Sicarius

Schau doch mal wieder fern! #2

Die Leiden eines jungen Telekom-Mitarbeiters sind es den Sonntagnachmittag damit zu verbringen das halbe Dorf (Übertreibung) auf VDSL umzuberaten und auch gleich die dazugehörigen Aufträge einzustellen. Jep, ihr habt richtig gelesen: Seit Freitagmorgen sind die MFG in unserem Dorf buchbar und somit das schnelle Internet endlich verfügbar. Ich als Planer des Vorhabens und damit Patient Zero habe natürlich auch direkt um 6:39 Uhr meinen Auftrag eingestellt. Frühester Termin für die Umschaltung ist der 24. Januar. Mal schauen wie lang es dann tatsächlich dauert, bis ich mit mindestens 35 Mbit/s Download und 10 Mbit/s Upload loslegen kann. Aber jetzt habe ich so lange gewartet, da machen es die paar Tage auch nicht mehr aus. Und Vorfreude ist ja angeblich sowieso die schönste Freude.

Doch mein Internetanschluss soll heute nicht das Thema sein. Der Eintrag kommt später :smile: . Ihr wartet ja noch auf die Plätze 6 bis 10 meiner absoluten Lieblingsfilme „aller Zeiten“. Und hier sind sie auch schon:

Promobild zu Blues Brothers

      6.

Blues Brothers(The Blues Brothers, 1980, John Landis)

Jake (John Belushi) und Elwood Blues (Dan Aykroyd), besser bekannt als die Blues Brothers, haben 11 Tage Zeit um 5.000 US-Dollar für ihr altes (katholisches) Internat zu sammeln. Schaffen sie es nicht, wird es geschlossen. Um ihre „Mission für Gott“ zu erfüllen, machen sie sich auf ihre Blues Band wieder aufleben zu lassen und durch ein großes Konzert das Geld zu sammeln. Klingt einfach, ist aber natürlich eine Reise voller Hindernisse bei der sie sich gleichzeitig sehr viele Feinde (Polizei, Bewährungshelfer, eine Country-Band, eine Gruppe Nazis, die Ex-Freundin) machen. Das Ergebnis ist eine musikalische Komödie voll mit äußerst guter (Blues-)Musik (The Blues Brothers, Ray Charles, James Brown, Aretha Franklin, Cab Calloway — spielen sich alle selbst, versteht sich) und einer der besten und amüsantesten Verfolgungsjagden, die jemals auf Film gebannt wurde. Ja, meiner Meinung nach sogar besser als die vielgelobte durch San Francisco in Bullitt (ein weiterer Steve McQueen-Streifen). Definitiv sehr unterhaltsame zwei Stunden.

Und wer es nicht weiß: The Blues Brothers war eine echte Band von John Belushi und Dan Aykroyd. Sie wurde 1977 für einen Sketch bei Saturday Night Live erfunden, war dann jedoch so erfolgreich, dass sie sich selbstständig machten. Dabei kamen mehrere Alben und Touren raus. Leider verstarb 1982 Belushi dann an einer Überdosis, was das Ende der Band bedeutete. 1988 gab es zwar eine „Neugründung“ mit komplett anderer Besetzung, aber wie so oft war diese bei weitem nicht so gut wie das Original.

7. Jackie Brown (1997, Quentin Tarantino)

Der dritte Film (My Best Friend’s Birthday zählt nicht) des Regisseurs und wohl sein unbekanntestes und vor allem gemächlichstes Werk. Die namensgebende Jackie Brown (Pam Grier) ist eine Stewardess, die dem Waffenschieber Ordell Robbie (Samuel L. Jackson) bei seinen Geldwäschegeschäften hilft. Leider wird sie dabei erwischt und da Ordell Leute nicht gerne am Leben lässt, die ihn verraten könnten, beginnt ein Katz- und Maus-Spiel bei dem Jackie versucht am Ende als Siegerin und um eine halbe Millionen Dollar reicher hervorzugehen. Ein toller Heist-Movie mit dem gewohnten Quentin Tarantino-Touch also vielen Hommagen an vergangene Werke, skurriler Humor, derbe Dialoge, ein super Soundtrack und ein starker Fokus auf die Charaktere.

Ich weiß natürlich, welche Frage euch auf den Lippen brennt: Warum genau dieser Tarantino und nicht Reservoir Dogs, Pulp Fiction oder gar Kill Bill, zumal diese doch wesentlich bekannter sind? Nun, da wäre zum Beispiel Robert De Niro als Max Cherry, dem derben „Straight Man“ der Truppe. Das ist mal wieder so eine absurde Rolle, wo man ihm richtig anmerkt, dass er Spaß an seiner Arbeit hat und De Niro ist definitiv einer meiner Lieblingsschauspieler (zumindest bis er mit seiner „lustigen“ Phase angefangen hat). Der Film ist zudem etwas seichter angelegt (die Bezeichnung „Komödie“ wäre aber schon wieder zu viel) als die meist mit schwarzen Humor gespickten beziehungsweise mehr satirischen weiteren Werke Tarantinos. Das i-Tüpfelchen ist jedoch die Musikauswahl (Bobby Womack, Johnny Cash, Randy Crawford, uvm.), die mir von allen Filmen Tarantinos schlicht am besten gefällt.

