Sicarius

Nichts für kleine Kinder

Cover von Hotline: MiamiHotline: Miami also. Die erste Erkenntnis, die ich nach dem Start des Top-Down-Actiontitels hatte: Meine Augen tun weh. Und das meine ich nicht sinnbildlich weil die Grafik so schlecht wäre oder so was. Es ist der ganz normale 8-Bit-Stil wie er auch in 20 Millionen anderen Indie-Titeln verwendet wird. Nein, mir taten sie tatsächlich weh! Der Hintergrund ist nämlich ständig in Bewegung. Eine Art flackern oder flimmern oder was auch immer das sein soll. Sinn und Zweck ist wohl eine Art (Drogen-)Trip oder zumindest einen Nervenzusammenbruch zu simulieren. Auf jeden Fall konnte ich dadurch nicht länger als 5 Minuten am Stück spielen. DAS hat bislang definitiv noch kein Spiel geschafft. Interessanter- beziehungsweise glücklicherweise hat es geholfen die Computerbrille aufzusetzen, um das Problem stark abzuschwächen.

Endlich konnte ich mich also nach Miami aufmachen, genauer gesagt dem Miami der 80iger Jahre. In meinem versifften Apartment erwartete mich ein Anrufbeantworter. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht mehr, wem ich eigentlich meine Nummer gegeben hatte. Dafür musste ich erst das geheime Ende freischalten, um wieder den Gesamtüberblick zu erhalten. Auf jeden Fall bekam ich von diesem Anrufer im Laufe des Spiels immer wieder einen Auftrag: Kekse abliefern, mir es in einem Club gutgehen lassen oder irgendwo Alleinunterhalter spielen — zumindest wurde mir es so am Telefon gesagt. Doch hinter den Nachrichten versteckte sich eine andere Wahrheit: Töte alles und jeden, egal ob Mensch oder Tier, der dir dort vor Ort über den Weg läuft oder werde selbst getötet. Wie gesagt, wusste ich nicht mehr wie ich dazu gekommen bin. Aber es war mein Job. Also habe ich nicht lange überlegt und bin mit meinem DeLorean-Verschnitt zur genannten Adresse gedüst.

Morden um des Mordens Willen

Vor Ort angekommen, setzte ich eine meiner Masken zur Tarnung auf. Es sollte mich ja auf meiner Mördertour niemand Erkennen. Die Masken habe ich im Laufe des Spiels freigeschaltet (im Level gefunden oder einfach nur für das Knacken der Highscore in den Missionen) und jede davon gibt mir einen anderen Boni. Mit der Pferdemaske werden beispielsweise Türen zu tödlichen Waffen (normalerweise schleudern sie dahinter befindliche Gegner nur auf den Boden) und dank der Walross-Maske überlebe ich zwei Treffer. Ansonsten bin ich nämlich ziemlich schwächlich. Ein Treffer egal ob ein Schuss aus einer Waffe, ein Hundebiss oder ein Schlag mit den zahlreichen Nahkampfwaffen und ich bin tot. Das gilt allerdings auch für die Gegner. Wer hat das Überraschungsmoment und wer die schnellste Reaktion ist hier die Frage und nicht, wer im Rhetorikkurs am besten abgeschnitten hat.

Es hat etwas von Hitman, Splinter Cell oder Dishonored. Das Prüfen der Lage, das Warten auf den richtigen Moment, der Einsatz der herumliegenden Waffen — und im Anschluss das gnadenlos brutale Abschlachten aller Anwesenden in wenigen Sekunden ohne Rücksicht auf Verluste und schon gar nicht das eigene Leben. Eine Salve aus dem Maschinengewehr und der Fußboden vor mir ist blutgetränkt. Das einzige was sich noch bewegt ist ein glatzköpfiger und schwer verwundeter Mann, der hilflos über den Boden kriecht. Auf ihn setze ich mich drauf und reiße ihm die Ohren ab. Blut spritzt in alle Ecken, aber ich habe gar keine Zeit mir lange darüber Gedanken zu machen. Stattdessen greife ich mir wieder die nächstbeste Waffe — egal ob Baseballschläger, Rohr oder Glasflasche — und mache mich auf die Suche nach meinem nächsten Opfer, dem ich mit dem Vorschlaghammer das Gesicht einschlagen kann. Gibt schließlich mehr Punkte als ihn einfach nur abzuschießen.

Hartes Pflaster

Herstellerbild zu Hotline: MiamiJa, der Untergrund von Miami ist nicht nur kein schöner Ort zum Leben, Kindern ist der Zutritt trotz der 8-Bit-Grafik auch definitiv verboten. Und wer ein Spec Ops: The Line erwartet, also ein Spiel, das sich kritisch mit der dargestellten Brutalität auseinandersetzt, der hat die völlig falschen Erwartungen. Echte Moral gibt es vielleicht in anderen Spielen, nicht aber in Hotline: Miami. Hier erwartet euch ein blutiger Rachefeldzug, der nicht umsonst Nicolas Winding Refns Film Drive (2011) als Inspirationsquelle angibt. Es geht nur darum möglichst schnell und auf kreativste Art und Weise den Auftrag zu erfüllen, die Highscore zu knacken und so neue Waffen freizuschalten mit denen ich noch mehr Unheil anrichten kann. Selbst die Hintergrundgeschichte denkt nicht sehr viel weiter, auch wenn es hier und da erkennbare Ansätze gibt.

Stattdessen gilt der Grundsatz: Über meine Taten nachdenken oder gar für sie büßen? Pustekuchen! Ich sterbe zwar oft und sehr kurz hintereinander (ca. 850mal in 5 Stunden Spielzeit um genau zu sein), aber das ist nur ein Kieselstein auf meinem, mit Leichen gepflasterten Weg zum finalen Bossgegner. Ich habe mal wieder übersehen, dass das da vorne keine Wand sondern eine Fensterreihe ist und wurde unverzüglich erschossen? Kein Problem! Ein Tastendruck und sofort stehe ich wieder am Checkpoint und versuche es dieses Mal bei gleichem oder gar noch höherem Tempo besser zu machen, angetrieben vom wummernden Soundtrack. Da können sich die Positionen der Gegner und deren Bewaffnung noch so minimal durch den Reset ändern: Keine 15 Minuten später liegen überall zerteilte Körper, zerplatzte Köpfe und tote Hunde herum und ich mache mich auf das nächste Stockwerk jedwedem Lebens zu berauben.

