Sicarius

Die Rückkehr des echten Stahls

Kann mal einer den Frühling abschaffen? *schneuz* Blöder Heuschnupfen. Da bleibt einem Allergiker wie mir doch nichts anders übrig als den ganzen Tag drinnen zu verbringen. Aber während so einigen Leuten dabei äußerst langweilig werden würde, kenne ich diesen Begriff gar nicht. Ich habe beispielsweise ein paar Stunden mit einem alten Freund verbracht:

Eat Lead: The Return of Matt HazardEat Lead: The Return of Matt Hazard (X360, PS3) – Wie, ihr kennt Matt Hazard nicht? DEN ultimativen Actionhelden der 80iger und 90iger und des neuen Jahrtausends? Dabei war er doch in unzähligen Spielen die Hauptfigur, darunter Klassikern wie Matt Hazard 3D, A Fistfull of Hazard, Soak’em oder des bis heute unerreichten Arcade-Klassikers The Adventures of Matt in Hazard Land aus dem Jahre 1983. Matt Hazard hat schon Nazis in 3D getötet, da ist der Duke noch von links nach rechts gelaufen!

Zumindest behauptet das die Hintergrundgeschichte von Eat Lead: The Return of Matt Hazard, in der der Held sechs Jahre nach dem Rohkrepierer Haz-Matt Carts von Entwickler Marathon Megasoft aus der Versenkung geholt wird. Das Ergebnis ist ein Third-Person-Shooter, der sich selbst nicht einmal im Ansatz ernst nimmt und gleichzeitig am laufenden Band über die Konkurrenz lustig macht.

Ich habe sehr lange mit dem Kauf gezögert. Das Spiel erschien schließlich schon vor vier Jahren und tauchte seitdem immer mal wieder an meinem Horizont auf. Der Grund für mein Zögern abseits der fehlenden Hardware? Die Metacritic-Wertung von mageren 53%. Bei so einem Durchschnitt bin selbst ich sehr vorsichtig. Aber bei einem Preis von mageren vier britischen Pfund, habe ich nun doch einmal zugeschlagen. Das Ergebnis? 4 von 5 Sics.

08/15-Shooter

Spielerisch dürft ihr keine Offenbarung erwarten. Es handelt sich um einen durchschnittlichen und strikt linearen Third-Person-Shooter mit wenig Abwechslung. Ihr kommt in einen Raum hinein, Gegner erscheinen, ihr tötet alle und geht weiter in den nächsten Raum. Zwar haben eure Feinde tatsächlich etwas Hirn im Kopf — sie heben beispielsweise bessere Waffen auf, wenn sie sie finden und suchen immer Deckung –, dennoch macht euch hauptsächlich die Masse zu schaffen. Zudem kennt ihr sowohl euer komplettes Waffenarsenal (klassisches Material von Pistole über Schrotflinte zu Maschinengewehr) als auch alle Feindtypen (nicht einmal ein Dutzend) schon früh im Spiel. Die Kämpfe gehen zwar gut von der Hand, echte Überraschungen bleiben aber aus.
In kurz: Ihr macht in den ersten fünf Minuten des Spiels exakt das gleiche wie in den letzten fünf. Nicht einmal die obligatorischen Rail-Shooter-Sequenzen gibt es, die zumindest etwas Abwechslung in den Spieleralltag bringen würden.

Auch die Levels an sich sind eher vernachlässigbar. Ja, ihr seid immer wieder woanders unterwegs (Warenlager, Villa, Steakhaus und derlei) und dürft auch mal an die frische Luft. Aber kein Level bleibt euch wirklich in Erinnerung. Die durchschnittliche Grafik tut ihr übriges. Simple Texturen dominieren das Bild, die Effekte sind mau (auch im Soundbereich) und die Charaktere zeugen genauso wenig von äußerst hoher Qualität. Oder besser ausgedrückt: Es sieht wesentlich älter aus, als es tatsächlich ist. Aber, und das muss man an dieser Stelle schon noch erwähnen, es ist nicht potthässlich und hält (zumindest mich) nicht vom Spielen ab.

