Sicarius

Return of the Game of the Year

Wisst ihr, worüber wir uns schon lange nicht mehr unterhalten haben? Nein, nicht das. Und das auch nicht. Iiiih, wie kommt ihr denn auf sowas?! Darüber haben wir uns doch noch nie unterhalten. Es ist echt schlimm mit euch. Ich meinte, dass wir uns schon lange nicht mehr über Minecraft unterhalten haben, dem Bagdadsoftware Spiel des Jahres 2010. Nachdem ich dem Titel diese Auszeichnung verliehen hatte, habe ich sogar ziemlich schnell wieder komplett mit dem Spielen aufgehört. Entsprechend musste ich mir vor einem Jahr auch JakillSlavik, Rikum und Malyce in den Podcast einladen, um mal wieder halbwegs auf den aktuellen Stand zu kommen.

Aber ich hätte diese Zeilen natürlich nicht geschrieben, wenn sich die Situation nicht mittlerweile wieder geändert hätte. Vor zwei Wochen hat mich tatsächlich mal wieder die Lust gepackt und auch Rondrer hatte ich sehr schnell wieder mit dem Minecraft-Fieber angesteckt. Wenige Stunden später war auch schon wieder ein Server für uns zwei aufgesetzt. Und seitdem sind mir wieder am Blöcke und Monster kloppen. Vielleicht nicht ganz so extrem wie vor zwei Jahren. Im Gegenzug aber dafür wesentlich organisierter und stilsicherer. Auch wegen den vielen neuen Möglichkeiten. Und wie es die Tradition verlangt, kommt auch der heutige Eintrag zum Spiel nicht ohne Bilder aus.

 Übersicht über unsere Basis

Hier seht ihr ein Luftbild von unserer Heimatbasis. Unten liniks das rustikale Haupthaus (hier kommt auch noch ein Bahnhof hin), dann unsere riesige Farm und darüber der Wachtturm. Neben dem Wachturm ist der Hafen zu finden und oben rechts seht ihr unsere kleine Tierfarm. Noch kein riesig großes Gelände, aber ein Areal gefüllt mit vielen coolen Sachen.

Sicarius‘ Schlafzimmer

Das ist mein schön hergerichtetes Schlafzimmer im Hauptquartier. Rondrers sieht genauso aus, nur spiegelverkehrt und mit einem anderen Gemälde an der Wand. Beide Räume sind durch eine Wand mit Fenstern getrennt. So können wir immer genau sehen, wenn der andere schmutzige Dinge in seinem Bett macht. Nicht, dass wir schmutzige Dinge in unseren Zimmern machen würden. Dafür haben wir doch gar keine Zeit!

Die Sitzecke

Gegenüber den Schlafzimmern ist unsere kleine, rustikale Sitzecke mit dem großen Kuchen, den ich extra zur Einweihung unseres neuen Eigenheims gebacken habe. Wie ihr seht, wurde er immer noch nicht komplett verspeißt. Und nach all den Tagen will ihn jetzt vermutlich auch keiner mehr haben. Bestimmt total verschimmelt. Ich glaub‘, ich muss ihn mal wegschmeißen bei Gelegenheit.

Blick auf unser Reich

Ein Blick von unserem Balkon im zweiten Stock in Richtung Wachturm. Dazwischen seht ihr unseren klar eingeteilten Großgarten mit allem was das Herz begehrt. Netherwarzen und Kakteen wachsen hier genauso wie Weizen und Kartoffeln. Es gibt zwar auch noch einen kleineren Garten, aber der ist nur für Melonen, Kürbisse und Karotten und ist außer Sichtweite angelegt.

Alchemistenstube

Bevor wir aber nach Draußen gehen, hier noch ein Blick in die Alchemistenstube im dritten Stock. In der Mitte steht unser Verzauberungstisch, links ist die Ecke zum Brauen unserer magischen Tränke zu finden. Dank des Panoramadachs definitiv ein Ort, an dem wir uns gerne und lange aufhalten. Vor allem wenn es Nacht ist oder es draußen mal wieder aus allen Wolken regnet.

Lagerraum

Im Keller befindet sich hingegen unser kilometerlanger (Vorsicht: Übertreibung) Lagerraum, in dem wir unsere mehr oder weniger wertvollen Ressourcen so lange einlagern können, bis wir sie brauchen. Außerdem gibt es hier eine Brennkammer mit 12 Öfen und neben jeder Kiste steht eine Werkbank. Lange Laufwege? Mit uns nicht! Wir holen uns die Materialien und craften an Ort und Stelle.

Übrigens öffnen sich alle Türen im Haus vollautomatisch bei Annäherung. Nur von außen nach innen, da müsst ihr noch selbst Hand anlegen. Sonst kommen vielleicht noch Zombies und Creeper rein und das wollen wir ja nicht. Reicht schon, wenn sie uns immer mal wieder den Garten unsicher machen.

Hauptquartier

Und wenn wir schon vom Garten sprechen: Jetzt sind wir endlich mal draußen. Müsste auch mal wieder geerntet werden, würde ich sagen. Rechts seht ihr den Zugang zu unserem Lager und hoch oben auf dem Berg thront unser kleines Haus. Sieht vor allem Nachts äußerst beeindruckend aus und ist schon von weitem zu sehen. Wir sind definitiv sehr stolz drauf.

Netherportal

Unter dem Haus in einer kleinen Höhle, befindet sich unser Portal zum Nether. Zum Tränke brauen brauchen wir ja immer höllisch viele Zutaten. Außerdem hassen wir Zombies. Deshalb machen wir da immer mal wieder einen Ausflug hin und machen den Nether unsicher. Wir haben sogar schon eine Netherfestung erfolgreich erobert. Aber das solltet ihr Zuhause nicht nachmachen. Das ist nur für Profis wie Rondrer und mir. Wir haben die Erfahrung und wissen genau was wir tun. Sterben? Pfff. Das ist was für n00bs.

