Kessy

Katzengeschichten

Kessy geht's gutMir scheint, als wäre es schon wieder fast ein Jahr her, dass ich den letzten Eintrag schreiben durfte. Ja, ihr habt richtig gelesen: Mein elfter Geburtstag steht vor der Tür. Wie doch die Zeit vergeht während ich hochproduktiv auf meinen diversen Liegeplätzen liege und vor mich hindöse. Was für ein tolles Leben ich doch habe — mal abgesehen von den ausreichend oft erwähnten Reaktionsproblemen meines Personals in Bezug auf „Ich will JETZT Futter haben!“ und „Ich will JETZT raus!“. Ich bin in diesem Jahr bislang sogar zu faul auf die Wiese zu gehen und Mäuse zu jagen. Ist alles viel zu nass und da sich lange Haare und Wasser nicht so gut vertragen, lege ich mich lieber ausgestreckt in den Hof und schaue dem stetigen Treiben der Dosenöffner zu. Es reicht wenn ich alle vier Wochen zum Frisör geschleppt werde. Ich muss die Frequenz ja nicht aus eigener Kraft erhöhen.

Was für ein Leben

Ich gebe allerdings offen zu, dass ich mich derzeit auch öfters mal etwas einsam fühle. In den letzten Monaten war der doofe Webmaster immer mal wieder die ganze Woche durch weg und ich musste allein mit der Chefin auskommen. Was für ein Horror! Aber ich weiß mich natürlich zu wehren. Das Betttuch des Webmasters wird mittlerweile landläufig als kaputter Fetzen bezeichnet. Wie? Das neue Kratzbrett, das extra für mich gekauft wurde weil ich das alte mittlerweile dahin gerafft habe mit meiner ganzen Katzenkraft? Igitt! Das hat lila Plüschränder und so eine komische Klingelkugel. Da geh‘ ich nicht ran! Ich bleib da lieber beim Bett und den Sesseln.

Gleichzeitig setze ich mich auch öfters am Computer neben meinem Herrn auf den Boden. Ist etwas gefährlich wegen den Rollen des Chefsessels, zumal der Volltrottel mitunter gar nicht mitbekommt, dass ich dort sitze. Als würde ich meine Ankunft nicht jedes Mal ausreichend lautstark verkünden. Kann ich doch nichts dazu, dass mir als Prinzessin kein Bläsertrupp zur Verfügung gestellt wird. Ich wäre ja schon über einen roten Teppich froh. Aber nein, ich muss natürlich über den gleichen Bodenbelag schreiten wie das gemein Volk. Egal: Ich mag es trotzdem neben ihm zu liegen und den komischen Geräuschen, der Webmaster nennt es Spielemusik, im Zimmer zu lauschen. Vor allem der Subwoofer hat es mir angetan. Da stecke ich gerne meine Nase rein. Das kribbelt so schön.

Ich werde alt

Wenn ich mir mein Geschreibsel so durchlese, werde ich mit dem Alter wohl doch ein wenig soft. Leider kann ich das auch von meinen Zähnen behaupten, deren Anzahl trotz aller Pflegemaßnahmen meines Pflegepersonals sogar abnimmt. So sehr ich auch auf Leckerli stehe: Es nervt schon ein Stück weit, dass ich nicht mehr ganz so anständig kauen kann. Blödes weiches Zahnfleisch. Was mich aber natürlich nicht davon abhält trotzdem dem Futterspender gleich alles aus der Hand zu reißen und es auf einmal runterzuschlucken. Wer weiß, wer mir sonst das Leckerli wegnimmt?! Oder ob ich überhaupt noch mehr bekomme, wenn ich mir nicht gleich alles nehme. Kann man in dieser Familie ja nie wissen. Sicarius hat zwar erst vor kurzem wieder gejammert, dass er 90 Euro für Katzenfutter, Leckerli, Streu und das besagte Kratzbrett ausgegeben hat. Aber ich finde, das ist für eine Diva wie mich noch viel zu wenig. Wo sind die goldenen Schüsseln? Die eigene Mäusefarm? Der eigene Butler, der mir auf dem Katzenklo den Hintern abwischt?

Ich fordere hiermit mehr Budget für den Katzenhaushalt und weniger Investitionen in Videospiele! Das würde die Wirtschaft in Europa wesentlich mehr in Schwung bringen als all die Wahlversprechen der großen und kleinen Parteien zusammen. Und solange meine Forderungen nicht erfüllt werden, esse ich statt einem gleich zwei 100g-Päckchen Felix pro Tag! Egal wie viel ich dafür jammern muss! Die Belagerung der Blumentöpfe hat auch bereits wieder begonnen. Natürlich ohne vorherige Kriegserklärung. Die sind für Langweiler. Echte Katzen arbeiten aus dem Hinterhalt. Entsprechend gilt: Sollte das alles nicht fruchten, werde ich zu heimtückischen Knuddelattacken übergehen. Ihr sitzt nachts ahnungslos auf der Toilette? Schwups habt ihr mich auf dem Schoß! Wenn euch das nicht das Fürchten lehrt, dann weiß ich auch nicht.

Epilog

Nun aber genug mit dem Geschreibsel. Ich habe noch zu tun. Mich in die Abendsonne legen zum Beispiel. Oder mal wieder auf den Computer springen und mit meiner Pfote vier Sekunden lang auf dem Einschaltknopf stehen. Das war lustig als die Bildschirme plötzlich dunkel wurden und auch das nervige blaue Licht an der Decke verschwand. Der Webmaster war ganz baff. Aber er hat es ja nicht anders verdient, wenn er mir keine Aufmerksamkeit schenkt!

In diesem Sinne: Bis zum nächsten Mal!

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