Der Grund

Eat Lead: The Return of Matt Hazard HerstellerbildDer Titel ist also spielerisch und grafisch mau. Es ist entsprechend völlig verständlich, warum viele Magazine nur Wertungen im 40-50% Bereich gegeben haben. Aber auch in diesen Tests wurde das sehr positiv hervorhoben, was mir (und einigen anderen Testern) eine wesentlich höhere Wertung wert war: Die Geschichte, die dazugehörigen Charaktere — allen voran Matt Hazard, als der gealterte Superstar, der schon alles gesehen hat — und der fantastische Humor. Gut, Humor ist wie immer Geschmackssache und tatsächlich gibt es eine wichtige Einschränkung: Ihr solltet die wichtigsten Spiele oder zumindest Trends der letzten zwanzig Jahre kennen, dann habt ihr am meisten vom Eat Lead: The Return of Matt Hazard. Und ja, im englischen zünden ein paar Witze wesentlich besser.

Und ja, ich bin mir bewusst, dass ich mit dieser Aussage quasi direkt gegen meinen Bericht zu Metroid: Fusion laufe. Dort hatte ich ja gerade bemängelt, dass zu sehr vorausgesetzt wird, dass man die Vorgänger kennt. Aber bei einer Parodie lässt sich dieser Maßstab nun einmal nicht ansetzen. Dieses Genre kann nur so funktionieren, unabhängig vom Medium.

Lachkrampf!

Und die Parodie gelingt hier voll und ganz. Schon die Prämisse mit dem Spiel im Spiel ist so völlig absurd, dass man nur darüber nur schmunzeln kann. Und dann feuern die Entwickler auch noch einen Gag nach dem anderen ab. Es geht schon auf den Ladebildschirmen los, die so ganz und gar nicht hilfreiche Tipps liefern wie beispielsweise die zweite (englische) Definition eines Tipps („(eng.) Trinkgeld für den Kellner“). Direkt im Tutorial lässt Matt dann die ersten Knaller los wie „Als hätte ich es in den sechs Jahren verlernt zu laufen“. Im weiteren Verlauf trefft ihr auf 2D-Sprites, die mit gebrochenem Deutsch sprechen. Tretet gegen einen Endgegner an, der verdächtig wie ein gewisser Hauptcharakter der Final Fantasy-Serie aussieht (inklusive Textboxen!) und helft einem Master Chef sich gegen außerirdische Besucher zur Wehr zu setzen. Und noch so vieles mehr, das ich gar nicht vorweg nehmen möchte.

Selbst die Achievements sind lustig gestaltet. Nicht nur gibt es jeweils einen dämlichen Kommentar dazu („You’re not PAYING for ammo. Feel free to use more.“ — wenn im zweiten Level die ersten Gegner alle mit einem Kopfschuss tötet), selbst die Konditionen für so manche Belohnung sind völlig absurd. So erhaltet ihr beispielsweise bereits nach dem Intro „It’s HAZARD TIME!“, dürft euch nach dem Tutorial über „Straight-A Student“ („It’s not like you could’ve skipped it anyway.“) freuen und erhaltet „Take 5“, wenn ihr das Spiel pausiert.

Bagdadsoftware meint: Ich habe mich in den rund 8 Stunden Spielzeit köstlich amüsiert. So viel habe ich selbst bei Duke Nukem Forever nicht gelacht, das ja auch viel auf Seitenhiebe auf die Konkurrenz gesetzt hat. Das hat mich das äußerst repetitive Gameplay quasi sofort vergessen lassen. Im Gegenteil könnte man sich sogar fragen, ob es nicht Teil der Parodie ist und absichtlich so gestaltet wurde. Aber ich glaube, dieser Illusion brauchen wir uns dann doch nicht hingeben. Es könnte spielerisch wie technisch so viel besser sein. Doch Eat Lead: The Return of Matt Hazard spielt man nicht wegen dem „anspruchsvollen und abwechslungsreichen“ Kämpfen. Wer glaubt genug Spieleerfahrung zu haben, um alle Witze zu verstehen und darüber lachen zu können (es sind viele Kalauer dabei), der sollte sich den Titel unbedingt zulegen. Viel kosten tut er ja nicht mehr. Ich hätte im Nachhinein ohne mit der Wimper zu zucken auch den vollen Preis bezahlt.

Ich habe mich am Wochenende aber nicht nur mit Matt Hazard beschäftigt, sondern auch mal wieder einen halbwegs aktuellen Film geschaut. Nämlich den hier:

Real SteelReal Steel – Wir befinden uns in der nahen Zukunft. Der Boxsport, wie wir ihn heute kennen, ist praktisch ausgestorben. Den Zuschauern wurde es zu langweilig. Sie wollten härtere, brutalere und kompromisslosere Kämpfe. Das ließ sich mit gebrechlichen Mannen nicht mehr machen. Also werden nun Roboter in den Ring geschickt, die teilweise bis zum „Tod“ aufeinander einprügeln. Sie besitzen zwar auch eine rudimentäre KI, werden aber dennoch noch von echten Menschen gesteuert.

