Sicarius

Durchgehend oder nicht, das ist hier die Frage.

Promobild zu Game of ThronesEs gibt wohl tatsächlich Leute, die sehnen sich zurück zur guten alten Zeit der TV-Serien. Was damit gemeint ist? Jede Folge ist in sich abgeschlossen und es gibt keine richtige zusammenhängende Geschichte abseits der ein oder anderen Doppelfolge und mal einer Erklärung für einen Cast-Wechsel. Selbst ein Staffelfinale mit Cliffhanger, wie wir es heute kennen, haben viele der älteren Serien nicht.

Natürlich hat dieses Fehlen einer echten Storyline einen ganz klaren Vorteil: Man kann einfach einschalten, wenn die Sendung im Fernsehen kommt und muss keine Angst haben nichts zu verstehen oder gar gespoilert zu werden. Schaut mal eine Episode von Staffel 3 von Game of Thrones ohne vorher die ersten beiden Staffeln gesehen zu haben. Das ist nicht unbedingt ein großer Spaß :smile: . Und selbst zu Zeiten der VHS-Kassette war das doch immer noch die meisten genutzte Variante eine Serie zu schauen. Eine Serie wie M*A*S*H, die zwar auch ihre One-Off-Episoden hatte aber über ihre 11 Staffeln hinweg doch eine zusammenhängende Geschichte erzählt, war immer noch die Ausnahme. Erst mit dem Aufkommen der DVD und dann Video-on-Demand wurde diese Art der Erzählung änderte sich das wirklich.

Selbstbestimmung!

Heutzutage bestimmt nicht mehr der TV-Programmmanager wann ich eine Folge schaue, sondern ich selbst (zumindest in Ländern, in denen Hulu, HBO, Netflix & Co. zur Verfügung stehen *grml*). Und dank der Popularität von DVD-/Bluray-Sets muss ich als Zuschauer eben nicht mehr über 24-30 Wochen verteilt meiner Lieblingsserie folgen, sondern mache einen auf JakillSlavik und schaue mir die komplette Staffel an einem Wochenende an. Entsprechend ist es heutzutage schlicht einfacher geworden einer durchgängigen Geschichte zu folgen.

Was natürlich auch den Vorteil für die Produzenten hat, dass sie gerade mit Cliffhangern gezielt arbeiten können und so die Zuschauer bei Laune halten. Gleichzeitig gehören diese dämlichen Clip-Sendungen (eine Folge, die im Prinzip aus Flashbacks beziehungsweise recyceltem Material besteht) vor der letzten oder den letzten beiden Folgen, die vor allem in den 90igern so beliebt waren, ziemlich der Vergangenheit an. Gott, sind die immer eine Zeitverschwendung. Außerdem erlauben zusammenhängende Geschichte mehr Freiheiten bei der Erzählung. Ein The Shield oder The Wire würde mit Einzelepisoden nicht funktionieren.

Die These

Ich bin also definitiv ein Fan des aktuellen Trends zur zusammenhängenden Serie inklusive der großen Gefahr, dass sie entweder frühzeitig eingestellt wird (Deadwood *sniff*) oder plötzlich Mist ist (Heroes Staffel 2, ich schau dich an). Und ich finde auch, dass es einigen älteren Serien äußerst gut getan hätte, wären sie diesem Format auch gefolgt. Batman (1966-1968), Columbo (1968-1978, 1989-2003), oder Mission: Impossible (speziell die 1988-1989-Serie) beispielsweise hätten etwas mehr zusammenhängende Struktur und damit auch interessante Geschichten sehr gut getan.

Promobild zu NCISAber auch heutzutage zum Beispiel die ganzen Crime-Dramas wie alles wo NCIS oder CSI draufsteht. Jede Folge dasselbe Format wird auf Dauer einfach langweilig (ja, ich hänge bei Staffel 8 von NCIS fest :smile:). Praktisch keine Charakterentwicklung zwischen Anfang und Ende einer Staffel stattdessen das gleiche, langweilige Monster- of-the-Week-Format, dass schon bei Akte X eher selten wirklich sehr gute Folgen produziert hat. Dabei ginge da so viel mehr. Stattdessen bleibt es bei Andeutungen (was man allein aus Gibs Backstory noch alles machen könnte abseits der paar Rückbezüge).

