Sicarius

Wiederentdeckung eines Geheimtipps

Irgendwie ist der Dezember bei mir auch ohne GamersGlobal stressiger als die restlichen Monate im Jahr. Und wer ist daran schuld? Natürlich ihr, wer denn sonst?! Ihr fragt nach dem „Warum“? Na schaut euch doch einfach die Liste der noch anstehenden Einträge an:

    19.12. Podcast Folge 41: Der Hardwarerundumschlag 2011 mit Dod und Azzkickr
    22.12. Die Bagdadsoftware-NOCA-Nominierungen (Mega-Über-Monstereintrag!)
    24.12. Der Weihnachtsgruß (mit Kessy?)
    26.12. Die Bagdadsoftware-NOCA-Gewinner
    29.12. Der Jahresrückblick 2011 (Monstereintrag!)
    01.01. Der Neujahrsgruß 2012 (mit Garry’s Mod?)

Da ist nichts dabei, was ich einfach mal so hinschmieren kann, wie ich es sonst vielleicht unter Umständen gegebenenfalls und in Ausnahmefällen immer mache. Das ist anstrengende Arbeit, die ich mir da für euch mache! Nur damit ihr das wisst! *hmpf*

Vollkommener Themenwechsel

Aber auch in Sachen Spiele ist es dieses Jahr verrückt. Normalerweise wäre mittlerweile die Saison schon seit mindestens zwei Wochen vorbei. Und heuer? Pustekuchen! Ursprünglich sollte Star Wars: The Old Republic sogar erst am 22.12. erscheinen, jetzt kommt es zumindest am 20.12. Dafür wurde Postal III auf 23.12. verschoben! Echt der Wahnsinn. Keine Pause für die Hardcorespieler. Und nächstes Jahr geht es auch schon sehr früh wieder los, nämlich am 17.01. mit dem langerwarteten Adventure Deponia. Von den ganzen DLCs, XBLA, PSN und Indie-Spielen, die sich zwischendurch reinschleichen werden ganz zu schweigen!

Divine Divinity ScreenshotAber was soll’s. Ich spiele momentan eh hauptsächlich alten Scheiß. Mittlerweile sogar uralten Scheiß, weil ich Divinity II: The Dragon Knight Saga nun durch habe und danach massiv Lust auf Divine Divinity hatte. Das erschien 2002 und ist, ihr werdet es sicherlich erraten haben, der erste Teil der Serie.

Nochmal ein Themenwechsel

Das Spiel liegt tatsächlich seit neun Jahren relativ ungespielt hier bei mir rum. Die Packung stammt eindeutig aus der Erstauflage und hat sogar noch den ganz alten USK-12-Sticker auf der Packungsrückseite (!!) mit einer Höhe von sagenhaften 1,5cm! Zum Vergleich: Der heutige Sticker ist auf der Vorderseite und sagenhafte 3,5cm hoch. Hach, waren das noch Zeiten, werden einige jetzt wahrscheinlich sagen. Ich nicht. Warum? Weil die heutigen Coverbilder so oder so größtenteils hässlich sind. Da macht der Sticker das Fett auch nicht dicker. Oder ich habe die Collector’s Edition. Die hat meist das wesentlich coolere, weil schlichtere Cover und selbst auf der Umverpackung den Sticker meist nur auf dem Werbezettel drauf, den man nach dem Einscannen für MobyGames eh wegwirft :smile: . Ich muss allerdings zugeben, dass das Cover von Divine Divinity auch ziemlich hässlich und klischeebelastet ist. Dieser vollbusige Engel sieht einfach nur erbärmlich aus. Der Drache auf der Rückseite des Handbuchs macht da schon mehr her.

Wie ein Handbuch? Ja, damals gab’s das tatsächlich noch. Hat sogar satte 79 Seiten, wenn auch nur schwarz-weiße Seiten inklusive einer Auflistung aller erlernbarer Fertigkeiten im Spiel. Und auf der ersten von drei CDs wartete dann noch ein 32-seitiges PDF mit einer Einführung in die Hintergrundgeschichte des Spiels. Natürlich jetzt nicht die hochwertigste Literatur und man merkt auch, dass damals die deutschen Übersetzer noch anders getickt haben (Stichwort „Krampfhaftes Eindeutschen von Allem und Jedem“), aber trotzdem ganz nett. Es ist nur ein bisschen ärgerlich, dass es nicht konsequent gemacht wurde. Sprich in Divinity II: The Dragon Knight Saga tauchen stellenweise dieselben Sachen unter anderem Namen auf — und das darf eigentlich nicht sein.

