forever
  • F.E.A.R. 3
  • Halo: Combat Evolved Anniversary
  • Hard Reset
  • Homefront
  • Killzone 3
  • Operation Flashpoint: Red River
  • Painkiller: Redemption
  • Postal 3
  • RAGE
  • Resistance 3
  • Serious Sam 3: BFE

Zum Vergleich die Liste der Third-Person-Shooter:

  • Earth Defense Force: Insect Armageddon
  • Gears of War 3
  • Mindjack
  • Red Faction: Armageddon
  • Warhammer 40.000: Space Marine

Natürlich werdet ihr mich jetzt in den Kommentaren darauf hinweisen, dass ich noch das ein oder andere Spiel vergessen habe — aber das dann nicht nur in einer der beiden Listen. Der eindeutige Unterschied mit einem Verhältnis von mindestens 2:1, eher sogar 3:1 bleibt unter Garantie bestehen.

Der Paradigmenwechsel

Doch so erfreulich die zahlenmäßige Überlegenheit der Ego-Shooter für mich als Fan auch ist. Noch wesentlich interessanter ist eine weitere Feststellung, die sich aus der Übersicht herausziehen lässt: 18 der 22 Ego-Shooter sind auch oder sogar exklusiv nur für eine Konsole erschienen und zwei weitere sind noch auf dem Weg dahin. Warum mich das so überrascht?

Seit Shooter auf den Konsolen populär wurden, ging der Trend bisher immer zum 3rd-Person-Shooter. Ausnahmen wie GoldenEye 007 bestätigen die Regel. Und auch in der aktuellen Konsolengeneration sah es anfangs so aus, als würde sich diese Einstellung trotz der immensen und regelmäßigen Erfolge der Call of Duty– und Halo-Serie halten. Das ging sogar so weit, dass ich die Ego-Shooter-Kategorie in den NOCAs mit der der Third-Person-Shooter kombinieren musste — sie waren anfangs getrennt — weil ich sonst nicht genug Kandidaten zusammenbekommen hätte. Dieses Jahr hätte ich das gleiche Problem, nur umgekehrt.

Der Gedankengang

Der Trend zum Third-Person-Shooter, auch wenn ich ihn nicht gut geheißen habe, war für mich einigermaßen nachvollziehbar. Wir alle kennen schließlich die großen Probleme mit dem Gamepad aus der Egosicht genau zu zielen und zu treffen. Der ein oder andere wird mir jetzt wieder widersprechen und Konsolen-Ego-Shooter wie GoldenEye 007 anführen, das schon 1997 funktioniert hat. Es ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass es tatsächlich schwieriger ist und mehr Einarbeitungszeit (oder Erfahrung) braucht, um was zu treffen. Wechselt man jedoch die Perspektive in die losgelöstere Ansicht von hinten, spielt das Problem plötzlich gar keine so große Rolle mehr. Wenn das System nicht schon designtechnisch „falsch“ ist und somit gar nicht erst funktioniert, ist es wesentlich einfacher damit umzugehen und auch einsteigerfreundlicher.

Daran hat sich meiner Meinung nach auch nichts geändert. Ich halte beim Nutzen eines Gamepads immer noch die Third-Person-Shooter den Ego-Shootern für klar überlegen. Doch in den letzten 10 Jahren hat sich ein Wandel vollzogen, dessen Auslöser ganz klar bei den zwei großen Halo und Call of Duty zu finden ist. Während GoldenEye 007 quasi der beliebte „Proof of Concept“ war, haben die beiden anderen Serien es erfolgreich geschafft die Sache zu etablieren, allen voran natürlich Halo. Um den Vergleich deutlich zu machen: Im Bereich der Shooter war GoldenEye 007 für Halo das, was Dune II: Battle for Arrakis für Command & Conquer im Bereich der Echtzeitstrategiespiele war.

Die Argumentation

Was das nun alles mit dem Trend weg vom Third-Person-Shooter zu tun hat? Nun, meine Argumentation ist simpel: Der Erfolg von Halo hat nicht nur den Entwicklern gezeigt, dass Ego-Shooter funktionieren können, sondern auch die Spielern über die Zeit erzogen. Millionen von Käufern haben nun Erfahrung mit dieser Art von Steuerung gesammelt und haben sich daran gewöhnt. Und diese Erfahrung hilft einem nicht nur bei einem Halo, sondern auch bei einem Battlefield oder einem RAGE. Damit fallen nicht nur die Einstiegshürden weg, sondern man ist auch als Spieler bereitwilliger sich darauf einzulassen, schließlich ist es nichts mehr Neues und Ungewohntes mehr.

Das ist natürlich noch keine endgültige Begründung. Schließlich verkaufen sich ja auch Third-Person-Shooter gut. Doch für die Immersion ist die Egosicht einfach besser geeignet und deshalb auch bei den Spielern wesentlich beliebter, weshalb im Gegenzug diese Bereitwilligkeit zum Kauf den Studios einen Grund gibt sich mehr darauf zu stürzen.

Diese Entwicklung hat logischerweise nicht über Nacht stattgefunden. Aber schon im letzten Jahr war dieser Umschwung sichtbar und dieses Jahr ist die Umstellung offensichtlich vollführt. Und auch ein erster Blick ins nächste Jahr macht deutlich, dass die Hochzeit der Third-Person-Shooter definitiv vorbei ist.

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4 Kommentare

War der Ego-Shooter mal "out"? Hab ich was verpasst ? :) Ohne Spaß, die Aussage is mir ganz neu :)

Liegt aber wohl au daran, dass ich kaum wirklich gute SHOOTER aus der dritten Persepektive kenne. Uncharted etc. sind ja keine Shooter für mich. Von daher überrascht mich deine Auflistung nich wirklich.

Was die Steuerung auf Konsolen angeht wird sie wohl nie an die Präzision von Maus und Tastatur rankommen, aber ich muss zugegeben, dass ich -nachdem ich bei Killzone 2 zeitweise sehr frustriert war – mittlerweile bei Uncharted 2 und Killzone 3 schon weitaus besser klargekommen bin.

@Azz:
Was ist mit den ganzen Max Payne (oÄ) Spielen? Oder LostPlanet 1/2? Oder Gears of War :D
Für mich wird Rogue Trooper das Highlight bleiben. Sau gutes Spiel, schade, dass es so einfach ist.^^"

Joa, ok, die fielen mir tatsächlich nicht ein :) .. aber die habn auch scho echt en paar jahre aufm buckel. und abgesehn davon: es war doch schon immer so, dass ego-shooter eigtl. in der überzahl sind, oder? ich behaupte das jetz einfach mal intuitiv ^^

Da dagegen sage ich nichts, da ich es nicht weiß =D
Gleich überrascht uns Christoph mit dem Gegenteil, was mich auch nicht überraschen würde.
Der Absatz über 3rdPerson funktionierte besser als 1stPerson auf Konsolen hat mich nachdenklich
gemacht.

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