Sicarius

Vorbestellen — aber wo?

„Bestellen sie Monstersimulator XY bei GammelHop vor, um die exklusive Pistole 34 zu erhalten!“, „Nein, kommen sie lieber zum Eingeborenen, dann kriegen sie exklusiv die lilafarbene Rüstung!“, „Hören sie nicht auf die beiden. Nur bei uns, dem Hutmacher, kriegen sie die exklusive Multiplayer-Karte Timbuktu und den gelben Helm dazu!“ — Kaum taucht ein halbwegs gehypter Titel mit einem genauen Releasedatum in den Verkäuferlisten auf, schon geht es los mit den unsäglichen Pre-Order-Boni.

Damit meine ich jedoch nicht Vorbesteller-exklusive DLCs oder andere Extras, die jeder Käufer unabhängig vom Händler erhalten kann. Da fühlt sich zwar auch der ein oder andere auf den Schlips getreten, aber die Firmen tun natürlich alles, um euch einen Kauf am Releasetag schmackhaft zu machen.

Werbeflyer zur Pre-Order-Aktion von Hitman 5 bei GameStopUnd auch die andere Art von Exklusivdeals zwischen Publisher und Händler sind heute nicht unser Thema. Ich meine die Aktionen, wo eine bestimmte Spezialedition nur bei dem und dem Vertrieb zu haben ist. Das ist zwar auch nicht gerade kundenfreundlich und ich ärgere mich genauso wie jeder andere darüber wenn ich „gezwungen“ werde bei einem bestimmten Verkäufer zuschlagen zu „müssen“. Aber ich weiß zumindest, dass ich bei allen anderen Händlern, die auch diesen Deal unterschrieben haben, die genau gleiche Edition erhalten würde. Nein, ich habe ein Problem mit den ganzen DLC-Deals, welche die Publisher mit GameStop, Saturn, Amazon & Co. abschließen — und das immer häufiger.

Is‘ doch egal!

Klar, die Aktion hat für beide Seiten handfeste Vorteile. Die Händler können mit solchen Boni super werben und werden unter Garantie ihren Absatz entsprechend steigern können. Der Publisher kriegt hingegen seine Ware zu, für ihn, besseren Konditionen los ohne zu viel Aufwand treiben zu müssen. So ein zusätzliches Waffenmodell erfordert nicht viel Manpower und wird zudem zu einer Zeit in der Entwicklung erstellt, wo der Grafiker sowieso nicht mehr in Arbeit ertrinkt. Dass die Elemente absichtlich zurückgehalten werden, halte ich hingegen für ein Gerücht. Das wird wie die meisten DLCs separat angefertigt. Außerdem profitieren beide Parteien zusätzlich von den Werbemaßnahmen des jeweils anderen.

Gleichzeitig kann man aus Kundensicht argumentieren, dass diese Art von Pre-Order-Boni sowieso in 99% aller Fälle völlig sinn- und nutzlos ist. Gerade wenn die zusätzlichen Elemente definitiv nur über die Aktion zu haben sind, können logischerweise keine spielentscheidenden Sachen dabei sein. Was bringt es, wenn ein paar tausend Käufer in der westlichen Welt, vermutlich sogar noch verteilt über PC und Konsolen, Multiplayer-Karte XY gekauft haben? Die Wahrscheinlichkeit, dass sie die tatsächlich im normalen Spielbetrieb erleben werden, liegt ziemlich nah an den 0%. Das sieht man doch schon an Quake Live. Ich hatte ein Jahr lang das Premium-Abo. Die exklusiven Karten und Spielmodi konnte ich aber so gut wie nie spielen, weil es insgesamt zu wenige Premium-Kunden gab. Und selbst bei reinen Einzelspielerobjekten werden sich die Entwickler hüten die Balance zu stark durch solche Sachen zu verändern und so Gefahr zu laufen den Spielspaß negativ zu beeinflussen. Da ist es doch völlig egal, ob man jetzt den einen oder den anderen Bonus erhält.

Wo ist also das Problem an der ganzen Sache? Für uns als Konsumenten ist es ein netter kleiner Bonus, wenn wir es kriegen. Aber wir können auch genauso gut drauf verzichten. Und für Publisher und Händler ist es im Gegenzug eine klare Win-Win-Situation.

