Sicarius

Unendlich weit rennen

Wenn mich jemand nach meinem Lieblingsgenre fragt, dann sage ich entweder „Shooter“ oder „Rollenspiele“ (je nachdem wer fragt). Wenn man mein Spielverhalten genauer betrachtet, ist das allerdings mittlerweile komplett gelogen. Tatsächlich müsste ich „Endless Runner“ antworten, so oft wie ich mittlerweile einen Vertreter dieses Untergenres der Plattformer auf meinem Smartphone zocke und ich könnte nicht einmal erklären was mich an diesen Spielen so fasziniert oder bei der Stange hält. Schließlich geht es am Ende doch nur darum die eigene Highscore zu knacken, dabei (mittlerweile Standardmäßig) bestimmte Missionen zu erfüllen und genug Sachen einzusammeln, um das nächste Upgrade freizuschalten. Sterbe ich, geht das Ganze einfach wieder von vorne los. „Abwechslung pur!“ würde man sagen.

Und da wir jetzt sowieso schon so ganz zufällig beim Thema „Endless Runner“ sind: Warum stelle ich euch heute nicht einfach die drei Vertreter dieses Genres vor, die ich derzeit am häufigsten zocke? Ist doch eine tolle Idee, oder etwa nicht? Dachte ich mir.

Logo von Storm the TrainStorm the Train (chillingo; iOS; kostenlos) – Das Spiel gehört streng genommen eher einem Untergenre der Endless Runner an. Ihr dürft eure Spielfigur nämlich frei bewegen, wohingegen normalerweise der eigene Charakter komplett von alleine läuft. Ein Wikipedia würde es vielleicht sogar in die „Side-Scroller-Arcade-Action“-Ecke stecken wie beispielsweise ein Metal Slug. Dagegen spricht aber wiederrum, dass es keine festen Levels gibt, sondern ihr einfach so lange von links nach rechts lauft bis ihr sterbt. Aber lasst uns doch mal konkret werden:

Herstellerbild zu Storm the TrainIn Storm the Train wählt ihr aus einem von drei Charakteren, die jeweils unterschiedliche Werte in den Attributen „Schnelligkeit“ und „Lebensenergie“ besitzen. Mit eurer Spielfigur stürmt ihr dann, wie der Name des Spiels schon andeutet, einen beziehungsweise mehrere Züge. Diese werden zufallsgeneriert und wechseln thematisch zwischen „Horror“ (Zombies, Skelette und Vampire), „Zukunft“ (Roboter) und „Orientalisch“ (Ninjas und Samurais). Ja, es heißt wirklich „Orientalisch“ und nicht „Asiatisch“. Keine Ahnung was an Ninjas und Samurais orientalisch sein soll, aber so ist das eben.

Ballern bis der Finger brennt

Das Spiel ist in gezeichnetem 2D gehalten und findet auch auf einer 2D-Ebene statt, auf der euch nicht nur nach rechts, sondern auch nach links bewegen könnt (zumindest bis ihr wieder am Anfang des aktuellen Zuges angekommen seid). Euer Ziel ist es, wie oben erwähnt, nach rechts zu laufen, so lange zu überleben wie möglich und am Ende die Highscore zu knacken. Dabei gilt es den Gegner allerdings nicht unbedingt nur auszuweichen: Ihr seid auch bewaffnet und euer Arsenal reicht von Pistolen über Maschinengewehre bis hin zu Raketenwerfer und Minigun — alle mit unendlich viel Munition. Und wie immer müsst ihr alles erst nach und nach freischalten. Auch die Verbesserungen gibt es nur gegen Bezahlung mit der Ingame-Währung. Die erhaltet ihr natürlich zum einen gegen echtes Geld, sammelt sie zum anderen aber auch beim ganz normalen Spielen auf. Auch Powerups stehen bereit, die ihr entweder gegen Bezahlung aktiviert oder zufällig zur Verfügung stehen, wenn ihr eine bestimmte Anzahl an Gegnern geplättet habt. Darunter zum Beispiel ein Mech-Suit, mehrere Dronen und ein alles vernichtender Luftschlag.

