Sicarius

Aufreger der Woche

Hohe Schwierigkeitsgrade und das Kopieren von Spielen waren mal wieder zwei heiß diskutierte Themen der vergangenen Woche. Bei ersterem ging es um einen, mittlerweile angeblich falsch übersetzten, Kommentar von Hidetaka Miyazaki. Darin hieß es, er würde gern Dark Souls mehr Spielern zugänglich machen und darum über einen zusätzlichen, einfacheren Schwierigkeitsgrad nachdenken.

Das andere Thema hatte mit der ungewöhnlichen Reaktion von Mikolaj Kaminski zu tun, dem Entwickler des nicht weniger ungewöhnlichen Indie-Adventures McPixel. Als er bei The Pirate Bay (aus naheliegenden Gründen keine Verlinkung) einen Torrent für sein Spiel entdeckte, ging er in die Offensive, verschenkte ein paar Codes für das Spiel direkt in den dortigen Kommentaren und verkaufte am Wochenende dann im Rahmen von The Promo Bay sein Spiel für einen „Zahl-was-du-möchtest“-Preis.

Soweit, so gut. Aber was habe ich mich beim Lesen der dazugehörigen Kommentare wieder aufgeregt, auch wenn es absolut vorhersehbar war.

Einbildung ist auch eine Art Bildung

Herstellerbild zu Dark SoulsBei Dark Souls kamen mal wieder die üblichen Verdächtigen aus ihrer dunklen Ecke und holten die hinreichend bekannten Argumente hervor. Während die einen wieder einmal behaupteten, dass der Titel doch gar nicht so schwer ist wie alle tun („Ich hab‘ es mit verbundenen Augen und einem Arm auf den Rücken gebunden schon zwei Stunden nach Release durchgespielt gehabt“), verteufelten die anderen wie gewohnt auch nur die Idee, dass „ihr“ Spiel „vercasualisiert“ werden würde.

Ich könnte an dieser Stelle genauso wieder meinen Punkt hervorbringen, dass ein herausforderndes Spiel sich nicht dadurch auszeichnet, dass man ständig stirbt, nur weil man noch nicht den Bewegungsablauf der Gegner auswendig gelernt und ein perfektes Timing drauf hat. Aber das werden diese Leute sowieso nie verstehen. Ich könnte ja ganz böse sein und behaupten, dass das vermutlich die „Nintendo-Generation“ ist, die für sich irgendwie rechtfertigen muss, dass sie so unendlich viel Zeit in absolut unfaire Spiele wie Ninja Gaiden oder Battle Toads versenkt hat. Aber das geht am Thema vorbei.

Das grundlegende Problem

Warum geht das am Thema vorbei? Weil Miyazaki nie davon sprach das Spiel insgesamt leichter zu machen. Er dachte angeblich lediglich darüber nach einen zusätzlichen Schwierigkeitsgrad einzuführen. Nicht nur den älteren unter uns dürfte das Konzept noch bekannt sein. Selbst in einem Call of Duty: Modern Warfare 3, Mass Effect 3 oder Halo Reach habe ich auch heute noch zu Beginn des Spiels die Wahl zwischen verschiedenen Stufen von Einfach bis Bockschwer. Schlimmer noch: Viele Titel lassen es mittlerweile sogar zu, dass ihr während des Spielens den Schwierigkeitsgrad anpasst oder empfehlen es sogar von sich aus, wenn ihr an einer Stelle ständig sterbt. Und umgekehrt gibt es zumindest ein Achievement als Belohnung, wenn ihr durchhaltet– oft sogar noch mehr.

Was fällt diesen Entwicklern nur ein den Spieler selbst bestimmen zu lassen, wie sehr er gefordert werden möchte? Echt unter aller Sau. Kann ja nicht angehen, dass die Elite unter der Elite der Elite dulden muss, dass „ihr“ Spiel auch von weniger würdigen Spielern von Anfang bis Ende erlebt wird. Ich schaffe nicht einmal die erste Glocke zu läuten, weil ich in Dark Souls trotz Guides schon an den ersten beiden Bossen scheitere? Perfekt. So soll das sein. Ich werde also nie die restlichen 90% des Spiels sehen, aber irgendwo da draußen holt sich gerade einer bei diesem Gedanken einen runter und ist wahnsinnig glücklich darüber.