Das „Aber“

Nun, zum einen ist es aus Spielersicht blöd, weil man unter diesen Umständen niemals das „komplette“ Spiel erhalten kann, ohne es sich mehrfach zu kaufen oder gar irgendwelche Zusatzperipherie zu erstehen. Es geht ja mittlerweile schon so weit, dass sogar DLC-Codes bei Mäusen, Mauspads, Kopfhörern und ähnlichem Mist dabei sind. Egal ob sinnlos oder nicht — da bleibt immer ein fader Beigeschmack und doch ein Stück weit das Gefühl etwas zu verpassen. Vor allem wenn dann im Spiel irgendwo dominant ein „Lösen sie ihren Code ein“ zu sehen ist. Zum Beispiel damals in Das schwarze Auge: Drakensang, wo im ersten Gebiet ein NPC steht, der von mir als Spieler einen Geheimcode haben möchte. Im ersten Moment könnte man durchaus meinen, dass das ein ganz normaler Quest ist. Erst nach etwas Recherche kommt man drauf, dass es sich hier um eine exklusive Pre-Order-Aktion von Amazon handelte. Nicht schön. Allerdings gibt es diese NPCs natürlich auch bei „normalen“ DLCs, entsprechend ist dies nur ein halbes Argument gegen diese Exklusivdeals.

Es ist zum anderen aber auch, zumindest aus meiner Sicht, ein sehr gefährlicher Trend. Noch sind es nur kleine, nutzlose Boni. Aber wer weiß wo das noch hinführt? Schaut euch nur mal die Guild Wars 2-Thematik an. Die Collector’s Edition gibt es überall zum Vorbestellen. Wirft man jedoch einen genaueren Blick darauf (oder hat jemanden wie JakillSlavik, der sich auskennt :smile:), wird man einen Unterschied feststellen: Bei einigen Händlern gibt es zusätzlich noch einen Early Access, die Teilnahme an den Beta-Wochenenden und ein exklusives Ingame-Item dazu. Wer nicht weiß, dass es da einen Unterschied zwischen offiziell von NCSoft genehmigten Händlern und normalen gibt, der kann sich da ganz schnell vergreifen. Vor allem da die ohne das zusätzliche Stuff auch noch billiger ist. Da greift ein normaler Käufer natürlich noch eher zu ihr. Und bevor mich Jakill jetzt in den Kommentaren korrigiert: Ja, ich habe die Sache etwas vereinfacht dargestellt. So kriegt man bei der einen Pre-Order schon vorab eine DVD-Hülle mit Key zugeschickt, bei der anderen erst zum Release die ganze Packung. Aber der zentrale Punkt bleibt: Ich als Käufer habe einen klaren Nachteil, wenn ich aus Unwissenheit oder weil ich nicht genau hingeschaut habe zur „falschen“ Edition greife.

Und von da ist es nicht mehr weit zu GameStop-exklusiven Story-Missionen oder alternativen Amazon-Enden, auch wenn ich weiter oben etwas anderes behauptet habe. Mit DLCs wie „Aus der Asche“ für Mass Effect 3 oder „Die Schatzinsel“ für Risen 2: Dark Waters, wo bereits relevante Teile aus dem Spiel geschnitten und als Pre-Order-Bonus für alle verkauft werden, wurde der Anfang ja bereits gemacht. Und wenn der jeweilige Händler genug Geld bietet, dann kann selbst der beste Entwickler auf Druck des Publishers schwach werden und seine Vision entsprechend anpassen.

Und das, meine Damen und Herren, will sicherlich nicht einmal jemand wie Azzkickr, der sich sowieso so gut wie kein Spiel mehr kauft.

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3 Kommentare

Na, wenn du dich da mal nicht irrst :P

Ne Spaß beiseite. Soweit solls natürlich auch in meinem Sinn nicht kommen. Dann würde auch ich anfangen zu protestieren. Aber alle anderen bisher bekannten Dreingaben etc. sind mir relativ Schnuppe. Da gehöre ich, mt deinen Worten gesprochen, klar zu den 99%.

