Sicarius

Fusionierte Metroids

Dieser Eintrag wurde am 02. März 2012 verfasst.

Rund neun bis zehn Stunden Zug- und Schifffahrt sind eine Menge Holz. Da wird einem schnell langweilig. Wie gut, dass ich meinen 3DS mit im Gepäck hatte mit derzeit 22 Spielen auf der SD-Karte, für die ich alle keinen Cent bezahlt habe. Ihr wisst schon, die jeweils 10 NES- und GBA-Titel aus der Ambassador-Aktion und noch zwei Virtual-Console-Spiele aus anderen Werbedingern. In dieser Sammlung sind auch zwei Ableger einer langjährigen und äußerst erfolgreichen Spieleserie, aus der ich bislang wirklich noch überhaupt niemals auch nur einen Teil angespielt geschweige denn durchgespielt hatte. Es war also höchste Zeit das mal zu ändern.

Nein, es handelt sich nicht um ein The Legend of Zelda, denn A Link to the Past habe ich tatsächlich mal durchgespielt — wenn auch nur mit einem Emulator (und fand es sogar richtig gut). Außerdem sind sogar vier Zelda-Spiele auf der SD-Karte vorhanden (Teil 1, The Adventures of Link, Minish Cap und Four Swords Anniversary Edition). Ich meine stattdessen die Metroid-Reihe, genauer gesagt Teil 1 und Teil 4. Statt jedoch chronologisch korrekt zu starten, habe ich mich als Einstieg in das Universum für den Komfort entschieden.

Metroid FusionMetroid Fusion (GBA, VC) – Von Bagdadsoftware gibt es derzeit solide 3 von 5 Sics. Das wird jetzt für einige Nintendojünger sicherlich hart klingen, hat das Spiel doch damals zum Release die 90er-Wertungen nur so angehäuft und bei GamersGlobal würden nun vermutlich die ersten schon in die Kommentare springen und mich beschimpfen. Aber ihr seid ja nicht so und hört mich stattdessen erst einmal aus, oder :smile:?

Die Hintergrundgeschichte

Wer wie ich keinen Metroid-Titel kennt: Ihr spielt Samus Aran, eine Kopfgeldjägerin. Im Vorfeld von Metroid Fusion erkundet sie zusammen mit ein paar Wissenschaftlern den Planeten SR388 und stößt dabei auf den X-Parasiten. Einem Organismus, der einen exakten Klon (inklusive Erinnerungen) von allem und jedem machen kann. Natürlich wird Samus infiziert, überlebt aber dank ihrer Vorgeschichte mit den Metroids. Nur ihren Anzug muss sie wegschmeißen, stattdessen formen zusammengewachsene Reste des Innenanzugs ihre neue Rüstung (= der Zero Suit). Der Originalanzug wird dann auf eine wissenschaftliche Station geschickt und wer hätte es anders erwartet: Der Parasit breitet sich aus, übernimmt die Station und nur Samus kann die Welt oder das Universum oder was auch immer retten. Das übliche halt.

Ja, ich weiß, da steckt natürlich noch viel mehr dahinter. Aber ganz ehrlich: die Story war das letzte, was mich zum Weiterspielen motiviert hat. Das liegt allerdings weniger an ihrer Ausarbeitung. Im Gegenteil haben sich die Designer sogar sehr viel Mühe gegeben euch immer ein klares Zwischenziel zu geben, auch wenn es oft nur ein „Finde den Weg zum Datenraum und lade das neuste Upgrade runter“ ist, statt einfach nur zu sagen: Hier ist die Station, nun mach‘ mal. Metroid Fusion ist definitiv ein lineares Spielerlebnis. Leider setzen die Entwickler — zumindest hat es sich so für mich angefühlt — viel zu sehr voraus, dass man die Vorgänger gespielt hat. Und da ich das nicht getan habe, fehlte mir absolut jeder Bezug zu allem. Selbst das Schicksal von Samus tangierte mich deshalb herzlich wenig, da der Story-„Twist“ in mir nur schlichtes Schulterzucken auslöste. Und da auch viel von diesem komischen Computer abhängt, der irgendwas mit einem Adam zu tun hat, den ich aber nicht kenne, fällt jeder Monolog von Samus genauso ins Leere. Da ist nicht nur schade, sondern auch ein klarer Negativpunkt.

Frei begehbare Welt?

