Sicarius

Scharfschützen, die Zweite

Nein, heute gibt es keine neue Folge von Christoph Spielt. Gears of War: Judgment war mir den Aufwand nicht wert und für Trials Evolution (Gold Edition) bin ich viel zu schlecht, um euch da eine Stunde Gameplay zu zeigen :smile: . Ich denke aber, dass euch am Ostermontag an dieser Stelle Ausgabe 4 erwarten wird. Dann entweder mit BioShock: Infinite (sehr geile Collector’s Edition) oder Army of Two: The Devil’s Cartel (ob’s was taugt?).

Herstellerbild zu Sniper: Ghost Warrior 2Reden wir stattdessen heute noch einmal über Sniper: Ghost Warrior 2. Im Gegensatz zu SimCity und Tomb Raider, habe ich das nun durchgespielt und auch bereits einige Zeit im Mehrspielermodus verbracht. Das Endergebnis sind 4 von 5 Sics, auch wenn das sicherlich Angesicht der vielen Probleme am Anfang überraschend kommt. Doch die Abstürze sind wesentlich weniger geworden in den weiteren Spielstunden und der Mehrspielermodus funktioniert mittlerweile auch einwandfrei. Somit fallen diese Kritikpunkte nun weg. Bleibt natürlich noch das andere Zeug: Stark linearer Levelaufbau mit nur wenig Freiheiten (bestimmte Situationen konnte ich nicht einmal ohne Alarm auszulösen entschärfen, weil es vom Spiel vorgegeben war!), verschenktes Potential in Sachen Simulation (selbst auf Expert noch viel zu viele Anzeigen) und eine erneut äußerst kurze Kampagne (4-5 Spielstunden) mit wenigen Höhepunkten und einer höchstens soliden Geschichte. Speziell letzteres hat mich persönlich am meisten enttäuscht. Selbst der Kampf gegen den Helikopter war absolut witzlos (und das auf Expert!).

Damals auf gamescom 2011 hinterließ dieser bei mir einen wesentlich besseren Eindruck (gibt mir übrigens im Nachhinein zu denken, dass quasi das Semi-Finale als Demo gewählt wurde). Ich war übrigens laut City Interactive der einzige Pressevertreter, der es geschafft hat den Heli zu besiegen (und auch sonst waren die Jungs schwer von meiner Spielweise beeindruckt *angeb*). Dabei lief die Demo auf XBox 360 und ich musste mit dem Gamepad spielen! Die Entwickler haben den Kampf aber seitdem komplett umgebaut. Und auch der finale Kampf (Elite-Sniper gegen Elite-Sniper) war mal wieder ein absoluter Reinfall.

Abschweifung

Apropos finaler Kampf: Ich weiß nicht, ob ich das jemals auf Bagdadsoftware erwähnt habe, aber das Finale des Films Duell – Enemy at the Gates (2001) fand ich so richtig beschissen. Wer den Film nicht kennt: Es geht um das Duell zweier Scharfschützen während der Schlacht von Stalingrad. Im Prinzip also genau meine Art von Film. Aber, und das ist jetzt offensichtlich ein Spoiler, das Ende passt hinten und vorne nicht zum ansonsten gelungen Machwerk. Und zwar bekämpfen sich die beiden in einem Bahnhof und plötzlich entscheidet sich der deutsche Schütze seine Deckung zu verlassen und quasi einfach so über die Gleise zu schlendern. Im Wiki wird behauptet, dass er das macht, weil er dachte den anderen erschossen zu haben. Das macht aber selbst dann keinen Sinn wenn er glaubt, dass der andere tot ist. Ein erfahrener Scharfschütze würde sich niemals so offen durch die Gegend bewegen.

Wie ich jetzt auf das Thema komme? Nun, dieses Duell ist auch im Buch Sniper: One Shot, One Kill erwähnt, welches der Collector’s Edition des Spiels beiliegt. Der Film ist also von realen Begebenheiten inspiriert, obwohl als Vorlage das gleichnamige Buch hergenommen, was ich bislang tatsächlich nicht wusste. In der Realität erschoss Wassili Saizew nach einem dreitätigen Katz- und Maus-Spiel den deutschen Schützen als sein Visier in einem Moment der Unachtsamkeit das Sonnenlicht reflektierte. Der Typ war unter einem Wellblech versteckt. Von wegen also offen über irgendwelche Gleise laufen und so einen Blödsinn.

Ich spreche übrigens nur von einem deutschen Schützen, weil sich niemand sicher ist ob er wirklich Erwin König hieß und tatsächlich der Leiter der Scharfschützenschule der Wehrmacht war. Das ist nämlich das Problem von Propaganda: Die Russen könnten den Abschuss für ihre Zwecke total aufgepuscht haben. Die Deutschen könnten hingegen alle Aufzeichnungen über König vernichtet haben, um die Truppen nicht zu demoralisieren. Eine gesicherte Erkenntnis ist, dass Hitler und seine Untergebenen nicht extra einen Scharfschützen nach Stalingrad geschickt haben, um den russischen Elite-Sniper (149 bestätigte und 600 unbestätigte Abschüsse, darunter einen Offizier plus zwei Helfer aus einer Entfernung von 700 Metern) auszuschalten. Und Saizew hat auch nur Jagd auf den „Kollegen“ gemacht, weil dieser zuvor unter anderem seinen Spotter geplättet hat. War quasi so etwas wie ein Rachefeldzug.