Aber das ist natürlich generell wieder ne Sache der Betrachtung: entweder, man sieht das Spiel als beschnitten an (wenn man ein Item verpasst, weil man es bei X und nicht Y kauft), oder man sieht das entsprechende Item als kostenlose Zusatz-Dreingabe an, die es vor Jahren (im klassischen Vertrieb) garnicht gegeben hätte.

Wie auch immer: solche Dinge sind mir echt egal mittlerweile. Ich konnte dieses Gefühl, (insbesondere aufgrund solcher "Kleinigkeiten") "etwas nicht komplett erworben" oder "etwas nicht komplett erlebt" zu haben, Gott sei Dank loswerden :)

Klar, ein Hardcore-Gamer wird da anders argumentieren. Und aus seiner Sicht auch völlig zurecht. Aber ob ich jetzt z.B. noch eine Waffe XY habe, die sich aufm Papier nur KAUM, und für einen Non-Harcore-Spieler wie mich in der Praxis GARNICHT unterscheidet, ist für mich komplett belanglos.

Und, um nochmal auf deinen letzten Satz einzugehen und dich zu ärgern: Am Ende kommt eh die GOTY-Edition im Steam-Sale (oder in der Pyramide, oder im Amazon-Deal etc.) für wenig Geld, mit allen Inhalten :P

Positiv formuliert: die Industrie belohnt die treuesten und leidenschaftlichsten Fans mit speziellen Inhalten und dankt Ihnnen damit für ihr Vertrauen (genauso wie der Käufer im Umkehrschluss der Industrie dankt)

Negativ formuliert: die Industrie nutzt schamlos den (nur allzu menschlichen) Sammeltrieb und Komplettheitswahn geschickt aus und zieht den willensschwachen Käufern auch noch auf einfache Art und Weise den letzten Pfennig aus der Tasche.

Die Wahrheit liegt wohl wie häufig irgendwo dazwischen :)

Ich möchte direkt mal den größten Rant meines Lebens zu versuchen zu unterdrücken… ABER MEINE GÜTE DOCH MAL!!!1 SORRY IM VORAUS FÜR CAPTAIN CAPS… Ich hasse – ja wirklich!!! – ich hasse das Prinzip, das sie Guild Wars 2 gemacht haben.

Klar, ArenaNet hier… blah immer kundenfreundlich und alles… blah… wunderbare Inhalte der Collector's Edition und zusammen im Vorverkauf… genau DAS was ich will… aber diese Aufteilung… MEINE FRESSE!!! Dass sie es nicht einmal in Deutschland hinkriegen Amazon ins Vorkäufer (NICHT VORBESTELLER!!!) Programm für die Collector's Edition mit einzubringen, weil Amazon Deutschland richtig schön schröpfen will, ist schrecklich. Es nervt so sehr, weil sie unbedingt etwas Eigenes wollten – eine eigene Edition mit exklusiven Goodies und heraus kam „die Standard Edition“ eben, die nichts weiter als eine Retail ist, mit einigen Frühzugangsoptionen, zum Preis den Amazon sich vorgestellt hat. Anders kann man die Konkurrenz zum Release ja nicht wieder unterbieten. Wie soll da ein Unternehmen darauf reagieren, dass sowieso schon eine so komplizierte Unterteilung der Editionen vorgenommen hat und sich eigentlich um einen globalen Digitalvertrieb bemühte?