Der Hafen

Das ist unser kleiner Hafen. Hier legen wir ab in Richtung New Bagdadsoftistan. Das hat Rondrer vor einigen Monden am anderen Ende der Welt entdeckt. Dafür ist er unzählige Stunden todesmutig und komplett geradeaus über das Meer geschippert. Ich bin immer noch überrascht, dass er diese Reise überlebte. Und dann hat er von der anderen Seite aus auch noch einen Tunnel gegraben. Eine beachtliche Leistung! Mittlerweile müssen wir entsprechend keine Boote mehr benutzen, um auf den anderen Kontinent zu gelangen. Die Schnellbahn ist vor kurzem in den Testbetrieb gegangen. Es fehlen jetzt nur noch kleinere Details bis die Expressverbindung zwischen dem gelobten Land und New Bagdadsoftistan fertiggestellt ist und für die breite Öffentlichkeit (= Tiere und Monster) nutzbar wird.

Unsere kleine Farm

Als letztes möchte ich euch hingegen unsere kleine Tierfarm zeigen. Aber bitte das Bild nicht an PETA oder jemand anderes vom Tierschutz weitergeben. Unsere Hühner, Schweine, Kühe und Schafe sind zwar freilaufend. Aber ihnen geht es so gut, dass sie sich vermehren wie Ratten. Entsprechend eng ist es in den Gattern geworden. Und das, obwohl wir schon eine Erweiterung durchgeführt haben. Die braune Wand an der Seite ist übrigens unser Creeper-Schutzwall. Wir hatten anfangs Probleme mit Ungezieger in den Ställen, deswegen musste die originalgetreue Nachbildung der chinesischen Mauer her. Seitdem ist definitiv Ruhe!

Ihr seht: Wir haben derzeit wieder viel Spaß mit Minecraft. Das liegt nicht nur an den vielen Neuerungen (auch was die grafische Abwechslung angeht!), die in den zwei Jahren dazugekommen sind (war ja damals sogar noch die Alpha-Version) sondern wie gesagt auch daran, dass wir nun mit etwas mehr Verstand an die Sache herangehen. Die Ergebnisse sind entsprechend auch schöner anzusehen. Zwar vermisse ich durchaus den Freefall-Tower ein wenig, aber ich bin mir sicher, dass dafür irgendwann auch ein würdiger und besserer Ersatz entstehen wird. Einen kleinen Sprungturm habe ich immerhin schon ans Hauptquartier angebaut. Wer das Spiel also immer ncoh hat: Weiterhin eine klare Kaufempfehlung.

Blöd nur, dass ich es mir in Hinblick auf die Bagdadsoftware NOCAs-Verleihung in weniger als einem Monat eigentlich gar nicht leisten kann so uralten Mist zu spielen…

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Ganze vier Stunden lang haben wir drei uns unterhalten (die meiste Zeit allerdings Azzkickr und Dod) und eigentlich ärgere ich mich schon ein wenig darüber, dass ich nach 1 1/2 Stunden die Aufnahme beendet habe. Schließlich ging es auch danach noch hauptsächlich um einige interessante Themen rund um die Rechnerhardware. Aber gut: Die Folge ist schon so für Bagdadsoftware-Verhältnisse zu lang und wer hätte das alles Schneiden sollen? Von daher passt das schon, was wir da fabriziert haben.

Die Folge

Und was haben wir fabriziert? Natürlich eine äußerst spannende Unterhaltung über die einzelnen Hardware-Bestandteile im Rechner. Eben der jährliche Hardwarerundumschlag. Statt jedoch wieder relativ ziellos drauf los zu diskutieren, hatte ich dieses Mal ein Rahmenprogramm festgelegt. Und zwar möchte ich mir nächstes Jahr mal wieder einen neuen Rechner zusammenbauen. Dazu hätte ich die beiden dann sowieso befragt, wenn auch erst im Frühjahr. Aber wenn ich schon zwei Fliegen mit einer Klappe erschlagen kann, dann sollte man das im Sinne der Effizienz natürlich auch tun.

Das war übrigens (wie geschickt ich das wieder gemacht habe :smile:) auch die wichtigste Erkenntnis unserer Diskussion: Leitungsmäßig gibt es weiterhin nur wenig Bewegung. Es geht stattdessen weiterhin vor allem darum Strom zu sparen und weniger Platz zu verbrauchen. Gleichzeitig kommen aber auch die „Gadgets“ stärker ins Lampenlicht: 3D, Videobrillen, hochauflösende Monitore und netzgebundene Speicher (NAS). Darüber reden wir entsprechend auch ausführlich, wenn nicht sogar unterm Strich am meisten. Außerdem dieses Mal mit dabei: Netzteile, da dies auch immer so ein großes Fragezeichen ist. Hier nutzen Dod und Azzkickr die Gelegenheit, um euch über das Herstellermärchen der großen Wattzahlen aufzuklären.

Mein Fazit

Die beiden waren sich insgesamt wieder ziemlich einig und vor allem Dod hat gerne sowohl Azzkickr als auch mir reingeredet. Dennoch: Die beiden wissen einfach, wovon sie sprechen. Das Ergebnis sind lockere 1 1/2 Stunden (ich verfalle Zwischendurch mal wieder in meinen Dialekt) voller interessanter und vor allem brauchbarer Informationen, nicht nur für mich in Bezug auf meinen neuen Rechnern, sondern auch garantiert für euch (was auch immer ihr so plant).

Mal schauen wann ich die beiden das nächste Mal zusammenbringe. Vielleicht eine Folge über Windows 8 im neuen Jahr? Spätestens aber zum Hardwarerundumschlag 2013 — in welcher Form dieser auch immer dann sein wird.

Nun ist es aber genug mit dem Begleittext. Los, Anhören und danach ab in die Kommentare!

