Sicarius

Schwarzer Tafelberg

Herstellerbild zu Half-Life: SourceWas war die Freude groß, als Valve ankündigte den Special Editions von Half-Life 2 das Spiel Half-Life: Source beizulegen. Das Original mit der neuen, 1000. Mal besser aussehenden Source-Engine? Immer her damit! Das Ergebnis? Absolut nicht der Rede wert. Oh, natürlich: Es gab jetzt „realistisches Physik- und Wassereffekte“, „verbesserte Beleuchtung mit sanften Schatten“, „Ragdollanimationen“ und eine 3D-Skybox. Die Änderungen fielen beim Spielen aber mal so überhaupt nicht auf. Zumal es Valve nicht einmal für nötig hielt die überarbeiteten Modelle aus dem HD-Pack von Half-Life: Blue Shift mit einzubauen. Somit war das Spielen von Half-Life: Source reine Zeitverschwendung. Das Original mit aktiviertem HD-Pack ist bis heute die bessere Wahl.

Jetzt könnte man natürlich behaupten, dass die Arbeiten an der Source-Modifikation Black Mesa aufgrund der Enttäuschung einiger Spieler über Half-Life: Source begonnen haben. Das stimmt jedoch nicht. Schon im September 2004, noch vor der Veröffentlichung von Half-Life 2 wurde damit begonnen. Aber die schlechte Qualität der offiziellen HD-Version half sicherlich dabei Unterstützer und vor allem Fans für das Projekt zu finden.

Am Freitag war es dann endlich soweit: Nach acht Jahren des Wartens wurde endlich die erste Version der Total Conversion veröffentlicht, in der 14 von geplanten 18 Kapitel enthalten sind. Es fehlt noch das komplette Ende, also der Ausflug nach Xen. Dieser soll sich komplett vom, in dieser Hinsicht absolut unterirdischen Original unterscheiden. Und auch wenn ich grundsätzlich kein großer Spieler von Mods bin (ich habe ja schon meine Last das Hauptspiel immer durchzubekommen): Auf Black Mesa habe auch ich mit Spannung gewartet.

Schick

Zum Verfassungszeitpunkt bin ich kurz vor Kapitel 9, Residue Processing. Wer sich noch an das Original erinnert: Ich bin gerade durch die Kühlkammer gelaufen, in der es so kalt ist, dass man selbst mit Anzug in kurzer Zeit ewig viel Schaden nimmt. Und bislang kann ich nur festhalten: Beeindruckende Arbeit, welche die Jungs und Mädels da geleistet haben.

Zu allererst fällt natürlich die schicke Grafik positiv auf. Obwohl die Version der verwendeten Source Engine auch schon wieder vier Jahre auf dem Buckel hat (Stand Orange Box, also Half-Life: Episode Two), merkt man dem Spiel das Engine-Alter überraschenderweise nicht so stark an wie beispielsweise in einem Left 4 Dead 2. Detaillierte und, noch wichtiger, hoch aufgelöste Texturen und äußerst schicke Lichteffekte hauchen zusammen mit den neuen Charakter- und Monstermodellen dem Black Mesa-Komplex neues Leben ein — und zwar buchstäblich. Die Atmosphäre einzelner Umgebungen ist teilweise komplett anders. Speziell das nun natürliche Licht durch den radioaktiven Abfall in den entsprechenden Abschnitten erzeugt eine viel coolere Umgebung, als es im Original möglich war.

Was nicht bedeutet, dass es technisch perfekt ist. Die Levels sind leider immer noch überraschend eckig, die Ladezeiten sind zwar weniger als im Original, aber dafür wesentlich länger und die Performance in manchen Bereichen ist sehr schlecht. Außerdem gibt noch den ein oder anderen Bug. Objekte, durch die man hindurchgehen kann. Ecken, in denen man hängegenbleibt und derlei Kram. Aber das ist alles nichts, was einem am Spielen wirklich hindert oder gar zum Neuladen zwingt. Aber es trübt natürlich doch den Gesamteindruck.

