Sicarius

Achievement unlocked!

2005 kam die Xbox 360 auf den Markt und brachte eine Neuerung mit sich, die überraschend starke Auswirkungen auf die Spielebranche haben sollte: den Gamerscore und die dazugehörigen Achievements. Es gab zwar bereits vorher vereinzelt Titel, die den Spieler für mehr oder weniger besondere Leistungen belohnten, aber erst Microsoft und der Erfolg seiner Konsole machten das System salonfähig. Allerdings nicht ohne, dass zuvor ein riesiger Aufschrei durch die Netzgemeinde ging. Die Erfolge würden die Atmosphäre des Spiels kaputt machen. Sie würden den Spieler zwingen einem bestimmten Weg zu folgen. Sie wären ein reiner Schwanzvergleich. Und was sonst noch so als Argument herangezogen wurde, um den Untergang des Abendlandes heraufzubeschwören und die Sinnlosigkeit des Systems aufzuzeigen.

Staying Alive Erfolg aus Battlefield: Bad CompanyWenig überraschend, kräht heutzutage kein Hahn mehr danach. Egal ob auf PC, Konsole, Handy oder Handheld — die wenigsten Titel kommen mehr ohne die kleinen Belohnungen aus. Und wisst ihr was? Ich finde das super! Für mich sind sie eine nicht zu verachtende Motivationsquelle und helfen mir sogar eher noch dabei tiefer in das Spiel einzutauchen als umgekehrt. Ich gehöre zwar jetzt nicht zu den Leuten, die unbedingt in jedem Spiel alle Erfolge haben müssen. Dennoch bin ich wesentlich öfter dazu bereit den ausgetretenen Pfad zu verlassen, wenn ich weiß, dass ich dafür auf jeden Fall eine Gegenleistung erhalte — auch wenn ich davon meist nicht einmal im Spiel etwas habe. Mitunter ist sogar eher das Gegenteil der Fall und das Spiel wird durch den Versuch ein bestimmtes Achievement zu erhalten noch schwerer und frustrierender (Zum Beispiel in Battlefield: Bad Company ein Level ohne Sterben zu beenden, wenn man auf Hart spielt).

Ein positives Gegenbeispiel

Wobei das auch nicht mehr ganz stimmt, dass man nichts von einem solchen Erfolg hat. Denn so viel Negatives man auch über Ubisofts Uplay sagen kann: das Achievementsystem finde ich richtig cool. Statt nur dabei zuzuschauen, wie mein Gamerscore in die Höhe schnellt, kann ich hier die verdienten Punkte in zusätzliche Inhalte investieren — und zwar Spielübergreifend. Ihr könnt euch also Erfolge in Silent Hunter 5 erarbeiten und dafür dann in Assassin’s Creed: Brotherhood exklusives freischalten. Zugegeben: So manche Belohnung, wie zum Beispiel die exklusiven Hintergrundbilder, sind ihre Punkte nicht wert. Aber zusätzliche Karten in Die Siedler 7 oder ein exklusives Auto in Driver: San Francisco? Immer her damit, solange es mich kein echtes Geld kostet. Da bin ich gleich doppelt motiviert.

Erfolg ist allerdings nicht gleich Erfolg. Und damit meine ich jetzt nicht die Qualität so mancher Achievements. Ich schüttele zwar auch den Kopf, wenn ich lese, dass ich beispielsweise 10.001 Leute im Mehrspielermodus von Gears of War töten muss. Oder wenn ich in einem anderen Titel schon alleine dafür belohnt werde das Tutorial abzuschließen. Aber es ist jetzt nicht so, dass ich mich darüber groß aufregen würde. Wenn es zu schwer ist, lasse ich es einfach und wenn es zu leicht ist, stört es mich auch nicht weiter.

Zerstreuung

Ich habe ein Problem mit der Fragmentierung des Ganzen. Nicht nur, dass es für jedes System unterschiedliche Varianten gibt. Mitunter bilden sogar die Spiele unter sich jeweils eine eigene abgeschlossene Insel auf der ihr eure Erfolge verdient. Deshalb bevorzuge ich und motivieren mich tatsächlich XBL- und Games for Windows Live-Titel am meisten, da hier alles nicht nur plattformübergreifend, sondern auch noch nach Schwierigkeitsgrad gewichtet und unter der Haube „Gamerscore“ auf einen Blick zusammengefasst wird. Da ist der Anreiz einen Erfolg zu verdienen noch einmal größer, selbstverständlich auch wegen dem Schwanzvergleichssyndrom.

