Sicarius

Eine interessante Begegnung

Dieser Eintrag wurde am 20. Februar 2012 verfasst.

Stammleser erinnern sich vielleicht noch an früher. Damals, so 2007/2008, als ich viel unterwegs auf Seminaren war, da habe ich praktisch jeden Tag einen Eintrag und einen Artikel auf Vorrat geschrieben und im Nachgang dann veröffentlicht (derweil war allerdings dafür auch komplett Sendepause auf der Seite). Davon bin ich mittlerweile weit entfernt. Ich geh‘ lieber mit den Kollegen aus oder so, statt mich aufs Zimmer zu hocken und was zu tippen, abseits der normalen Einträge. Sicherlich eine verständliche Reaktion.

Aber nach zwei Wochen hier in der Reha-Klinik, muss ich ganz ehrlich sagen, fehlt mir das Schreiben schon ein wenig. Und auch mein Notizblock (leider digital, nicht analog) füllt sich immer mehr mit Themen, auf die ich unbedingt in den nächsten Wochen eingehen möchte, bevor ich wieder alles vergesse. Ja, trotz vielen Anwendungen, habe ich doch viel Zeit zum Denken (und im Internet surfen *hust*) hier oben — nicht nur auf dem Zimmer, sondern auch bei meinen vielen kilometerlangen Spaziergängen am Strand oder auf dem Deich entlang. Mehr zur eigentlichen Reha werdet ihr aber zum Veröffentlichungszeitpunkt dieses Eintrags voraussichtlich schon erfahren haben. Lasst uns deshalb nun endlich zum Thema des heutigen Eintrags kommen.

Ein unwahrscheinlicher Fall

Alice Madness Returns T-Shirt und ArtbookWer mich kennt, der weiß, dass ich im Schrank tonnenweise T-Shirts habe. Der Spruch „immer nur T-Shirts“ kommt wirklich nicht von ungefähr. Schon vor meiner Zeit als Redakteur habe ich dank des Kaufs unzähliger Spezialeditionen (egal ob Filme, Spiele oder Musik) eine große Sammlung aufgebaut. Entsprechend laufe ich auch hier in der Klinik ausschließlich mit schwarzen T-Shirts herum, die solche speziellen Motive tragen. Während ich diese Zeilen schreibe, grinst beispielsweise die Grinsekatze (Alice: Madness Returns) jedem entgegen. Übrigens mein absolutes Lieblingsshirt. Der Import war jeden Cent der Versandkosten wert!

Ich bezweifle, dass viele der anderen Rehabilitanden überhaupt wissen, was ich da anhabe. Bei einem Nightwish-Shirt vielleicht noch gerade so, aber bei einem spielebasierten? Unwahrscheinlich bei dem Altersdurchschnitt hier. Aber wie heißt es so schön? Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Wenige Tage nach meiner Ankunft hatte ich nämlich mein Duke Nukem: Manhattan Project-Shirt an (eines zu Duke Nukem Forever habe ich leider [noch] nicht) und siehe da: Ich wurde am nächsten Tag prompt darauf angesprochen.

Die Begegnung

Zugegeben, die Person, die mich ansprach war Anfang 20, das machte sein Zugehen auf mich und das daraus resultierende Gespräch aber nicht minder interessant. Warum? Weil ich sie beim reinen Ansehen direkt in eine Klischee-Schublade gesteckt hatte. Und auch wenn ich nicht glaube, dass er das hier lesen wird, möchte ich mich doch vorsichtig ausdrücken. Sagen wir, er machte durch und durch den Eindruck eines „abgefuckten Halbstarken“. Auf jeden Fall weder der Typ von Mensch, dem ich zum einen Nachts unbedingt allein auf der Straße begegnen möchte, noch dem ich zutraue mehr zu konsumieren als ein Call of Duty: Black Ops auf der Xbox 360.

