Sicarius

Traktor fahren — Die Hölle auf Erden

Herstellerbild zu DOOM II: Hell on EarthNachdem ich nun in rund 14 Spielstunden DOOM zum xten und DOOM II: Hell on Earth zum allerersten Mal ohne Cheats durchgespielt habe, kann ich nur noch einmal wiederholen, was ich schon während der Laberecke 2011 gesagt habe: Beide Titel sind auch heute noch absolut empfehlenswerte Shooter. Das labyrinth-artige und jeweils sehr unterschiedliche Leveldesign, die acht (in DOOM II dann neun) perfekt ausbalancierten Waffen, der gelungene (Midi-)Soundtrack mitsamt den coolen Soundeffekte (hier bitte gedanklich mein bekanntes Schrotflinten-Beispiel einfügen), die Herausforderung durch die vielen Monster und der relativ wenigen Munition auf den höheren Schwierigkeitsgraden — DOOM und DOOM II funktionieren selbst mit der eckigen Pixelgrafik 19 Jahre nach Release immer noch wunderbar.

Überleitung

Wobei DOOM II: No Rest for the Living, die ehemals Xbox-360-exklusive Zusatzkampagne von Nerve Software, deutlich zeigt, dass sogar noch viel mehr Möglichkeiten in der alten Engine stecken. Allein wie ich die Ingame-Karte des ersten Levels gesehen habe. Einfach nur krank. So was gibt es in den 42 Originallevels überhaupt nicht. Und selbst diese Kampagne würde angeblich noch nicht einmal ansatzweise alles zeigen, was Modder heutzutage so in ihre Karten packen.

Aber nun genug von der Hölle, den Dämonen und dem Geballere. Ist doch sowieso immer das gleiche, wie meine Frau Mama zu sagen pflegt. Deswegen habe ich am Wochenende auch mal das absolute Kontrastprogramm aufgefahren. Das hat sie gefreut und selbst de Vaddä hat mir mal (kurz) über die Schulter geschaut. Was das magische Spiel war, welches die Generationen zusammengebracht hat? Na der Landwirtschafts-Simulator 2013 natürlich.

Trägger fahr’n

Ich seh‘ schon die ersten mit dem Kopf schütteln, das Browserfenster schließen oder zumindest laut loslachen. Früher habe ich das auch getan. Doch mittlerweile muss ich ganz ehrlich sagen: Die Serie hat sich prächtig entwickelt — im Gegensatz zu vielen anderen „Simulatoren“. Ist der neue Teil perfekt? Weit davon entfernt! Sowohl technisch als auch spielerisch gibt es noch sehr viele Baustellen (dazu gleich mehr). Aber es ist mittlerweile definitiv eine gute (Wirtschafts-)Simulation, die ihren ganz eigenen Reiz hat und ja, auch Spaß macht. Fünf Stunden habe ich am Wochenende schon darin versenkt.

Keine Frage, speziell der Einstieg ist sehr langatmig und der Spielablauf sehr gleichförmig und auf ein Feld begrenzt: Grubbern, pflügen, sähen, düngen, warten, ernten, Ernte wegfahren — mehr ist es erst einmal nicht, zumal ihr euch die richtig coolen Fahrzeuge lange Zeit nicht leisten könnt. Das lässt sich auch nicht schönreden. Da lernt man schnell die Vorzüge der Helfer kennen. Ja, sie kosten 1 Euro alle paar Sekunden. Aber das holt ihr mit der nächsten Ernte locker wieder rein und könnt gleichzeitig entweder anderes machen, oder noch effektiver arbeiten. Zum Beispiel beim Mähen mit eurem Hänger nebenher fahren und gleich das Zeug aufnehmen. Oder dem Grubber gleich mit dem Pflug hinterher fahren. Oder ihr bringt derweil die Ernte zur Abladestelle beziehungsweise macht eine der sich leider schnell wiederholenden Missionen wie Rasen mähen oder ein paar Paletten irgendwo hinfahren, die ihr wahlweise alle 2, 5 oder 10 Minuten angeboten bekommt und dafür unrealistisch viel Geld bekommt.

Zuchthäuser, Äcker und Tiere

Die Möglichkeiten, die ihr als Bauer habt, sind im Vergleich zum Landwirtschafts-Simulator 2011 stark erweitert worden. Neben dem normalen Bewirtschaften eines Ackers, bei dem ihr die Wahl zwischen sechs Arten habt (Weizen, Gerste, Mais, Raps, Zuckerrüben und Kartoffeln), könnt ihr euer Geld auch mit Kühen, Schafen und Hühnern verdienen sowie mit speziellen Gebäuden. Wenn ihr die Kohle habt, dürft ihr nämlich Windkraft- und Solaranlagen bauen, Tomaten und Salat züchten oder Bienen halten. Alle diese Spezialgebäude füllen automatisch jede Ingame-Stunde euer Konto, kosten aber auch teils riesige Summen.

Wie ihr eure Zeit am Ende aufteilt, ist ganz euch überlassen. Die Welt ist euch von Anfang an offen und es gibt kein Spielziel. Um dennoch etwas Spannung in die Sache zu bringen, kann eure Aussaht nun nicht nur verfaulen, wenn ihr zu lange mit der Ernte wartet. Der sich dynamisch entwickelten Markt mit seinen mehreren Abnehmern ist auch noch einmal komplexer geworden.