Christophs GamerscoreSelbst die Steam-Achievements reizen mich deshalb überhaupt nicht, da trotz gleicher Plattform nur jedes Spiel für sich gestellt wird. Keine übergreifende Zahl, die meine Erfolge zusammenfasst und für sich bereits eine Aussage trifft. Gut an Steam finde ich allerdings die Statistikfunktion, die es mir ermöglicht zu sehen, wie viel Prozent der Käufer den jeweiligen Erfolg erlangt haben. Das kann zusätzlich motivieren das eine Achievement freizuschalten, welches nur wenige bislang erreicht haben.

Das Wunschkonzert

Was wünsche ich mir also? Nun zum einen, dass sich die Entwickler tatsächlich ein Beispiel an Ubisoft nehmen und mit Erfolgen auch einen echten Wert verknüpfen. Zum anderen, auch wenn es ganz klar utopisch ist, dass es mal ein erfolgreiches hersteller- und plattformunabhängiges System von einem Drittanbieter gibt. Ein SDK wie beispielsweise Havok Physics, auf das 99% der Entwickler zurückgreifen und welches eine zentrale Datenbank speist. Ich hatte ja gehofft, dass sowas mit Windows Live kommen würde. Aber leider hat Microsoft dieses Thema bekanntermaßen komplett gegen die Wand gefahren. Umso schwieriger wird es nun an der bereits etablierten Situation etwas zu ändern. Auch deshalb, weil natürlich vor allem Xbox- und PlayStation-Nutzer an ihren jeweiligen Übersichten festhängen. Wenn da ein Hersteller sich entscheidet sein System nicht auf die nächste Konsolengeneration zu übernehmen, wird es einen massiven Shitstorm geben. Darauf könnt ihr wetten.

Die Tendenz geht stattdessen ganz klar in die andere Richtung. Ich warte praktisch täglich darauf, dass EA für Origin auch noch ein eigenes System angekündigt. Aus Spielersicht wäre eine zentrale Lösung jedoch äußerst wünschenswert, denn wie gesagt: Richtig eingesetzt, können Erfolge durchaus das Spielerlebnis ohne allzu großen Aufwand sinnvoll erweitern. Und wenn diese plattformunabhängig erfasst werden würden, hätten sie auch eine noch stärkere Aussagekraft und würden dadurch noch weiter motivieren. Das gilt natürlich nicht für jeden, aber doch für durchaus nicht gerade geringen Teil der Spielerschaft. Die Frage zu welcher Kategorie ihr gehört, dürft ihr gerne in den Kommentaren beantworten. Findet ihr Achievements gut, schlecht oder ist es euch völlig wurscht?

Der Webmaster sagt leise Servus

Und mit diesen Gedanken lasse ich euch für die nächsten vier Wochen alleine. Ab morgen bin ich nämlich auf Kur und lasse es mir (hoffentlich) gut gehen. Aber keine Angst: Bagdadsoftware liegt in dieser Zeit nicht brach. Stattdessen halten meine drei Autoren die Stellung und werden euch weiterhin wie gewohnt montags und donnerstags mit interessanten Themen beglücken.

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5 Kommentare

Wertvolle Achievement-Belohnungen … ein alter Hut = )
*hust* Hall of Monuments *hust* Und das Konzept stammt aus 2006, da hat ubisoft noch Kopierschutz verwendet, der Nero und Konsorten nicht ab konnte. ;)

Das Punktesystem bei Ubisoft finde ich zwar durchaus okay, jedoch ärgerlich ist es, dass viele Spiele nicht genügend Punkte bieten, um all ihre eigenen Inhalte freischaltbar zu machen. Spinnt man diese Spirale (übertrieben) weiter, hat man nach 5 Spielen schon nur die Chance alles für 4 Spiele freizuschalten, nach 10 Spielen, sind es nur 8 usw. Eine Divergenz, die nicht nur Achievment-Junkies, sondern auch Sammler zum Kaufen von eigentlich nicht ganz von Herzen gewollten Spielen anregt. Würden wir hier von EA reden, müssten die Trolle auf GG wohl das Wort "perfide" lernen, um ein der Situation angepasstes Wort verwenden zu können. Insgesamt schließe ich mich aber Christoph an, dass ich die Uplay Points mit als die geschickteste Lösung ansehe.

