Sicarius

Fünf für die Ohren, Teil 2

Dieser Eintrag wurde am 05. März 2012 verfasst.

Der eine oder andere unter euch erinnert sich vielleicht noch an den Eintrag vom 26.09.2011. Damals hatte ich euch nach langer Zeit mal wieder fünf hörenswerte Spielesoundtracks vorgestellt. Da der Eintrag — zumindest hatte ich den Eindruck — gut ankam und mein Archiv bekanntlich äußerst groß ist, will ich heute erneut fünf Werke etwas ausführlicher vorstellen. Ursprünglich hatte ich zwar mit der Idee gespielt die Sache auf Filmsoundtracks auszuweiten, aber hier auf dem Laptop habe ich in der Hinsicht nur eine ganz kleine Auswahl. Und nur aus dem Gedächtnis heraus ein paar behandeln ist nicht Sinn der Sache. Wenn, dann soll das hier schon wie gewohnt Hand und Fuß haben. Aber aufgehoben ist ja nicht aufgeschoben. Zumal das sicherlich auch ein schönes Thema für einen Gastbeitrag von Azzkickr wäre :smile: .

Noch als kleine Anmerkung vorab: Es kann durchaus sein, dass von den einzelnen Soundtracks unterschiedliche Versionen existieren was den Umfang und die Arrangierung der Lieder betrifft. Ich kann logischerweise nur von der Fassung reden, die ich besitze. Sie ist es auch immer, die ich in der Bezugsquelle verlinke. Nun aber genug des Vorgeplänkels! Vorhang auf die die heutigen fünf Hörtipps:

Die Siedler 7 Original SoundtrackDie Siedler 7

Komponist: Dynamedion (ANNO 2070), Kariina Gretere (Tracks 1, 2 & 18)
Umfang: 00:51:27 (20 Lieder)
Bezugsquelle: Die Siedler 7 Limited Edition (36,98 Euro)

Die Firma Dynamedion liefert heutzutage praktisch zu jedem Spiel eines deutschen Publisher oder Entwicklers den Soundtrack. Das führte dazu, dass es zwischendurch definitiv eine Zeit gab, in der alle Werke von ihnen zwar handwerklich perfekt, inhaltlich aber immer gleich und ohne echte Überraschung waren (ähnliches Problem wie beim Komponisten Jeremy Soule). Und dann erschien der Soundtrack zu Die Siedler 7, der nicht nur erneut perfekt die gemächlichere Atmosphäre eines Siedler-Spiels einfängt, sondern gleichzeitig die ausgetretenen Pfade weit genug verlässt, um ein angenehmes Hörerlebnis zu bieten. Schon der Einstieg mit den zwei Stücken „Hero Within“ und „Ever After“ haut einen dank des wunderschönen Gesangs von Kariina Gretere aus den Latschen. Aber auch der Rest des Albums glänzt durch eine, für ein Dynamedion-Werk ungewohnt lockere Dynamik und Lebendigkeit. Man könnte schon fast sagen, dass man dem klassischen Orchester anhört, dass es Spaß beim Einspielen hatte, so toll klingen die Lieder. Und diese spürbare Freude überträgt sich auch definitiv auf den Hörer, dem es während der 50 Minuten garantiert niemals langweilig wird.

Persönliches Lieblingslied: Nr. 1 – Hero Within [2:58] (Anhören)
Ich könnte euch jetzt groß was davon erzählen, dass mich der Songtext tief berührt oder die eher sanfte und doch schnelle Musik angenehm einlullt, aber der eigentliche Grund ist weit davon entfernt so intellektuell und hochtrabend zu sein: Ich finde schlicht Kariinas Stimme fantastisch. Im Prinzip ist sie stimmlich etwas tiefer veranlagt, schafft es aber dennoch sehr gut diese hohen und doch sanften Töne zu treffen. Es ist richtig schade, dass sie bislang noch kein richtiges Album veröffentlicht hat.

Split/Second Velocity Original SoundtrackSplit/Second: Velocity

Komponist: Marc Canham, Richard Aitkin, Steve Emney (Track 7)
Umfang: 00:42:22 (19 Lieder)
Bezugsquelle: Soundcloud (kostenlos)

Tempo, Tempo, Tempo — das ist die Devise. Nur im Intro und im Outro geben euch die Komponisten ein wenig Zeit zur Erholung. Den Rest der Zeit pumpt das Adrenalin dank des gelungenen und schnellen Mix aus verzehrter Elektronik-, Rock- und den klar dominierenden Klassik-Klängen nur so durch die Adern. Und zwar ohne, dass es für den Hörer langweilig wird. Das Album gehört definitiv zu der Art von Musik, die man am besten bei voller Lautstärke durch die Boxen dröhnen lässt, damit auch die letzte Körperzelle den Bass zu spüren bekommt. Entsprechend nicht unbedingt die beste Wahl, wenn ihr euch Entspannen möchtet.

