Sicarius

Driftender Aprilscherz

Wisst ihr, was das Schlimme am diesjährigen Aprilscherz ist? Irgendwo dort draußen in den Weiten des Internets gibt es mindestens eine Person, die auf so was tatsächlich abfährt. Menschliche Abgründe und so. Zur Erinnerung und für die Ewigkeit, so sah Bagdadsoftware gestern aus:

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(Draufklicken für die große Version)

Mit der Zweideutigkeit des englischen Wortes „Chick“ spiele ich bekanntlich schon länger rum und in diesem Jahr habe ich den „Witz“ schlicht auf die nächste Ebene gehoben. Inspiriert wurde das Ganze natürlich durch eine gewisse Pr0n-Seite, die ich aber selbstverständlich noch nie in meinem gesamten Leben besucht habe. Oder will hier etwa ernsthaft jemand etwas anderes behaupten? Dachte ich mir :smile: .

Alle Fotos sind übrigens von mir selbst gemacht und zeigen unsere eigenen Hühner. Allerdings stammten die vier Fotos von den Küken aus den letzten beiden Jahren und sind nicht ganz so brandaktuell wie die restlichen, die ich erst am Samstag aufgenommen hatte.

Ich für meinen Teil fand die Idee lustig (sonst hätte ich sie schließlich auch nicht umgesetzt) und ich hoffe, dass auch ihr zumindest ein wenig darüber schmunzeln konntet.

Nun aber genug der Aprilscherze. Kommen wir endlich zum eigentlichen Thema des heutigen Eintrags. Ich wurde von diversen Leuten gebeten meine Meinung zu einem Spiel kund zu tun, das erst seit Freitag im Laden steht. Und da ich ein netter Mensch bin, mache ich das doch auch nach meinen ersten gut 2-3 Stunden Spielzeit:

Ridge Racer UnboundedRidge Racer Unbounded (PC, X360, PS3) – Vorab muss ich mal wieder erwähnen, dass ich abseits des halbwegs guten 3DS-Ablegers Ridge Racer 3D bislang noch nichts mit der Serie zu tun hatte. Ihr wisst schon, mangels der benötigten Hardware und so. Entsprechend kann ich keine Aussagen darüber treffen wie stark sich das Spielgefühl im Vergleich zu den Vorgängern verändert hat. Aber ich weiß, dass es sich um eine erfolgreiche Arcade-Racer-Serie handelt, dessen Alleinstellungsmerkmal der Fokus auf Drifts ist.

Irgendwo dazwischen

Ein Arcade-Racer also. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass er sich mit den zwei großen Titeln in diesem Genre, Flatout: Ultimate Carnage und Split/Second: Velocity, anlegen muss. Ironischerweise ist mit Bugbear Entertainment der Entwickler der Flatout-Reihe auch gleich für Ridge Racer Unbounded verantwortlich. Im Vorfeld hatte ich deshalb durchaus die Hoffnung, dass es ein richtig gutes Spiel wird. Im Nachhinein stellte sich diese Zusammensetzung jedoch mehr als Fluch und weniger als Segen heraus. Warum? Weil Ridge Racer Unbounded versucht sich irgendwo zwischen den Stühlen einzuordnen. Auf der einen Seite möchte es ein driftlastiger Arcade-Racer sein wie seine Vorgänger, auf der anderen aber auch eine Zerstörungsorgie ähnlich Split/Second: Velocity. Am Ende schafft es weder das eine noch das andere anständig umzusetzen.

Durch das Driften sowie Windschatten fahren und Umgebungsobjekte und Gegner zerstören, füllt ihr im Domination-Modus mehr oder weniger schnell euer Power-Meter auf. Ist es voll, reicht ein Knopfdruck und ihr bekommt einen kurzen Boost. Ganz nützlich, aber jetzt noch nichts Besonderes. Seid ihr jedoch in Reichweite eines Gegners, könnt ihr ihn dank eurer hohen Geschwindigkeit von der Straße schubsen (und fahrt praktischerweise auch für ein paar Sekunden auf Schienen weiter, während die Zwischensequenz läuft). Oder ihr nutzt eure hohe Geschwindigkeit, um die eine oder andere Abkürzungen auf der Strecke freizuschalten. Warum um ein Stadion herumfahren, wenn es auch hindurchgeht? Anders als bei Split/Second: Velocity halten sich die Auswirkungen jedoch in Grenzen. Keine riesigen Schiffe, die effektvoll den Hügel hinunterrutschen oder riesige Türme die Einstürzen. Und auch zeitlich macht es keinen wirklich großen Unterschied, ob ihr jetzt hindurch oder vorbei fahrt. Ich hebe mir deshalb meine Power meistens für die Gegner auf.