Wenn es also nicht die Story ist, was hält einen dann am Spielen? Nun, Metroid hat nicht umsonst sein eigenes Genre definiert, die Metroidvanias (oft auch als Castleroid bezeichnet wegen Castlevania, aber Metroid war zuerst da). Hinter diesem Begriff verbirgt sich ein nicht-linearer Sidescroller/Plattformer, heute sagt man schlicht Action-Adventure dazu. Sprich ihr werdet in eine Welt geworfen und könnt diese von Anfang an theoretisch frei und nach eigener Schnauze erkunden. Aber wie euch in einem Gothic viel zu starke Monster davon abhalten zu früh in bestimmte Gebiete zu wandern, setzen auch die Metroidvanias auf relativ organisch wirkende Hindernisse. In Metroid Fusion sind dies beispielsweise Sicherheitstüren, die zu Beginn noch verschlossen sind. Umgebungen mit extremer Kälte oder Hitze, denen Samus anfangs noch nicht standhalten kann oder schlicht Plattformen, die zu Beginn des Spiels unerreichbar weit oben sind. Entsprechend ist das Ziel in quasi allen Metroid-Spielen die in den Levels verteilten Upgrades zu finden und damit sich dann den Weg in die bislang verschlossenen Teile des Spiels zu bahnen.

Das besondere an Teil 4 ist nun, dass ihr vom Computer quasi immer gesagt bekommt: „Jetzt geh‘ in Sektor 3 und hol dir da das Upgrade für deine Raketen, damit du die und die Tür aufsprengen kannst“. Und es gibt auch faktisch immer nur genau einen Weg zum Ziel. Selbst das Backtracking hält sich überraschend in Grenzen, da sich immer überraschend neue Wege auftun, die nicht auf der Karte eingezeichnet waren, wenn man eigentlich „nur“ zurücklaufen müsste. Auch deshalb ist dieser Weg zum Glück nicht immer sehr eindeutig. Ihr müsst vor allem später im Spiel sehr oft darüber grübeln, was ihr tun müsst, um weiterzukommen. Stupides Ballern ist definitiv nur ein kleiner Teil des Spiels und selbst die Bossgegner erfordern hier und da einiges an Geschick und Köpfchen. Definitiv eine coole Sache und durchaus motivierend — zumindest die meiste Zeit.

Das spielerische Problem

Metroid Fusion AbschlussbildEs gibt zwei Sachen, die bei dieser Freiheit zum Problem werden: Zum einen werde ich für meinen Geschmack zu wenig vom Spiel an der Hand genommen, was die Funktionsweise bestimmter Upgrades beziehungsweise generell die Steuerung betrifft. Bestes Beispiel ist der Space Jump. „Drücken sie A um höher zu springen“ steht da auf dem kleinen Bildschirm. Das Ergebnis? Ich drücke wie blöd „A“ und komme nur schwerlich nach oben vorwärts. Erst nach dem Studium eines Guides habe ich erfahren, wie es eigentlich richtig geht. Oder auch die Sache mit dem Diagonalschießen. Vor dem Endgegner braucht man es nicht zwingend, also wusste ich bis dahin nicht einmal, dass es geht. Wieder musste ich erst nachlesen, dass es das überhaupt gibt. Wer die Vorgänger kennt, dem ist das sofort alles bekannt. Aber ich als Neuling brauche da dann doch etwas mehr oder zumindest eindeutigere Hilfe, liebe Entwickler.

Zum anderen läuft es auf verdammt viel Trial-and-Error heraus. Das ging sogar soweit, dass ich am Ende keine Lust mehr hatte und immer öfter in die Komplettlösung geschaut habe, sobald ich etwas länger an einer Stelle hängen blieb. Wenn ich keinen eindeutigen Weg sehe und dann in jedem Raum quasi jede Kachel bomben muss, in der Hoffnung, dass es irgendwo versteckt weitergeht, dann hört der Spaß irgendwo auf. Das hat nichts mehr mit Rätsel lösen oder Welt erkunden zu tun. Das erinnert mich an ältere Adventures in denen man den Bildschirm millimeterweise mit dem Cursor abfahren musste, um alle Hotspots zu finden. Kein gutes Design nicht nur in meinen Augen. Schlimmer wird’s dann noch gegen Ende, wenn der X-Parasit sich nach dem Ableben teils mehrfach in neue Gegner transformiert und erst nach deren Tod die nächste Tür aufgeht. Da muss man erst einmal drauf kommen! Auch hier bin ich mir sicher, dass das alles für Kenner der Vorgänger kein Problem ist. Aber ein gutes Spiel zeichnet sich durchaus auch dadurch aus, dass man eben nichts ein großes Vorwissen haben muss!

Dadurch verschenken die Entwickler erneut viel Potential, denn abgesehen davon kann sich Metroid Fusion spielerisch definitiv sehen lassen. Die Steuerung ist stimmig und lässt die Plattformeinlagen sehr angenehm flüssig von der Hand gehen. Die Kämpfe sind hingegen abwechslungsreich und anspruchsvoll gestaltet. Erneut muss ich hier speziell die Bosskämpfe hervorheben. Auch der Schwierigkeitsgrad steigt angenehm sanft an. Und was ich auch genial finde: Jedes einzelne neue Upgrade hat massive Auswirkungen auf den weiteren Spielablauf. Sinnloses gibt es nicht. Zumal sich die Entwickler auch die Zeit nehmen euch mit dem jeweiligen Upgrade vertrauter zu machen. Sprich, wenn ihr beispielsweise den Space Jump erhaltet, werdet ihr nicht gleich ins kalte Wasser geworfen und mit Gegnern bombardiert, sondern habt in den nächsten Räumen erst einmal in Ruhe Zeit euch damit vertraut zu machen. Mein Problem war ja nur, dass ich nicht verstanden habe, wie er tatsächlich funktioniert :smile: .