Er sprach mich also an und fragte mich, ob ich das gewesen wäre gestern mit dem Duke-Nukem-T-Shirt. Das allein hat mich schon überrascht. So einer wie der kennt den Duke? Doch er fragte natürlich nicht ohne Hintergedanken. Er wollte stattdessen tatsächlich wissen, ob ich Duke Nukem Forever gespielt habe und ob ich ihm sagen könnte, ob es gut ist. Er hätte zwar in der ein oder andere Spielezeitschrift darüber schon gelesen (er nannte keine Namen) war sich aber unsicher ob er es sich nun holen sollte oder nicht. Allerdings hatte er damals, wenn auch nur auf dem Nintendo 64, schon Duke Nukem 64 (ein passabler Port von Duke Nukem 3D) gespielt. Das fand er richtig cool, weshalb er sich auch für den neusten Teil sehr interessierte.

Wandelndes Klischee?

So sind wir also ins Gespräch gekommen. Ich habe ihm meinen üblichen „Der neue Duke ist gar nicht so schlecht wie alle tun“-Monolog vorgetragen und er sagte auch, dass das alles super klingt und er sich es nun holen wird. Dann habe ich ihn darüber ausgefragt, was er sonst so noch spielt und welche Vorlieben er so hat. Ich war allerdings in dem Moment, da bin ich ganz ehrlich, nicht als gleichaltriger Spieler, sondern ganz als Redakteur am Tisch. Sein Aussehen, sein Verhalten und seine bisherigen Kommentaren hatten meine journalistische Neugier geweckt. Da war eine überraschende Diskrepanz vorhanden. Würde er trotzdem das bekannte Klischee erfüllen? Das war die zentrale Frage, die mir auf der Zunge lag. Natürlich konnte ich sie ihm nicht so direkt stellen, sondern musste Drumherum arbeiten.

Und die ersten Antworten auf meine Bohrungen waren auch vorhersehbar. Er ist reiner Konsolenspieler, Xbox 360 um genau zu sein (er sieht keinen Sinn in einer PlayStation 3), findet brutale Spiele super und bevorzugt entsprechend vor allem Ego-Shooter. Er spielt die Call of Duty-Serie, mag Battlefield überhaupt nicht, hat sich an den F.E.A.R.-Titeln erfreut („Ich hab‘ mich dabei nie erschreckt, aber als ich mal mit einem Kumpel gespielt hab‘, der ist fast vom Stuhl gefallen bei der einen Szene.“), fand in Singularity vor allem die Kugel-Kamera genial (ihr könnt bei einer Waffe die Kugel selbst ins Ziel steuern), hat Resident Evil 5 gerne gespielt (fand aber auch die Begleiterin strunz doof) und mochte vor allem den zweiten Durchgang sehr, bei dem er mit dem „Unendlich Munition“-Cheat unterwegs war, weil er endlich die Sau rauslassen konnte und freut sich entsprechend auf Resident Evil 6. Außerdem hat einer seiner Freunde sich für ganz teures Geld irgendeinen brutalen Titel mit Hakenkreuzen importieren lassen, dessen Namen ihm aber nicht mehr eingefallen ist. Mir fiel (und fällt auch immer noch) auch nichts halbwegs Aktuelles in der Hinsicht ein, was irgendwie auf diese vage Beschreibung passen würde.

Sprich, er entpuppte sich bislang doch als der beste Freund jedes Frontal-21-Redakteurs — zumindest bis ihm ein Satz über die Lippen kam, mit dem ich überhaupt nicht wirklich gerechnet hatte. Er sagte: „Früher waren die Spiele besser.“

Die Erkenntnis

Diesen Satz erwarte ich von einem gestandenen Spieler. Aber ihn aus dem Mund dieses solchen „Jungspunds“ zu hören, dem ich nicht wirklich zugetraut habe überhaupt den Unterschied zwischen guten und schlechten Spielen zu kennen? Das hat mich ganz ehrlich überrascht — und natürlich habe ich dann auch gleich noch weiter nachgehakt. Warum war er dieser Ansicht, von der er sich übrigens auch nicht durch Gegenargumente von mir abbringen ließ? Seine kurze Antwort:

„Weil die Spiele damals simpler gestrickt waren.“

Als Beispiele nannte er neben Duke Nukem 64 nicht nur andere Ego-Shooter wie Quake, sondern auch die Silent Hill-Serie, die alten Resident Evil-Teile oder die GTA-Serie (sogar ein Vice City-Fan!). Er versuchte noch weitere beim Namen zu nennen, ihm fielen aber weder der Titel ein, noch konnte er mir sie genauer beschreiben. Auf F.E.A.R. kamen wir sogar nur, weil ich „Quake 4?“ fragte, als er Quake nannte und dabei wohl undeutlich sprach :smile: .