Podcast Nr. 46 im Detail

Zu Wort kommen: Christoph „Sicarius“ Hofmann, Timo „Azzkickr“ P., Dennis „Dod“ Ziesecke

Zeitleiste:

  • 00:00:15 – Einleitung
  • 00:02:05 – Christoph erzählt von seiner aktuellen Rechner-Situation
  • 00:03:56 – Die CPU
  • 00:08:05 – Das Mainboard und seine Schnittstellen
  • 00:18:20 – Der Arbeitsspeicher
  • 00:24:09 – Die Grafikkarte
  • 00:25:25 – Timo bringt zusätzlich das Thema „3D“ ins Spiel
  • 00:28:28 – Dennis wirft das Thema „Videobrillen“ hinterher
  • 00:30:40 – Der Kreis schließt sich und alle kommen zurück zu den Grafikkarten
  • 00:37:32 – Der Monitor
  • 00:48:04 – Die Soundkarte
  • 00:55:38 – Die Festplatten/der netzgebundene Speicher
  • 01:03:38 – Timo erwähnt das Thema „Lautstärke“
  • 01:08:07 – Die Lüfter
  • 01:10:21 – Das Netzteil
  • 01:18:01 – Abmoderation
  • 01:18:48 – Ende

Technische Daten: 78:37min lang; 128kbit Qualität (Mono); 71,99 MB groß; Aufnahme mit Skype und Pamela for Skype; Editierung mit Adobe Soundbooth CS5

Musikcredits:
Intro: Brian Conrad, Sue Kasper, Justin McCormick – SimCity 2000 – Track 47 (Komplett)
Trenner: Brian Conrad, Sue Kasper, Justin McCormick – SimCity 2000 – Track 31 (Auszug)
Outro: Frank Klepacki – The Legend of Kyrandia – Pool Of Sorrow (Komplett)

Weiterführende Links:
Azzkickr – Azzkickrs Userprofil bei GamersGlobal
Dennis Ziesecke – Dennis‘ Userprofil bei GamersGlobal
Rechenmaschine – Das aktuelle System des Webmasters
Test: Welchen RAM für Intel „Ivy Bridge“? – Der von Azzkickr erwähnte Testbericht zu Arbeitsspeichern von Computerbase

Vorabankündigung
Wie im Podcast auch erwähnt, habe ich nun offiziell den Veröffentlichungszyklus auf „sporadisch“ geändert. Wenn sich etwas ergibt, werde ich einen machen. Aber genaue Termine kann ich euch derzeit entsprechend nicht mehr nennen. Schaut einfach regelmäßig auf Bagdadsoftware vorbei und/oder abonniert entweder den Podcast-Feed oder die iTunes-Seite.

Sicarius

Wir müssen reden

Ja wo isser denn, der angekündigte Podcast? Tja, da müsst ihr euch bei Azzkickr beschweren. Er und seine technischen Probleme sind nämlich schuld daran, dass wir am Montag nicht aufzeichnen konnten. Wenn ihr diese Zeilen lest, haben wir die Situation zwar bereits geklärt. Aber für das Schneiden blieb mir schlicht zu wenig Zeit (muss ja schließlich Desert Bus For Hope 6 schauen). Ihr müsst euch also noch bis Montag gedulden. Ihr werdet es aber vermutlich überleben. Da bin ich mir sicher :smile: . Als kleine Vorschau: Meine Gäste in Folge 46 sind mal wieder Azzkickr und Dod und mit dieser Information könnt ihr auch schon das Thema der Sendung erraten. Wenn nicht, dann bin ich sehr enttäuscht von euch!

Themenwechsel

Bildschirmfoto von GTTVEnde Oktober ging mal wieder ein Aufschrei durch die englischsprachige Spielepresse. Schließlich gibt es nichts worüber ein Journalist (egal in welcher Branche) lieber schreibt als über seine eigenen Kollegen. Sieht man ja daran, dass auch ich es schon wieder mache :smile: . Die deutsche Szene hat es, soweit ich es mitbekommen habe, hingegen kein Stück interessiert. Gemeint ist der Dorito-gate-„Skandal“. In Anführungszeichen deshalb, weil zwar einige Seiten darüber geschrieben haben und das Thema der „Journalisten-Ethik“ heiß diskutiert wurde, die ganze Sache aber spätestens nach einer Woche schon wieder in Vergessenheit geraten war. So groß kann der Skandal also gar nicht gewesen sein.

Aber um was geht es eigentlich? Nun, Auslöser der Diskussion waren drei zufällige Begebenheiten, die aber alle genau mit dieser Thematik zu tun haben: Als erstens hat Geoff Keighley von GTTV umgegeben von Doritos und Mountain Dew (Halo 4-Promo) Interviews abgehalten, zweitens hat Robert Florence in einer Kolumne bei Eurogamer auf einen britischen Journalisten aufmerksam gemacht, der Promo-Tweets gepostet hat, um eine PlayStation 3 zu gewinnen und drittens gab es die Sache mit der jungen Journalistin Lauren Wainwright, die unter anderem nebenbei für Square Enix gearbeitet hat. Aber am besten lest ihr euch einfach selbst den Kotaku-Report von Stephen Totilo durch, um auf den aktuellen Stand zu kommen.

Allgemein

Das Thema „Ethik im Journalismus“ ist auf jeden Fall etwas, worüber grundsätzlich ernsthaft diskutiert werden muss. Und das nicht nur in der Spielebranche. Wir reden hier schließlich von der vierten Gewalt im Staat, die massiv zur Meinungsbildung der Öffentlichkeit beiträgt und entsprechend völlig unabhängig sein muss. Da ist es wichtig, dass der Leser, Zuschauer und Zuhörer sich darauf verlassen kann, dass der Reporter keine eigene Agenda verfolgt. „Der Wahrheit verpflichtet“ sollte das grundlegende Motto jedes Berichterstatters sein. Egal ob er über Kriege oder über Unterhaltung berichtet. Das unterscheidet ihn auch vom gemeinen Blogger.

Die Realität sieht aber bekanntlich anders aus und entsprechend stark ist das Misstrauen heutzutage der Öffentlichkeit auch gegenüber Journalisten. Da müssen wir nicht erst nach Übersee zu Fox News & Co. oder nur in den Boulevard schauen (niemand wird ernsthaft behaupten, dass die BILD für unabhängige Berichterstattung steht). Die Frankfurter Rundschau, mit der es zu Recht derzeit absolut zu Recht den Bach runtergeht, könnte beispielsweise nicht linksliberaler sein. Oder der Spiegel und sein Internetpendant Spiegel Online, deren Markenrot definitiv keine zufällige Wahl darstellt, wenn man sich so die Artikel durchliest. Und solche Beispiele gibt es noch viele weitere, in allen Bereichen des politischen Spektrums. Die Mitschuld daran gebe ich übrigens dem Trend hin zum Infotainment. In ein 24 Stunden Unterhaltungsprogramm passt die Realität nun einmal nicht hinein, die der Empfänger schlimmstenfalls sowieso nicht hören möchte.