Persönliches Lieblingslied: Nr. 1 – Main Theme [1:43] (Anhören)
Im Vergleich zum Rest des Albums ist das Hauptthema sehr leise und langsam und wird selbst im weiteren Verlauf nur unmerklich schneller obwohl auch hier schon ganz klar die Rennspielthematik herauszuhören ist. Aber gerade weil die Komponisten davon abgesehen haben euch mit einem riesigen Paukenschlag ins Album hineinzuschleudern, sticht das Stück so sehr heraus und bleibt im Gedächtnis. Es ist quasi die Overture, die euch erst einmal in die richtige Grundstimmung hineinversetzen soll.

Dark Void Original SoundtrackDark Void

Komponist: Bear McCreary (SOCOM: Special Forces)
Umfang: 01:19:33 (27 Lieder)
Bezugsquelle: Amazon (19,99 Euro)

Wer hat da gerade Battlestar Galactica gerufen? Unterstellt ihr McCreary etwa, dass er sich bei seinen eigenen Kompositionen bedient hat? Also bitte, so etwas würde doch keiner machen. Aber Scherz beiseite: Wer den Soundtrack zur erfolgreichen SciFi-Serie kennt, der weiß sofort was ihn bei Dark Void erwartet und wird auch mehr als nur einmal die gleichen Klänge entdecken. Das ist aber nichts schlechtes, schließlich war schon die Musik zur Serie sehr gut gelungen und wer die mochte, der wird hiermit definitiv genauso glücklich.

Es fällt einem jedoch schwer das Gehörte so richtig in Worte zu fassen. Beim ersten Anhören klingt es wie ein klassischer Filmsoundtrack, wenn auch die Trommeln im gesamten Werk immer sehr dominant daher kommen. Schnell kommt aber auch das Markenzeichen des Komponisten hervor: Der Einsatz von teils abstrusen, aber vermutlich immer künstlich verzerrten Instrumente, die immer das Kunststück schaffen ungewohnt zu sein ohne aber gleich das gelungene Hörerlebnis zu zerstören. Definitiv ein Album, das man beim erstmaligem Anhören sehr unterschätzt.

Persönliches Lieblingslied: Nr. 6 – Archon [3:19] (Anhören)
„Ja, gib’s mir!“ würde ich am liebsten nach dem fulminanten Einstieg schreien und bin fast schon enttäuscht, dass es dann doch erst einmal ruhiger zur Sache geht. McCreary spielt hier geschickt mit meinen Erwartungshaltungen und liefert bis kurz vor Schluss ein adrenalinförderndes Auf und Ab in Sachen Tempo. Doch die treibende Kraft — die Trommeln — bleiben selbst in den ruhigen Momenten überraschend dominant. Sie geben dem Stück die nötige Dramatik und sie sind der eigentliche Grund, warum ich am Rand des Stuhls klebe.

Enslaved Odyssey to the West Original SoundtrackEnslaved: Odyssey to the West

Komponist: Nitin Sawhney (Heavenly Sword)
Umfang: 00:54:07 (18 Lieder)
Bezugsquelle: Enslaved Odyssey to the West Collector’s Edition (44,99 bzw. 46,95 Euro)

Mir liegt bei diesem Werk ständig der Vergleich mit Darren Korbs Kompositionen zu Bastion auf der Zunge. Doch das wird beiden Alben nicht wirklich gerecht. Obwohl sich durchaus Parallelen ziehen lassen beim Aufbau der Stücke und der Zusammensetzung des Albums, greift Nitin Sawhney nicht nur auf eine ganz andere Instrumentenpalette zurück und bleibt trotz vieler elektronischer Elemente eher klassisch in ihrer Auswahl. Der Soundtrack zu Enslaved – Odyssey to the West ist auch eine wesentlich traurigere Angelegenheit. Es gibt sie zwar, die fröhlicheren Stück wie beispielsweise „Catch the Dragonspy“ und auch echte Dramatik kommt in einem Stück wie „The Battle“ auf. Euch erwartet jedoch eindeutig eine Tragödie ohne echtes Happy End. Die vereinzelt eingestreuten Sprachsamples aus dem Spiel unterstützen diese Wirkung eher noch als sie zu relativieren.