Die ganzen Gammeldienste in Deutschland, die sich die Exklusiv-Rechte für den Vorverkauf geleistet haben (GameStop, MediaMarkt, Saturn, 4u2play) sind alle meines Erachtens unwürdig, dieses Spiel zu vertreten. Allein MM und Saturn haben es bis heute verpennt, um einen vernünftigen Online-Service auf die Beine zu stellen, damit man bequem einkaufen und bezahlen kann… allein das Anlegen eines Accounts war während der Zeit unmöglich. Und dann hat jede einzelne Filiale – also genau das, worauf uns Dod aka Dennis immer hingewiesen hat – ein eigenes Süppchen am Kochen. Jedes Konzept kundenunfreundlicher als das andere … da muss man bestellen im nicht funktionierenden Online-Service, damit man im Geschäfft das Spiel vorkaufen kann und dann doch nur eine Box erhält, in der nichts drin ist. Die Box muss man dann zum Release zum MM/Saturn bringen, damit man die richtige Box erhält. Ähnlich obscure Konzepte hatten auch andere Märkte… aber dazu später. Am Schlimmsten, weil illegal war der GameStop, der unter der Hand eine Vorbestellung zur Vorverkaufsversion gestartet hatte, wovon natürlich nur die Stammkunden etwas wussten. Ich habe dort einen Account und alle Benachrichtigungen, sowie den Newsletter aktiv… selbst ich wusste nichts davon. Eine VORBESTELLUNG einer VORVERKAUFSEDITION!!! Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Ich bin ja schon ein krankhafter Suchtie, was GW2 angeht, aber das war und ist selbst mir zu abgedreht. Unfreundlicher geht es eigentlich kaum, wenn zahlende Kundschaft da ist. 4u2play war zu spät dran und hatte nur eine sehr begrenzte Anzahl an CEs auf Lager. Peinlich, aber entschuldbar.

Ich will die GW2 CE im Vorverkauf. Ich bin heiß darauf, verdammt. Ich muss sie haben. – Ja, das ist fanboy-ish und das darf ich auch mal bei einem Titel in meinem Leben sein. Das ist mir gestattet, denn da leistet sich der Webmaster viel viel schlimmere Dinge das ganze Jahr über, wie uns die Eintragsserie ja zeigt. (Ich hebe mal hervor, dass ich das auch mit neckischem Zwinkern meine und nicht abwertend). Dafür habe ich sogar in Kauf genommen die im Ausland zu bestellen und bin böse auf die Nase gefallen. 6-7 Wochen nach meiner Bestellung und zwei offiziell versäumten Beta-Wochenenden ist sie (Vorverkaufsbox) bei meinen Eltern eingetroffen – eine fahrlässige Frechheit für die auch wieder nur die Versandhäuser und ihre Praktiken verantwortlich zu machen sind. „Entscheide mit deinem Geldbeutel“ – das mache ich schon immer, aber … hier hatte ich für mich keine Wahl. Ich habe 7 Jahre auf dieses Spiel hingefiebert. Bei allen anderen Dingen lehne ich mich an Desura und Steam an. Da verkaufe ich zurzeit meine Seele weniger schmerzhaft, auch wenn ich mir bessere Alternativen zu Steam wünschen würde.

Ja, die CE ist ein netter Fan-Service, ArenaNet, aber leider habt ihr zusammen mit NCSoft versagt mir das Gefühl zu geben wirklich als Fan behandelt worden zu sein und ihr habt versagt in Deutschland eine befriedigende Lösung zum Erhalt der CE zu etablieren, da ihr die regionale Kontrolle aus der Hand gegeben habt. Jeder hat losgewildert und am Ende sind wir in der Anarchie versunken. Ich musste dann in Großbritannien bei Zavvi bestellen. Ein unheimlich mieser und unzuverlässiger Service. Soll das wirklich die harten Fans bei der Stange halten? Ich war in den letzten Wochen mehrmals am Schwanken. Wirklich! Ein Glück kam sie dann doch noch an.

An alle Interessenten von Guild Wars 2, die auf eine Packung verzichten können… buy.guildwars2.com ist die offizielle Seite. Kauft euch die kleine Edition (Digital Edition) oder die Digital Deluxe, falls ihr auch noch ein paar Goodies wollt. Das geht schnell, ist sicher und vor allem unkompliziert. Finger weg von Amazon und Co. Spart euch Nerven und Zeit und ignoriert den Preisunterschied, sofern ihr euch das leisten könnt oder wollt, dann habt ihr es gut. Ich würde mir wünschen, dass der Kauf über die Seite, das registrieren und runterladen des Clienten überall so einfach wäre und man das ganze Drumherum vergessen könnte. Die Praktiken beim Vorverkauf und beim Pre-Order müssen ein Ende haben.

@Azzkickr: In einer GotY-Edition sind diese händlerexklusiven Inhalte aus dem Pre-Order-Geschäft (bislang) nicht drin. Geht vermutlich vom Vertrag her nicht.

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