Sicarius

Die Worte eines Verrückten

Im Donnerstagseintrag blieb ich euch noch eine Antwort schuldig. Und zwar die Antwort auf die Frage „Warum greife ich zur teuren Collector’s Edition?“. Heute weite ich die Frage sogar noch aus: „Warum schwöre ich so sehr auf eine Schachtel/DVD-Hülle/Was-auch-immer?“ Die Antwort? Weil ich vollkommen und absolut bescheuert bin (sieht man auch auf dem animierten Bild rechts)!

Animiertes Bild, auf dem der Webmaster eine Blem-Blem-Handbewegung machtTut doch nicht so, als hättet ihr euch das nicht schon hin und wieder gedacht. Spätestens wer mein Zimmer betritt und meine imposante Sammlung in der Realität sieht, kann nicht anders als (heimlich) mit dem Kopf zu schütteln über die tausende von Euros, die ich Jahr für Jahr in dieses Hobby investiere. Von dem Geld hätte ich mir mittlerweile vermutlich schon ein eigenes Haus bauen, zumindest aber ein niegelnagelneues Auto kaufen können — und das ist leider keine großartige Übertreibung. Ich könnte euch sogar die echten Zahlen nennen, da ich traditionell am Ende des Jahres eine Abrechnung mache. Aber die sind (noch) mein Geheimnis :smile: . Und dann greife ich auch noch zur wesentlich teureren Collector’s, Special oder Sonst-Was-Edition, ohne dabei drauf zu achten, ob überhaupt was Anständiges drin ist, was meinen Jahressaldo noch weiter nach oben treibt.

Isso!

Außerdem ist es die einzige rationale Erklärung für mein Verhalten. Azzkickr hat schon vor einem halben Jahr nicht nur eindeutig dargelegt, warum es dämlich ist Spiele am Releasetag zu kaufen. Er ist sogar noch einen Schritt weitergegangen und hat sich komplett gegen den Kauf von Spielen ausgesprochen. „Ausleihen“ ist sein Zauberwort. Wobei das in Zeiten der Onlineaktivierung und dem dazugehörigen Trend zur Kontobindung mittlerweile auch immer weniger eine Option ist. Aber das ist wieder ein ganz anderes Thema.

Fakt ist: Es gibt absolut keinen triftigen Grund, warum ich so viel Geld in mein Hobby investiere. Und dabei haben wir noch nicht einmal berücksichtigt, dass ich fast nur bei vergleichsweise teuren Onlinehändler OkaySoft einkaufe. Würde ich stattdessen genau hinschauen wo es das jeweilige Spiel am billigsten gibt, könnte ich selbst beim Kauf am Releasetag so einiges an Euros sparen.

Kleiner Umweg

Das hat jedoch einfach etwas mit einem, erneut völlig schwachsinnigem, Treuegefühl zu tun (ich kaufe seit mittlerweile 11 Jahren dort!). Ich bin schlicht mit dem Service äußerst zufrieden, fühle mich entsprechend sehr gut aufgehoben dort und erhalte so gut wie immer die Version des Spiels, die ich haben will solange keine verfassungswidrigen Symbole enthalten sind oder Amazon & Co. irgendwelche blöden Exklusivdeals abgeschlossen haben. Sogar Spezialwünsche werden wenn möglich erfüllt.

Im Prinzip könnte man die Jungs (und Mädels) mit dem netten kleinen Dorfladen vergleichen, für den Fall, dass ihr so was noch kennt. Sind ja vom Aussterben bedroht und werden jetzt sogar teilweise staatlich gefördert wieder aus der Taufe gehoben. Was? Ich wäre in der Hinsicht voreingenommen, weil meine Eltern so einen (nicht subventionierten) Dorfladen? Quark. Das macht mich zum Experten auf dem Gebiet! Aber ich schweife ab…wir wollten ja eigentlich über mein Kaufverhalten reden.

Spuck’s endlich aus!

Das Diorama aus der Ninja-Gaiden-3-Collector's-EditionWer so einkauft wie ich, der hat entweder zu viel Geld, oder gehört in eine geschlossene Anstalt. Da gibt es nichts zu diskutieren und ich würde auch jedem massiv davon abraten es mir nachzutun. Beenden wir also an dieser Stelle den heutigen Eintrag? Nein, natürlich nicht! Es mag keine rationale Erklärung geben, aber ich habe natürlich trotzdem meine fadenscheinigen Begründungen mit denen ich mir selbst vorlüge, dass das schon okay ist, was ich da mache. Ich bitte das Folgende entsprechend auch so zu behandeln :smile: .