Der Spielejournalismus

Im Bereich der Spieleberichterstattung gibt es genauso, wenn nicht sogar noch stärkere Interessenskonflikte. Es fängt schon damit an, dass die Publisher den Magazinen Testmuster zur Verfügung stellen. Vereinzelt wurde entsprechend auch der Ruf laut, dass jeder sich ganz normal das Spiel im Laden kaufen sollte. Hier kommt dann gern als Gegenargument der Vergleich mit Automagazinen (warum immer Spiele und Autos?!), die sich ja auch nicht einfach mal einen Lamborghini kaufen können, um ihn zu testen. Es ist aber ein Punkt, der auf alle Bereiche zutrifft, bei denen Produkttests durchgeführt werden. Sei es Theaterstücke, Hotels oder egal was – es ist fast immer für den Reporter kostenlos. Die einzige Ausnahme, die mir einfällt, sind Restaurantkritiker. Hier gibt es wohl zwar auch schwarze Schafe, aber ein „richtiger“ Fachmann lässt das Etablissement eben nicht vorher wissen, dass er da ist. Das würde schließlich den Test verfälschen.

Ich persönlich sehe hier aber auch kein wirkliches Problem. In 99% der Fälle liegt es allein in der Hand der Redaktion ob sie a) überhaupt etwas mit dem Testmuster anfangen und b) wie dann der jeweilige Test (inkl. Bewertung) aussieht. Die einzig denkbare Einflussnahme wäre also, dass vielleicht eher ein Spiel getestet wird, wo auch das Testmuster vorliegt. Das ist allerdings, und das mag überraschen, mehr ein Punkt für unbekanntere Titel. Die Realität sieht nämlich schlicht so aus, dass wichtige Spiele so oder so (= interessieren viele Leute) behandelt werden, unabhängig davon, ob der Publisher jetzt was schickt oder nicht. Liegt hingegen ein Muster für ein unbekannteres Spiel vor, ist natürlich auch die Wahrscheinlichkeit höher, dass sich das dann doch jemand mal anschaut.

Krimskrams

SwagDann gibt es natürlich das Thema des „Swag“, sprich T-Shirts und derlei Krimskrams, den ihr auch von Messen wie der gamescom kennt. Allerdings sind die Varianten für Journalisten natürlich oft wesentlich höherwertiger. Da werden Kisten mit Sachen verschickt, die nicht nur vom Geldwert locker jede Bestechungsgrenze überschreiten, sondern auch vom Zeitpunkt her (zur Vorschau oder zum Test) in jedem anderen Unternehmen ganz eindeutig illegal wären. In der Spielebranche scheint es hingegen ganz normal zu sein. Klar, ab und zu verlosen die Magazine auch das Zeugs. Aber vieles wandert schlicht in private Taschen. Und wer glaubt, dass da was zurückgeschickt wird, der lebt vermutlich auf einem anderen Planeten. Das passiert allerhöchstens, wenn man gleichzeitig eine klickbringende News draus machen kann.

Wie geil so mancher „Redakteur“ auf das Zeug ist, hatte ich ja bereits in einem Eintrag nach der diesjährigen gamescom erwähnt. Und meine Meinung hat sich seitdem auch nicht geändert. Es regt mich auch jedes Mal wieder auf, wenn Swen Vincke von Larian Studios in seinem Blog davon erzählt, was er alles machen muss, damit jemand über seine Spiele berichtet (ja, ich weiß, ich zitiere den Blog gerne. Aber er ist halt auch so informativ). Das kann es einfach nicht sein. Ja, es ist nett wenn ich ein Divinity-T-Shirt kriege und ich freue mich natürlich auch drüber und behalte und ziehe es auch privat ohne schlechtes Gewissen gerne an. Aber es kann doch nicht sein, dass ich davon meine Berichterstattung abhängig mache oder mich anderweitig beeinflussen lassen!

Das Reisen

Am anderen Ende des Spektrums finden sich hingegen die Preview- und Reviewevents. Egal ob es nach Dubai (Spec Ops: The Line), Seattle (Portal 2), Dublin (Red Faction: Armageddon) oder einfach nur nach München (Dragon Age II) geht: Der Publisher hat hier die volle Kontrolle über die Spielsituation und tut gleichzeitig alles dafür, dass sich der Berichterstatter wohlfühlt. Sprich reichhaltiges Rahmenprogramm, umfangreiches Büffet und dergleichen. Der eigentliche Grund, warum man da ist — das Spiel spielen — tritt da fast schon komplett in den Hintergrund.

Auch hier gibt es sehr viele, die sehen solche Trips als selbstverständlich an und beschweren sich sogar, wenn sie nicht mitdürfen. Ob da die professionelle Integrität tatsächlich noch gewährleistet ist? Ich weiß es nicht. Ja, mein bezahlter Besuch in Dublin war ganz nett. Aber ich hätte die Spiele genauso gut, wenn nicht sogar besser irgendwo in einer Firmenfiliale in Deutschland oder Zuhause anspielen können. Und da reden wir nur von einer Vorschau. Ein Test bei einem Publisher-Event? In meinen Augen ein absolutes No-Go! Selbst wenn Zuhause die Deadline ruft, ist der Druck dort ein ganz anderer, als wenn du nur zwei Tage mit einem unbekannten System (womit ich nicht nur PC, sondern auch Konsole und Fernseher meine) hast und dir dabei ständig ein PR-Vertreter über die Schulter schaut. Das mag demjenigen vielleicht nicht einmal bewusst sein, aber das hat garantiert einen Einfluss auf den Test und zwar egal, ob dieser positiv oder negativ ausfällt.

Ich bin im Nachhinein entsprechend ganz froh, dass mein Ausflug nach Dublin bislang mein einziges derartiges Event war. Und bei den innerdeutschen Sachen hatte ich zum Glück immer die erwischt, wo es kein großes Tamtam Drumherum gab, wenn überhaupt. Bei Dark Souls saß ich beispielsweise in Frankfurt ganz alleine in einem abgedunkelten Raum. Und selbst beim Previewevent zu Dragon Age II in München, saß ich mehrere Stunden mit Köpfhörer am Rechner ohne das mich irgendeiner belästigt hat und ich konnte tun und lassen was ich wollte.