Abwechslung in die ganze Sache bringen der Jetpack und die „Cylindrical Death Weapon“, eine Kreissäge auf Rädern. In diesen Abschnitten lauft ihr dann tatsächlich automatisch und ihr müsst „nur“ den vielen Hindernissen auf eurem Weg ausweichen. Sterbt ihr hier, geht es dann wieder ganz normal zu Fuß weiter. Zusätzlich gibt es innerhalb der Levels immer mal wieder kleinere, sich aber schnell wiederholende Aufgaben wie „Töte den Bossgegner“, „Befreie den Gefangenen“ oder „Überlebe 3 Gegnerwellen“ sowie übergreifende Missionen („Sammle 300.000 Punkte in einem Spiel“ oder „Töte insgesamt „300 Gegner“) durch deren Erfüllung ihr euch Sterne und damit erst den Zugang zu den verschiedenen Waffen und PowerUps und deren Verbesserungen erhaltet.

Bagdadsoftware meint: Storm the Train ist mal etwas frischer Wind im Genre, da es hier weniger um perfektes Timing geht und viel mehr drum im Gegnerchaos die Übersicht zu behalten und am Ende der einzige Überlebende zu sein. Als richtiges 2D-Shoot-‚em-up mit richtigen Levels würde es aber vermutlich noch wesentlich besser funktionieren und, noch viel wichtiger, noch länger bei der Stange halten.

 Logo von Temple Run 2Temple Run 2 (Imangi Studios; Android, iOS; kostenlos) – Temple Run war das Command & Conquer der Endless Runner. Während Canabalt (Dune 2) das Genre begründet hat, hat es erst das Werk von Imagni Studios wirklich so richtig populär gemacht. Vor kurzem ist nun der Nachfolger erschienen, der mehr vom gleichen bietet:

Ihr seht euren Charakter in der 3D-Welt von hinten und müsst solange wie möglich vor einem großen Affen weglaufen, dem ihr ein goldenes Idol geklaut habt. Da das alleine langweilig wäre, gibt es diverse Hindernisse auf eurem Weg, die es gilt zu überspringen oder drunter durchzurutschen oder dran vorbeizulaufen. Ziel ist es, wen wundert es, soweit wie möglich zu Laufen, ein paar Aufgaben zu erfüllen („Laufe 5.000 Meter weiter“) und dabei möglichst viele Coins einzusammeln mit denen ihr neue Charaktere sowie PowerUps freischalten beziehungsweise verbessern könnt. Außerdem braucht ihr die Coins im Spiel, um gezielt ein PowerUp aktivieren zu können. Die restlichen sind einfach so auf der zufällig generierten Strecke verstreut. Neu ist nun eine, von Pitfall-inspirierte Fahrt mit einer Lore sowie kurze Abschnitte in denen ihr an einem Seil entlangrutscht und die Möglichkeit Edelsteine einzusammeln (bzw. gegen Echtgeld zu kaufen) mit denen ihr euch unter anderem wiederbeleben könnt.

Bagdadsoftware meint: Wer Temple Run mochte, der wird auch mit dem Nachfolger wieder glücklich. Er stellt eine konsequente Weiterentwicklung dar und bietet auch auf Dauer etwas mehr Abwechslung. Ist aber von allen drei hier besprochenen Spielen immer noch der genre-treuste Vertreter in Sachen Endless Runner.

Herstellerbild zu Madcoaster Logo von MadcoasterMadcoaster (chillingo; iOS; 0,89 Euro) – Wisst ihr was ich so toll an Smartphone-Spielen finde? Die haben alle so eindeutige Namen. In Madcoasters geht es nämlich um eine verrückte und unendlich lange Achterbahn, die ihr mit eurem Zug entlangfahrt. Neben den üblichen Coins mit denen ihr euch, welche Überraschung, PowerUps und Verbesserungen kaufen könnt, befinden sich über, auf und unter der Strecke auch allerlei Arten von Tieren. Paradiesvögel, Pinguine, Pandas, Fische — alles Mögliche dürft ihr abhängig vom alle 1.000 Meter wechselnden Szenario (Vulkan, Safari, Antarktis und so weiter) überfahren, um die Highscore nach oben zu treiben und gleichzeitig auch die diversen Aufgaben zu erfüllen („Überfahre fünf Pinguine“ oder „Komme 10.000 Meter weit“).