8. TRON: Legacy (2010, Joseph Kosinski)

Bis 2010 hätte an dieser Stelle der erste TRON gestanden. Doch der Nachfolger legt noch einmal massiv einen drauf. Ein paar Jahre nach den Ereignissen im ersten Film, verschwindet Kevin Flynn (Jeff Bridges) von einem Tag auf den nächsten und wird für Tod erklärt. 20 Jahre später landet, ganz zufällig versteht sich, sein mittlerweile erwachsener Sohn Sam (Garrett Hedlund) in der digitalen Computerwelt genannt Raster. Das wird mittlerweile von einer tyrannischen KI regiert, die zufällig genauso aussieht wie Kevin Flynn und auch noch von ihm erschaffen wurde. Der Rest ist Disney-typisches Material: Wiedervereinigung mit dem verlorenen Vater, Kampf gegen das ultimative Böse und mittendrin auch noch eine Liebesgeschichte — natürlich alles mit Happy End. Nicht gerade das Innovativste also. Es ist mal wieder der Weg das Ziel. Es geht darum Jeff Bridges in seiner Doppelrolle als junger (CGI) und alter Kevin Flynn zu erleben, die beeindruckende, gewohnt neonfarbene Darstellung des Rasters zu bewundern (inkl. Lichtradrennen, Diskusspiele und schöne Frauen in eng anliegenden Latexanzügen, die ihre Kurven so schön…äh…und so weiter) und dabei den genialen Soundtrack von Daft Punk zu hören. Außerdem finden Kellerkinder schon die grundlegende Thematik saumässig cool. Das reicht eigentlich schon als Begründung :smile: .

Promobild zu Vernetzt9. Vernetzt (Johnny Mnemonic, 1995, Robert Longo)

Apropos Kellerkinder: Abseits der Charaktere und Schauplätze hat die actionreiche Romanverfilmung Vernetzt nicht mehr viel mit William Gibsons Sprawl-Serie (Neuromancer) gemein, mit der das Genre des Cyberpunk eigentlich erst erfunden wurde und quasi DIE Bibel der damaligen Netzkultur ist. Der Film dreht sich um Johnny (Keanu Reeves, 4 Jahre vor Matrix), einem Kurier. In der futuristischen Welt bedeutet das jedoch nicht, dass er Briefe mit dem Fahrrad austrägt. Stattdessen hat er einen Teil seines Gehirns in einen Datenspeicher umgewandelt und im Gegenzug ein paar Erinnerungen verloren. Sein neuster Auftrag bringt jedoch ein Problem mit sich: Die Datenmenge ist zu groß und wenn er nicht innerhalb von 24 Stunden wieder Platz schafft, stirbt er. Blöd nur, dass die Daten so brisant und weltbewegend sind, dass ein Pharma-Konzern sich auf die Jagd auf ihn macht. Der Film ist für damalige Verhältnisse visuell beeindruckend in Szene gesetzt, macht Nerds trotz den Unterschieden zum Buch irgendwie an und die Rolle des Johnny passt wie später auch Neo einfach perfekt zu Keanu „Mein Mimik ist für alle Zeiten festgefroren“ Reeves.

10. The Crow – Die Krähe (The Crow, 1994, Alex Proyas)

Der Film, bei dem Brandon Lee (der Sohn von Bruce Lee) nicht nur gespielt, sondern auch tatsächlich im Intro erschossen wurde. Nein, die Originalszene wurde nicht in den Film eingebaut. So geschmacklos wären vermutlich nur die SAW-Macher. Die wurde mit einem Double nachgedreht. Die Comicverfilmung erzählt die Geschichte von Eric Draven (Brandon Lee), der zusammen mit seiner Freundin in der Nacht vor Halloween von einer Gang überfallen und schlussendlich dabei getötet werden. Da seine Seele jedoch keine Ruhe findet, wird er ein Jahr später von einer Krähe wieder ins Diesseits befördert, kann sich ab sofort selbst heilen und macht sich sogleich auf einen äußerst brutalen Rachefeldzug. Ein sehr düsteres (sowohl vom Inhalt her als auch Cinematographisch) Werk mit starkem Gothic-Flair, das definitiv nicht für Kinder geeignet ist, aber zu den besten Comicverfilmungen aller Zeiten gehört. Die Nachfolger inklusive der TV-Serie kann man allerdings getrost in die Tonne werfen.