Nun mag der ein oder andere argumentieren, dass gerade diese Spiele voll in das Klischee (Brutal = geil) passen würden. Aber wenn ich so das weitere Gespräch Revue passieren lassen, dann teile ich diese Ansicht ganz und gar nicht. Vor mir saß jemand, den ich definitiv als normalen Spieler bezeichnen würde. Er mag äußerlich einen anderen Eindruck machen, aber aufgrund seiner Äußerungen schätze ich ihn doch als jemand ein, der sich mehr Gedanken über das Spielen macht als nur „Hey, neues Call of Duty — Zeit für Blut und Morde!“.

Ein Fazit?

Jetzt kommen sicherlich die üblichen Sprüche von wegen „Das kommt davon, wenn man in Schubladen denkt. Ich finde das nicht überraschend und mir wäre das nie im Leben passiert“. Aber das nehme ich euch nicht ab. Wenn ihr ihm begegnet wärt, hättet ihr ihn schon allein vom Aussehen her in die eine Ecke gedrängt und nichts mit ihm zu tun haben wollen. Da könnt ihr noch so tolerant tun. Nicht nur unsere Gesellschaft, auch wir als Mensch sind darauf trainiert. Da können wir nichts dafür und es ist schwer dagegen anzukämpfen. Manchmal klappt es, oft aber auch nicht. Vor allem dann nicht, wenn wir die Person nur von außen betrachten.

Die Unterhaltung mit dem Jüngling hat mir entsprechend mal wieder ganz deutlich gezeigt, dass wir dem Gegenüber damit meist massives Unrecht tun. Wenn er mich nicht von sich aus angesprochen hätte, ich hätte bis heute noch kein Wort mit ihm gewechselt. Gleichzeitig hat mich die Sache in eine andere Richtung zum Nachdenken gebracht: Ist er Teil des sogenannten Mainstreams? Wenn nicht, wo gehört er hin? Wenn ja, ist der Großteil dieser Zielgruppe so drauf? Wovon machen sie ihre Kaufentscheidung ab? Und viel wichtiger: Wie schafft man es solche Leute besser zu erreichen?

Die Antworten? Keine vorhanden. Dazu müsste ich erst einmal mehr solche Personen treffen, bevor echte Schlussfolgerungen gezogen werden können.

Welche Erkenntnis bleibt also nach drei Seiten Text übrig? Es war definitiv eine interessante Begegnung, an diesem Morgen.

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10 Kommentare

Er zockt CoD und fand die Spiele damals besser, weil sie einfacher gestrickt waren ??

Also, dass is ja genau die gegenteilige Meinung von der meinen :) Die Spiele waren damals besser, weil sie eben nicht (!) so simpel und verkasualisiert waren. Klar, Beben 3 Arena war super simpel und super toll. Aber das zähl ich fast schon als Ausnahme. Ich find jetz auch net, dass die alten RE-Teile simpler waren als die neuen. Stupider sind auf jeden fall die neuen (wenngleich ich bekanntermaßen an Teil 3-5 großen Spaß hatte).

Da würd mich jetz wirklich ma die Meinung von euch intressieren.

und: es is ganz normal menschlich, in Schubladen zu denken. Das hat au garnix mit Toleranz zu tun. Passt scho ;)

Sprechen wir vom inhaltlichen (=Atmosphäre, Geschichte etc.) oder spielerischen (=Herausforderung/Schwierigkeit) Anspruch?

Egal, mein Gedankengang ist folgender: Ist es nicht eher so, dass wir dank der unzähligen Fortschritte in Sachen Bediener- und Einsteigerfreundlichkeit heutzutage soweit sind, dass wir die trotzdem vorhandene Komplexität und den Tiefgang einfach nicht mehr so wirklich wahrnehmen und genau deshalb die totalen Extreme wie ein Dark Souls suchen? Wie ich auch in einem der kommenden Einträge schreibe, schließt sich beides definitiv nicht gegenseitig aus, eher im Gegenteil.

