Christoph

Eine finale Einbildung mit Rhytmusgefühl

Da ich damals beim Test relativ wenig Zeit hatte und mich deshalb stark auf die Hauptgeschichte konzentrieren musste, wollte ich jetzt einfach nur die restlichen Nebenquests erledigen und die DLCs durchspielen (hatte mir nachträglich die Ultimate Edition geholt, da ich nur die geschnittene Collector’s Edition besaß). Mittlerweile zeigt Steam 22 zusätzliche Spielstunden an und ich habe noch nicht einmal die DLCs angefasst. Holla die Waldfee! Zum Glück hatte ich im Test keine Angaben zur Gesamtspielzeit gemacht :smile: . Und bevor einer fragt: Nein, die Wertung würde sich dadurch nicht noch weiter erhöhen. Die große Anzahl an gelungenen Nebenquests hatte ich bereits einfließen lassen. Außerdem hätte es eine 9,5/10 dann doch nicht verdient. Ich rede übrigens von Fallout: New Vegas, nur um das mal so nebenbei zu erwähnen.

Aber um diesen alten Schinken geht es heute gar nicht. Deshalb nur noch einmal so viel: Wer es immer noch nicht gespielt hat, sollte es so langsam mal nachholen. Definitiv eines der besten Rollenspiele des Jahres 2010 (wurde auch 2010 bei den NOCAs nominiert). Alles Weitere hatte ich damals schon auf den sechs Seiten Test erwähnt. Leider ist die Bugdichte trotz mehreren Patches immer noch recht hoch — inklusive vereinzelter, nicht nachvollziehbarer Abstürze.

Finale Einbildung

Irgendwie ist es schon paradox: Ich habe die Filme gesehen, ich lese die dazugehörigen Fancomics, ich finde die Spielwelt interessant, ich kenne halbwegs die Hintergrundgeschichte der einzelnen Spiele und ich mag die dazugehörige Musik (vor allem die Piano Collections). Dennoch habe ich bis heute keinen der…ja, keine Ahnung wie viele Teil es jetzt offiziell eigentlich sind — zählen die “-2″-Dinger dazu? Ich blick da nicht durch. — …unzähligen Final Fantasy-Titel auch nur angespielt. Gut, das liegt auch mit dran, dass sie bislang größtenteils exklusiv für PlayStation- und Nintendo-Besitzer waren. Aber selbst die vier, die es auch für PC gibt, habe ich noch nie gespielt. Und jetzt habe ich mir auch noch den neusten Ableger der Serie zugelegt und schon einige Stunden gespielt:

Theatrhytum Final FantasyTheatrhytum Final Fantasy (3DS, 2012) — Auf den ersten Blick handelt es sich hier um einen Guitar Hero-Klon, der ohne eine extra Peripherie auskommt. Und tatsächlich ist das grundlegende Spielprinzip das gleiche: Es laufen “Noten” über den Bildschirm und ihr müsst sie im richtigen Moment “spielen”. Und wie der Name des Spiels schon andeutet, sind 65 Musikstücke aus den 13 Haupttiteln enthalten.

Wobei diese Angabe mit Vorsicht zu genießen ist, denn die Intro- und Outrostücke der einzelnen Final Fantasy-Spiele (also 26 Lieder) sind zwar vorhanden, aber nur Teil eines anspruchslosen Minispiels, bei dem ihr euch ein paar zusätzliche Rythmia (die Währung im Spiel) verdienen könnt. Das Minispiel hat keinerlei sonstigen Auswirkungen und kann sogar komplett übersprungen werden. Aber fangen wir von vorne an.

Das Spielprinzip

Theatrhytum Final Fantasy besitzt drei Spielmodi: Serien, Herausforderungen und Chaos Schrein. Letzterer ist der, auch alleine spielbare, Multiplayermodus in dem ihr zwei Stücke hintereinander inklusive Bosskämpfe auf einem sehr anspruchsvollen Niveau meistern müsst. Zu Beginn steht euch jedoch nur der Punkt “Serien” zur Verfügung. Erst wenn ihr diesen beendet habt, habt ihr auch tatsächlich auf alle Stücke im Herausforderungsmodus Zugriff und könnt sie gezielt und auf einem höheren Schwierigkeitsgrad angehen (es gibt drei: Standard, Experte und Ultimate. Letzterer wird freigeschaltet, wenn ihr das Lied auf Experte geschafft habt.). Im Serienmodus wählt ihr das jeweilige Final Fantasy aus und spielt dann die dazugehörigen Lieder am Stück, inklusive den bereits erwähnten Intro- und Outropassagen.