Fazit
Es war eine (viel zu) kurze, aber dennoch äußerst intensive Erfahrung, mein Ausflug nach Miami. Genauer gesagt war es ein 5 von 5 Sics-Erlebnis. Wie so oft in meinem Spielerleben lassen sich meine Taten zwar nicht rechtfertigen und eigentlich müsste ich trotz der Cartoon-haften 8-Bit-Darstellung abgestoßen sein. Doch wenn ich dem NPC mit der Brechstange den Schädel zertrümmere, sehe ich ausschließlich die Punkte, die ich dafür bekomme. Ich sehe, dass meine mehr oder weniger improvisierte Strategie endlich aufgegangen ist und habe gleichzeitig bereits mein nächstes Opfer vor Augen. Ich habe schlicht und ergreifend Spaß an der spielerischen Herausforderung. Die Gewaltdarstellung ist da nicht mehr als ein Nebengeräusch und erzählerisches Stilmittel. Etwas, das alle Kritiker dieser Welt niemals verstehen werden. Schon gar nicht, wenn sie allerhöchstens mal jemandem beim Spielen zugeschaut haben. Und auch ein Spec Ops: The Line kann mir da noch so sehr den Spiegel vorhalten. Am Ende des Tages ändert das nichts an den Fakten.

Ich kann mich somit nur jesters.ice und Rondrer anschließen und euch an dieser Stelle eine klare Kaufempfehlung aussprechen — zumindest wenn euch Grafik sowie Inhalt nicht abstoßen und ihr generell etwas mit solchen arcadigen Action-Titeln etwas anfangen könnt. Ach und Epileptiker müssen zwingend einen großen Bogen um das Spiel machen. Ernsthaft. Wenn mir schon die Augen weh tun, will ich gar nicht wissen was das mit euch alles anstellen würde!

Sicarius

Kickstarter-Nachlese #2

Neun Jahre (13. November 2003) besitze ich bereits ein Steamkonto und wisst ihr, was ich in diesen neun Jahren bisher noch nie gemacht hatte? Ein Spiel über Steam gekauft! Wenn das mal keinen Eintrag in das Guiness-Buch Wert ist. Leider habe ich letzte Woche mein langanhaltendes Tabu gebrochen, dem Drängen von Rondrer nachgegeben und mir Hotline Miami, FTL: Faster Than Light und, da ich schon dabei war, auch noch RAGE: The Scorchers geholt. Wehe es kommt eins davon jetzt doch überraschend noch mit Verpackung in die Läden! Dann gibt’s Ärger (beziehungsweise ich kaufe es halt dann nochmal…)!

Jetzt wollt ihr sicherlich auch meine Meinung zu den drei genannten Spielen wissen. Da muss ich euch aber leider enttäuschen. Zwar habe ich alle drei bereits (viel zu viel) gespielt, aber Bagdadsoftware lässt sich nicht erpressen! jesters.ice schrieb unter meinen Einkauf: „Wenn das keinen Eintrag auf BS gibt kann ich nicht für die Sicherheit Ihrer Pickups auf dem nächsten Podcast-Treffen garantieren!“ Was für eine absolute Frechheit von ihm die armen Pickups damit reinzuziehen! Als hätten die irgendwas mit der ganzen Sache zu tun. Die Chunky White, das wäre ein anderes Thema. Die sind sowieso an allem schuld. Aber nicht doch die guten Schokokeckse (sic!)! Und deswegen gibt es heute keine Spieleberichte, sondern die Fortsetzung der Kickstarter-Nachlese. Beschwerden bitte an iCe ät Pickup-Napper dot com schicken. Danke! :tongue:

    Herstellerbild zu Legends of Eisenwald

  • Legends of Eisenwald (Aterdux Entertainment, 21.04. – 22.05.2012)
    Status: Spielbare Beta-Version

    Ein Heroes of Might & Magic nur ohne Drachen und anderem Fantasykram. Stattdessen spielt es in einer normalen Mittelalter-Welt verknüpft mit auf Sagen, Mythen und Glauben basierenden, übernatürlichen Elementen wie Götter, die Unheil anrichten. Dieses Setting sowie die LARPenden Entwickler haben mich zum Pledgen gebracht, auch wenn ich in dem Genre jetzt nicht so massiv unterwegs bin. Die Beta ist derzeit allerdings ziemlich unspielbar und gleicht eher einer Alpha.

  • Malevolence: The Sword of Ahkranox (Visual Outbreak, 11.05. – 10.06.2012)
    Status: Spielbare Beta-Version

    Ein Konkurrent zu Legend of Grimrock. Auch Malevolence lässt die guten alten Zeiten der rundenbasierten Ego-Rollenspiele wieder aufleben. Allerdings ist es kein in sich geschlossenes Erlebnis, sondern orientiert sich an der Minecraft-Schule des GameDesign: Alles wird zufällig generiert, ist aber dann in sich persistent (einmal generiert = immer so da). Quests, Gegenstände, Monster, Dungeons, die Oberwelt, Städte, etc. pp. In der Theorie also ein unendlich langes Spiel. Anders als bei Minecraft, sieht es aber wirklich scheiße aus. Dafür hat es die kratzige weibliche Erzählerstimme von Dark Souls und es macht schon jetzt Spaß sich durch die Dungeons zu schlagen.

  • Tex Murphy – Project Fedora (Big Finish Games, 15.05. – 16.06.2012)
    Status: In Arbeit

    Die Vorgänger habe ich nie gespielt, zählen aber wohl zu den besten FMV-Adventures (siehe Urban Runner), die jemals produziert wurden. Aber die Videos im Kickstarter haben Lust auf mehr gemacht. Außerdem handelt es sich wie gesagt um ein FMV-Adventure. Das muss man schon alleine Azzkickr zuliebe unterstützen. Auch wenn der sich bis heute nicht Darkstark angeschaut hat.

  • Skyjacker (Digitilus, 01.05. – 31.05.2012, 26.05. – 23.07.2012, 14.12.2012 – 26.01.2013 [sehr abgespeckt, aber erfolgreich])
    Status: In Arbeit

    Ich habe nur bei den ersten beiden Kickstartern mitgemacht, beim dritten nicht mehr. Zwar haben sie in der Zwischenzeit fleißig gearbeitet und das gut aussehende Weltraumspiel macht auch immer noch einen tollen Eindruck (die Schiffe sehen richtig toll aus). Aber der jetzige Kickstarter ist nur ein Aufschub, ist eigentlich nur für ein „Abfallprodukt“ und somit keine Garantie, dass sie jetzt auch wirklich das Projekt zu Ende bringen können. Und das ist selbst für mich ein Warnzeichen. Ich werde es im Auge behalten und mir holen, wenn es dann wirklich erscheint.