Euer „Gegner“ in diesem 2D-Endless Runner sind Lücken in der Strecke, die ihr durch einen rechtzeitigen Druck auf das Display überspringen müsst. Etwas, das vor allem in den hinteren Abschnitten nicht ganz so einfach ist. Teilweise ist das Ende der Strecke hinter ein paar Wolken im Vordergrund versteckt oder es kommt fieser Weise gleich wieder eine Lücke und ihr springt direkt hinein. Letzteres ist schon fast unfair. Glücklicherweise gibt es in diesem Spiel Extaleben. Mindestens drei Mal könnt ihr also durchaus mal runterfallen, bevor ihr wieder bei null anfangen müsst. Erwähnenswert ist bei Madcoster neben dem netten und bunten Grafikstil außerdem noch das Geschrei eurer kindlichen Passagiere bei jedem Sprung oder bei einem Looping. Zugegeben: Nach dem 10. Spiel verdrängt ihr es. Aber bis dahin ist es ganz lustig. Außerdem dürft ihr mit euren Coins die Kinder auswechseln, was aber nur optische Auswirkungen hat.

Bagdadsoftware meint: Madcoaster ist wohl der klassischste Genre-Vertreter von den hier behandelten Spielen. Es geht wirklich nur um das richtige Timing bei den Sprüngen. Zusätzliche Spielereien gibt es keine. Dafür sind die einzelnen Abschnitte in sich abwechslungsreicher gestaltet und sich dank der größeren Anzahl an unterschiedlichen Themen nicht ganz so oft wiederholen. Außerdem gefallen mir (immer noch!) die Reaktionen der Kinder. Die „Wooooaaahs“ und „Aaaaaahs“ sind einfach zu putzig :smile: .

Abschließend möchte ich natürlich noch erwähnen, dass es allen drei Spielen natürlich auf Dauer an Abwechslung fehlt. Nach einer Runde hat man bereits alles gesehen, was es gibt. Die restliche Motivation entsteht einzig und alleine durch das Freischalten der jeweiligen Upgrades, die es euch erlauben noch weiter zu kommen und damit euren Highscore zu knacken. Aber das ist ein Negativpunkt, der nun einmal zum Genre dazu gehört.

Bis Donnerstag!

PS: Noch 18 Tage bis VDSL50 geschaltet wird. Die Hardware habe ich am Samstag bereits soweit vorbereitet damit ich an Tag X nur noch umstecken muss. Hätte nicht gedacht, dass das Verlegen von 30m Netzwerkkabel (inkl. Kabelkanal) einen halben Tag in Anspruch nimmt…

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5 Kommentare

Ab und an spiele ich die Runner-Spiele auch gerne. Meistens wenn ich ein paar Minuten herumbringen muss oder will, nette Dinger und perfekt für Smartphones :) .

BTW, sechs Wochen noch bis LTE (50 MBit/sek aber nur 30 GByte im Monat). 30 Gigabyte. Im Monat. *grusel*

30 GB sind verdammt wenig. Das würde ich, und das ist leider überhaupt keine Übertreibung, alleine durch das Starten von Steam verbrauchen. Und nein, nicht wegen neuen Spielen. Stattdessen kommt gefühlt jeden Tag ein Update mit 2GB+ und zwischendurch fällt ihm dann auch immer mal wieder ein ein Spiel komplett neu herunterladen zu müssen (2mal in den letzten Wochen 9,8GB für Left 4 Dead 2 runtergeladen!). Da sind die 30GB leer und man hatte noch gar nichts davon.

Also 30GB hat ich letztens auch problemlos an einem Tag… Hatte Steam neu installiert ohne irgendwas zu sichern. Mit dem neuinstallieren von Rage, Saints Row 3 und Civ5 waren die 30GB locker weg und das waren natürlich nicht das einzigen die ich installiert hatte ;)

Japp, wir werden uns da arg einschränken müssen. Steam-Updates sind verboten und am Wochenende wird das Notebook zum 5 Kilometer entfernt gelegenen Haus meiner Eltern geschleppt – dort gibts 100 Megabit per Kabel.. Dürfte lustig aussehen – Familie futtert Kuchen, Notebooks ackern sich die SSDs wund und die Leitung glüht.

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