Einer davon ist Charlie (Hugh Jackman), ein ehemaliger Boxer, der seine 15 Minuten im Rampenlicht schon länger hinter sich hat und nun mehr schlecht als recht von Event zu Event tingelt, um zu überleben. Dann stirbt jedoch seine Ex-Frau und er muss sich plötzlich um seinen Sohn Max kümmern. Der ist ganz angetan vom Roboterboxen, „findet“ seinen eigenen und möchte unbedingt mit ihm antreten, obwohl Charlie natürlich überhaupt nicht davon begeistert ist. Den Rest der Geschichte könnt ihr euch vermutlich denken. Die typische Vater-und-Sohn-Sache, vermischt mit ein wenig Rocky.

Überzeugend

Real Steel PromobildDas, was Real Steel so sehenswert macht, ist entsprechend nicht die Geschichte an sich, sondern wie sie erzählt wird. Ja, Max ist das typische nervige Kind, das mir in jedem Film auf den Keks geht. Charlie der nichtsnutzige Loser, der nur kurzfristig denkt, Bailey Tallet, die verflossene Liebe, Tak Mashido und Farra Lemcova als das ultimative Böse und so weiter. Mit Ausnahme der Bösen (dort ist es Absicht und passt auch sehr gut), kommen sie aber nicht als die klischeeüberladenen Langweiler daher. Sie wirken stattdessen menschlich und ich entwickele schnell ein echtes Interesse daran mehr über sie zu erfahren. Ihr Schicksal macht mich betroffen und ich fiebere bei ihrem Weg von der Unterwelt ins Rampenlicht richtig mit. Auch weil der Mix aus ruhigen, emotionalen und actionreichen Momenten genau passt. Gerade wenn ich das Gefühl habe, jetzt wäre es endlich mal genug mit der Schnulze, geht es wieder rund.

Womit wir beim hauptsächlichen Zugpferd von Real Steel angekommen sind. Schon bei Rocky haben schließlich die sehr gut gemachten Kämpfe sehr viel zur Faszination beigetragen. Und auch bei Real Steel sind sie ein starkes Zugpferd. Robotern dabei zuzusehen wie sie sich die Köpfe einschlagen war schließlich schon beim Prügler One Must Fall 2097 cool.

Dass die Kämpfe so gut geworden sind, ist wohl vor allem Steven Spielberg als Executive Producer zu verdanken. Er pochte laut Making of darauf, dass wie damals bei Jurassic Park echte und lebensgroße Modelle gebaut werden und nicht komplett alles am Computer entsteht. Und diesen Unterschied merkt man einfach sowohl in, als auch außerhalb der Kämpfe bei der Interaktion mit den menschlichen Charakteren. Wobei die CGI-Effekte schon richtig, richtig gut sind. Ich kann beim besten Willen nicht sagen welche Abschnitte jetzt mit den echten Modellen gedreht wurden und welche nur am Computer entstanden sind. Da störe ich mich nicht an irgendwelchen schlechten Effekten, sondern kann die dramaturgisch gut gestalteten und sich realistisch anfühlenden Kämpfe einfach genießen und ihnen immer wieder entgegenfiebern.

Bagdadsoftware meint: Ich war sehr positiv von Real Steel überrascht und gebe gerne 4 von 5 Sics. Wer mich kennt, der weiß, dass ich kleine Kinder in meinen Filmen überhaupt nicht mag. Entsprechend hatte ich hauptsächlich wegen den Roboterkämpfen den Kauf gewagt (und vieler positiver Reviews im Vorfeld von meinen vertrauenswürdigen Kritikern). Doch der Film ist eben doch kein Kinder- oder Familienfilm, wo nur der Humor im Vordergrund steht. Er nimmt sich trotz seiner leichten Momente durch und durch ernst und entsprechend kommt auch Max nicht als die typische Piepsstimme rüber, die einem den ganzen Spaß verdirbt. Um es zusammenzufassen: Real Steel ist mehr ein Werk für Männer als für Frauen und eine klare Empfehlung meinerseits. Schon allein wegen den genialen Kämpfen.