  • Herstellerbild zu Drifter

  • Drifter (Celsius Game Studios, 03.05. – 05.06.2012)
    Status: Spielbare Beta-Version steht kurz bevor

    Hatte ich schon erwähnt, dass ich Weltraumspiele mag? Nein? Gut, denn hier ist schon das nächste. Dieses Mal geht es allerdings mehr in Richtung Elite als Wing Commander. Der Hauptfokus liegt ganz klar auf dem Handeln mit den tausenden Planeten in der zufällig generierten Spielwelt. Außerdem wurde es als iOS-Spiel konzipiert. Derzeit ist aber wohl erst einmal der PC/MAC-Release im Fokus. Aber die Folge ist eine 3rd-Person-Perspektive statt Cockpitansicht und es ist grafisch eher minimalistisch gehalten. Was ich allerdings durchaus charmant finde und ich freue mich auch auf die Box. Das Cover sieht genial aus.

  • Unemployment Quest (Charles DeYoe, 21.04. – 21.05.2012)
    Status: Abgeschlossen

    Es klang interessant und der Einsatz war mit $10 jetzt auch nicht wirklich hoch. Das Ergebnis war aber leider äußerst ernüchternd und selbst für den Preis zu schlecht.

  • Rob Swigart’s Portal Reborn v2.0 (Subliminal Games, 10.05. – 01.07.2012)
    Status: Kickstarter abgebrochen

    Nein, mit Valves Portal hat das Ding überhaupt nichts zu tun. Stattdessen handelt es sich hier um die Fortsetzung eines Adventures/Computerromans aus den 80igern. Mich hat die bereits massiv ausgearbeitete Science-Fiction-Welt sehr gereizt und die Charaktere klangen interessant. Blöd nur, dass der ältere und wenig bekannte Herr absolut keine Ahnung von einer Kickstarter-Kampagne hatte (die Updates waren nicht mehr als ein „hier, das hatte ich vorbereitet, jetzt bin ich wieder weg“ und hatten keinerlei Persönlichkeit) und, gefühlt, mit einer halben Millionen Dollar viel zu viel Kohle wollte. Insofern zwar schade, dass es nicht kommt. Aber gleichzeitig doch auch irgendwie ein vorhersehbarer Ausgang.

  • Xenonauts (Goldhawk Interactive, 09.05. – 11.06.2012)
    Status: Spielbare Alpha-Version

    Der geistige Nachfolger zu UFO: Enemy Unkown und entstanden als Reaktion auf die Ankündigung anno 2009 des Ego-Shooters XCOM von 2k Marin (der immer noch nicht erschienen ist und wohl mittlerweile die Perspektive in die 3. Person gewechselt hat). Anders als das letztjährige Werk von Firaxis, bleibt Xenonaus dem Original bis hin zur Perspektive (Top-Down) treu. Was aber nicht heißt, dass es nicht doch Neuerungen gibt. Zum Beispiel ein erweitertes Luftkampfsystem, ihr könnt selbst festlegen wie in eurem Transporter die Truppen drinstehen, zusätzliche Missionsziele abseits von „Erschieße jeden“, ein Cover-System und, was dem Realismus gut tut, Militär- und Polizeiteinheiten als mit euch kämpfende NPCs auf der Karte! In der Beta fehlen noch einige Features aber auch hier gilt: Ich hab‘ definitiv schon Spaß damit.

  • Retrovirus (Cadenza Interactive, 08.06.- 07.07.2012)
    Status: Kickstarter fehlgeschlagen, aber dank GameStop konnte das Spiel dennoch fertig gestellt werden und erscheint am 31. Januar (nur digital derzeit)
    Der einzige Kickstarter bislang, bei dem ich es so richtig schade fand, dass er nicht erfolgreich war. Umso mehr freute es mich, dass es am Ende doch noch geklappt hat. Das Spiel ist ein geistiger Nachfolger zu den DESCENT-Spielen. Ihr wisst schon: Ihr steuert ein Raumschiff durch ein Labyrinth voller Gegner und könnt euch dabei um alle sechs Achsen drehen. Einigen wurde dabei schlecht, viele haben sich ständig verirrt, ich fand das damals wie heute ein richtig cooles Spiel. Und Retrovirus hat das nun erfolgreich in die Gegenwart überführt inklusive einer schicken, TRON-inspirierten Grafik.
  • Herstellerbild zu Dead State

  • Dead State (DoubleBear Productions, 05.06. – 05.07.2012)
    Status: In Arbeit

    Noch so ein Hype-Kickstarter, bei dem ich vor allem mitgemacht habe, weil es „jeder“ getan hat. Zombies kann ich mittlerweile nämlich irgendwie nicht mehr sehen. Wird mal wieder Zeit für ein paar WWII-Spiele so als Ausgleich. Prinzipiell klingt Dead State aber schon interessant und etwas wie ein rundenbasiertes (und besseres) Trapped Dead. Sieht auch ehrlich gesagt grafisch ähnlich aus. Interessant wird natürlich zu sehen wie groß die Entscheidungsmöglichkeiten und die dazugehörigen Auswirkungen tatsächlich sind. Ist schließlich ziemlich einfach das so zu versprechen, aber die Realität sieht dann doch meist so aus, dass es sich jedes Mal ziemlich gleich spielt.

  • CLANG (Subutai Corporation, 09.06. – 09.07.2012)
    Status: In Arbeit

    Das Projekt hätte sich um das Finanzieren von Damenunterwäsche drehen können, ich hätte trotzdem mit gemacht. Es ist auch der einzige Kickstarter bei dem ich meine Regel „ohne Box, kein Pledge“ gebrochen habe. Die amüsanten Videos alleine sind schon das Geld wert. Ach und die Idee einer realistischen Schwertkampf-Simulation finde ich natürlich auch super. Aber am meisten waren es definitiv die Videos, die mich zum Pledgen animiert haben.

  • Tropes vs. Women in Video Games (Anita Sarkeesian, 17.05. – 16.67.2012)
    Status: In Arbeit

    Hipster-Hinweis: Ich hatte schon gepledged, bevor es mit den Todesdrohungen losging! Warum? Weil ich es zum einen immer gut finde, wenn sich jemand kritisch mit unserer Freizeitbeschäftigung auseinander setzt. Siehe Spec Ops: The Line, wo ich die Diskussion drumherum fast noch interessanter finde als das Spiel an sich. Und zum anderen sind meiner Meinung nach (gute) Dokumentationen/Reports über unsere Branche egal ob in Film oder Buchform generell unterstützenswert. Von den normalen Medien kann man ja keine differenzierte Berichterstattung erwarten, entsprechend müssen „wir“ eben unser eigenes, seriöses Gegenprogramm bieten und erreichen damit vielleicht auch hin und wieder die „normalen“ Leute. Es tauchen entsprechend auch noch ein paar weitere Kickstarter aus dieser Richtung in meiner Backer-Liste auf und ja, Indie Game: The Moive und Minecraft: The Story of Mojang habe ich natürlich auch unterstützt.