Geschwindigkeitsgefühl?

Es rumst also nicht ganz so effektvoll auf dem Bildschirm. Muss ja nicht immer sein. Doch leider hakt es auch beim Driften. Ich hatte in meinen 20 Rennen noch kein einziges Mal wirklich das Gefühl die Kontrolle über den Drift zu haben. Stattdessen schlingere ich hilflos über die Gasse und verliere nur unnötig Zeit, die mich mehr als nur einmal das Rennen gekostet hat. Besonders deutlich wird das in den speziellen Drift-Events (verdiene durch Driften innerhalb des Zeitlimits Punkte). Egal welches Auto und egal wie oft ich es versuche, jedes Mal ist es reine Glückssache, dass ich die erforderliche Zahl an Punkte zusammenbekomme. Die meiste Zeit drehe ich eher Pirouetten. Anfangs habe ich das noch auf meine mangelnde Erfahrung geschoben, aber mittlerweile bin ich mir sicher, dass es nicht an mir liegt.

Aber halt: Ich bin leider noch lange nicht fertig mit dem Meckern! Was ist nämlich noch bei einem Rennspiel wichtig? Das Geschwindigkeitsgefühl! Wenn ich mit einem Tempo von über 200km/h über die stockdunklen Straßen fahre, dann müssen die Häuser nur so vorbeiziehen. Doch ihr habt es natürlich schon erraten: In Ridge Racer Unbounded ist das nicht wirklich der Fall. Schlimmer noch: Ich zuckele stellenweise buchstäblich über die Strecke. Das kann allerdings durchaus ein PC-exklusives Problem sein, obwohl meine Framerate immer hoch genug ist (Mikroruckler sind es nicht!) und fühlt sich auch nicht wirklich wie ein Einbrechen der FPS an. Es ist eher so ein Gefühl, als würden die Reifen kurz durchdrehen. Sehr komisch.

Lässt man diese Zucker außen vor, wird es aber auch nicht viel besser. Ich habe nie wirklich das Gefühl mit Karacho über die Straßen zu heizen. Da hätte zum einen etwas mehr Blur sicherlich gut getan und zum anderen etwas mehr Gewicht in den Wägelchen, damit sie nicht so über die Straße gleiten. So fehlt stattdessen ein echtes Gefühl von Trägheit, was wiederrum auch das Driften ruiniert.

Der 3. Negativpunkt

Ridge Racer Unbounded - Selbstgemachter ScreenshotDas klingt bislang ja nicht gerade nach einem sehr guten Spiel. Leider bin ich noch nicht am Ende der Aufzählung, denn ich muss mich auch dringend noch über die gegnerische KI auslassen. Die Cheatet nämlich was das Zeug hält. Damit meine ich jedoch nicht die Gummiband-Geschichte. Das ist eher zu eurem Vorteil und erlaubt euch auch spät im Rennen noch nach vorne zu kommen. Seid ihr erst mal an der Spitze und macht keine Fehler, dann tauchen die Gegner hingegen nicht plötzlich wieder in eurem Rückspiegel auf.

Nein, ich meine die Tatsache, dass sich ihr Boost- (in reinen Rennen ohne Zerstörung) und Powermeter mehr als offensichtlich automatisch füllt. Da wird auf einer Geraden einfach zweimal der Boost benutzt, obwohl es praktisch keine Möglichkeit zum vollständigen Auffüllen gab. Und auch in anderen Situationen, in denen ihr als Spieler selbst unter perfekten Bedienungen keine Power zur Verfügung hättet, fährt die KI euch mit einem blauen/orangenen Faden davon. Und zwar wie auf Schienen. Zwar machen sie durchaus auch glaubwürdige Fehler und fahren mal in die nächste Wand. Aber nicht, wenn ihr sie Abdrängen wollt. Da bleiben sie stur auf ihrer Spur und meist endet der Zweikampf damit, dass ein KI-Fahrer euch von hinten hineinfährt und euch schrottet.

Positives?

Jetzt wäre es eigentlich langsam mal an der Zeit etwas Positives über das Spiel zu sagen. Hatte ich schon den Soundtrack erwähnt? Nein? Gut, denn der ist zumindest aus meiner Sicht grauselig. Irgendwelcher Techno- und Dubstep-Kram (ja, Skillrex ist auch mit dabei), der nicht nur scheiße klingt, sondern auch schlicht von Tempo und Aufbau her nicht zu einem Rennspiel passt. Ist dann vielleicht das Streckendesign positiv hervorzuheben? Jein. Fahrerisch sind die Strecken durchaus gut gemacht, aber ich habe momentan vier Distrikte (mit je sieben Events) der Stadt freigeschaltet und zum einen ist es überall stockduster und zum anderen werden ständig die gleichen Streckenelemente recycelt. Das ist schon innerhalb eines Distrikts nervig, wenn ich dann auch in den anderen Stadtteilen immer wieder über dieselben Straßen brettere, dann geht mir das schon auf den Keks.