Herstellerbild des Kampfmodus in Theatrhytum Final FantasyJedes Lied ist dann noch einmal in drei Kategorien unterteilt, je nachdem wo es auch im Spiel zum Einsatz kam. Hinter jeder Kategorie versteckt sich dabei ein anderes Spielprinzip:

    Kampfmusik: Von links nach rechts kommen auf vier Bahnen die Noten hereingeflogen und müssen möglichst exakt dann gespielt werden, wenn sie über den Kreis auf der rechten Seite laufen. Im Hintergrund läuft eine typische Final Fantasy-Schlacht ab und jede erfolgreich gespielte Note verursacht beim Gegner Schaden.

    Eventmusik: Der Spielkreis bewegt sich von alleine auf dem Bildschirm entlang und ihr müsst dann die angezeigte Note spielen, wenn er sich darüber befindet. Im Hintergrund läuft einfach ein Video ab. Bei Final Fantasy VIII beispielsweise passend zur Musik die berühmte Tanzszene.

    Reisemusik: Am unteren Bildschirmrand rennt eure Figur von rechts nach links und ihr müsst obendrüber die von links nach rechts fliegenden Noten spielen. Der Unterschied zur Kampfmusik ist, dass ihr den Kreis hoch und runter bewegen müsst, um innerhalb von gehaltenen Noten alle Unternoten zu treffen.

Die Noten

In den jeweiligen Modi begegnen euch dann drei verschiedene Arten von Noten:

    Haltenoten: Bei der Anfangsnote Stylus auf das Touchpad drücken und solange halten, bis die Endnote erscheint. Dann rechtzeitig loslassen.

    Drücknoten: Einfach nur kurz auf das Touchpad tippen.

    Ziehnoten: Den Stylus auf dem Touchpad in die angezeigte Richtung ziehen. Schnicken geht nicht. Er erkennt es wirklich nur, wenn ihr kurz zieht.

Das klappt auch alles sehr gut. Das Touchpad reagiert einwandfrei auf die eigenen Eingaben und man heimst auf dem Standardschwierigkeitsgrad sehr schnell die ersten S-Wertungen ein (typisch japanisches Zählsystem von S bis F plus Bonuspunkte wenn ihr alle Noten trefft). Was aber nicht heißt, dass das Spiel leicht ist. Ein paar Gemeinheiten gibt es auch auf Standard und auf Experte ist das Tempo schon wesentlich anspruchsvoller (und näher am Takt der Musik dran).

Herstellerbild des Reisemodus in Theatrhytum Final FantasyAnders als bei Rock Band & Co., lässt ein Fehler die Musik nicht falsch klingen. Sie wird hingegen einfach nur im Hintergrund abgespielt und dient im Prinzip nur dazu euch ein wenig den Takt vorzugeben. Eure eigenen Eingaben führen nur zu zusätzlichen Soundefffekten. Jeder eurer Fehler zieht euren vier Helden (dazu gleich mehr) stattdessen Lebensenergie ab. Ist die Lebensenergie leer, heißt es Game Over. Außerdem gibt es wie bei der Konkurrenz Bonusabschnitte (Gitarre hochreißen), die ihr hier durch perfektes Spielen einer bestimmten Sektion automatisch aktiviert. Und das Ziel ist es natürlich immer so perfekt zu spielen wie möglich, um am Ende eine möglichst hohe Highscore zu erhalten.

Das Rollenspielsystem

Soweit, so anders. Doch Entwickler indieszero setzt noch einen drauf und verbindet das ganze System zusätzlich mit Rollenspielelementen. Und zwar erstellt ihr euch zu Beginn aus bekannten Helden (jeweils einer pro Spiel) wie Cloud, Onion Knight oder Lightning eine vierköpfige Party zusammen. Jeder hat nicht nur unterschiedlichen Werten in Sachen Stärke, Magie, Gewandtheit und Glück, sondern auch jeweils ganz eigene Talente. Shantotto zum Beispiel hat einen Heilzauberspruch, der einmalig pro Lied zündet, wenn die Lebensenergie unter 75% sinkt. Und dann gibt es auch noch Gegenstände, die ihr jedem in die Hand drücken könnt wie Lebensenergietränke. Durch erfolgreiches Spielen schaltet ihr nicht nur zusätzliche Helden frei und erhaltet neue Gegenstände, eure Helden steigen auch im Level auf was ihre Lebensenergie und Attribute erhöht sowie neue Talente für sie verfügbar macht.

Stellt sich natürlich die Frage, wie sich das in einem eigentlich Skill-basierten Rhythmusspiel auswirkt. Die Antwort? Praktisch gar nicht. Natürlich ist es von Vorteil, wenn ihr etwas mehr Lebensenergie habt und entsprechend 2-3 Noten mehr falsch spielen könnt. Und ein höherer Glückswert erhöht die Chance darauf einen neuen Gegenstand zu erhalten. Aber faktisch ist der ganze Rollenspielpart nur ein nettes, wenn auch zusätzlich motivierendes, Beiwerk ohne wirklich extrem spürbare Auswirkungen — was natürlich absolut korrekt ist. In einem Rhythmusspiel muss Können über Erfolg oder Niederlage entscheiden und nicht irgendwelche Charakterwerte.