Und damit wären wir bei der Halbzeit angekommen. Zusammen mit der ersten Kickstarter-Nachlese sind das nun 31 von 61 Projekten, die ich 2012 unterstützt habe. Mittlerweile sind es übrigens insgesamt 64 Kickstarter, denen ich mein Geld versprochen habe. Aber so stark wie letztes Jahr wird die Zahl 2013 denke ich dann doch nicht mehr ansteigen. Der große Hype ist mittlerweile definitiv vorbei. Und es werden sicherlich auch wieder viel mehr Projekte scheitern. Das ist natürlich zum einen schade, freut auf der anderen Seite aber natürlich auch meinen Geldbeutel.

Ich verabschiede mich bis Donnerstag. Dann gibt es vielleicht auch mal wieder mit ein paar Berichten zu bereits erhältlichen Titeln. Ich hatte für die Bagdadsoftware NOCAs 2012 so viel in der Hinsicht getippst, dass ich erst einmal absolut keine Lust mehr hatte über Spiele zu schreiben. So langsam dürfte sich mein Hirn aber wieder erholt haben :smile: .

Sicarius

THQ-Winterschlussverkauf

Logo von THQWährend ich diese Zeilen schreibe, läuft die Auktion noch. Es gab eine dreistündige Verschiebung, weshalb erst ab 21 Uhr mit der Bekanntgabe der Ergebnisse begonnen werden konnte. Doch die Gerüchteküche rund um den Ausverkauf bei THQ brodelt natürlich bereits massiv.

SEGA soll sich beispielsweise Relic und damit Company of Heroes, Dawn of War beziehungsweise Warhammer 40.000 generell und Homeworld unter den Nagel gerissen haben. Ein Einkauf, der auf den ersten Blick keine großen negativen Auswirkungen für Relic haben dürfte, auch wenn Alex Peters (Studio Head) das sinkende Schiff verlassen hat und in Richtung Activision davongezogen ist. The Creative Assembly geht es unter SEGAs-Flagge schließlich nicht wirklich schlecht und mit sowohl der Warhammer- als auch der Warhammer 40.000-Lizenz in einer Publisherhand, könnte da so einiges (Gutes) auf uns zukommen. Auf jeden Fall wären sie bei SEGA besser augehoben als bei EA, Ubisoft oder, besonders schlimm, Warner Bros. Die sind angeblich alle mit im Rennen um das Studio.

Die Lizenzen

South Park: The Stick of Truth soll hingegen trotz aller Proteste der South Partk Studios bei Ubisoft landen. Sehe ich auch nicht wirklich kritisch. Das Ding ist so gut wie fertig und soll bereits im März in den Handel kommen. Da habe ich höchstens die Hoffnung, dass Ubisoft Obsidian noch etwas mehr Zeit und Geld gibt und somit vielleicht endlich der ewige „Obsidian macht zwar gute, aber nur stark verbuggte Spiele“-Zyklus gebrochen wird. Da dank des THQ-Bankrotts die Werbetrommeln für das Spiel noch nicht wirklich stark erklingen, ist das sogar nicht ganz unrealistisch.

Für die WWE-Lizenz würde sich hingegen EA sehr stark interessieren. Ich wüsste auch nicht, zu wem die besser passen würde. Vielleicht noch 2K Sports, aber wer hat denn von den mittleren bis großen Publishern sonst noch wirklich Ahnung in Sachen Sportspielen? Wie bitte? Konami? Darf ich mal lachen?! Man kann freilich über die jährlichen Neuauflagen meckern, aber eine Tatsache bleibt dennoch bestehen: EA Sports macht einen verdammt guten Job.

Die Nachfolger

Homefront geht hingegen an Crytek. Das dürfte auch ziemlich fest sein. Die Arbeiten schließlich schon längere Zeit an Teil 2 und der Vorgänger hat sich ja nicht wirklich gut verkauft. Entsprechend wenig Interesse dürfte von den anderen Publishern da sein. Solange sie aus Homefront 2 kein Crysis in Nordkorea machen, ist mir das auch erst einmal recht. Immerhin kann man davon ausgehen, dass es gut aussehen wird.

Was gibt’s noch? Nun, da wäre natürlich Metro. Die Entwickler 4A Games selbst sind zwar selbstständig, aber die IP gehört THQ. Ich würde mich ja totlachen, wenn GSC Game World zuschlagen würde. Zur Erinnerung: 4A Games wurde von ehemaligen GSC-Entwicklern gegründet, die noch vor dem Release des ersten S.T.A.L.K.E.R. die Nase voll hatten. Wenn ich CEO von GSC wäre, würde ich schon allein aus Schadenfreude mitbieten. Aber GSC hat sicherlich andere Probleme und garantiert nicht die Kohle sich das Spiel unter den Nagel zu reißen. Ich wüsste allerdings sonst keinen Publisher, der irgendein Interesse oder gar Nutzen aus der Serie ziehen könnte. Der übermegagroße Erfolg war Teil 1 jetzt auch wieder nicht. In Sachen Endzeit orientieren sich die meisten doch eher weiter Bethesdas Fallout 3 als an Ostblock-Produkten.

Der Rest

Nicht zu vergessen auch Vigil Games mit Darksiders sowie dem Warhammer 40.000-Titel Dark Millennium. Wobei da dann wiederum die Frage ist, wie das dann mit SEGA und so wäre, wenn sie die 40k-Lizenz hätten. Wobei bei Dark Millennium sowieso erst einmal die grundlegende Frage im Raum steht, ob das Ding überhaupt noch existiert. Als MMO wurde es schließlich Anfang 2012 gecancelt und sollte jetzt noch als Einzelspieler-Titel mit Mehrspielermodus kommen und seitdem war es komplett still um das Projekt. Würde mich nicht überraschend, wenn das Ding schon lange komplett eingestellt wäre.