Zurück zum Thema

Was wollte ich mit dieser Auskopplung sagen? Ähm…vermutlich, dass das Buch richtig cool ist. Es könnte zwar dicker und ausführlicher sein, aber es steht definitiv einiges drin, was ich bislang nicht wusste und was mich mal wieder zu einer längeren Internetrecherche zum Thema motiviert hat. Oder war euch bekannt, dass es einen Unterschied zwischen Zielfernrohrschütze und Scharfschütze gibt beziehungsweise, dass es ersteren überhaupt gibt? Wenn ja, dann seid einfach ruhig, okay? :smile: .

Herstellerbild zu Sniper: Ghost Warrior 2Sniper: Ghost Warrior 2 hat also definitiv seine Probleme, aber es macht (zumindest mir) trotzdem nicht nur wieder viel Spaß, sondern sogar wesentlich mehr als Teil 1. Die Entwickler haben tatsächlich aus den Fehlern gelernt. So gibt keine Missionen mehr, in denen ihr als Haudrauf Gegnerhorden mit dem Maschinengewehr umnietet. Schleichen, Feinde umgehen beziehungsweise aus dem Hinterhald erledigen und mit dem Scharfschützengewehr umgehen ist durchweg die Devise. Und erfreulicherweise seid ihr auch einen Großteil des Spiels zu zweit unterwegs. Das ist natürlich wieder eine verpasste Chance was Koop angeht, aber macht den Titel trotzdem wieder ein Stück realistischer weil ich einen Beobachter dabei habe, der mir Wind, Entfernung und Ziele angibt. Außerdem ergibt daraus auch ein schönes Zusammenspiel mit viel Geben und Nehmen. Hin und wieder müssen wir uns trennen, ich helfe ihm hier und da aus brenzligen Situationen, wir schalten gemeinsam Feinde aus und ich habe generell mehr das Gefühl eben doch nicht ganz alleine auf dem Schlachtfeld zu sein selbst wenn ich gerade mal nur über Funk mit ihm verbunden bin. Sehr schön und definitiv ein Punkt, der im dritten Teil (gilt auch für Sniper Elite 3) noch weiter ausgebaut gehört.

Der Mehrspielermodus

Ein weiterer Punkt, warum das Spiel von mir trotz der Probleme immer noch eine so relativ hohe Wertung bekommt ist der Mehrspielermodus. Der verlangt alles von einem ab und ich habe jetzt auch schon wieder gut zwei Stunden in ihn versenkt. Zwar habt ihr hier Zugriff auf den Zielkreis im Visier, dafür müsst ihr eure Gegner erst einmal finden. Thermal- und Nachtsichtgerät gibt es nämlich nicht. Außerdem kommt hier dann auch endlich vieles zum Tragen, was im Einzelspielermodus fehlt: Zum Beispiel die Lautstärke eures Schusses und eure Laufgeräusche. Dadurch werdet ihr nämlich für kurze Zeit auf der Minimap sichtbar und entsprechend äußerst verwundbar. Selbst die Reflektion der Sonne auf eurem Visier ist nun sichtbar und somit ein entscheidender Faktor bei der Suche nach dem Feind. Und, fast noch wichtiger, sowohl das Gewicht eures Gewehrs (ein X500 ist nun einmal wesentlich schwerer als ein M24 und somit könnt ihr nicht so schnell rennen und werdet auch beim Zielen schneller müde!) als auch die Auswirkungen eures Puls sind wesentlich extremer spürbar. Und könnt ihr in der Kampagne noch erfolgreich einen Treffer landen, selbst wenn ihr nicht die Luft anhaltet, ist das im Mehrspielermodus fast unmöglich so stark wakelt das Visier.

Das macht die Gefechte sehr, sehr taktisch aber auch entsprechend gemächlicher. Auf den symmetrischen Karten passiert oft minutenlang nichts (eine Runde Team Deathmach dauert locker 30-60 Minuten). Alle liegen stattdessen regungslos in ihren Deckungen und scannen jeweils die andere Seite. Wer hier ungeduldig ist und nur ständig durch die Gegend rennt wird sofort erschossen. Dank vieler guter Versteckmöglichkeiten (vor allem Licht und Schatten spielen hier eine sehr große Rolle) müsst ihr sehr genau hinschauen, um jemanden zu finden der zwischen zwei Deckungen im Dunkeln liegt. Habt ihr ihn dann aber gesehen und durch den nur wenige Zentimeter großen Spalt eure Kugel ins Ziel befördert, ist das definitiv ein geiler Moment. Oder wenn ihr es dann doch mal schafft unentdeckt auf die andere Seite zu gelangen und mit eurer Pistole auf die Jagd geht. Sehr cool.

Fazit

Zusammengefasst bedeutet das also: Die Kampagne fand ich ganz okay, es wurde aber definitiv viel Potential verschenkt. Der Mehrspielermodus hingegen ist erstklassige Unterhaltung und vor allem definitiv mal wieder ganz was anderes als ein Quake Live, Halo 4 oder Battlefield 3Sniper Elite V2 finde ich da im Vergleich schlechter wegen dem Third-Person-Modus. Von mir kriegt Sniper: Ghost Warrior 2 also eine Kaufempfehlung für alle, die diese Art von Spielen mögen oder mal eine andere Herausforderung suchen.

In Sachen Scharfschützenspiele bekomme ich nächste Woche Sniper Elite: Nazi Zombie Army (Stand-Alone-Addon) rein. Darüber werde ich euch allerdings an dieser Stelle nichts erzählen können. Eine deutsche Version wird es hiervon mit ziemlicher Sicherheit nämlich nicht geben :smile: . Wir lesen uns zu diesem Thema also voraussichtlich erst 2014 wieder, wenn Sniper Elite 3 auf den Markt kommt.

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