Der Beweis

Case and Point: Star Trek: Deep Space Nine und Star Trek: Enterprise. DS9 wurde erst so richtig gut, als die Sache mit dem Dominion Mitte Staffel 2 startete und dann direkt am Anfang von Staffel 3 die USS Defiant an der Station andockte. Oder will hier jemand ernsthaft behaupten, er erinnert sich noch an das, was in Staffel 1 passiert beziehungsweise kann eine gute Folge abseits vom Piloten daraus nennen? Eben.

Bei Star Trek: Enterprise gab es zwar von Anfang an die Sache mit dem Temporal Cold War, die dann schlussendlich auch zur Reise in den Delphic Expanse ab Staffel 3 führte. Doch in den ersten beiden Staffeln war der Bogen viel zu groß. Zwischen den wirklich interessanten Episoden, welche die Hauptgeschichte vorantrieben, waren die One-Offs, die entweder reinen Fanservice darstellten („hier schaut, deswegen ist das in Star Trek: The Next Generation so und so“) oder auch wieder dem Monster-of-the-Week-Format folgten. Als dann der Richtungswechsel stattfand, wurde die Serie schlagartig besser — zumindest bis zum absolut grottigen Finale. Dann doch lieber einen Cliffhanger wie bei Deadwood, der wegen der Einstellung der Serie nie aufgelöst wird. Aber das ist ein anderes Thema :smile: .

Epilog

Natürlich verlange ich jetzt nicht, dass jede Serie grundsätzlich eine zusammenhängende Geschichte besitzt, die mich über alle Staffeln hinweg bei der Stange hält und schon gar nicht vollständig auf alleinstehende Episoden verzichtet wie beispielsweise ein Spacecenter Babylon 5, The Wire oder eben Game of Thrones. J.A.G. hatte beispielsweise ein ganz gutes Mittelmaß gefunden, wie ich finde.

Und vor allem im Comedy-Bereich lassen sich sicherlich auch weiterhin gute Argumente für reine Einzelepisoden finden, die maximal am Anfang und Ende einer Staffel etwas Zusammenhang haben. Bei Cartoons und im Kinderfernsehen sowieso. Zwar wäre es sicherlich auch interessant mal eine durchgehende Staffel von Die Simpsons zu sehen, aber der Anspruch der Serie ist einfach ein ganz anderer. Da reicht das bisschen Kontinuität, dass sich über die Jahre automatisch eingeschlichen hat völlig aus.

Ich gehöre aber ganz klar zu der Gruppe von Leuten, die sich die „gute“ alte Zeit definitiv nicht mehr zurückwünscht. Ich finde es gut, dass sich die Fernsehlandschaft angepasst hat. Was ich mir stattdessen wünsche ist es Produzenten, die den Mut haben selbst bei erfolgreichen Serien auf ihrem Höhepunkt „Stop“ zu sagen und sie anständig auslaufen zu lassen anstatt sie auf Biegen und Brechen in die Länge zu ziehen bis sie eingestellt werden und dann gar kein richtiger Abschluss mehr möglich ist oder zumindest der Weg dahin aufgesetzt/gezwungen wirkt. Hab‘ ich heute schon Staffel 8 von 24 erwähnt? Nein? Okay :smile: . Die unnötigen Staffeln 8 und 9 von Akte X und Scrubs Staffel 9 sind aber auch noch gute Beispiele dafür wie es nicht sein sollte.

Und damit verabschiede ich mich bis Donnerstag!

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3 Kommentare

Also die letzten Folgen von 24 gehen eigentlich schnell durch zu sehen. Das Ende hattest du mich glaube ich gebeten zu verraten. Ja, ich hasse das Ende sogar, aber egal: Quäl dich durch. Es wird sowieso eine weitere Staffel geben. Kiefers neue Serie ist ja voll gegen die Wand gefahren.