Bleibt noch Koch Media übrig. Nein, die gehören nicht zu THQ. Die sind stattdessen ein weiterer Bieter und zwar sollen sie sich zum einen das aktuelle Projekt der Turtle Rock Studios, Evolve, unter den Nagel gerissen haben. Zum anderen, und das ist für mich natürlich viel wichtiger, Volition. Genau: Die Macher von Freespace, Red Faction und Saints Row. Ein Studio, das definitiv nicht zu jedem Publisher passt. EA, Ubisoft, Activistion oder gar Take-Two Interactive (unter anderem Rockstar Games)? Die wüssten doch mit den Jungs nichts anzufangen. Koch Media beziehungsweise Deep Silver hingegen? Denen traue ich es nicht nur zu Volition nicht an die Wand zu fahren, sondern ihnen auch wieder mehr Freiheiten zu geben. Sprich eine Rückkehr von Red Faction und sogar ein Freespace wäre realistischer denn je. Angesichts der Resonanz auf Chris Roberts Space Citizen und Elite: Dangerous und dem generellen Erfolg von Weltraumspielen auf Kickstarter, könnte die Wiederbelebung dieser Marke sogar nach ganz oben auf der Liste rutschen. Aber da reden wir dann natürlich von 2014, wenn nicht sogar 2015. Für 2013 wäre hingegen zu wünschen, dass der etwaige Käufer etwas die Bremse anzieht und Saints Row 4 mehr Zeit und Geld zur Verfügung stellt. Es ist ja allgemein bekannt, dass THQ den vierten Teil vor allem aus strategischen und damit finanziellen Gründen so schnell wie möglich haben wollte. Vor dem 4. Quartal 2013 will auch ich eigentlich das Spiel nicht im Handel sehen.

Fazit

Während ihr diese Zeilen lest, wisst ihr natürlich schon mehr als ich. Im Prinzip war es also ziemlich blöd von mir nicht erst am Montag einen Eintrag darüber zu schreiben. Aber ich konnte einfach nicht mehr länger warten. Zumal ich grundsätzlich die ganze Aktion für eine Sauerei halte. Nur weil irgendwelche Investoren wieder nur kurzfristig denken und unbedingt ihre 2,50 Euro wiederhaben wollen, wird einfach mal wieder eine komplette Firma zerschlagen. Statt dass man das Alternativangebot (THQ wird so wie es ist übernommen und weitergeführt) annimmt und damit potentiell mehr Geld einnimmt, wird wieder einmal auf Sicherheit gespielt. Egal in welcher Branche das passiert, ich finde es jedes Mal wieder zum Kotzen zu sehen welche Macht Leute haben, die am eigentlichen Unternehmen offensichtlich absolut kein Interesse und nur ihren kurzfristigen Vorteil im Blick haben.

Bis Montag!

Sicarius

Kickstarter-Nachlese #1

Logo von KickstarterGanze 61 Kickstarter-Projekte habe ich 2012 unterstützt und nur 13 (wenn ich mich nicht verzählt habe) davon waren nicht erfolgreich, wurden also entweder zwischendurch abgebrochen oder konnten ihr Ziel nicht erreichen. Begonnen hat alles am 22. Januar mit dem The Order of the Stick Reprint Drive, also noch bevor Tim Schafer ab dem 9. Februar mit seinem Double Fine Adventure die ganze Welt über Nacht auf den Kopf gestellt hat. Hipster ist Hipster, ich weiß :smile: .

Aber der OotS-Kickstarter ist meiner Meinung auch immer noch von allen 61 Projekten der Beste, was den Ablauf während und nach der Pledge-Phase betrifft. Trotz seiner vorhandenen, sehr großzügigen und äußerst freundlichen Fanbase hätte Rich Burlew sicherlich nicht einmal annährend so viel Geld erhalten, wenn er nicht so präsent gewesen wäre und nicht gewusst hätte wie seine Zielgruppe tickt. Stattdessen hat er sie (und mich) immer wieder mit neuen Stretch Goals (inklusive weiterer Belohnungen für alle), schon fast wie bei einem Spiel, bei der Stange gehalten sowie zu weiteren Höchstleistungen angetrieben. Dank seiner lustigen Graphen freute man sich auch auf jedes seiner am Ende 28 Updates. Seitdem hat er zudem weder nachgelassen noch ist auf „Backers only“-Texte umgestiegen, sondern hält seit Februar weiterhin alle über den aktuellen Stand auf dem Laufenden. Leider hat er sich Ende des Jahres den Daumen aufgeschnitten, was das Erfüllen der Versprechungen etwas verzögert. Aber meine physischen Sachen (unter anderem das offizielle OotS-Brett/Kartenspiel) habe ich bereits erhalten. Ich warte jetzt nur noch auf die zusätzlichen Comics.

Die genaue Liste

Jetzt stellt ihr euch aber natürlich die Frage, wem ich alles schon so mein Geld gegeben oder es zumindest versucht habe und was mich dazu getrieben hat abseits von „Klingt gut, mach ich mit“. Also verrate ich es euch doch einfach mal. 61 Projekte sind allerdings ein Haufen Holz. Das kriege ich nicht alles in einen Eintrag. Heute erfahrt ihr deshalb erst einmal nur den ersten 18 Kickstartern, die ich unterstützt habe und die auch alle erfolgreich waren. Die restlichen folgen dann irgendwann einmal. Und wer sich genau ausrechnen will, wie viel Geld ich für all das ausgegeben habe (viel zu viel, wie immer): Bei den Spiele-Projekten will ich immer eine Box in der Hand haben. Ohne gibt es schon gar kein Geld von mir. Deshalb habe ich zum Beispiel auch nicht bei Project GODUS mitgemacht. Also einfach in den Belohnungen nach dem Level mit Box schauen und ihr werdet zumindest meinen minimalsten Einsatz erfahren :smile: .

  • The Order of the Stick Reprint Drive (Rich Burlew, 22.01. – 21.02.2012)
    Status: Zum Teil abgeschlossen

    Bin schon jetzt absolut zufrieden mit dem, was ich für mein Geld bekommen habe. War auch sonst ein super Kickstarter.

  • Elevation Dock: The Best Dock for iPhone (Elevation Labs, 13.12. – 11.02.2012)
    Status: Abgeschlossen

    Schicke und wirklich praktische Docking Station. Ob sie jetzt wirklich so viel besser ist als andere, weiß ich nicht. Aber der Erfolg des Projektes hat mich sicherlich auch mit dazu verleitet mein Geld in den Topf zu werfen. Klappte auch alles einwandfrei. Blöd nur, dass bereits das iPhone 5 und damit auch der neue Anschlusstyp erschienen war, bevor ich das Dock in den Händen gehalten habe. Entsprechend durfte ich dann gleich den Adapter noch nachliefern lassen. Der war leider nicht kostenlos, aber zumindest für Backer im Preis reduziert.

  • Double Fine Adventure (Double Fine and 2 Player Productions, 09.02. – 14.03.2012)
    Status: In Arbeit

    Der Kickstarter, der den Kickstarter-Hype gestartet hat. Bin gespannt auf das Spiel, aber die dazugehörige Dokumentation von 2 Player Productions ist alleine schon ihr Geld wert. Sehr interessant endlich mal noch tiefer hinter die Kulissen einer Spieleentwicklung schauen zu können und quasi live dabei sein zu dürfen.