Die andere Kategorie

Und dann wäre da natürlich auch noch die andere Sache: Sich bei den PR-Leuten einschleimen oder gar für sie arbeiten (=Pressemitteilungen einfach übernehmen oder sogar Aufträge annehmen wie im Falle von Lauren Wainwright) beziehungsweise selbst Entwickler sein und über sein Projekt berichten, wie es derzeit bei Rock Paper Shotgun der Fall ist. Allerdings ist die Seite sowieso schon von Haus nicht einmal im Ansatz irgendwie Objektiv (auch bei den News nicht), von daher ist das schon fast wieder egal.

Es ist eine Sache, wenn man im Sinne einer guten Zusammenarbeit (wir sind ja alles nur Menschen, die einfach nur unsere Arbeit machen), eine gute Beziehung mit dem PR Manager oder dem Entwickler pflegt. Zumal dies ja auch durchaus Vorteile haben kann, was der Zugang zu Entwicklern oder Testmustern angeht. Dafür betreibt man ja Networking. Aber nur weil ich mit PR Manager Hans-Wurst gut auskomme, darf das natürlich nicht bedeutet, dass ich seine Spiele jetzt in irgendeiner Weise bevorzugt behandele.

Um wieder mich als Beispiel zu nehmen: Der Kollege von THQ ist nach meinem Test zu Warhammer 40.000: Space Marine (6,5/10) überhaupt nicht mehr gut auf mich zu sprechen, obwohl wir vorher ganz gut miteinander auskamen. Das ist mir aber so was von Scheißegal, da ich voll hinter meinem Test und meiner 6,5/10 stehe. Und Headup Games — mit denen ich bekanntlich gut befreundet bin — schicken zwar fleißig Testmuster, aber schon vor meiner Auszeit habe ich ihre Spiele nur angeschaut, wenn es GamersGlobal in den Plan passte.

Die Grundprobleme

Und spätestens hier kommen wir nun endlich zu den beiden Grundproblemen der ganzen Angelegenheit: Zum einen scheinen viele Spielejournalisten die Arbeit nur als Sprungbrett zu nutzen, um als Quereinsteiger in die eigentliche Branche zu wechseln. Gunnar Lott dürfte da eines der prominentesten Beispiele des letzten Jahres sein (er wechselte Anfang 2011 zu Gameforge). Aber auch Boris Schneiders Aktivitäten bei Microsoft dürften sicherlich jedem bekannt sein. Oder um noch einmal in die reale Welt zurückzuwechseln: Die Beförderung von ZDF-Moderator Steffen Seibert zum Regierungssprecher hinterließ einen nicht weniger starken Beigeschmack.

Zum anderen habe ich schlicht das Gefühl, dass viele Journalisten (egal ob jung oder alt) das Ganze nicht oder zumindest nicht mehr wirklich ernst nehmen und entsprechend auch nicht mehr hinter ihren Texten stehen. Da wird stattdessen einfach irgendwas hin geklatscht, damit was da ist und fertig. Das mag meine jugendliche Naivität sein, aber ich kann mir dieses Verhalten einfach nicht erklären. Das muss nicht einmal das Extrem erreichen wie zuletzt beim Test zu Natural Selection 2 von GameSpot, der nach Leserbeschwerden zurückgezogen und neu gemacht wurde. Oder die Sache mit der GameStar und dem Test zu Silent Hunter 5: Battle of the Atlantic. Wobei die GameStar und ihr Verhalten in Bezug auf Tests sowieso ein ganz eigenes Thema ist. Die ganze Diablo 3-Sache ist beispielsweise ein schlechter Witz (Nachtest des Nachtests?!).

Unfassbar

Herstellerbild zu S.T.A.L.K.E.R.: Call of PripyatEs gibt noch wesentlich mehr Berichte, die nicht berichtigt oder zurückgezogen werden, wo der Autor so offensichtlich keine Lust hatte, dass es schon weh tut. Ich erinnere mich da beispielsweise an den Test der PC Games/ PC Action (ist ja eh das gleiche) zu S.T.A.L.K.E.R.: Call of Pripyat: Der Kollege hat unter Garantie nicht mehr als den ersten Bereich des Spiels (der ausgetrocknete See) sich angeschaut und dann direkt den Test hingerotzt. Das Pendant bei Vorschauberichten sind die, die aufgrund von einem Trailer oder einer Handvoll von Screenshots entstehen. Ich verlange ja nicht, dass jeder für einen Test das komplette Spiel durchgespielt haben muss. Das ist je nach Genre sogar unmöglich. Aber entweder ich muss über mein fehlendes Wissen gut hinwegfaken können, mir es anderweitig herholen oder eben so lange weiterspielen, bis ich alles weiß, was ich wissen muss.

Mir ist auch klar, dass vor allem freie Mitarbeiter heutzutage absolut beschissen bezahlt werden und sich entsprechend nicht unzählige Stunden in einen Bericht reinhängen. Aber das ist noch lange kein Grund so einen halbherzigen Text zu verfassen, für den man sich eigentlich schämen müsste. Wie soll man so was gegenüber den Lesern verteidigen? Ach genau: Gar nicht. Die meisten Redakteure verschmähen ja immer noch den Besuch der Kommentare. Und wenn ich keinen Spaß mehr an der Arbeit habe beziehungsweise nicht mehr stolz darauf sein kann auf das, was ich produziere, dann sollte ich mir vielleicht mal ernsthaft überlegen den Beruf zu wechseln oder zumindest versuchen die Situation irgendwie zu verbessern. Ich habe dafür absolut kein Verständnis und das nicht nur im Journalismus-Bereich, sondern auch bei uns in der Firma. Und nein, ich habe garantiert nicht leicht reden. Ich arbeite genauso hart wie jeder andere für meine Erfolge. Habe genauso meine schlechten Tage und mache auch öfters mal den einen oder anderen kleinen wie großen Fehler. Hin und wieder mag etwas Glück dabei sein, aber zugeflogen kommt mir genauso wenig etwas wie euch.

Fazit

Es ist denke ich klar, was ich sagen mit all dem Text möchte: Es läuft im Bereich des Spielejournalismus so einiges schief. Während bei Siemens oder der Deutschen Telekom wochenlang/jahrelang über Betrugsverfahren berichtet wird (und die Verantwortlichen am Ende dann doch davonkommen), bleibt der Dreck vor der eigenen Türe liegen. Und das nicht erst seit heute und auch nicht unbedingt so offensichtlich, dass jemand mit Werbeprodukten vor der Kamera sitzt. Es sind nämlich nicht die jungen, die das angefangen haben. Sondern die Veteranen leben das Verhalten vor und die Neueinsteiger akzeptieren es als gängige Praxis oder können gar nicht anders, als mitzumachen, um nicht auf der Strecke zu bleiben. Entsprechend schwer ist es das Verhalten wieder rauszubekommen. Selbst ich besitze wie erwähnt keine weiße Weste, trotz all meinem noch vorhandenen Idealismus. Entsprechend traurig ist, dass die Diskussion schon wieder abgeklungen ist und zwar ohne, dass sich irgendwo etwas getan hat.