Aber die Fahrzeuge und die Grafik im Allgemeinen sind doch sicher gut? Nun, ich würde sie eher als solide bezeichnen. An die Grafikpracht eines Split/Second: Velocity kommt Ridge Racer Unbounded nicht heran, aber es ist trotz (oder vielleicht gerade wegen?) der ewigen Nacht nicht wirklich potthässlich. Auch nett ist die relativ große Auswahl an Spielmodi. Es gibt die Zerstörungsorgie Domination, normale Rennen, Time Attacks mit Stuntelementen, Frag Attacks, in denen ihr einen LKW steuert und Polizeiwagen rammen müsst und Drift-Events. Dazu eine Garage mit einer Vielzahl an Autos mit denen ihr euch austoben könnt. Richtig cool ist jedoch der integrierte Editor mit dem ihr euch fix eine neue Strecke basteln könnt. Das funktioniert wie bei Trackmania mit einzelnen, vorgegebenen Bauteilen, die ihr auf einem Raster zusammensetzt. Nachdem ihr die grobe Strecke festgelegt habt, dürft ihr dann auch noch die Details bearbeiten und den Modus festlegen. Geht selbst mit dem Gamepad überraschend flüssig von der Hand. Im Multiplayer-Modus erwarten euch entsprechende Challenges wie „Zerstöre innerhalb des Zeitlimits 40 LKWs“ von anderen Leuten und natürlich auch den Entwicklern. Es gibt jedoch genauso die Möglichkeit direkt und live gegen andere Spieler in den üblichen Modi anzutreten. Bislang habe ich aber noch keine anderen Mitspieler gefunden gegen die ich hätte antreten können.

Sowohl im Mehrspieler- als auch Einzelspielermodus arbeitet ihr euch im Rang hoch und schaltet so neue Autos, Strecken, Distrikte und Editorbauteile frei. Dazu gewinnt ihr Rennen, zerstört die Umgebung, fraggt andere Fahrer und verdient euch während jedes Events Awards wie „Erreiche 215km/h“, „Fragge 3 Gegner“ oder „Drifte 250 Meter“. Das ist auch die einzige echte Motivation zum Weiterspielen. Eine richtige Geschichte ähnlich eines Need for Speed: Underground gibt es nicht, obwohl im Intro zumindest etwas angedeutet wird.

Bagdadsoftware meint: Ich würde bislang noch nicht so weit gehen und sagen, dass ihr unbedingt komplett die Finger von Ridge Racer Unbounded lassen solltet. Ganz so grottig ist es dann doch wieder nicht. Wenn es so schlimm wäre, hätte ich nicht schon so viel gespielt. Aber mehr als ein solides Rennspiel würde ich es in Anbetracht der Konkurrent nicht bezeichnen. Wenn ihr unbedingt was Neues braucht, dann könnt ihr zum Budgetpreis sicherlich zugreifen und zwischendurch etwas Freude haben. Meine Empfehlung ist aber ganz klar: Holt euch lieber Flatout: Ultimate Carnage und/oder Split/Second: Velocity. Dort wird zwar nicht so viel gedriftet, aber sie wischen trotzdem beide mit Ridge Racer Unbounded den Boden auf. Und jetzt macht euch an ein echtes Flatout 3, Bugbear!

Mmmh. Jetzt habe ich schon wieder so negativ über ein Spiel geschrieben. Erst Metroid Fusion, dann Catherine und jetzt Ridge Racer Unbounded. Dabei bin ich doch eigentlich eher für das Gegenteil bekannt. Wird Zeit, dass ich meinem Ruf mal wieder gerecht werde :smile: . Wie gut, dass ich noch ein paar Spiele auf meiner Liste habe (u.a. 2x3DS, 2xXbox360 und 2xPC), zu denen ich unbedingt in den nächsten Einträgen noch was sagen möchte. Ich hab‘ ja noch einiges Aufzuholen von meiner Kur.

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2 Kommentare

Ich finde das Chick-Pics Design herrlischsch und fordere, dass Bagdadsoftware dauerhaft so aussieht. Mit dem Anstrich einer p0rn-Seite fühlen sich viele Menschen im Internet bestimmt heimischer und wir bekommen allein schon der Keywords wegen mehr Klicks. Am Besten am Scherz fand ich eigentlich das hier:

http://twitter.com/#!/BS_Kessy/status/186376923180572672

Ridge racer ist ein Autorenn-Spiel und interessiert mich daher kein Stück, sry q.q\\\"

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