  • Frühes Herstellerbild zu Wasteland 2

  • Wasteland 2 (inXile entertainment, 13.03. – 17.04.2012)
    Status: In Arbeit

    Ich kenne das Original nicht. Aber Rollenspiele gehen immer und Brian Fargo beziehungsweise inXile Entertainment als zweites Exil-Interplay-Studio (Obsidian Entertainment ist das andere) traue ich auch zu, dass daraus ein toller Titel wird.

  • TAKEDOWN (Serellan LLC, 03.03. – 02.04.2012)
    Status: In Arbeit

    Mit dem Versprechen eines neuen Rainbow Six oder SWAT kann man mich eigentlich immer locken. Und nach einem absolut miserablen Auftakt und der darauf folgenden Überarbeitung der Kickstarter-Seite hatte sich das Projekt auch glücklicherweise noch gefangen. Aber trotz aller Fortschritte (einen Prototyp-Level gibt es bereits), ist es definitiv eines der Projekte bei dem ich nicht unbedingt damit rechne was wirklich gutes für mein Geld zu kriegen.

  • High Score – 3rd Edition : A Game History Book (Rusel DeMaria, 05.03. – 04.04.2012)
    Status: In Arbeit

    Die zweite Edition besitze ich nicht. Aber was ich so finden konnte, ist es wohl ein richtig gutes und informatives Buch über die Geschichte der Videospiele. Mit dem Kickstarter sollte nun eine aktualisierte Version des Buches erscheinen. Ob das wirklich passiert, da habe ich mittlerweile so meine Zweifel. Der dazugehörige Blog, für den Nicht-Backer auch noch Geld bezahlen sollen (!), ist mittlerweile so gut wie tot. Auf Kickstarter hat sich der Herr auch nicht mehr gerührt und die letzten Lebenszeichen deuten darauf hin, dass er erst einmal nur die zweite Edition aufbereitet und als eBook veröffentlicht. Mal schauen was da noch kommt.

  • Make Leisure Suit Larry come again“ (Replay Games, 02.04. – 02.05.2012)
    Status: In Arbeit

    Ich habe zu Larry jetzt nicht so einige innige Verbindung wie die Leute, die in den 80igern in die Pubertät gekommen sind. Und auch Al Lowe ist jetzt kein Entwickler, der mein Herz höher schlagen lässt, was vor allem auch daran liegt, dass er eben seit Leisure Suit Larry: Love for Sail! (1996) keine Spiele mehr veröffentlicht hat. Aber die Titel, die ich von der Larry-Serie gespielt habe (5-7), waren nicht schlecht und wie schon bei den Rollenspielen gilt: Adventures kann es nie genug geben.

  • Shadowrun Returns (Harebrained Schemes LLC, 04.04. – 29.04.2012)
    Status: In Arbeit

    Es gibt viel zu wenige Cyberpunk-Spiele und das Shadowrun-Universum ist jetzt auch keine wirklich unbekannte Vorlage, auch wenn ich sie selbst noch nicht gespielt habe. Dass sich die eigentlichen Erfinder nun hinsetzen und nach dem Counter-Strike-Klon von 2007 (das Vista-exklusive Ding) hinsetzen und daraus wieder ein rundenbasiertes Rollenspiel machen, musste ich sie einfach unterstützen.

  • Jane Jensen’s Moebius and Pinkerton Road Studio (Jane Jensen, 04.04. – 19.05.2012)
    Status: In Arbeit

    Abseits von Gray Matter habe ich noch kein Spiel von Jane Jensen gespielt. Auch die hochgelobte Gabriel Knight-Sage kenne ich nur aus Let’s Plays. Aber wie hatte ich schon weiter oben gesagt? Adventures kann es nie genug geben. Außerdem gefallen mir die düsteren (Krimi-)Geschichten und der dazugehörige Stil der Sierra-Legende.

  • Turrican Soundtrack Anthology (Chris Huelsbeck, 15.04. – 04.06.2012)
    Status: In Arbeit

    Ich bin kein Fan von Chris Hülsbecks elektronischer Musik, auch wenn ich zu schätzen weiß, was er in den 90iger Jahren geleistet hat und ich habe das sicherlich auch schon einmal erwähnt. Aber Spielesoundtracks gehören unterstützt und ein paar gute Tracks gibt es auch auf der alten Turrican-Scheibe.

  •  Herstellerbild zu Grim Dawn

  • Grim Dawn (Crate Entertainment, 17.04. – 19.05.2012)
    Status: In Arbeit

    Der geistige Nachfolger zu Titan Quest, einem richtig guten (spielerisch wie grafisch) Diablo-Klon, der auch noch Geschichtswissen vermittelte (griechische Sagenwelt). Leider ist Iron Lore Entertainment dann Pleite gegangen (das Spiel wurde extrem oft illegal heruntergeladen und verkaufte sich entsprechend erbärmlich), weshalb die Jungs Crate Entertainment gründeten und erst einmal mit eigenen Ersparnissen die Arbeit an Grim Dawn begannen. Entsprechend viel gab es bereits im Kickstarter zu sehen und entsprechend wenig musste ich überlegen mein Geld in den Topf zu schmeißen.

  • Pepple: E-Paper Watch for iPhone and Android (Pebble Technology, 11.04. – 19.05.2012)
    Status: Kurz vor der Auslieferung

    Hier habe ich mich definitive vom Hype mitreißen lassen. Ich brauche weder eine Uhr (meine teure Casio funktioniert auch nach 5 Jahren noch einwandfrei) noch eine, die ich frei programmieren beziehungsweise mit dem iPhone steuern kann. Wenn ich sie dann mal in der Hand habe, fallen mir aber vielleicht doch noch Einsatzmöglichkeiten ein :smile: .

  • République (Camouflaj, 10.04. – 12.05.2012)
    Status: In Arbeit

    Schon bevor die PC-Version angekündigt wurde und damit der Kickstarter erst zum Erfolg wurde (was etwas traurig ist), hat mich der Schleicher sehr gereizt. Nicht nur von der Geschichte her (staatliche Überwachung und die dazugehörigen Verschwörungen sind immer toll), sondern eben auch vom Spielprinzip. Zumal es hier anders als bei Splinter Cell oder Hitman wohl wirklich hauptsächlich um das Schleichen und weniger um das Morden geht. Das Projekt wird auch gut gepflegt mit regelmäßigen Podcasts, Videos und Berichten zum Stand der Entwicklung. Wie auch bei Double Fine sehr interessant.