Ihr seid gefragt!

Es liegt am Ende des Tages also mal wieder am Nutzer, der mit seinem Geld und seiner Stimme entscheiden muss. Aber nicht, indem er unter jedem Test schreibt „ihr seid doch gekauft!!!!!1111elf“ oder „Seite A hat es aber besserschlechter bewertet als ihr!“. Nein, konstruktive Kritik muss es sein. Wenn euch Ungereimtheiten auffallen, dann diese beim Namen nennen. Wenn mal wieder ein Magazin von einem großen Event berichtet, sofort nach- und hinterfragen was da sonst noch so los war. Und generell einfach das Thema in den Sichtbereich der Verantwortlichen bringen.

Sollte ich hingegen mal wieder was (regelmäßig) machen, werde ich in Zukunft definitiv noch stärker mein eigenes Tun hinterfragen. Ich denke zwar, dass ich in der Vergangenheit schon ziemlich gute Arbeit geleistet habe, aber es ist nie zu spät es noch besser zu machen. Und nein, ihr sollt mir jetzt nicht in den Kommentaren gut zureden oder so was. Ihr wisst doch, dass ich das nicht mag. Mich interessiert stattdessen eure persönlich Sicht der Dinge zum Thema. Gibt es ein Magazin oder Redakteur, dem ihr komplett vertraut? Gab es Artikel, wo auch ihr gedacht habt „Das meint er nicht ernst, oder?“, unabhängig davon, ob ihr gleicher Meinung mit dem Autor wart? Seht ihr generell eine kritische Entwicklung, oder geht euch das alles am Hintern vorbei?

Herstellerbild zu Desert BusHeute aus unserer Serie „Dinge, die in Deutschland vermutlich nur den Webmaster interessieren“: Desert Bus beziehungsweise Desert Bus For Hope 6: Desert Bus 3 in America. Am Samstag früh (unserer Zeit) war es mal wieder soweit und die Jungs und Mädels der kanadischen Online-Comedy-Truppe Loading Ready Run starteten zum mittlerweile sechsten Mal ihren Wohltätigkeitsmarathon für Child’s Play. Die ganze Woche lang wird das „langweiligste Spiel aller Zeiten“ (O-Ton von Graham Stark), Desert Bus, gezockt und währenddessen im Livestream sehr viel Unterhaltung geboten, um die Zuschauer zum Spenden zu animieren. Auch Giveaways und Auktionen von teilweise einzigartigen, handgemachten Objekten werden veranstaltet, um das Geld fließen zu lassen. Alles sehr cool gemacht und äußerst amüsant anzuschauen. Das Spielen selbst ist da mittlerweile schon fast unwichtig geworden. Auch wenn ihr Loading Ready Run vielleicht nicht kennt — Unbedingt ändern! –, sehr zu empfehlen.

Das Spiel aus der Hölle

Desert Bus selbst ist ein Minispiel aus Penn & Teller’s Smoke and Mirrors, einer unveröffentlichten Minispiele-Sammlung für SEGA CD von 1995 und eigentlich eine Parodie. Eure Aufgabe im Spiel ist es in Echtzeit (!) mit einem Bus die Strecke von Tucson in Arizon nach Las Vegas in Nevada zu fahren. Bei einer Geschwindigkeit von 45 MPH macht das 8 Stunden in denen nichts, aber auch absolut gar nichts passiert. Gut, das stimmt nicht ganz: Irgendwann erscheint auf der Frontscheibe Fliegendreck und zumindest am ersten Tag gibt es einen realistischen Tag- und Nachtwechsel. Ab Tag 2 hat das Spiel allerdings einen Bug und wechselt direkt von Tag auf Nacht. Außerdem könnt ihr die Hupe bedienen und die Tür öffnen. Das war es dann aber wirklich.

Gleichzeitig ist es allerdings auch nicht damit getan, einfach nur den Knopf fürs Gas gedrückt zu halten. Der Bus hat nämlich einen fiesen Rechtsdrall. Ihr müsst also immer mal wieder dagegen lenken, sonst landet ihr im Kies, euer Bus geht kaputt und ihr werdet (auch wieder in Echtzeit!) zurück nach Tucson geschleppt. Schafft ihr es hingegen nach Las Vegas, erhaltet ihr einen Punkt und fahrt sogleich die Strecke wieder zurück. Das ist tatsächlich so spannend wie es klingt und nun stellt euch vor, dieses Spiel 24 Stunden und 7 Tage am Stück zu zocken. Das macht keiner freiwillig :smile: . Wer es dennoch mal versuchen möchte: Zum einen gibt es Umsetzungen für iOS und Andorid (kostenpflichtig, die Einnahmen werden aber für den Marathon gespendet) und zum anderen könnt ihr es auch kostenlos im Browser spielen. Ich habe euch gewarnt!

Themawechsel

Herstellerbild zu Faerie SolitaireMein Wochenende (und auch die nächsten Tage noch) habe ich also hauptsächlich vor dem Livestream verbracht. Ich weiß, eine sehr ergiebige Tätigkeit. Schon allein in Anbetracht der zwei Milliarden unvollendeter Spiele, Filme und Serien um mich herum. Schlimmer noch: Ich habe mir sogar eine Urlaubswoche auf diesen Zeitraum gelegt. Allerdings auch nur, weil ich noch so viel habe und ihn dringend wegkriegen muss. Ich und meine Luxusprobleme :smile: .

Aber gezockt habe ich natürlich trotzdem auch noch ein wenig. Zum einen spiele ich gerade endlich mal Transformers: War for Cybertron (ja, den ersten Teil) durch, damit ich mich mit Transformers: Fall of Cybertron beschäftigen kann. Zum anderen zocke ich, eigentlich darf ich es gar nicht zugeben, viel zu viel Faerie Solitaire. Das gab es vor kurzem für ein paar Tage kostenlos auf Steam und seitdem habe ich schon sieben Stunden in das doofe Spiel versenkt. Eigentlich total bescheuert, aber ich bin definitiv sehr empfänglich für solche Titel. Sieht man ja auch daran, wie lange ich Tiny Tower oder Puzzle Quest: Challenge of the Warlords gespielt habe.