Persönliches Lieblingslied: Nr. 8 – Back Home [4:59] (Anhören)
Das Sprachsample zu Beginn setzt den Ton für das gesamte Lied. Hier gibt es keine spannungsgeladenen Passagen voller Dramatik. Nur der traurige Gesang der Geigen und des Fagots, die von einer Geschichte voller Elend erzählen. Zwar versucht gegen Ende sanftes Getrommel doch noch etwas Hoffnung am Horizont auftauchen zu lassen, doch es kann das Leid nicht lindern und versinkt stattdessen zusammen mit dem Rest der Musik im Meer der Stille. Äußerst mitreißend.

Alone in the Dark Original SoundtrackAlone in the Dark

Komponist: Olivier Derivière (Obscure 2)
Umfang: 00:19:29 (8 Lieder)
Bezugsquelle: Amazon (28,99 Euro)

20 Minuten sind nicht gerade viel, vor allem wenn wir von einem Soundtrack zu einem Spiel reden. Doch diese 20 Minuten haben es in sich und werden euch definitiv im Gedächtnis bleiben. Das liegt natürlich vor allem am stimmgewaltigen Gesang des Frauenchors The Mystery of Bulgarian Voices. Die Damen waren 2007 sogar beim Eurovision Song Contest mit dabei, wobei das aus meiner Sicht kein wirkliches Qualitätsmerkmal ist, und machten wohl früher vor allem bulgarische Volksmusik. Bei Alone in the Dark werden sie aber auf jeden Fall ihrem aktuellen Namen gerecht und geben dem Album eine äußerst apokalyptische Note. Das klassische Orchester ist hier ganz klar nur zur Unterstützung mit dabei und hält sich meist im Hintergrund, macht aber dennoch eine genauso gute Figur.

Persönliches Lieblingslied: Nr. 1 – Prelude To An End [1:34] (Anhören)
Ich verstehe kein Wort von dem, was die stimmstarke Dame hier singt. Doch es klingt eindringlich, ja fast schon beschwörend. Gerade so, als würde sie vom Untergang der Welt verkünden oder dergleichen. Das sich stark zurückhaltende Orchester und der einsetzende Chor unterstützen dieses betrügende Gefühl noch zusätzlich. Da läuft es einem kalt den Rücken herunterunter.

[Ja, mir ist bewusst, dass im Kontext des Spiels und auch des Liednamens es ganz eindeutig ist, dass sie tatsächlich vom drohendenden Ende singen. Aber lasst mir doch meine pseudointellektuelle Schreibe :smile: .]

Ich wünsche viel Spaß beim Reinhören! Wie immer freue ich mich sowohl über eure Meinung zu den gewählten Alben als auch über Hörtipps eurerseits. Also nicht lange zögern und in die Tasten greifen! Solange ihr kein Battlefield 3 als euren absoluten Lieblingssoundtrack nennt, verspreche ich auch mich zu benehmen :wink: .

Und während ich diese Zeilen schreibe, neigt sich mein letzter Tag auf der Insel Föhr dem Ende zu. Schee wars, aber das wisst ihr ja schon. Schließlich ist der chronologisch letzte Eintrag aus der Serie als erstes erschienen :smile: .

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4 Kommentare

Die Siedler 7 – 10 – Golden Gems -> muss unbedingt erwähnt werden, find ich. Könnt ich mir den ganzen Tag in ner Endlosscheife anhören :) Ansonsten ist der Siedler 7 Sountrack wie auch das Spiel richtig klasse, habs ja eben erst durchgespielt und deswegen noch gut im Gedächtnis. Definitiv ne super Leistung von Dynamedion.

Und auch bei Split Second kann ich mitreden ^^ Und kann nur unterstreichen, was du sagst: passt super zum total abedrehten Stil des Spiels. Finde aber auch die Titelmelodie am besten. Wobei die mit dem Spiel auf dem Bildschirm noch mehr wirkt, da sie ne ungemeine Stimmung aufbaut. Klasse Spiel, klasse Soundtrack :)

Wenn ich mal wieder n Soundtrack einwerfe, dann der von Mass Effect 3. Auch wenn ich deinen Rant unterstütze, Christoph. Nur als Download? Und dann nur als .wav? Das war ne Aktion… Runterladen, konvertieren. Argh.

Das erinnert mich sehr gut, an dieses Bild hier:

http://thefuuuucomics.tumblr.com/post/197104 44195/submitted-by-inadeeplace

Alone in the Dark hat mich nach der Hälfte mit den Gedanken viel zu sehr zu MGS4 getrieben, aber gefällt mir soweit.

Das Enslaved Cover sieht besser aus, als Selbiges vom Spiel, aber den Soundtrack fand ich beim Andaddeln jetzt nicht sooo toll. Den Vergleich zu Bastion hatte ich unterbewusst nicht so. :/

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