In meinem Gastbeitrag strafe ich zwar auch Serien ab, die keinen roten Faden besitzen, beispielsweise The Big Bang Theory, aber natürlich habe ich einige Ableger ähnlicher Formate trotzdem weiter geschaut. Darunter halt auch 2 Broke Girls, Community, Flashpoint, Hawaii Five-0, Maji de Watashi ni Koi Shinasai, My Name is Earl, NCIS, NCIS:LA, New Girl, Reaper, South Park, Two and a half Men. Wobei ich nicht unterschlagen darf, dass ein paar der genannten Serien tatsächlich einige Bezüge zueinander haben. Viele meist nur gegen Staffel-Ende oder ein paar kleine Änderungen in der Charakter-Beziehung zueinander entstehen.

Bei TBBT gibt es tatsächlich so etwas wie Charakterentwicklungen, aber wenn man ehrlich ist, sind es wie erwähnt nur die Beziehungen zueinander, womit das Ganze Soap-artig wurde. In der Theorie klingt das für mich recht negativ, aber in der Praxis bin ich positiv überrascht. Die Serie gefällt mir mittlerweile sehr gut. Staffel 5+6 waren richtig brillant. Ziemlich denkwürdig, dass eine Serie sich nicht selbst auslutscht, so ganz ohne Plot. Jedoch stört es mich unheimlich, dass sie im Hintergrund immer verschiedene Anstöße zu einer zusammen hängenden Geschichte wagen und in der Folge darauf dann jede Progression komplett verhindern: (weitgehend spoilerfrei) zB.: Wer kriegt die Festanstellung? Wo ist Stuart hin verschwunden? Was ist mit Nachwuchs bei…? usw.

Serien, die ich sehr empfehlen kann:

Avatar – Herr der Elemente: Achtung Anime, aber kein Echter! Eine wirklich sehr gute Serie, die in einer Mittelalter-Epoche spielt. Die Erde, bewohnt von vier in Frieden lebenden Nationen, welche von den vier Elemente jeweils Eines gebändigt haben und beherrschen. Es gibt eine Person, die immer wieder geboren wird, den Avatar. Diese Person soll alle vier Elemente beherrschen und der Welt zum Gleichgewicht beherrschen. Es gibt drei packende aufeinander aufbauende Staffeln, von denen alles fest auf den Büchern basiert. Die Serie hat keinen japanischen Ursprung, auch wenn der Stil gut nachgeahmt wird. (Zur Real-Verfilmung lasse ich mich im Folgenden aus.)

Kurze Info: Buch 1 von Herr der Elemente wurde in diesem richtig beschissenen Film "Die Legende von Aang" verwurstet. Es war mit Abstand das grottigste Stück, was ich jemals gesehen habe. Ich kann davon und von M. Night Shyamalan (Regisseur) allgemein nur noch abraten. Der hat die letzten Jahre wirklich nur Schund abgedreht. Angefangen mit Signs mit Mel Gibson, dann the Happening, dass ich auch mal naiv gelobt hatte… ist der auch Hand auf's Herz: Total fehlbesetzt und starr. Und aktuell: After Earth. Auch ein durchwachsener Film. AUF KEINEN FALL Herr der Elemente anschauen. Der Film dauert 99 Minuten und ich habe über 2 Stunden gebraucht, weil ich zwischendurch Pause drücken musste, um meine Seelenschmerzen zu lindern. Dieser Mann hat absolut keinen Plan, wie er eine gute Vorlage mit den richtigen Leuten besetzt. Noch weniger Ahnung hat er von Dialogen oder zwischenmenschlicher Interaktion. Ich bin echt überrascht, dass ich 6th Sense und Unbreakable (auch von ihm) so gut finde und die wahrscheinlich auch gut sind, während er jetzt nur noch so einen Kram raus haut. Und dann sind die Internet-Ratings so schlecht, dass er sein eigenes Publikum beleidigen muss. Wirklich überhaupt nicht cool.

Avatar – Die Legende von Korra: Eine Fortsetzung von Herr der Elemente, die 70 Jahre später und von einem anderen Avatar handelt. Anders als in der Hauptserie gibt es nur Halbstaffeln und diese sind in sich geschlossen.

Chuck – Uneingeschränkte Empfehlung. Ein Jugendlicher, der in einem Elektro-Handel arbeitet, bekommt durch einen Zufall alle geheimen Daten von NSA und CIA in den Kopf geladen. Wer eher der Romantiker ist, hört nach Staffel 4 auf. Wer ein immer noch gutes Ende möchte, schaut die Serie zu Ende (S05E13).