Sehr schade, dass Namco nach dem Aufschrei dieser Volltrottel klein bei gegeben hat (und was anderes war diese Korrektur nicht) und die Korrektur nachschob. Ich für meinen Teil schäme mich nicht dafür, dass ich Spiele wie Devil May Cry 3 nur auf „Einfach“ durchgespielt habe. Stattdessen lege ich die Betonung auf „durchgespielt“ und finde es super, dass ich die Geschichte überhaupt komplett erleben konnte.

Spiele kopieren

Und das zweite Thema? Nun, ich finde es durchaus interessant wie Kaminski an die Situation herangegangen ist. Und es wird für ihn sicherlich auch das Sinnvollste gewesen sein, was er machen konnte. Doch darum ging es in den Kommentaren gar nicht. Stattdessen sammelten sich mal wieder die Pro-Piraterie-Leute und freuten sich darüber, ein vermeintlich zusätzliches Argument dafür zu haben, um ihr „Hobby“ zu rechtfertigen.

Man könnte ja meinen, dass darüber schon alles gesagt wurde, was es zu sagen gibt. Aber dass jedes Mal wieder die gleichen Diskussionen hochkommen, zeigt deutlich, dass viele absolut nicht lernfähig sind. Das wiederrum regt mich jedes Mal wieder auf. Deswegen noch einmal zum Mitschreiben für all diejenigen:

Illegales Kopieren ist keine zulässige Variante, um an ein Produkt zu zu kommen!

Das sage ich jetzt so einfach dahin. Aber was ist mit den ganzen tollen Argumenten, die angeblich für das Kopieren sprechen? Schauen wir uns doch einfach mal am Beispiel von Spielen ein paar an:

„Spiele/Software ist zu teuer!“

Sind 900 Euro für Adobe Photoshop CS6 ein Haufen Holz nicht nur für einen Privatmann, sondern auch für eine kleine Firma? Selbstverständlich. Sind für viele 50-60 Euro für ein Spiel sehr viel Geld? Sicherlich. Ist es in beiden Fällen ein fairer Preis? Kann man durchaus drüber diskutieren. Worüber man allerdings nicht diskutieren kann, ist die Tatsache, dass es sich vor allem bei Videospielen um ein Luxusgut handelt und man zudem immer eine Wahl hat. Heutzutage sogar noch mehr als früher.

Wenn ich mir das Programm oder das Spiel nicht leisten kann, dann schaue ich mich entweder nach Alternativen um (CorelDraw Graphics Suite X6 kostet nur 499 Euro, GIMP ist kostenlos und dergleichen), kaufe später (der Preisverfall bei Spielen ist noch extremer als bei einem neuen Auto) oder lasse es einfach sein — und das ist die allerwichtigste Möglichkeit! Weder ich noch du haben ein Recht darauf irgendetwas zu haben, nur weil wir es wollen. Und schon gar nicht, wenn wir es uns nicht leisten können.

SimCity 2000 auf DiskettenJa, die kleinen Jugendsünden seien verziehen, wenn es sich im Rahmen hält. Die beiden 3,5″-Disketten mit SimCity 2000 drauf habe ich sogar immer noch im Regal (siehe Bild. Ob die noch funzen?) und von einem Half-Life oder Diablo hatte ich damals auch nur einen Rohling. Mittlerweile natürlich alles im Original (und als Erstausgabe) vorhanden. Aber wer als 16jähriger halb Napster/KaZa/eMule/wasauchimmer leerlädt, der ist nicht entschuldigt.

„Es gibt keine Demo!“

Das ist schade, ist aber keine Rechtfertigung dafür sich „testweise“ das Spiel herunterzuladen. Es gibt Unmengen an Vorschauen, Testberichten und Usermeinungen (beides sowohl in Text- als auch Videoform), es gibt sogar die Möglichkeit sich viele Spiele offiziell auszuleihen. Alles völlig legale und für 99% der Spieler ausreichende Möglichkeiten sich über einen Titel schlau zu machen und zu schauen, ob er etwas für einen ist. Ach, und noch wichtiger: Es gibt die eigene Erfahrung, die einen schon beim Lesen des Namens in eine Richtung lehnen lässt. Nur das 14tägige Widerrufsrecht, das gibt es leider dank Accountbindung nicht mehr so oft.