  • Ein Punkt ist, dass ich gerne die Entwickler unterstütze. Klar, dass tue ich auch wenn ich rein digital kaufe, aber natürlich möchte ich auch meine Unterstützung herzeigen können. Das geht mit einem Textlink in Steam wesentlich schlechter als mit einer First-Print- oder gar einer Spezialversion des jeweiligen Titels.
  • Dann will ich auch immer mehr über die Hintergründe einer Entwicklung erfahren. Was ist da besser geeignet als ein Artbook oder eine Making-of-DVD, die es meist nur in den „höherwertigen“ Packungen gibt. Natürlich gibt es da qualitativ große Unterschiede. Aber selbst ein kleines Artbook ohne Text ist schon ein netter Einblick.
  • Ich möchte etwas in der Hand halten — und wenn es wie bei einem Battlefield 2142: Northern Strike nur eine leere Hülle mit einem Zettel drin ist. Es ist einfach ein ganz anderes Gefühl etwas physisch zu haben als auch nur eine Datei auf dem Rechner, die mit einem Tastendruck ins digitale Nirwana verschwinden kann. Es fühlt sich einfach so an, als wäre es mein Eigentum, auch wenn es natürlich nicht stimmt. Selbst wenn eine DVD in der Packung ist, besitze ich faktisch nur eine Nutzungslizenz, die mir jederzeit entzogen werden kann. Das hat aber auch Rondrer vor fast einem Jahr schon einmal an dieser Stelle festgehalten.

    Es lässt sich natürlich argumentieren, dass meine mp3-Sammlung auch nur digital auf dem Rechner rumliegt. Aber ich sehe Musik schlicht nicht auf derselben Stufe eines Spiels oder eines Films. Ich höre zwar viel, habe auch meine absoluten Lieblingsbands und kaufe gerne ihre CDs. Mir fehlt da wohl aber einfach die tiefere Verbindung. Es ist, vielleicht lässt es sich so am besten ausdrücken, einfach nicht Teil meines Hobbys.

  • Entsprechend nicht zu vergessen: Mein Faible für Spiele-Soundtracks. Die gibt es, wenn auch mittlerweile immer öfter nur digital, fast nur zusammen mit der Spezialversion des Spiels.
  • Ich finde es toll Figuren in meinem Zimmer aufzustellen. Das wird zwar vermutlich beim weiblichen Geschlecht keinen Eindruck schinden, aber es macht das Ganze individueller und heimelicher und zeigt in gewisser Weise auch, dass ich stolz auf mein Hobby bin. Es ist einfach etwas anderes, ob im Regal nur DVD-Hüllen stehen, oder davor ein Ezio thront. Außerdem sehen viele der Figuren schon sehr cool aus.
  • In meinem Kopf hebt mich der Kauf einer Spezialversion von allen anderen Spielern ab und macht mich zu etwas Besserem :smile: .
  • Die Spezial-Editionen von The Wichter 2 und Risen 2: Dark Waters

  • Ich liebe es Boxen auszupacken. Der Plastikgeruch beim Öffnen ist wie eine Droge. Aber auch das Anschauen der Innereien ist ein liebgewonnenes Ritual. Leider ist in der normalen Version ja maximal nur noch ein Zettel von einem Handbuch drin, da bleiben auch hier nur noch die Spezialeditionen. Es gibt einfach nichts Schöneres als ein Päckchen zu bekommen und sich dann erst einmal hinzusetzen und Schritt für Schritt die Goodies rauszuholen oder zumindest das Handbuch zu lesen.
  • Ich hab‘ derzeit nur eine 2MBit/s-Leitung. Da ist es mit dem „Ganze Spiele“-Downloaden wirklich scheiße. Schon größere Patches regen mich auf.
  • So eine Spezialversion macht optisch einfach viel mehr her, auch wenn die Verpackung früher oder später ins Großarchiv im Speicher verlagert wird. So eine riesige The Witcher 2-Collector’s-Edition-Box oder Stahlbarts Schatz von Risen 2: Dark Waters sieht einfach cool aus.
  • Ich möchte den Publisher dafür belohnen, dass er entweder überhaupt eine Boxed Copy anbietet, oder sich die Mühe macht eine schicke Spezialversion zusammenzustellen. Damit zeigt er mir, zumindest in meinem Kopf, dass ich ihm als Kunde eben doch nur eine Zahl in der Buchhaltung bin.

Zusammengefasst: Ich bin einfach ein Sammler und einen digitalen Download kann man so schlecht sammeln beziehungsweise macht eben nicht so viel her. Andere sortieren Briefmarken, kaufen alte Puppen oder horten Ü-Eier. Ich beschäftige mich eben mit Videospielen (und Filmen). Am Ende des Tages muss das keinen Sinn machen, solange ich dadurch nicht verarme, mein Leben vernachlässige oder ich schlimmstenfalls sogar durch mein Hobby jemandem Schaden zufüge. Und der Mensch braucht ein Hobby. Das ist derzeit eben meins. Es muss niemand wirklich verstehen oder gar nachvollziehen können. Eine „Leben und leben lassen“-Einstellung reicht völlig.

Ich schüttele schließlich auch nicht den Kopf mit dem Kopf, wenn ich wieder einen von diesen „Tuning“-Fuzzies sehe, die ihre Karre tieferlegen, getönte Scheiben einbauen, die Daten von der Heckklappe kratzen, ihren Kofferraum voller Bässe packen und für was weiß ich noch für unnötigen Scheiß Geld aus dem Fenster werfen. Diese Spinner!… Ähm ja, also denen gönne ich das natürlich auch, wollte ich sagen.