Ich persönlich sehe beispielsweise ein angeblich total "vercasualisiertes" Mass Effect sowohl inhaltlich als auch spielerisch klar den meisten RPGs von anno dazumal überlegen oder zumindest gleichwertig. Dazu gehören auch absolute Klassiker wie The Bard’s Tale, Eye of the Beholder, Fallout oder gar ein Planescape Torment oder System Shock.

Ich wähle übrigens bewusst das RPG-Genre als Beispiel, aber selbst zwischen einem Duke Nukem und einem Call of Duty kann man meiner Meinung nach sehr gut argumentieren, dass im Vergleich ein CoD tatsächlich weniger simpel gestrickt ist. Von Resident Evil ganz zu schweigen. Nur weil sich der Ton der Serie geändert hat weg von der ursprünglichen Definition des Survival Horror (ein inhaltlicher Vergleich ist deshalb nicht mehr wirklich möglich meiner Meinung nach), heißt das ja nicht gleich, dass es damals tatsächlich ein anspruchsvolleres Spiel war. Die Herausforderung kam da doch vor allem durch die umständliche Kamera und vorsinnflutliche Bedienung.

Hmm, ich möchte erstma auf Antworten von Ron, Jackie und gern auch andren warten, bevor ich weiter schreibe.

Aber Fakt ist, dass wohl kein anderes Thema soo schnell in Subjektivität abdriftet, weil man – je nach Standpunkt – entweder besonders tolle gegenwärtige, oder halt vergangene Highlights auswählt um zu argumentieren. Man müsste die Spiele möglichst als Ganzes betrachten, was natürlich nur mit sehr hohem Aufwand – wenn überhaupt – möglich ist.

Ob dein Gedankengang auch für mich zutreffend ist, vermag ich noch nicht zu beurteilen. Ich suche auf jeden Fall kein Dark Souls :) In meinen Augen darf man "Komplexität" nämlich nicht mit "hohem Schwierigkeitsgrad" gleichsetzen. Ich hab Dark Souls nicht gespielt, kann mir aber nur schwer vorstellen, dass es tatsächlich komplex ist – weder inhaltlich noch spielerisch.

Ich glaube auch irgendwie nicht so recht, dass die Verbesserungen in der Bedienung dafür verantworltich sind, dass uns Spiele als simpler verkommen – auch, wenn ich diesen Ansatz durchaus verstehe.

Hmm, echt en schweres Thema, für das ich selbst nochma in mich gehen muss :)

Hatten wir das Thema nicht schon bei meinem Eintrag? Ja da gings nicht primär um die Komplexität aber angesprochen hab ich sie auch.

Und ich bleib bei meiner Meinung, dass wenn wir glauben, dass die Spiele früher besser waren, dass das nicht nur was mit "objektiven" Punkten wie höherer Komplexität zu tun hat ;) (nein, noch mehr dass in einem Satz ging nicht…)

Komplexität ist auch ein so weiter Begriff, den kann man in so vielen unterschiedlichen Bereichen sehen. Zum Beispiel wenn mans technisch sieht, sind heutige Spiele natürlich tausendmal komplexer als damals. Aber das ist hier wohl eher nicht gemeint ;)
Was rein spielerische Komplexität angeht, so wie ich sie verstehe, sehe ich das nicht so schwarz und weiß. Es gab damals simple Spiele und die gibt es heute auch noch. Genauso gibt es auch heute noch hochkomplexe Spiele, wenn man denn gezielt danach sucht.
Letztendlich is das auch ne Genre Frage… Furchtbar komplizierte Shooter trifft man damals wie heute nicht an, aber Strategiespiele gibt es immer auch in sehr komplexen Ausführungen.