  • Drawing A Drawing 365 (Michael Shapcott, 27.03. – 29.04.2012)
    Status: Zum Teil abgeschlossen

    Ich hatte schon öfters die fixe Idee ein Bild von Kessy anfertigen zu lassen, aber erst mit diesem Kickstarter habe ich die Sache in die Realität umgesetzt. Mit dem Ergebnis bin ich auch absolut zufrieden. Das Originalbild hängt auch bereits seit einiger Zeit hier an meiner Wand. Jetzt fehlt nur noch die angekündigte Mal-Tutorial-DVD, auch wenn die mich jetzt erst einmal nicht ganz so stark interessiert.

  • Nekro (darkForge, 04.04. – 04.05.2012)
    Status: In Arbeit

    Ich mag Spiele, in denen ich mal den Bösen spielen darf. Overlord oder Dungeon Keeper zum Beispiel. Und genau in diese Kerbe fällt auch Nekro. Genauer gesagt klingt es und sieht es sogar aus wie ein Overlord, nur mit einer größeren und offeneren (und zufällig generierten) Spielwelt, stärkeren Strategieelementen und einer dazugehörigen anderen Kameraperspektive.

  • Herstellerartwork zu Starlight Inception

  • Starlight Inception (Escape Hatch Entertainment, 03.04. – 09.05.2012)
    Status: In Arbeit

    Das erste von vielen Weltraumspielen, die Wing Commander, X-Wing & Co. als ihre Inspiration nennen und plötzlich auf Kickstarter aufgetaucht sind. Das war im Prinzip für mich schon Grund genug die Jungs zu unterstützen. Auch wenn ich meinen Joystick vermutlich nicht abstauben darf, freue ich mich trotzdem immer wieder darauf wieder durch das All düsen und Raumschiffe abballern zu können.

  • Two Guys SpaceVenture (Two Guys From Andromeda, 08.05. – 12.06.2012)
    Status: In Arbeit

    Noch zwei Sierra-Legenden, die um Geld für die Wiederbelebung einer alten Adventure-Serie (auch wenn sie das Spiel nicht so nennen dürfen) wollten. Sehr sympathisch sind mir die Typen nicht und die vielen Updates während des Kickstarters waren nur noch nervig, weil komplett inhaltlos. Ging größtenteils immer nur drum „schaut her, hier sind wir mal wieder irgendwo zum Interview oder blödeln rum“ und so Kram. Immerhin kam dann auch mal ein im Browser spielbarer und auch guter Prototyp dazu, sonst hätte ich mein Geld definitiv wieder aus dem Topf genommen.

  • Carmageddon: Reincarnation (Stainless Games, 08.05. – 07.06.2012)
    Status: In Arbeit

    Codemasters macht zwar super Rennspiele, aber die sind immer alle so ernst. Wo sind die Fun-Racer? Oder am besten noch die Fun-Racer mit Waffen? Das ist immer noch eine absolute Nische, entsprechend kommt mir die Rückkehr des Klassikers Carmageddon ganz Recht. Endlich mal wieder Zivilisten, Kühe und anderes Getier überfahren, gegnerische Autos zerstören und vielleicht auch noch als erster ins Ziel kommen. Wobei das bei Carmageddon ja schon immer nur eine von vielen Möglichkeiten war, um zu gewinnen.

Das waren also die ersten 18 Projekte, die ich 2012 bei Kickstarter unterstützt habe. Bei den meisten habe ich auch ein gutes Gefühl, dass ich am Ende was halbwegs Anständiges für mein Geld kriege. Sonst hätte ich sie ja nicht unterstützt. Wobei in der nächsten Liste dann doch ein paar Titel dabei sind, wo ich mich mittlerweile durchaus frage, was mich da geritten hat mitzumachen :smile: . Aber wo Licht ist, ist nun einmal auch Schatten und eine kleine Hoffnung gibt es ja immer.

Fazit

2013 wird auf jeden Fall das Jahr der Kickstarter-Spiele und es wird spannend zu sehen, wie sich vor allem die Veteranen wie Wasteland 2 und Double Fine Adventure am Ende schlagen. Auf der einen Seite wünsche ich mir natürlich, dass richtig gute Spiele dabei rauskommen. Aber bei vielen Titeln haben natürlich auch die Backer ein Wort mitzureden. Da ist die Gefahr groß, dass am Ende nur Mist rauskommt, nur damit auch ja jeder aus eingefleischten Backer-Community zufrieden ist.

Entsprechend hätte ich auch ganz ehrlich gesagt nichts dagegen, wenn auf der anderen Seite eines der Veteranenprojekte so richtig und massiv in die Hose geht, damit ein paar Leute mal aufwachen. Wobei ich auf Ouya als ersten massiven Flop tippe und das nicht nur in Anbetracht der zahlreichen Konkurrenz, die jetzt plötzlich aus dem Boden geschossen ist (unter anderem der Gamestick und nVidias Project Shield).

Schauen wir also mal, wie sich die Sache mit dem Crowdfunding noch so entwickelt.

Sicarius

Die Empörung der Woche

Logo von Deep SilverWas hat sich das Internet am Dienstag wieder total empört gegeben. Stein des Anstoßes war die Ankündigung der Zombie Bait Edition von Dead Island: Riptide und deren Inhalt: Eine Statue eines ziemlich angenagten Torsos (ohne Kopf und Arme) einer Frau im Bikini. Wobei die Betonung dabei ganz klar auf „Frau“ liegt, wenn ich mir die Berichterstattung und die dazugehörigen Kommentare so durchlese. Der Rest scheint gar nicht so relevant zu sein. Und spätestens damit war die Diskussion um diesen, mehr als offensichtlichen, Publicity-Stunt für mich eigentlich schon wieder erledigt. Aber natürlich kann ich wie so oft meinen Mund nicht halten und begebe mich stattdessen heute mal wieder mit meiner persönlichen Meinung in die Höhle des Löwen :smile: .