Ich wünsche noch einen angenehmen Feiertag!

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5 Kommentare

So, ich habe in letzter Zeit ein paar Filme gesehen und spamme hier einfach mal um es zu ordnen. Dein Eintrag hatte damals dafür gesorgt, dass der Film "Real Steel" auf meine "Must-Watch" Liste kommt, auch wenn ich weder ein Fan von Boxen, noch von der Idee des Films bin. Vielleicht wird’s ja doch was. ;)

Spam begins:

Marvell’s The Avengers – 5/5 Sics (Genau was ich wollte!)
The Grey – 5/5 Sics (ein guter Film wurde erwartet, ein großartiger Film ist es geworden)
Rubbel die Katz – 1/5 Sics (einmal anguggen, weil’s ein deutscher Film ist, dann vergessen…)
Haywire – 2/5 Sics (Enttäuschung, einzig die Bewegungsdynamik rettet auf 2 Sics)
Killer Elite – 3/5 Sics (Standardkost, aber noch unterhaltsam)
Battleship – 4/5 Sics (Überraschungstitel!Rihanna nervt nicht, sondern ist eher die Aggro Bitch)
Ghost Rider 2 – 2/5 Sics (Verschlechterung im Vergleich zum Ersten, Anti-Held floppt -> Trash)
Cowboys&Aliens – 3/5 Sics (Olivia Wilde&Craig machen nen guten Job, Ford kommt zu kurz)
Contraband – 4/5 (glaubhafte und spannende Story, seit Shooter wieder ein guter Wahlberg)
Town – 4/5 Sics (Lässt mich an PayDay – The Heist denken und gefällt)
Der Gott des Gemetzels – 5/5 Sics (HERAUSRAGEND, ich war richtig traurig, dass er so kurz war)
Metropia – 2/5 Sics (Passabel, aber durchaus ansehnlich. Der Stil war jedoch nicht der Meine)
Transformers 3 – 3/5 Sics (banal, aber Transformers und nette Effekte)
Die Mumie – Grabmal des Drachenkaisers – 4/5 Sics (Fast 5 Sics, aber dafür sind mir anfangs zu viele Sprünge&der Film ist zu kurz)

So, jetz hab ich auch Real Steel gesehen. Und… ich bin relativ enttäuscht. Achtung: teilweise Spoiler !

Zuerst das Positive: die Effekte sind klasse. Wirklich "langweilig" wirds fast nie. Das wars aber auch schon.

Denn jetzt das Negative: die Story ist – wie du schon sagst – extrem (!) vorhersehbar (1 Punktabzug), dazu fand ich – im Gegensatz zu dir – die Charakter dermaßen klischeehaft, dass ich ständig nur mit dem Kopf schütteln musste (1 Punktabzug). Grad Hugh Jackman als erfolgloser Vater treibt mich mit seinen offenkundig (!) dumm-naiven Entscheidungen zu Beginn des Films in den Wahnsinn. Hinzu kommt die Rolle des 11-Jährigen Sohns, dessen "Selbstbewusstsein" selbst für die heutige Generation Jungend maßlos überzogen ist (ich erinnere da z.B. an die Verhandlungsszene mit dem Typ im "Zoo"). Dass es zudem enorm unglaubwürdig ist, in dieser Geschwindigkeit zum Endkampf zu kommen und diesen dann auch noch zu dominieren ist einfach nur lächerlich. Da bauen vergleichbare Filme wie Rocky die Spannungs- und Glaubwürdigkeitskurve um einiges nachvollziehbarer auf. Mit einem veralteten, stark lädierten Robotor binnen zweier Kämpfe ins Finale zu kommen? …. Neeee du. Da hätte man noch viel mehr z.B. auf "Tuning" und Trainingseinheiten setzen müssen.

Alles in allem hab ich mir echt viel mehr erwartet. Selbst für diese naturgemäß vorhersehbare Art von Filmen, hätte ich mir mehr Tiefgang, Überraschungen und Spannung gewünscht. Da du keine Kommastellen bei den Sics vergibst, muss ich zwangsläufig auf 2 von 5 Sics gehen (sonst wärns 2,5 geworden).

Wobei ich gerade gut fand, dass Real Steel nicht ganz so tief in dieses "Montage"-Klischée abgerutscht ist. Ob es gar keine gab, weiß ich aber grad gar nimmer. Ist schon wieder solange her…

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