Und Puzzle Quest ist auch genau das richtige Stichwort, denn während Puzzle Quest Bejeweled mit etwas Rollenspiel verband, nimmt euch auch Faerie Solitaire mit auf ein Abenteuer durch eine Fantasy-Welt voller Feen, in der ihr einen bösen Zauberer besiegen müsst und dabei Kreaturen sammelt und hochzüchtet — und das alles, indem ihr eine Variante von Solitär spielt. Ihr wisst schon, das Kartenspiel, welches auf jedem Windows-Rechner zu finden ist und bei dem ihr im Prinzip nichts anderes macht als zu versuchen die Spielkarten zu sortieren. In Faerie Solitaire eine absolut simple Angelegenheit und auch vom taktischen Anspruch her nach den ersten paar Spielchen nicht mehr wirklich eine riesige Herausforderung (wenn auch nicht komplett stupide). Aber ich spiele es trotzdem schon fast obsessiv. Zum Glück bin ich schon im letzten Akt angekommen. Das Ende ist also nicht mehr weit. Wobei ich dann trotzdem noch nicht alle Kreaturen gefunden oder gar hochgelevelt habe. Muss ich es wohl doch noch länger spielen. Mist. Warum verfalle ich nur immer solchen hirnlosen Spielen?! ARGH!

Immerhin kann man gut dabei den Livestream von Desert Bus For Hope 6 schauen. Und genau das mache ich jetzt auch wieder. Wir lesen und hören uns dann am Donnerstag wieder, wenn es mal wieder heißt: „Hallo und herzlich Willkommen zum Bagdadsoftware Podcast“!

Sicarius

Die Todesrally

Vergangenes Wochenende habe ich allerdings nicht nur mit den verschiedensten Halo-Spielen verbracht. Ich hatte mir auch eine unerbittliche und absolut nervenaufreibende Highscore-Jagd mit Azzkickr geliefert. Und zwar ergab es sich, dass am Wochenende Death Rally über Steam kostenlos spielbar war. Das hat Azzkickr natürlich ausgenutzt und das Spiel prompt mal runtergeladen. Ich habe wiederrum gesehen, dass er das Spiel nun auch hat (ich habe natürlich die Retail-Version gekauft) und mir prompt gedacht: Dann starte ich es doch mal und lade ihn ein, vielleicht hat er ja Lust. Das Ende vom Lied war, dass er dann die halbe Nacht weitergespielt hat und wir beide bis Sonntagabend mal so fix 8-9 Stunden in den Titel versenkt haben.

Death RallyDeath Rally (PC, iOS, Android) – Gleich vorweg: Obwohl ich auch die iOS-Version besitze (gab es mal kurzzeitig kostenlos), geht es hier ausschließlich um die erweiterte PC-Fassung, die erst im August diesen Jahres veröffentlicht wurde. Im Vergleich gibt es mehr Fahrzeuge, Waffen und Karten, außerdem könnt ihr euer Auto mit zusätzlichem Gerät (Minen, Spikes, Laserzielfunktion) ausstatten und ab und zu ruft euch vor einem Rennen ein geheimnisvoller Typ an und bietet euch gegen einen Anteil eures Gewinns Vorteile. Außerdem ist die Grafik besser. Ein Teil der Features ist zwar mittlerweile auch in die Handheld-Fassung gewandert, aber die derzeit beste Version ist die auf PC.

Aber nun genug des Vorgeplänkels: Death Rally ist ein Remake des gleichnamigen Originals von 1996 und wurde damals wie heute entwickelt von Remedy, den Machern von Alan Wake und Max Payne. Es handelt sich dabei um einen Top-Down-Arcade-Racer mit Waffen. Und bevor JakillSlavik in die Kommentare springt und ein Wort mit vielen Ausrufezeichen postet: Ja, es lässt sich mit Mashed: Drive to Survive vergleichen. Allerdings ist Death Rally weniger bunt und viel brutaler angelegt. Außerdem versucht man hier die Gegner nicht von der Strecke beziehungsweise aus dem Bildschirm zu drängen. Stattdessen heißt es die anderen mit Waffengewalt oder durch den Einsatz von Powerups wie Nitro abzudrängen und den ersten Platz zu erhalten. Und ganz wichtig: Es gibt keinen Splitscreen-Modus, sondern nur Online-Multiplayer.

Upgraden, Upgraden, Upgraden

Death Rally hat zwar eine Hintergrundgeschichte, die ist aber äußerst rudimentär und auch nicht zusammenhängend erzählt. Stattdessen macht ihr ein Rennen nach dem anderen, sammelt auf den Strecken verteilte beziehungsweise von zerstörten Gegnern fallen gelassene Teile ein und schaltet so nach und nach die einzelnen Strecken, bessere Autos und Waffen frei. Gleichzeitig steigt ihr im Rang auf. Und immer mal wieder wird dabei ein Kampagnen-Rennen freigeschaltet mit einer „speziellen“ Aufgabe. Tatsächlich geht es einfach immer nur darum einen bestimmten Fahrer zu schrotten.

Waffen (jede kann bis Level 9 aufsteigen und sechs Waffen gibt es insgesamt) und Autos (Schnelligkeit, Rüstung und Handhabung) verbessert ihr hingegen durch eure in den Rennen hart verdiente Dollars. Die gibt es nicht nur für den Sieg, sondern auch für das Aufsammeln von Cash-Pickups, das Zerstören von Gegnern oder das Brechen eures eigenen Rekordes. Aber auch zum Reparieren eures Fahrzeugs benötigt ihr die Kohle. Es ist anfangs also durchaus nicht einfach zu entscheiden was man mit dem Geld anfängt. Zumal ihr auch immer nur die Sachen aufleveln könnt, die ihr im letzten Rennen auch benutzt habt. Das ist wiederrum eine Herausforderung speziell bei neuen Autos, da diese Anfangs wesentlich schlechter sind als euer bereits hochgeleveltes Vorgängerauto. Und natürlich ist die Verlockung groß das nächste Rennen dann auch gleich auf einem höheren Schwierigkeitsgrad zu fahren, da ihr dort auch mehr Knete bekommt. Es gibt also auf dem Papier nicht nur viel zu tun, sondern es ist auch durchaus ein Herausforderung. Und natürlich macht es einen Heidenspaß die Gegner abzuknallen.