Der Sturm im Wasserglas

Das Ding ist jetzt nichts, was ich mir persönlich unbedingt ins Zimmer stellen würde, weil es mir nicht gefällt und Frau Mama vermutlich einen Herzinfarkt kriegen würde. Das gilt aber auch beispielsweise für den abgesägten SAW-Fuß gilt, den es mal (oder immer noch?) zu kaufen gab. Generell gibt es so einiges im Horrorfilm/Tortureporn-Bereich als Zubehör (auch in Special Editions) zum Hinstellen, wo ich nicht zwingend mit Freudenschreien in den nächsten Laden rennen würde. Da war auch sicherlich schon einmal ein Frauentorso dabei. Aber seien wir aber doch mal ehrlich: Die Statue passt wie die Faust aufs Auge zum Spiel. Wie viele Frauen in knappen Bikinis habe ich allein im ersten Teil in ihre Einzelteile zerlegt ohne mir großartig Gedanken darüber zu machen? Ja, ohne es überhaupt so richtig zu registrieren? Ich müsste mich eigentlich in Grund und Boden schämen so einen Satz überhaupt niederzuschreiben. Aber es ist halt ein Urlaubsparadies und da laufen Frauen wie Männer nur knapp bekleidet rum (warum macht eigentlich keiner außer dem Spieler die vielen herumliegenden Koffer auf und zieht sich was Anständiges an?) — und damit auch die Zombies, die es gilt in ihre Einzelteile zu zerlegen.

Ist somit die Motivwahl frei von jeder Kritk? Quark. Natürlich kann (und sollte) man sich zum einen fragen, ob nicht (wie von JakillSlavik erwähnt) eine Statue eines der vier Hauptcharaktere die bessere Wahl gewesen wäre oder vielleicht einen Zombiekopf wie beim amerikanischen Blu-ray-Set der TV-Serie The Walking Dead (den ich mir aber auch schon nicht hingestellt hätte). Und zum anderen ob es wirklich nötig war gleich einen Bikini mit überquellenden Brüsten abzubilden. Wobei bei längerem Überlegen die Antwort auf diese Frage eigentlich nur ein klares „ja“ sein kann, womit wir wieder beim Thema „Publicity-Stunt“ sind und der Sache, über die wir tatsächlich diskutieren sollten (Warum erregt nur so etwas aufsehen?). Aber sich schon alleine deshalb über diese Statue aufzuregen, nur weil sie eine Frau darstellt und dann schlimmstenfalls gleich wieder was von wegen „Verharmlosung von Gewalt gegen Frauen“, „Sexualisierungen von Leichen“ oder derlei Zeugs loszulassen. Alter Schwede, man kann es nicht nur definitiv übertreiben. Es ist sogar angesichts der sehr erfolgreichen Vorlage oder Serien wie SAW mehr als nur ein bisschen paradox erst aufgrund solch einem Gimmick diese Frage zu stellen.

Ich gehe aber noch einen Schritt weiter mit meiner Provokation: Solange wir als Spieler selbst noch so empfindlich reagieren — größtenteils nicht weil wir wirklich aufgebracht sind, sondern weil wir Angst um die Außenwirkung haben („gefundenes Fressen für FOX News & Co.“) –, wird das nie was mit „Spiele sind Kunst“. Wie war das mit dem Berliner Künstler, der live auf der Bühne zwei Hundewelpen erdrosseln wollte und gerichtlich gestoppt wurde (wobei auch hier die eigentlich Frage ist: War das Teil seines Planes oder hätte er es wirklich durchgezogen?). Da ist im Vergleich die Statue zu Dead Island: Riptide definitiv nichts, wo ich großartig viele Gedanken drüber verschwende. Bis zum Release des Spiels im April wird sich auch das schnelllebige Internet nicht daran erinnern und stattdessen das Spiel erneut loben (wenn es denn gut ist, wovon ich aber derzeit stark ausgehe).

Die Realität

Deep Silver hat auf jeden Fall erreicht, was sie wollten. Absolut vorhersehbar und sicherlich auch in diversen Exceltabellen anschaulich mit Geldwerten hinterlegt. War es bei Teil 1 der Rendertrailer (der genauso heiß diskutiert wurde und den auch viele abstoßend fanden), ist es nun eben diese Statue, die geholfen hat den Titel in die Medien zu bringen.

Wer nun denkt, dass deswegen in der Marketingabteilung Köpfe rollen, der irrt sich gewaltig. Denkt nur einmal an die Stunts von EA zu Dante’s Inferno (unter anderem die Sache mit dem Geldschein für Journalisten), APB (das Leben eines Mannes zerstören) und Medal of Honor: Warfighter (Waffenverkauf und Tomahawks). Ich gehe sogar stark davon aus, dass sie das Ding trotz des „Proteststurms“ durchziehen und in die Läden stellen. Case and Point: Die Zombie Bait Edition ist bereits inklusive eines echten Fotos des Prototypen bei diversen Shops vorbestellbar.

Epilog

Müsst ihr diese Statue deshalb gut heißen und mit „ist halt so“ abtun? Selbstverständlich nicht! Tut doch nicht schon wieder so als würde euch einer zwingen und erstickt damit jedwede Diskussion. Ihr dürft das Ding gerne abstoßend und geschmacklos finden. Meins ist es wie gesagt auch nicht und ein Meinungsaustausch über Moral und Ethik in unserer modernen Gesellschaft ist sowieso nie verkehrt. Aber dann bitte nicht nur dieses Gimmick, sondern auch gleichzeitig das eigentliche Spiel kritisch hinterfragen. Oder habt ihr etwa schon wieder die Lehren aus Spec Ops: The Line vergessen? Der zentrale Sinn des Titels war es doch gerade uns Spielern einen Spiegel vorzuhalten und uns dazu anzuregen unsere (Spiel-)Gewohnheiten zu hinterfragen und nicht einfach gleich wieder den nächsten hyper-realistischen Shooter zu starten und zur Tagesordnung über zu gehen.

Die Frage ist also nicht, ob diese Spezialedition geschmacklos ist und wie „schlimm“ die Firma ist, die dahinter steckt. Die Frage ist stattdessen, warum so eine Idee überhaupt erst entstehen und als erfolgsversprechend deklariert werden konnte. Und die Antwort darauf ist simpel: Weil die moralischen und ethischen Grenzen sich mittlerweile soweit verschoben haben, dass es möglich ist. Sieht man doch bereits an den jüngsten Entscheidungen der USK, die mittlerweile Spiele ungeschnitten ab 18 freigibt, die vor zwei oder drei Jahren noch sofort indiziert worden wären — zur Freude aller, versteht sich! Schuld daran sind wir alle gemeinsam. Die Marketingleute loten nur aus, genauso wie auch viele Künstler, Regisseure (Deep Throat anyone?) und Autoren (siehe 50 Shades of Grey), wo das aktuelle gesellschaftliche akzeptierte Limit liegt beziehungsweise tragen mit ihrem Tun sogar aktiv dazu bei es dank der dazugehörigen Kontroversen und Diskussionen weiter zu erhöhen.

Ob das wiederum gut oder schlecht ist, kann ich nicht beurteilen. Das muss ich Psychologen, Philosophen oder Leuten wie Azzkickr (Soziologen) überlassen. Die haben davon wesentlich mehr Ahnung.

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