Immer noch das gleiche Thema

Doch nun genug von der Verpackung. Ja, Divine Divinity ist alt und man merkt ihm sein Alter auch sehr stark an. Bislang läuft es allerdings unter Windows 7 überraschend problemlos, auch ohne den Good Old Games-exklusiven Patch. Dort kostet das Spiel übrigens derzeit nur $2,99! Ich musste nicht einmal den Kompatibilitätsmodus aktivieren, abseits von der Ausführung als Administrator und der Deaktivierung des Aero-Design. Bei Sacred sieht die Sache leider ganz anders aus, obwohl es erst zwei Jahre später erschien.

Um genauer zu sein, erschien Sacred am 27.02.2004, während am 02.04.2004 Beyond Divinity in den Laden kam, der eigentliche zweite Serienteil. Sehr zu Lasten von Larian Studios, die von Ascarons Rollenspiel total fertig gemacht wurden, was vor allem an der viel besseren Grafik lag. Aber auch in Sachen Bedienung war Sacred der Konkurrenz schon weit voraus und äußerst modern in allen Belangen. Beyond Divinity hatte sich im Vergleich zum Vorgänger hingegen nur marginal weiterentwickelt.

Altes, aber gutes Spiel

Sacred ScreenshotUnd doch machten sich beide Spiele tatsächlich sehr starke Konkurrenz. Schaut euch nur mal die Screenshots hier im Eintrag an (draufklicken für die große Version bei MobyGames), dann seht ihr schon, was ich meine! Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass Divine Divinity nicht nur die Vorlage für Sacred war, sondern ihm sogar stellenweise überlegen war. Der Grund dafür ist relativ einfach: Divine Divinity war noch mehr echtes Rollenspiel als Action-Rollenspiel. Bestes Beispiel sind die Dialoge, die in Sacred, vermutlich aufgrund der Sprachausgabe, schon relativ kurz ausfielen. Divine Divinity orientierte sich hingegen noch sehr stark an Baldur’s Gate — Das Dialoginterface könnte sogar 1:1 kopiert sein — und jeder Charakter hat sehr viel mehr oder weniger nützliches zu sagen (und ihr entsprechend viel zu lesen). Zudem könnt ihr praktisch mit jedem Handeln und jeder NPC hat eine Einstellung euch gegenüber, die ihr selbst mit simplen Geldgeschenken verbessern könnt.

Aber natürlich gibt es auch viele Parallelen. So legte auch Larian Studios sehr viel Wert auf sehr viele Details in ihren gezeichneten 2D-Hintergründen, was die Welt sehr lebendig wirken lässt. Es liegen Bücher herum, Essen steht auf den Tischen, Zettel liegen auf dem Boden verstreut, Spinnweben sind im Dungeon an den Wänden und dergleichen, es gibt Tag- und Nachtzyklen und sogar Wettereffekte. Zusätzlich verstärkt wird der Eindruck einer lebendigen Welt durch herumlaufende Charaktere — selbst die Questgeber können plötzlich nicht mehr da sein, weil sie gerade irgendwo im Kaff unterwegs sind. Aber keine Angst: Sobald ihr zum Beispiel das Haus eines Questgebers betretet, eilt er schnell zurück (nicht teleportieren — wirklich laufen!), damit ihr ihn nicht suchen müsst. Sehr cooles Feature, das einem sehr viel Sucherei erspart.

Dann wären da noch die Quests und eigentliche Hintergrundgeschichte, die so gar nicht zu einem Diablo passen, sondern in Sachen Umfang, Ausarbeitung und Charaktere definitiv mehr einem vollwertigen Rollenspiel gleichen. Und auch die Charakterentwicklung fällt erstaunlich umfangreich aus mit vielen Freiheiten, wie ihr euch entwickelt im Laufe des Spiels. Auch aufgrund meiner Erfahrungen mit Divinity II: The Dragon Knight Saga, das im Prinzip die gleichen Positivpunkte besitzt, stimme ich deshalb Swen Vincke (damals Project Lead von Divine Divinity) sofort zu, wenn er im Handbuch als Vorwort schreibt: „Es gibt unendlich viele Wege, Divine Divinity zu spielen und ihr sucht euch einfach denjenigen aus, der euch am besten gefällt. Und das, so denke ich, ist cool.“