Bagdadsoftware meint: Als meine Einführung in die Welt von Metroid war Metroid Fusion spielerisch sicherlich eine gute Wahl. Trotz des vielen sinnlosen Rumprobierens und meinen Verständnisproblemen bei der Steuerung, ist es dank der Missionen doch wohl einer der zielstrebigeren Ablegern der Serie und lässt einen entsprechend nicht ganz so extrem viel allein. Kenner der Vorgänger sind aber ganz klar im Vorteil, nicht nur was die Story betrifft, sondern leider auch in Sachen Bedienung und beim generellen Vorwärtskommen. Im großen Ganzen haben mich diese Punkte zwar nicht vom Spielen abgehalten, aber ich würde lügen, wenn es nicht meinen teils massiv Spielspaß beeinflusst hätte. Unterm Strich hatte ich also durchaus meinen Spaß mit dem Titel, aber den einen Sic verweigere ich dem Spiel ganz klar deswegen, weil es nicht stark genug für sich selbst steht. Wenn ich die Vorgänger kennen würde, wäre er aber bestimmt drin gewesen.

Ich bin mir übrigens durchaus im Klaren, dass für den ein oder anderen der Text so rüberkommt, als wäre ich ein verweichlichter Spieler, der nur ständig an der Hand gehalten werden und bloß nicht selbst denken will. Dem halte ich entgegen, dass Benutzerfreundlichkeit und Herausforderung sich nicht gegenseitig ausschließen. Im Gegenteil: Je einfacher es mir ein Spiel macht mich in seiner Welt zu bewegen, sie zu verstehen und mit ihr zu interagieren, desto eher bin ich auch bereit mich intensiver mit ihr zu beschäftigen. Das bedeutet auch, dass ich dann nicht gleich beim ersten Anzeichen von Widerstand sofort entnervt aufgebe. Aber irgendwo muss auch die Verhältnismäßigkeit gegeben sein und auch wenn man das Alter von Metroid Fusion in Betracht zieht, ist hier definitiv eine deutliche Diskrepanz sichtbar.

Das Ganze hat auch nichts mit einer angeblichen Vercasualisierung zu tun, sondern ist eine sinnvolle und natürliche Evolution. Wer das nicht versteht und stattdessen weiter in seiner „Früher war alles besser“-Mentalität festhängt, der darf sich aus meiner Sicht nicht wundern, dass er heutzutage keine Freude mehr am Spielen hat. Um es extrem auszudrücken: In The Elder Scrolls V: Skyrim müssen auch keine Karten mehr mit der Hand gezeichnet werden. Beschwerden darüber, dass es deshalb zu leicht ist, habe ich trotzdem noch keine gehört. Ich glaube entsprechend eher, dass viele dieser Nörgler es einfach nicht ausstehen können, dass immer mehr Personen „ihrem“ Hobby frönen. Das ist ungefähr so wie mit denjenigen, die aufhören eine bestimmte Band zu hören, sobald sie angeblich „kommerziell“ wird.

Nun gut, genug Feinde für heute gemacht. Ich wünsche noch einen angenehmen Tag!

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2 Kommentare

"Komplettlösung" – ohne das hätte ich wohl nie einen Metroid-Teil durchgespielt. Mittlerweile hatte man in Fusion wenigstens etwas Hilfe, dass man weiß, wohin. Wenn man aber gerade in den vorherigen Teilen hing, weil der Scan mehrere Upgrades entdeckt hat und man keinen der Räume erreicht, dann probiert man an jeder Ecke rum, ohne zu Wissen, ob man es technisch überhaupt schon schaffen kann. Ich würde jetzt gerne die Theorie auf den Tisch packen, dass in der heutigen Zeit Metroid-Titel eigentlich genauso abgestraft werden müssten, wie manche schlechte SP Kampagne von BF3. Dem ist aber leider nicht so. Ich denke hier spielt das rein, was Sic anschneidet und Ron eigenständig thematisiert hat: Genre-Prägung durch ein Spiele / eine Spielserie und Nostalgie.

Mach dir nichts draus, Christoph. Mit den Metroid-Spielen bin ich auch nie warm geworden. Das ist mir schlicht zu fummelig, mit dem ganzen Backtracking und immer etwas frustrierender, je öfter man dann mal an einer Stelle hängt.

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