Überschaubarer Inhalt

Leider werdet ihr sehr schnell feststellen, dass sich alles wiederholt. Wo ein Mashed: Drive to Survive mehrere unterschiedliche Spielmodi und zwei Dutzend Strecken bietet, habt ihr nach einer Handvoll von Rennen alles gesehen. Abseits der normalen Rennen, gibt es nur eine langweilige Deathmatch-Karte. Und selbst für die normalen Rennen gegen fünf andere Fahrer stehen nur rund ein halbes Dutzend Karten zur Verfügung — auch wenn sich in der Pressemitteilung die Anzahl durch Spiegelfahrten verdoppelt. Die Abwechslung hält sich dabei auch in Grenzen. Klar, vom Setting her sind alle woanders angesiedelt und auch in Sachen Kurvenführung und Länge sind sie unterschiedlich. Aber das reißt es trotzdem nicht mehr raus. Im Gegenteil werdet ihr euch gegen Ende immer nur die kleinen, schnellen Maps raussuchen, da hier das Verhältnis zwischen Zeitinvestition und Gewinn am größten ist.

Herstellerbild zu Death RallyHier wird dann auch noch ein Marathon-Spielmodus freigeschaltet. Aber der bedeutet einfach nur, dass ihr 42 Runden am Stück fahren müsst (das macht schlimmstenfalls 15-20 Minuten!). Das macht ihr einmal, um das Achievement zu bekommen und dann nie wieder. Die einzige Motivation im Endgame ist die restlichen Bossfahrer zu töten für die Achievements und alle Fahrzeuge und Waffen komplett hochzuleveln sowie vielleicht noch den Maximalrang zu erreichen. Da dieser Maximalrang aber bei 1 Milliarde Credits liegt und ihr selbst unter besten Bedingungen nur so um die 20.000 pro Rennen erhaltet, werdet ihr spätestens bei 1 Millionen einfach aufhören — zu dem Zeitpunkt habt ihr dann auch alles andere bereits auf 100%.

Schlechter Mehrspielermodus

Und dann wäre da noch der Mehrspielermodus. Dass es kein Splitscreen gibt, hatte ich bereits erwähnt. Es gibt aber auch keine Lobby oder so etwas wo sich die einzelnen Spieler zusammenfinden könnten. Selbst mit der Steam-Friendslist könnt ihr eure Freunde nur ins Spiel aber nicht ins eigentliche Rennen einladen. Stattdessen stellt ihr euch auf „online“, sucht euch eins der zufällig generierten Rennen aus und wartet ob vielleicht einer auch diese Karte jetzt gerade spielen möchte. Immerhin: Wenn ihr keine Lust mehr aufs Warten habt, dann könnt ihr „Skip“ drücken und direkt das Rennen gegen die KI fahren. Aber so wirklich pralle ist das nicht.

Wollt ihr hingegen gegen Freunde spielen, steht euch die Funktion „Game Channel“ zur Verfügung. Wenn alle, mit denen ihr zusammenfahren wollt, den gleichen Game Channel eintragen, können sie einem speziellen Rennen nur für diesen Channel beitreten. Selbst ein Rennen definieren könnt ihr nicht. Die Karte wechselt stattdessen alle 120 Sekunden automatisch. Das hat die tolle Auswirkung, dass beispielsweise Azzkickr gerade auf der Karte Savo auf mich wartet, ich aber auf der Karte Eureka bereitstehe und auf ihn warte, weil gerade der Wechsel war. Aber auch ohne Mapwechsel hatten wir stellenweise größere Probleme zusammen zu kommen. Da hilft dann nichts anderes als nochmal kurz das Rennen zu verlassen und noch einmal einzusteigen in der Hoffnung, dass man nun endlich zusammen kommt. Das ist so richtiger Müll. Ja und Deathmatch gibt es im Mehrspielermodus gar nicht.

Bagdadsoftware meint: Keine Frage: Death Rally hat seinen Reiz und macht auch durchaus Spaß. Sieht man ja schon alleine daran, dass Azzkickr und ich es an einem Wochenende so intensiv durchgezockt haben. Und solche Arcade-Racer kann es sowieso nie genug geben. Ich will endlich Bleifuss Fun 2 und/oder Mashed 2!

Gleichzeitig ist aber auch ganz klar: Wir werden das Spiel jetzt höchstwahrscheinlich nie mehr starten. Es kommt einfach viel zu schnell (schon weit vor dem Erreichen des quasi nicht vorhandenen End Game) die Langeweile sowie die Frage „Warum tue ich mir das eigentlich jetzt noch an?“ auf. Zu gering ist die Abwechslung und auch die Herausforung. Ohne den Wettkampf mit Azzkickr (und die zahlreichen Achievements) hätte ich es bislang auf jeden Fall noch nicht durchgespielt — und schon gar nicht quasi am Stück. Und durch den fehlenden Splitscreen-Modus eignet es sich auch nicht — im Gegensatz zu Mashed: Drive to Survive — als kleines Partyspiel. Entsprechend gibt es als Wertung nur die 3 von 5 Sics mit einer starken Tendenz zu 2 Sics (wenn man es nur alleine spielt). Oder in kurz: Für Zwischendurch mal lustig, aber auf Dauer gibt es trotz des überschaubaren Angebots in dem Bereich dann doch besseres. Immerhin kostet es nur 9,99 (Retail) beziehungsweise 8,99 Euro (Steam). Und wenn die regelmäßig aktualisierte iOS-Version irgendein Indikator ist, besteht sogar die Hoffnung, dass noch ein paar Content-Updates erscheinen.

Bitte? Ihr fragt wer nun die Highscore-Jagd gewonnen hat? Äh…es geht doch dabei nicht um Gewinner und Verlierer. So oberflächlich denken wird doch nicht. Es geht um Freundschaft und äh…das gemeinsame Spiel und äh…puh…ist es schon wieder so spät? Dann muss ich schon wieder mal ganz dringend woanders hingehen.

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