"Jetzt kommen sicherlich die üblichen Sprüche von wegen (…)"
Also, von meiner Seite nicht. Auch wenn ich überzeugt bin, dass man Vorurteile / Schubladendenken weitestgehend zurückschrauben soll, so kann wohl keiner von sich behaupten völlig frei davon zu sein. Geht meines Erachtens garnicht, denn man begegnet ja oft genug Personen, die gewisse Befürchtungen absolut bestätigen.

Bei der Komplexität in Spielen müsste ich aber auch schmunzeln… schaut man sich die neuesten Shooter an und generell Spiele, die mit lauter Popups, "Dies erledigt. Mache jetzt dies." und anderem Spieler-an-die-Hand-nehm Features gefüllt sind, trifft das irgendwie nicht so richtig zu. Was halt stimmt: Bei älteren Spielen hat im Vergleich ein kleinerer Umfang gereicht um lange zu unterhalten. Dies KANN man direkt gegenüberstellen (nostalgische Verblendung vorausgesetzt, von der ich mich selbst nicht freispreche), SOLLTE man aber nicht unbedingt. Wenn es nur darum ginge, dann hätte sich in den ganzen Jahren ja nichts weiterentwickeln dürfen. Irgendwo hat es sich das aber, was im Grunde nicht schlimm ist. Nur mir, als eher nostalgischer Bekloppter, fehlt dieser gewisse Kompromiss zwischen Weiterentwicklung und bewährten Spielprinzip. Vielleicht passt das auch garnicht zusammen?! Vielleicht drücke ich mich aber auch gerade zu konfus aus :>

Ich freue mich jedenfalls arg auf den 'XCom – Enemy Unknown' Reboot und drücke alle Daumen das es was wird. Ansonsten bekomme ich die gewünschte Dosis "damals" aber auch seit einiger Zeit von manch kostenlosen Flash- und Indiespielen. Ich glaub ich muss mal wieder ein x-tes mal 'VVVVVV' durchspielen :)

Ohja, auf X-Com – Enemy Unknown freu ich mich auch wie ein Schnitzel :) Das zeigt doch eindrucksvoll, wie man ein klassisches, anscheinend auch noch komplexes Spielprinzip in ein modernes Gewand packen kann: tolle Kameraführung, Deckungssystem (fast scho wie bei Shootern) und gute bis sehr gute Grafik. Und die Basis aus dem Ameisenkasten-Blick, sieht auch mal sehr vielversprechend aus.

Jetzt werd ich nur traurig, dass nicht das neue Jagged Alliance so geworden ist :(

Beim neuen Jagged Alliance haben mir ja schon die Portraits der Söldner gereicht. Wenn allein schon die aus den alten Spielen (2D, animiert) besser aussehen als die im neuen (Begründung war wohl irgendwie, das ginge nicht anders, weil man ja darstellen will wenn etwas wie ein Helm ausgerüstet ist – LOL), dann passt mir das schon nicht. Kann man mir gerne auch nachsagen, ich übertreibe :tongue:

Christophs Beispiel mit Mass Effect 3 finde ich schon sehr treffend, was den Wandel angeht. Die Oberflächen und Bedienstrukturen sind in den meisten Titeln für die Masse mittlerweile so ergonomisch geworden, dass in ihnen einfache Eingaben komplexe Ausgaben hervorbringen und der Spielball an den Spieler weitergeben wird. Fast schon ein wenig: Komplexität ist das, was man daraus macht. Die Gefahr "Komplexität" mit einem höherem Anspruch durch absurden Schwierigkeitsgrad gleichzusetzen sehe ich, wie Azz, übrigens auch kritisch. Eine Definition oder Einordnung, wie Ron sie betreiben möchte, bin ich jetzt aber zu faul für, denn das führt auch irgendwie zu tief und ich bin zu spät dran mit dem Thema. „Wir wissen alle was wohl gemeint ist“ – könnte man da platt schreiben, aber das geht im WWW immer schief… Der Fingerzeig sollte genügen. =D

Kurz zu Dark Souls, was ich spielerisch als wesentlich simpler einstufe, denke ich, dass es hierbei eher um Selbstkasteiung geht, als um eine komplexes Spielerlebnis. Ein Jump'n'Run mit nur einem Leben und der Funktion "Berühre einmalig einen Gegner und du bist tot" müsste demnach unirdisch komplex sein.