Flashpoint – Eine richtig gute kanadische Serie um ein Sondereinsatzkommando, was in schwierigen Situationen zuerst verhandelt und dann nur im Extremfall schießt. Wenig passiert zusammenhängend, abgesehen von der minimalisierten Story außenrum. Meistens enden die Folgen sogar offen, was es einen richtig ärgert. Dennoch zeigen die Charaktere Progression und ein paar Folgen hängen im Hintergrund zusammen. Die kann man aber an einer Hand abzählen. Obwohl einige Action-Szenen dabei sind, ist es doch wirklich auf Realität getrimmt und eher gemütlich, statt eines Effektfeuerwerks seht ihr also mehr Dialoge.

NCIS – Viel wurde gesagt, aber nur kurz nochmal: Die Serie hat sich was den roten Faden angeht enorm gebessert. Die zweite Hälfte von Staffel 8 und vor allem Staffel 9 (bislang ziemlich komplett) hängen stark zusammen. Rückbezüge auf alte Situationen, die jetzt in einem anderen Licht erscheinen, gibt es auch. Teilweise beunruhigende Rückblicke. Mittlerweile nur noch eine Serie, die für Fans gemacht ist, denn der Einstieg so spät fällt bestimmt schwer.

Sherlock – Einfach nur eine moderne Interpretation von Sherlock Holmes. Zuerst war ich skeptisch und von der Hauptfigur genervt, doch in den wenigen dafür langen Folgen (bislang gibt es nur 6) passiert doch ausreichend viel, was meine Meinung um 180° gedreht hat. Bin sehr angetan.

South Park – Geht immer. Staffel 16 arbeitet wieder so viel an aktuellen Themen auf. Allein die Folge zum Verkauf von Star Wars an Disney war urkomisch.

Tengen Toppa Gurren Lagann – ein brandheißer Tipp von ice. Wieder ein Anime. Das Genre ist wohl „Action“ und „Mecha.“ Wer also mit Robotern von Menschen gesteuert seinen Spaß haben kann, wird die Serie lieben. Gleichzeitig ist es die einzige Serie, die es jemals geschafft hat sich immer wieder zu toppen. Nicht nur von der Genialität, sondern auch von der Handlung her. In jeder Folge. Seriously. Denn die Folgen eskalieren im Grad immer mehr. Ich glaube der deutsche Titel ist „Himmelsstürmer Lagann.“ Sprache: egal. Hauptsache: schauen.

Serien, von denen ich abrate:

2Broke Girls – Der Cast außenrum macht alles richtig. Die 2 Hauptpersonen werden von Folge zu Folge stumpfer und nerviger.

Angela's Eyes – Geheimdienst Agentin, die erkennt, wenn Menschen lügen. Ist so langweilig, wie's klingt.

Community – Nur alle 10 Folgen ist eine wirklich Witzige dabei. Der Rest berührt einen so unangenehm, wie Chevy Chase seine Schauspielkollegen… *brr*

New Girl – Wirklich eine "Mädchen"-Serie, die ich nur wegen der Darstellerin und des Intros gesehen habe. Lachte einmal…

Digimon Tamers (S3) und Digimon Data Squad (S5) – im Ernst: absoluter crap.

@Ice:
Ja, so geht's mir schon länger. Es ist schrecklich. Hoffentlich wird die zweite Hälfte der Staffel gut. Was ich bis jetzt gelesen habe, macht mich eher noch wahnsinniger, als das es mich beruhigt. Zuerst dachte ich so gegen Weihnachten: "Scheiße, House M.D. ist zu Ende, was wird das jemals wieder toppen?" aber dann schaute ich Sherlock und war relativ zufrieden mit der Serie: "Brilliant und schön kurz. Endet für mich passabel." doch dann kündigten sie tatsächlich noch 2 Staffeln an. "Was schaue ich jetzt zur Überbrückung?" Breaking Bad empfahl man mir und mir wurde geraten: "Warte unbedingt bis zum Herbst und die Serie abgeschlossen ist!" Wie kindisch ich doch war, als ich den letzten Rat ausschlug…

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