Obwohl ich trotz intensiven Nutzens von Steam die Plattform nach wie vor nicht leiden kann, fand ich zur Adventszeit die Achievement-Jagd gut, wenngleich das Ziel der Aktion (u.Ä.) jedem bekannt sein sollte. Spaß gemacht hat es die kleinen Erfolge für (bereits erworbene) Spiele zu erspielen, die man sowieso immer schon einmal anfangen wollte. So habe ich zum Beispiel zu [b]Sequence[/b] einen Zugang gefunden, weil ich den Feiertags-Whoompa schlagen wollte. ^^

Viele Leute störten sich daran, dass manche Erfolge zu leicht, andere zu schwierig waren … doch auf dieses ~Gewhine~ habe ich mich vor Sylvester eingelassen, danach aus gutem Grund nicht mehr: Als ich nämlich durch extrem viel Glück einen Dota2Beta Key mit 2 Freundeseinladungen gezogen habe, wollt ihr gar nicht wissen, wie viele "Kohleklumpen" mir für diesen Frühzugang zu einem kommenden "F2P" angeboten wurden. 'Nicht ganz dreistellig' verrät genug, schätze ich. Letzten Endes habe ich es gegen Rage getauscht, was ich auch schon ein starkes Stück finde.

Hinweis: 1 Kohleklumpen impliziert, dass mindestens ein Erfolg erspielt wurde.

Ich glaube nicht daran, dass irgendein großer Publisher Interesse hat, wirklich eine Plattform einheitlich mit den Entwicklern so abzustimmen, dass es auch alle Achievements, einheitlich sind, nur um den Spielern einen Service zu bieten, von dem sie auch profitieren. Das sind reine Drogen, am Anfang noch ungestreckt und später immer dürrer, bis hin zu Placebos. Für alles andere, wäre der Aufwand im Vergleich zum persönlichen Nutzen zu groß.

Ich muss sagen, dass ich des öfteren in Steam schaue, welche Achievements ich freigeschaltet habe und diese auch mit Leuten aus der Freundesliste vergleiche. Teilweise finde ich es schade, dass zB in Blur, die Achievements nicht auch in Steam angezeigt/verfügbar sind. Als Vergleich finde ich das System von Steam super.
Mich persönlich motiviert es teilweise auch das Spiel nochmal auszupacken und auf Jagd zu gehen. So hab ich vor kurzen erst alle Sequence Achievement ergattert, weil ich es nicht auf mir sitzen lassen konnte, dass Jakill mehr hatte als ich :D

Und später haben wir herausgefunden, dass ich auf höherer Schwierigkeitsstufe als Kiri spiele … trotzdem habe ich bis heute nicht alle Achievements :crying:

Ich mag Achievments.
Sie sollten aber in annehmbarer Zeit schaffbar sein (100000000 kill achievments im MP is einfach en Fehldesign).
Steam könnte ruig nen Gamescore einführen.
Rewards sind nie schlecht.
Ich mag das System von Kongregate: Achievments geben schwierigkeitsentsprechend exp und mit der steigt man im lvl auf.
Ein System wäre schön, aber völlig utopisch.
Noch kein Uplay-Spiel gespielt.

"Das Wunschkonzert" – japp, klingt nach einer Veranstaltung, die ich auch aufsuchen würde :wink:

Im Spielalltag jucken mich Achievements/Trophies nicht die Bohne. Ich arbeite nicht gezielt auf Erfolge hin, ich will meinen Spaß am Spiel. Deshalb betrachte ich die nur als nette Gimmicks, die gelegentlich für Schmunzelei sorgen.

Nun der Fall, dass man etwas für die Erfolge bekommt: Ja fein! Steam hat sowas ja auch bei der letzten großen Winteraktion hinbekommen. Da machte es dann schon eher Spaß, die speziellen Achievements zu jagen. Gut, mit den virtuellen Kohlestückchen konnte ich nicht sonderlich viel anfangen und meistens gab es unnütze Rabattgutscheine, aber die Idee war okay.

Ein globales System, was das ganze zusammenfasst, wäre sicherlich eine feine Sache. Für mich persönlich aber eher uninteressant, da ich insbesondere den Onlinekram von Ubisoft und EA strikt meide – und ja, auch wenn es bedeutet, dass ich dafür ein Spiel von Interesse aulassen muss.

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