Sicarius

Eine Reise zum Mond

Ja sind wir denn hier auf dem Mond, oder was? Die Steuerung von diesem komischen Ding ist total schwammig und träge. Die Reaktionszeit ist abartig hoch und wenn ich aufhöre die Düsen zu betätigen, dann fliegt das scheiß Ding trotzdem noch gefühlte 2 Stunden in die gleiche Richtung weiter. Wer hat den diesen Blödsinn programmiert?!

Besucher D: Pssst, Sicarius. Nur so als Info: Du bist in diesem Spiel tatsächlich auf dem Mond. Deswegen heißt es doch auch Lunar Flight: Der Mondlandefährensimulator.

Cover von Lunar Flight: Der MondlandefährensimulatorTatsächlich? Oooh. Ähhm… ja… Was wollte ich sagen? Ach genau: Headup Games Publishing hat sich mal wieder einen erfolgreichen Indie-Titel geschnappt und bringt ihn nächste Woche (21.02.2012) in den stationären Handel. Und wie so oft, hat Headup Games mir vorab ein Testmuster zur Verfügung gestellt. Veröffentlicht wurde Lunar Flight allerdings schon vor über einem Jahr (07.01.2012), hat aber eine solide Fangemeinde gesammelt und erhält immer noch Updates. Bis Ende Februar soll beispielsweise noch Version 1.7 erscheinen, der unter anderem einen Mehrspielermodus einfügt.

Rein ins kalte All

Wie der Name schon andeutet, handelt es sich bei Lunar Flight um einen Flugsimulator im Weltall. Entsprechend hoch ist auch der Anspruch, wenngleich für den „normalen“ Spieler durchaus einige Zugeständnisse gemacht wurden. So lässt sich eure Fähre ganz gut sowohl mit Tastatur (WASD und Pfeiltasten) bedienen als auch mit einem Gamepad (Vorteil: ihr könnt den Düsenschub ohne zusätzliches Tastendrücken bestimmen). Was aber nicht bedeutet, dass ihr sofort einsteigt und ratzfatz die Ränge hochsteigt. Es gibt nicht umsonst ein Achievement dafür, dass ihr eure Fähre zerstört und das auf Steam mit 84,6% den ersten Platz belegt.

Ein Tutorial im Spiel? Vergesst es. Der Button führt euch zu einer Flugschule auf der Webseite des Herstellers. Und selbst das gedruckte Handbuch ist nur marginal nützlich. Zumal es keine deutsche Übersetzung gibt. Sprich im Handbuch lest ihr die deutschen Begriffe, im Spiel selbst erwarten euch jedoch nur englische Wörter. Immerhin gibt es einen „Übungsmodus“ in dem ihr unendlich viel Treibstoff habt und zumindest da etwas spielen könnt. Mit Patch 1.7 sollen jedoch unterschiedliche Einstellungsmöglichkeiten kommen (kein Treibstoffverbrauch, Unverwundbarkeit und so Zeugs), wenngleich ihr dann vermutlich aus der Onlinerangliste rausfallt.

Dodal anspruchslos!

Was Lunar Flight vor allem so schwer macht, ist die realistische Simulation der Mondphysik. Wie anfangs erwähnt, bleibt ihr eben nicht gleich stehen, wenn ihr aufhört den Schub zu drücken. Stattdessen werdet ihr durch die Trägheit. Eine Fehlbedienung und ihr dreht und rollt unkontrolliert durch die Gegend, schrammt gegen Steine oder verfehlt euer Ziel bestenfalls um Kilometer. Und da setze ich noch voraus, dass ihr nicht in Panik geratet und plötzlich nicht mehr wisst welche Taste jetzt eigentlich was macht. Nach rund 90 Minuten habe ich es immerhin geschafft in aufrechter Position, ohne Zeitlimit und mit ausreichend Resttreibstoff im Tank alle vier Basen auf der ersten Karte anzufliegen. Insgesamt gibt es vier Maps, die ihr aber anscheinend erst nach und nach freischalten müsst. Drei davon spielen auf dem Mond und die letzte als Hommage an Curiosity auf dem Mars.

Der Mars ist übrigens dann noch ein komplett anderes Thema. Im Optionsmenü gibt es nämlich den Punkt „Mars Weather“ und die Gravitation ist dort natürlich auch anders. Da müsst ihr die Fähre wohl bewusst drehen, um genug Treibstoff für eure Reisen zu haben. So erwarten euch beispielsweise Time Trials, in denen ihr so schnell wie möglich von Punkt A zu Punkt B gelangen müsst, Transportaufträge (sammle Container auf und bringe sie wo hin), Erkundungsmissionen (fliege hier und dort hin und scanne die Umgebung) und dergleichen. Alle übrigens zufallsgeneriert, aber eine Geschichte habt ihr bei diesem Spiel hoffentlich sowieso nicht erwarten. Dank der coolen Musik (mit auf der DVD) sowie ständiger und vermutlich auch wieder realistischer Funkkommunikation im Hintergrund (hat nichts mit euch zu tun und ist auch nicht sehr dominant) wird aber auch so eine nette Atmosphäre auf der grafisch zwar gutaussehenden aber natürlich äußerst kargen Mond- und Marslandschaft erzeugt.