Herstellerbild zu Landwirtschafts-Simulator 2013Liefert ihr beispielsweise viel Raps an der Gaststätte ab, wird er insgesamt billiger. Baut ihr keinen Weizen an, kann es passieren, dass er sehr gefragt wird. Zusätzlich gibt es hin und wieder Spezialereignisse, die auch den Markt mehr oder weniger stark beeinflussen. Und selbst ohne euer Zutun schwanken die Preise täglich teils stark. Da gilt es mitunter zu überlegen, ob ihr die neuste Ernte gleich verkauft oder doch erst einmal ins Silo steckt. Leider entwickeln sich die Preise zwischen den einzelnen Abnehmern nicht dynamisch. Geht der Preis für Mais nach unten, dann sinkt er überall. Und es gibt auch keine KI-Bauern, die auch den Markt beeinflussen könnten.

Leere Welt

Das ist auch das größte Problem des Landwirtschafts-Simulator 2013: Die große, aber total leblose Spielwelt. Euer Bauernhof ist schön weitläufig, es gibt ein größeres Dorf und viele nette Locations auf der Karte (dazwischen natürlich viele Felder für euch zum Kaufen). Aber es ist nichts los. Eine Handvoll Klon-Autos und -Menschen ist alles, was euch auf euren Reisen begegnen wird. Nicht einmal euer Radio in den moderneren Traktoren könnt ihr anschalten, um ähnlich wie in einem GTA etwas (Volks-)Musik zu hören. Da können die Soundeffekte noch so realistisch sein – irgendwann geht einem das ständige Getucker durchaus auf den Keks.

Und auch grafisch ist das Spiel immer noch weit von der Perfektion entfernt. Der fließende Tag- und Nachtwechsel sieht zwar schick aus, vieles wirft jetzt endlich einen Schatten und natürlich sind die mehr als 100 originalgetreuen Gerätschaften sehr detailliert gestaltet. Aber die Texturen sind verwaschen, Bäume, Häuser und Berge poppen dank mangelndem Level-of-Detail vor euch auf und die ganze Welt fühlt sich äußerst flach an. Wie cool wäre es denn, wenn man statt einer langweiligen 2D-Textur auf dem Acker dank Tesselation oder zumindest etwas Bumpmapping richtige Furchen erkennen könnte. Oder zumindest die Maisstangen Schatten werfen würden. Es hat sich seit dem Landwirtschafts-Simulator 2011 zwar einiges getan. Aber es ist noch sehr viel Luft nach oben — selbst wenn man Rücksicht auf die eigentliche Zielgruppe nimmt, die wohl meist eher einen älteren Rechner von Aldi zuhause hat. Ach und die Gummi-Physikengine spinnt leider auch immer noch sehr stark wenn ihr irgendwo dagegen fahrt.

Spielerisch vermisse ich hingegen vor allem die Möglichkeit noch stärker einen richtigen Bauernhof zu managen. Sprich mehrere Knechte einstellen, die einem wirklich komplette Arbeiten abnehmen und das Macromanagement reduzieren. Schweinezucht, Pferde und die dazugehörigen Ställe sowie Touristen („Ferien auf dem Bauernhof“) wären neben echten Jahreszeiten auch noch super Ideen für kommende Versionen.

Fazit

Dem Landwirtschafts-Simulator 2013 merkt man an, dass sich die Serie immer besser verkauft. Da scheint auch Astragon bereit zu sein etwas mehr Zeit und Geld in das Ding zu investieren und aus dem Titel mehr zu machen als nur den Witz des Jahres. Und das ist ihnen auch definitiv gelungen. Wir reden hier zwar immer noch über einen Titel, der maximal eine Wertung um die 70% verdient hat. Aber das ist schon wesentlich mehr als jeder erwartet hat und definitiv nicht mehr abgrundtief schlecht. Der aktuelle Ableger ist ganz klar der bislang Beste und vielleicht sogar gut genug für eine Nominierung für einen Bagdadsoftware NOCA. Mal schauen :smile: . Und die Modder werden sicherlich auch bei dieser Version erneut haufenweise cooles Zeug rausbringen.

Ich könnte mir also durchaus vorstellen, dass beispielsweise unser Azzkickr mit der aktuellen Version auch schon ein paar Stunden seinen Spaß haben könnte. Und bei einem Preis von gerade Mal 20 bis 25 Euro ist es jetzt auch keine Ausgabe, die einen in den Ruin treibt. Entsprechend kann ich — und ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sagen würde — den Kauf des Landwirtschafts-Simulator 2013 mittlerweile tatsächlich denjenigen empfehlen, die diese Art von Spiel reizt. Zumindest solltet ihr aber die Demo mal testen. Ich bin für meinen Teil bin sehr gespannt darauf, was der Landwirtschafts-Simulator 2015 für große Schritte macht und gehe dann mal wieder meinen Acker pflügen.

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2 Kommentare

Kann das Geschriebene 100%-ig bestätigen:

LWS2013 ist tatsächlich unterhaltsam. Und man merkt ihm an, dass er nicht (nur) zum Melken der Kunden produziert wird. Die Verbesserungen sind spürbar. Technische Schwächen, zu geringe Managementaspekte und die leere Spielwelt stören mich aber auch. Und ein Radio mit Volksmusik fänd ich überaus genial :)

Aber ja, ich hatte meinen Spaß mit der Demo! Kaufen? Hmm, dieses Mal noch nicht, aber ich kann mir in der Tat vorstellen, dass sich das mit der nächsten Version ändert. Vorausgesetzt sie packen die Mängel richtig an und erweitern das Spiel an den richtigen Stellen.

-> jetz aber erstma weiter mit Win 8 rumspielen :)

PS An die Programmierer hier:

mir is grad aufgefallen, dass man die Smileys nachträglich nicht mehr an vorangegangenen Textstellen einfügen kann, sondern immer nur am Ende des Textes. Lässt sich das ändern?

:wink:

*Smileytest*
Bei mir funzt's :smile:

on-topic: Ich bin vom LWS nachwievor nicht überzeugt, sowie von Simulationen an sich. :( :sad:

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