Die DLCs

Herstellerbild von den Charakteren in Theatrhytum Final FantasyWie erwähnt sind von Haus aus 65 Lieder enthalten. Und da die Bandbreite von Final Fantasy bis Final Fantasy XIII reicht und die Stücke direkt aus den Spielen stammen, sind diese auch untereinander sehr unterschiedlich. Die ersten paar sind sogar astreines 8-Bit-Gepiepse und keine neuen orchestralen Umsetzungen (was allerdings auch nett gewesen wäre). Wird natürlich nicht jedem gefallen, aber es gehört ganz klar dazu. Die Auswahl ist auch sehr gut gelungen und umfasst neben einer Vielzahl an ikonischen Stücken, ebenso das ein oder andere nicht ganz so berühmte Lied.

Leider stehen die Stücke nicht in voller Länge zur Verfügung. Scheinbar haben sich die Entwickler gedacht, dass man es den Spielern auf einem mobilen Gerät nicht zumuten kann 4-15 Minuten am Stück rumzumachen. Auf der einen Seite verständlich, andererseits aber auch extrem ärgerlich da sich so nicht nur die Gesamtspielzeit stark verringert, sondern eben auch viele gute Passagen fehlen. Positiv: Wer die Lieder nicht so gut kennt, dem wird das vermutlich erst nach dem mehrmaligen Spielen auffallen, dass da was fehlt. Die Schnitte sind gut gemacht und sehr unauffällig.

Und was macht man, wenn man alle Lieder perfektioniert hat? Den internen Shop öffnen und sich für 1 Euro pro Stück Nachschub kaufen. Derzeit stehen acht zusätzliche Lieder bereit und ich gebe offen zu, dass ich auch schon eingekauft habe. Ob der Preis zu hoch ist und 50ct nicht der bessere Deal gewesen wären, oder man zumindest ein Bundleangebot hätte machen können, darüber kann man sicherlich streiten. Bei so einem Spiel gehört DLC aber tatsächlich dazu und da ist es schön, dass von Anfang an auch Nachschub vorhanden ist.

Bagdadsoftware meint: Theatrhytum Final Fantasy zeigt, dass im Bereich der Rhythmusspiele doch noch Innovationen abseits von noch realistischeren Instrumenten möglich sind. Ganz ohne zusätzliche Peripherie kann ich hier meine Reaktionsfähigkeit auf abwechslungsreiche Art und Weise trainieren und dabei erstmals gute Videospielemusik hören. Der ganze Rollenspielpart ist zwar nicht mehr als ein nettes Beiwerk, motiviert aber tatsächlich zusätzlich zum Weiterspielen. Gleichzeitig muss ich aber auch ganz klar sagen: Wer mit Final Fantasy nichts anfangen kann, der wird mit dem Spiel auch keinen Spaß haben. Um für jeden interessant zu sein, ist das Ganze zu sehr auf das Universum abgestimmt mit seinen Helden und ihren Fähigkeiten, den Videos, die im Hintergrund ablaufen und auch die Musikauswahl (speziell die 8-Bit-Lieder) ist sicherlich nicht jedermanns Sache, vor allem wenn er mit japanischen Rollenspielen noch überhaupt nichts zu tun hatte.

Wen das nicht abschreckt, der bekommt hier jedoch ein sehr unterhaltsames Rhythmusspiel, das viele Stunden Spaß bereitet. Mir bleibt entsprechend nur noch zu sagen: Hoffentlich kommt bald Theatrhytum Kingdom Hearts, Theatrhytum KH/FF Piano Collections und/oder Theatrhytum Dragon Quest.

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Ein Kommentar

Das liest sich doch tatsächlich ganz interessant! Leider mangelt es mir an einem 3DS.
Mir ist aufgefallen, dass ich an meinem DSi die meiste Zeit (lasse ich Dragon Quest mal außer acht) in Rhythmus-Spiele gesteckt habe. 'Elite Beat Agents' und 'Rhythm Paradise' – aber meine Motivation, die verschiedenen Herausforderungen noch besser abzuschließen, ist enorm hoch.

Aber wirklich schade zu lesen, dass die Lieder beschnitten wurden. Stattdessen wäre doch eine Option fein gewesen, ob man Songs in voller Länge bewältigen will, nur zur Hälfte oder halt "für zwischendurch" (2:30 bis 3 Minuten..?).

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