Herstellerbild zu Lunar Flight: Der MondlandefährensimulatorDurch das Erfüllen der Missionen erhaltet ihr Geld und Erfahrungspunkte. Letzteres lässt euch im Rang aufsteigen und ermöglicht euch den Zugang zu besseren Upgrades, beispielsweise ein effizienteres Triebwerk, die ihr dann mit eurer hart verdienten Kohle einkauft — solltet ihr nicht vorher alles für Treibstoff und Reparaturen ausgegeben haben. Ja: Es gibt auch ein realistisches Schadensmodell und glaubt ja nicht, dass die Füße an eurer Fähre nur zur Show da sind. Die scheiß Dinger bleiben überall hängen, wenn ihr nicht hoch genug fliegt. Dann fallt ihr bestenfalls um, verliert aufgrund von Beschädigungen tonnenweise Treibstoff, euer Antrieb setzt ständig aus und die ganze Angelegenheit wird plötzlich noch anspruchsvoller. Oder ihr setzt eure Fähre zurück und bezahlt dafür 1.500 Dollar. Wie gesagt: Nicht ganz einfach das Ganze und da habe ich euch noch gar nicht erzählt, wie ihr eigentlich die ganze Welt seht.

Eyefinity anyone?

Standardmäßig bräuchtet ihr nach dem Start vermutlich ein Setup mit AMDs Eyefinity und vier Bildschirmen, besser noch mehr. Auf dem einen sehr ihr die Außenkamera der verschiedenen Außenposten auf dem Planten, rechts davon erwartet euch die Cockpitansicht, auf der man meiner Meinung nach GARNICHTS von der Spielwelt erkennen kann. Ihr braucht sie aber, um die ganzen Informationen (Höhe, Winkel, Treibstoff und so Zeugs) zu erhalten, mit denen ihr überhaupt erst wisst, wohin sich eure Fähre bewegt und wie es ihr geht. Glücklicherweise lässt sich diese Fenster in eine Egosicht umschalten ohne das Ganze (nur teilweise anklickbare) Cockpit.

Unten links erwarten euch hingegen die ganzen anderen Infos (Mission, Fracht, Karte) sowie die Möglichkeit das Schiff von oben zu zeigen. Ohne kriegt ihr keine Landung hin. Und rechts sehr ihr euer Gefährt von hinten. Die Ansicht, die ich am meisten benutze, da ich hier besser abschätzen kann wie hoch ich bin, welche Richtung ich fliege und vor allem welche Düse ich gerade betätige. Wenn euch der viergeteilte Bildschirm nervt, dürft ihr jeden einzelnen als Hauptansicht aktivieren und den Splitscreen so beenden.

Bagdadsoftware meint: Lunar Flight: Der Mondlandefährensimulator ist definitiv mal was anderes und vor allem kein typischer „Simulator“-Rohrkrepierer. Stattdessen funktioniert das Spiel in seiner aktuellen Version und bewegt sich ganz gut auf dem schmalen Grat zwischen erschlagender Komplexität und Spielspaß. Anders als bei einem der Digital Combat Simulator von Eagle Dynamics braucht ihr nicht erst ein 300 Seiten starkes Handbuch, um überhaupt zu wissen wie der Motor angeht.

Ja, ihr werdet zu Beginn eure Fähre mehrfach (unabsichtlich) zerstören und wer einen Action-Titel sucht ist hier logischerweise auch verkehrt. Aber hat man erst einmal die Fähre ein wenig im Griff und den ersten erfolgreichen Basentransfer abgeschlossen, ist es ein schönes Gefühl das zum Weitermachen motiviert. Es ist somit vielleicht keine 20 Euro (Ladenversion), aber für derzeit 10 Euro auf Steam oder beim nächsten Indie/Steam Sale auf jeden Fall einen Blick für alle wert, die nicht von Simulationen grundsätzlich abgeschreckt werden und vor allem bereit sind sich in die Sache hineinzuarbeiten.

Bis Donnerstag! Ich leg mich jetzt ins Bett. Ich hab‘ mir wohl eine Erkältung eingefangen. Finde ich mal wieder total super.

PS: Noch 4 Tage! Wenn alles klappt (und ich nicht mit einer tropfenden Nase vor der Kamera sitzen muss), erwartet euch am Montag an dieser Stelle kein langer Text :smile: .

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2 Kommentare

Bin ja mehr oder weniger realistischen Simulatoren nicht abgeneigt, aber das ist mir dann doch zu abgespaced *ba-dum-tsss*

Jeglichen erdenklichen Respekt an alle, die sich mit derlei Spielen auseinandersetzen können! Ich hab dafür einfach nicht den Kopf und (auch wenn ich mich als äußerst geduldigen Spieler sehe) nicht die Geduld ^^

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