Gleich und doch anders

Herstellerbild zu Black MesaAuch spielerisch hat mich Black Mesa positiv überrascht. Im ersten Moment fühlt man sich zwar direkt zu Hause, stellt aber als Veteran schon während der Bahnfahrt im Intro fest, dass hier doch das ein oder andere etwas anders ist. Erstmals richtig extrem fallen die Unterschiede dann in Sektor C auf. Wo früher einfach nur eine Wand war, sind jetzt komplett neue und begehbare Büros entstanden. Als nächstes bemerkt ihr, dass die Brechstange nicht mehr da ist, wo sie im Original war (es gibt nun die Pistole zuerst!). Und dann stellt man plötzlich fest, dass komplette Spielabschnitte anders gestaltet sind, obwohl die grundlegenden Elemente und Ziele die gleichen geblieben sind. So ist beispielsweise das Gebiet mit der Rakete nun wesentlich offener und auch nicht mehr durch (Lade-)Türen durchschnitten.

Das klingt im ersten Moment vielleicht komisch und sollte Veteranen auf die Barrikaden bringen. Aber beim Spielen stellt man schnell fest: Das macht so wesentlich mehr Spaß. Nicht nur ist Black Mesa durch die großen und kleinen Erweiterungen beziehungsweise Kürzungen in den Umgebungen an sich wesentlich glaubwürdiger. Auch das Spielgefühl ist moderner. Vorbei ist beispielsweise die Zeit, wo ich mich über diese blöde elektrifizierte Pfütze im Kapitel Blast Pit geärgert habe, wo man umständlich aus dem anderen Raum die Kisten rüberschieben musste. Stattdessen müsst ihr zum Anschalten eines Generators erst das Drehdingens finden und es hintragen (ja, sehr viele Objekte lassen sich nun aufheben und auch werfen) oder einen Stecker finden und ihn ins richtige Loch stecken. Auch nicht unbedingt ein größerer Anspruch. Es erhöht allerdings den Spielfluss, ohne dass ich das Gefühl habe, dass es kein Half-Life mehr ist.

Und dann wäre da natürlich noch die im Vergleich zum Original extrem verbesserte KI von Freund und Feind. Speziell die Intelligenz eurer Begleiter wird euch positiv überraschen. Vorbei die Zeiten, in denen ihr einen Wissenschaftler eingesammelt habt und er direkt an der nächsten Ecke die Orientierung verliert. Im Bürokomplex konnte ich mir dadurch sogar eine kleine Armee von Sicherheitsbeamten aufbauen und sie sogar relativ effektiv für meine Zwecke missbrauchen. Allerdings gibt es auch hier noch diverse Aussetzer. Soldaten, die an einem befreundeten NPC einfach vorbeirennen oder befreundete NPCs, die sich von Beschuss nicht weiter irritieren lassen. Unterm Strich freue ich mich aber tatsächlich mittlerweile darauf einem bewaffneten NPC zu begegnen. Auch, weil die Kämpfe durchaus anspruchsvoller geworden sind.

Fazit: Subba!

Hat sich das Warten also gelohnt? Auf jeden Fall! Ich wäre zwar auch mit einer 1:1-Umsetzung zufrieden gewesen, sprich einem richtigen Half-Life: Source. Doch die Entscheidung der Entwickler sich vom Original mehr inspirieren zu lassen anstatt es einfach nur zu kopieren, war definitiv die richtige. Dank der Änderungen fühlt sich Black Mesa nicht wie ein 14 Jahre altes Spiel an, sondern kann locker mit modernen Vertretern des Genres mithalten und ist gleichzeitig trotzdem immer noch ganz klar Half-Life.

Egal ob ihr Fans des Originals seid, oder es bis heute nicht gespielt habt: Den Download von Black Mesa werdet ihr meiner Meinung nach nicht bereuen. Und da die Modifikation kostenlos ist und nicht einmal zwingend ein Source-Engine-Spiel voraussetzt, bleibt mir nur noch zu sagen: Nicht mehr länger zögern, sondern ab und die 3 GB herunterladen!

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3 Kommentare

Vor ein paar Tagen noch habe ich gemotzt, dass mich kein aktuelles Spiel mehr begeistert. Und dann kam diese Mod..

Ich bin von der Mod auch sehr begeistert. Und trotz der Neuerungen, vor allem im Leveldesign oder Bengalos als neu Waffe , fehlen die alten Gags nicht: Man kann immer noch bei dem Sicherheitsbeamten am Anfang den Alarm auslösen oder den Headgrap in der Mikrowelle brutzeln :laughing:

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