„Wenn es mir gefällt, dann kaufe ich es mir auch!“

AAHAHAHHHAAAHAA. Wie? Du hast das tatsächlich ernst gemeint? Okay, wie viel vom Spiel reicht dir denn aus, um zu entscheiden, dass es dir gefällt? Stellst du erst nachdem du durch bist fest, dass es super war? Dann brauchst du es ja auch nicht mehr kaufen, sagst du dir dann bestimmt. Hast es ja schon mal durch und nochmal spielen? Ne, das machst du eh nicht. Es gibt sicherlich den ein oder anderen, der tatsächlich das Spiel nach der durchschnittlichen Demolänge kauft. Aber wir reden hier ganz klar von einer Minderheit. Der Rest lädt es sich runter, spielst und vergisst seine Kaufabsicht bereits nach der Installation wieder.

„Nicht jede Kopie ist ein Kauf!“

Das stimmt und die Milchmädchenrechnung der Firmen ist auch mir ein Dorn im Auge. Doch mit dieser Aussage verkennst du das grundlegende Problem: Jede Kopie ist eine zu viel. Selbst wenn nur jede 100. Kopie ein Kauf ist, macht das bei den teils riesigen Downloadzahlen eine Menge verlorenes Geld aus. Schlimmer noch: Für die 99 anderen Kopien muss der Entwickler/Publisher oft sogar noch draufzahlen, selbst wenn kein Geld in Kopierschutzmaßnahmen floss, beispielsweise durch die Bereitstellung der Mehrspielerserver.

„Eine Kopie hilft das Spiel zu verbreiten. Ich unterstütze also Publisher und Entwickler!“

Stimmt. Wenn viele das Spiel spielen und gut finden, wird es auch bekannter. Nur was bringt es dem Entwickler, der aufgrund der geringen Verkaufszahlen vom Publisher im Anschluss des Release geschlossen wird? Genau: Nichts. Lustigerweise schadet ihr euch damit auch gleich noch selbst. Der Nachfolger, den ihr euch jetzt so sehnsüchtig wünscht? Wird es niemals geben. Das Spiel hat sich ja trotz seiner vielen lautstarken Fans nicht gut genug verkauft.

„Gute Spiele verkaufen sich immer!“

Ich gebe offen zu, das habe ich auch mal gesagt. Leider sieht die Realität völlig anders aus. Egal wie niedrig der Preis, wie sympathisch der Entwickler oder wie gut das Spiel: Viele besorgen sich den Titel dann trotzdem illegal, statt dafür zu bezahlen. Die Begründung ist wohl, dass es immer noch einfacher ist als es normal zu kaufen. Aber das kann ich in Zeiten von iTunes, Steam & Co. absolut nicht mehr nachvollziehen. Was ist komfortabler als die 2-3 Klicks?

Epilog

Und so weiter und so fort. Es gibt so viele Argumente, mit denen sich die Raubkopierer sich ihr Tun selbst schön reden. Da könnte man noch 20 weitere Seiten mit füllen und doch nichts wirklich Neues sagen. Ich behaupte allerdings nicht, wie oben bereits erwähnt, dass ich ohne Schuld bin. Das ist höchstwahrscheinlich niemand. Der Wandel bei mir dürfte auch erst so mit Beginn meiner Ausbildung und meinem ersten richtigen Gehalt gekommen sein. Selbst die Originalversion der Adobe Master Collection ist noch nicht allzu viele Jahre auf meiner Festplatte. Von den MP3s ganz zu schweigen.

Doch es gibt leider viel zu viele, selbst ältere Spieler dort draußen, bei denen macht es anscheinend niemals Klick. Die wollen einfach nicht verstehen, dass das, was sie da tun, allen schadet. Nicht nur dem vermeintlich bösen Publisher und dem angeblich ignoranten Entwickler, sondern allen Spielern und damit am Ende auch sich selbst. Nur weil man Digitales nicht anfassen kann, bedeutet das nicht, dass es kein Diebstahl ist. Denn die zentrale Aussage zu diesem Thema ist:

Wir haben keinerlei gottgegebenes Recht darauf dieses oder jenes Produkt in Anspruch nehmen zu dürfen!

Können wir für etwas nicht bezahlen, dann müssen wir darauf verzichten. Da gibt es kein Wenn und schon gar kein Aber.

Ich wünsche eine angenehme Woche.

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2 Kommentare

"Können wir für etwas nicht bezahlen, dann müssen wir darauf verzichten. Da gibt es kein Wenn und schon gar kein Aber."

Da stimme ich dir mit einer Einschränkung zu: Für Luxusgüter sollte das natürlich gelten. Für lebenswichtige Dinge eher nicht. Allerdings wirst du das sicher implizit gemeint haben.

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