Ich wünsche eine angenehme Arbeits-/Schule-/Uni-/Urlaubswoche!

Print Friendly
Tweet about this on TwitterShare on FacebookEmail this to someone

2 Kommentare

Die gif musst Du noch auf Wiederholung stellen ;)

Nun, vor allem sorgt das Aufstellen von Packungen, Figürchen oder anderen Packungsinhalten für genügend Gesprächsstoff unter Gleichgesinnten. Wobei man jetzt auch sagen könnte, dass Du dafür im Grunde keinen neuen Kram in Dein Zimmer stellen müsstest – steht sowieso schon zuviel drin :tongue: "Hier und da, auf der Seite auch, weiter rechts, hinten links…" Man setzt sich hin, begutachtet das Tischlein und entdeckt der ist rundherum ebenfalls befüllt :laughing:

Ich bin auch ein Fan von Retail. Dafür spricht das "Was in der Hand haben", auspacken des Werkes und studieren von Details oder der generellen Aufmachung. Auf Collector Editions bestehe ich nur bei Ausnahmetiteln ("DAS SPIEL MUSS ICH UNBEDINGT HABEN / WÜRDE ICH MIR ZUM RELEASEH HOLEN!"), vor allem da ich sehr stark ein Auge auf die Preise werfe. Wenn dann nur Stickerzeug, ne Making-of-DVD und Artbook lieblos zusammengeworfen wurden, verzichte ich gern. Ein aktuelles Beispiel könnte Borderlands 2 sein: Da ist nichts so wirklich drin, was ich als "passend zum Spiel" empfinde. Klar, die Waffenkiste aus dem Spiel – keine Einwände. Aber Stoffkarte oder Bobblehead-Figürchen, neeeeee. Da wär mehr drin gewesen.
Es ist einfach schön wenn man bereits der Verpackung anmerkt, dass sich die Köpfe dahinter etwas gedacht haben. Das da keine Abtrennung stattgefunden hat, sondern Spiel und Gestaltung des ganzen drumherums sich wie aus einem Guss anfühlen. Die letzten Collector Editionen, die diesen Eindruck bei mir hinterlassen haben, war 'Darksiders' und weit davor 'Fallout 3' (die Lunchbox – herrlich!). Und das es nicht immer eine CE braucht um was schön verpacktes zu bekommen, ist etwa bei 'LIMBO' (auch wenn ich vom Spiel selbst eher enttäuscht war), 'The Whispered World' und 'Edna bricht aus' der Fall.

Das mit der Internetleitung war für mich früher kein Thema. Der Punkt kommt für mich aber seit einem Jahr dazu. Unabhängig vom 'früher und jetzt' habe ich Retail aber immer vorgezogen.

Problem, dem ich gegenüberstehe: Der Platz, den das braucht. Bis zum separaten Videospiel-Zimmer ist es noch eine Weile hin. Ein Wohnzimmer möchte man nur bedingt an jeder Wand und in jeder Ecke mit Videospielen dekorieren. Ich sehe mich nicht als Sammler. Sammeln kann man sowas wie… mh, etwa Zippo Feuerzeuge. Die dann schön in eine Vitrine platziert, fertig. Bei Spielen ist das irgendwie anders. Die Packung mal so aus den Regalen ziehen, vereinzelte platzverschwendend herumstehen lassen, beim einen so, dass die Vorderseite zu sehen ist, beim anderen etwas aufgeklappt… es ist mehr was zum "in die Hand nehmen". Angucken, hinten was durchlesen. Nichts zum Ausstellen in dem Sinne.

Meinen Brotkasen will ich irgendwann aber tatsächlich auch betriebsbereit in der Wohnung stehen haben – und nicht mehr im Keller lagern. Hach ja…

Bei Limbo steht allerdings auch "Special Edition" drauf :smile: . Alle Indie-Titel, die Headup nochmal als Retail bringt, kommen ausschließlich in einer Collectors oder Special Edition (oder im Falle von Isaac als Unholy). Du sollst ja als erfahrener Spieler auch einen Grund haben die meist 10 Euro mehr im Vergleich zur digitalen Version zu investieren. Wäre es da nur eine normale Retail, würde das ein normaler Mensch doch nicht kaufen.

Und bei The Whispered World war auch nur der First Print dick gepackt. Ab dem Second waren die Würfel beispielsweise auch nicht mehr dabei.

Dass machen aber mittlerweile auch viele Firmen, also dass die Erstauflage quasi eine kleine Special Edition ist. Da wird man als Releasetag-Käufer wenigstens etwas belohnt. Pre-Order ist allerdings wieder was anderes. Die Erstauflage steht ja so auch im Handel, wenn nicht bereits ausverkauft. Das Pre-Order-Gedöns gibts hingegen ausschließlich für Vorbesteller.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

:smile: :sad: :wink: :tongue: :-x :roll: mehr »
*