Zusammenfassung

Was will ich euch also mit all dem sagen? Ganz einfach: Die Divinity-Serie hat sich bei mir mittlerweile nahtlos in die Riege meiner Lieblingsrollenspielserien wie Gothic, Sacred oder das Das Schwarze Auge eingereiht. Und ich habe Divine Divinity definitiv zu Unrecht so lange liegen lassen, auch wenn ich zumindest Larian Studios damals durch den Kauf schon unterstützt hatte. Der erste Teil besitzt genauso wie der dritte Teil (also der mit der „2“ im Namen) die gleichen Stärken, die ich früher als typisch deutsch bezeichnet hätte (auch wenn Larian Studios aus Belgien stammt) und für mich diese Spiele vom doch irgendwie seelenlosen Einerlei einer amerikanischen oder utopischen Verwirrung einer asiatischen Produktion unterscheiden. Ja, selbst einer der älteren Bioware- oder Interplay-Titel sehe ich in manchen Aspekten durchaus als seelenlos an, wenn ich sie mit so manchen europäischen Produkten vergleiche. Die mögen zwar technisch, anders als die Konkurrenz, nie auf der Höhe der Zeit sein, aber sie haben dafür das gewisse Etwas.

Vorschau

Doch das Thema gehört mit in den schon lange geplanten Eintrag „XX Gründe, warum ich die Elder Scrolls-Serie so verabscheue.“, den ich hoffentlich nächstes Jahr endlich mal schaffe zu Papier zu bringen. Es dauert aber vor allem deshalb so lang, bis ich das Thema angehe, weil ich es wirklich richtig machen möchte. Sprich ein anständiger Report mit vielen Vergleichen und auch Vergleichsbildern.

Als Grundlage werden mir voraussichtlich die Gegenüberstellungen von The Elder Scrolls IV: Oblivion zu Gothic 3 und Fallout 3 zu Fallout: New Vegas dienen. Vor allem, und das habe ich auch bereits mehrfach erwähnt, die letzteren beiden sind der perfekte Beweis dafür — da selbe Technik, selbe Thematik, nur anderer Entwickler –, dass Bethesda absolut keine Ahnung davon hat, was sie da eigentlich tun. Und warum es so traurig ist, dass sie damit so einen immensen Erfolg haben und deshalb als schlechtes Vorbild für andere Entwickler dienen.

Zum Abschluss des heutigen Eintrags bleibt mir nur noch einmal zu sagen: Holt euch endlich Divinity II: The Dragon Knight Saga, wenn ihr es noch nicht getan habt! Und schlagt auch gleich bei Good Old Games zu und kauft die ersten beiden Teile der Saga. Es lohnt sich wirklich.

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6 Kommentare

Divinity 2:DKS fand ich auch super. Vorallem der eigene Turm als Rückzugsort war genial, das können ruig mal ein paar andere RPGs kopieren. Aber auf einer Stufe mit Gothic? Würde ich jetzt nicht sagen. Besser als Oblivion aber natürlich deutlich ;)

Divine Divinity muss ich bei Gelegenheit mal nachholen (Übersetzung: Irgendwann mal kaufen und dann nicht mehr als 5min spielen)

Ich hab' ja nur geschrieben, dass die Serie jetzt auch eine meiner Lieblingsserien ist. Nicht, dass das Spiel Gothic Konkurrenz macht :smile: . Wobei Flames of Vengeance bis auf das Finale schon richtig richtig gut war, muss ich sagen. War doch nochmal ne Stufe höher in Sachen Questausarbeitung, Charaktere und so im Vergleich zum (alten) Hauptspiel.

Besser als Oblivion ist ja kein Maßstab = )

"XX Gründe, warum ich die Elder Scrolls-Serie so verabscheue."

Ich froi mich drauf ~

Is das eigentlich dein ernst Oblivion mit Gothic DREI zu vergleichen? Ich fand Gothic 3 jetzt nicht so schlecht wie es oftmals gemacht wird, aber schon mit Abstand der schwächste Teil der Piranhas. Dann doch lieber mit Gothic 2 vergleichen, da sieht es kein Land ;)

Gothic 3 ist aber spielerisch und technisch näher dran an Oblivion als Gothic 2 — und dabei trotzdem das bessere Spiel. Mir geht es ja nicht drum um Biegen und Brechen meine Ansicht zu bestätigen, sondern schon fundiert zu argumentieren und den Leser zu überzeugen — da ist dieser Vergleich besser geeignet als das ultimative Todschlagargument Gothic 2 :smile: .

Moment ~

"Gothic 3 ist aber spielerisch und technisch näher dran an Oblivion als Gothic 2"

Du meinst doch hier G3 ist eher an Oblivion dran, als G3 an G2 dran ist… oder? So liest sich das … verwirrend… oder meintest du das so? =D kann ich mir nicht vorstellen.

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