Meine Meinung was das Thema angeht im Bezug auf Schubladendenken ist halbwegs aufgebrochen, da ich mit den klassischen Stereotypen mit bei Nintendo gearbeitet habe, die mich dann doch immer wieder überraschten. Den erwarteten Durchschnittsspieler (Xbox-only) habe ich genauso kennen gelernt, wie den fuchteligen Wii-Symphatisanten, dem die Spiele ausgehen und der jetzt bei Nintendo jobbt um sich bald eine PS3 leisten zu können…
Andererseits haben diese Treffen mein Schubladendenken in gewisser Weise auch wieder zementiert vor allem was Spiel- und Kaufverhalten angeht: Der Wii-Spieler mit den Wii-Sports-Titeln bei den Lieblingen, suchte auch im gleichen Genre bei der PS3. Nicht wegen einem hübschen Exklusiv-Titel musste die Konsole her, sondern wegen besserer Grafik bei den gleichen Sportspielen. Hauptsache Mehr.
Auf der gleichen Bank der resignierte PS3 Spieler schwang um zu XBox_only wegen des besseren Supports und nochmal mehr Core-Titeln (Seine Aussage, nicht meine!). Wii war für ihn Babykram, obwohl er selbst auch schon so eine besaß und Red Steel "recht geil" fand.
Überrascht haben mich (positiv) beim Wii-Spieler die Abneigungen gegen die meisten Nintendo-eigenen Marken, allen voran Pokémon, das auch mit den Casual-Ablegern (Poképark) scheinbar schon zu komplex war. (Jetzt negativ:) Mario Party (das gleiche nur halt im Mario Universum, wenn man so will) sei seiner Meinung nach da viel besser. Auf den Umstand, dass Mario ja die Leitfigur von Nintendo schlechthin ist, habe ich nicht noch hingewiesen, da nach der Diskussion, in der er nicht einsehen wollte, dass der grüne Typ aus Zelda eben NICHT ZELDA heißt, mein Kampfgeist schon gebrochen war…
Beim X-Box Spieler war es die Abneigung gegen Resident Evil nach dem 'tollen' vierten Teil. Er habe es nicht mehr nötig haufenweise schwarze Zombies umzuballern. Das sei abstoßend und langweilig… Öhm ja…

Ich bin also dahingegehend überrascht, dass selbst der durchschnittliche scheinende Spieler, zu dem wir alle uns ja scheinbar abgrenzen, noch von den Vertretern der eigenen Gattung (in diesem Falle) unterboten wird. Nein, ich sage nicht, dass wir eine Art Elite sind oder so eine Unterteilung haben, ich denke nur, dass die Abgrenzung mittlerweile selbstverständlich vorgenommen wird, aber der Logik folgend nicht mehr möglich ist, eben weil wir eine Einteilung wie 2006 in Spielerschaften nicht mehr vernünftig möglich ist. Die grobe Einteilung von Christoph damals (mir ist klar, dass sie nur aufgegriffen und ausgebreitet wurde) geht nicht mehr so schnell von der Hand, da zB die meisten Core Spieler, Casual-Titel anfassen und diese dann unter Umständen „Core“ spielen können. Und das ist nur eine Konstellation.
Wir sind zwar alle bei sehr vielen Themen häufig der gleichen Meinung, haben aber ein stark unterschiedliches Spielverhalten. Wäre es leichter uns selbst vernünftig in diese Schubladen zu stecken, würden wir es in der Tat doch endlich mal schaffen, irgendwas Gemeinsames zu Spielen anzufangen und halbwegs regelmäßig fortzuführen. Kommt mir nicht mit dem Faktor Zeit. Den hab ich sowieso am Wenigsten. Jeder der wirklich wirklich will, der hat Zeit. Meistens hängt's also am Ersten. = )

"wie den fuchteligen Wii-Symphatisanten, dem die Spiele ausgehen und der jetzt bei Nintendo jobbt um sich bald eine PS3 leisten zu können… "
Das muss ich nochmal hervorheben :D grandios :D

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