Und damit wären wir am Ende der Auflistung. Das sind dieses Mal definitiv andere Kaliber als die Plätze 1 bis 5. Ja, man könnte teilweise fast schon von B- und C-Titeln sprechen. Aber deshalb ist das ja ausschließlich meine persönliche Liste und da sind eben auch Filmchen drauf, wo selbst ich nicht unbedingt mehr ganz rational die Gründe für die Auswahl nachvollziehen kann. Neben Vernetzt lag zum Beispiel auch Das Netz (der mit Sandra Bullock) im Rennen um Platz 9. Ich habe absolut keinen Schimmer warum ich auf den so abfahre. Zumal es noch nicht einmal einer der besten Filme mit der Dame ist. Irgendwie finde ich den trotzdem bis heute super. Das wird dann wahrscheinlich tatsächlich an irgendwelchen nostalgischen Dingen liegen. Aber was soll’s. Wer macht jetzt mit mir ein Filmwochenende, wo wir alle 10 Filme am Stück schauen? Keiner? Schade :sad: .

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8 Kommentare

7. find ich jetzt wirklich überraschend. Hab ihn mal gesehen, aber kann nicht sagen, dass ich begeistert war… Klar so ne Standardwahl wie Reservoir Dogs und Pulp Fiction hab ich auf der Liste nach dieser Top5 natürlich nicht erwartet, aber naja ;)

Also beim Filmwochenende bin ich sofort dabei, ich kenn die meisten Filme ja eh noch nicht ;) Am besten noch mit der 5h Version vom Boot, danach ist dann eh alles egal :D

Ich hab's spaßhalber mal ausgerechnet:

Gesprengte Ketten – 165min
Rain Man – 133min
Das Boot (TV-Fassung) – 282min
Armee der Finsternis – 96min
M – 107min
Blues Brothers – 142min
Jackie Brown – 154min
TRON: Legacy – 127min
Vernetzt – 92min
The Crow – 102min

Gesamt: (überraschend genau) 1.400min = 23 Stunden und 20 Minuten

Na, klingt nach einem normalen Serien-Marathon Wochenende. (ohne Freitagabend) :wink:

Also Blues Brothers freut mich darin zu sehen. Beim kurzen Überlegen habe ich persönlich gar nicht an den Film gedacht. Ich glaube die ältesten Schinken, die bei mir dabei wären, wären Gone with the Wind und Nineteen Eighty-Four, wobei eine TopTen bei mir sowieso unheimlich von der Stimmung abhängig wäre. Jetzt im Moment könnte ich beispielsweise nichts mit Apocalypse Now: Redux anfangen, wenn ich Semesterferien habe, schon eher. :laughing:

TRON: Legacy überrascht mich zwar, aber ich sehe jetzt auch nicht mehr so viel Schlechtes an dem Film, dass ich da vehement Protest äußern müsste. Schön, dass Vernetzt auch dabei ist. (Lautet der deutsche Titel nicht "Vernetzt – Johnny Mnemonic"?) Dieser Film erinnert mich auch immer wieder an Ghost in the Shell, als dort eine ähnliche Krankheit, die Cyberbrain-Sklerose, bekämpft wird. Erschreckend, wie hier wieder Anleihen aus dem Manga von '89 in der Kurzgeschichte, auf der Vernetzt beruht aufgegriffen werden.

Wenn Azz auch Lust hätte (und seine Hardware zur Verfügung stellt), könne mer die Idee auch gerne in die Wirklichkeit umsetzen. Vielleicht nicht unbedingt die 24 Stunden am Stück aber 2 Wochenende mit je 5 Filmen wäre sicherlich lustig. Dramaturgisch könnte man es zum Beispiel so machen:

1. WE (gut 12 1/2 Stunden)
Das Boot
Armee der Finsternis
Rain Man
Jackie Brown
Vernetzt

2. WE (knapp 11 Stunden)
M
Gesprengte Ketten
Blues Brothers
The Crow
TRON: Legacy

Quasi ein abwechslungsreicher Mix aus ernsten und "Fun"-Filmen :smile: .

Für diesen Zweck würde es imho auch der Directors Cut vom Boot tun, man muss es ja nicht übertreiben ;)

Ne, die TV-Fassung ist viel viel besser und auch intensiver, da nur hier die Off-Kommentare vom Erzähler vorhanden sind. Die lohnt definitiv.

Egal wie ich versuche das durchzuwürfeln… Blue Brothers ist irgendwie immer der C-C-Combobreaker. :D

Azzkickrs Heimkinowelt steht gerne zur Verfügung :smile:

Auch wenn 12h echt sehr laaaange sind ^^. Und ich finds immer schade, wenn man Filme hat, die nicht das Potential eines Heimkinos ausreizen (modernes krach-bumm-bäng eben :smile:)

Naja, wir können ja mal versuchen nen Termin festzumachen.

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