Sicarius

Spiele, Spiele und noch mehr Spiele

Jetzt war es die letzten paar Wochen ein bisschen ruhiger und schwubs kommt wieder alles auf einmal. Wovon ich rede? Einem Paket von OkaySoft, dem Steam Summer Sale 2013, der iTunes 5th Anniversary Sale und diverse 2012er Kickstarter zu denen nun Alpha-Versionen veröffentlicht wurden. Oder besser ausgedrückt: Sehr viele zusätzliche Spiele, die gezockt werden wollen. Und dann natürlich keine Zeit Videos zu machen (vielleicht nächstes Wochenende). Es ist schon schlimm mit meinen Erste-Welt-Problemen. Machen wir also heute noch einmal eine Runde Kurzeindrücke zu Titeln, die ich euch wahrscheinlich nicht mehr mit 30 Bildern pro Sekunde vorstellen werde:

Herstellerbild zu MotoGP 13MotoGP 13 (PC, PS3, X360, PSV) – Das Entwicklerstudio Milestone gibt es bereits seit 1996, auch wenn es anfangs noch Graffiti hieß und ist seit Anfang an voll auf Rennspiele fokusiert. Die Jungs kennen gar kein anderes Genre. Die Italiener veröffentlichen seit 2005 jedes Jahr mindestens ein Spiel (die SBK-Serie [Superbike], die WRC-Reihe [Rally] und die MotoGP-Spiele [Motorrad]) und sind dennoch eher unbekannt außerhalb der Gruppe der Simulationsfans.

Kein Wunder: Technisch kommt auch der neuste Ableger der MotoGP-Serie (der erste seit MotoGP ’08, der wieder von Milestone kommt) nicht an die Größen des Rennspielgenres ran und sieht erneut abseits der Strecke nur mittelmäßig aus. Dafür kann MotoGP 13 spielerisch überzeugen. Die Simulation ist wieder gut gelungen, die Neuerungen (fast alle abgekupfert von den Rennspielen von Codemasters) sind brauchbar und ein spürbarer Schritt nach vorne nach dem eher schlechten MotoGP 09/10. Der Entwicklerwechsel und das Jahr aussetzen haben der Serie sichtlich gut getan. Außerdem: Wer veröffentlicht sonst noch Motorradrennspiele mit der offiziellen MotoGP-Lizenz? Eben: Niemand. Mir macht es entsprechend wieder Spaß über die Piste zu heizen und mich eng in die Kurven zu legen. Wer also auf zwei statt auf vier Rädern unterwegs sein möchte, der kann dieses Mal beruhigt zugreifen. Für MotoGP 14 wünsche ich mir aber dann doch endlich mal ein NextGen-Grafikgerüst.

Magrunner: Dark Pulse (PC, XBLA, PSN) – Ich wundere mich immer noch, warum der Erfolg von Portal nicht eine Schwemme an Klonen nach sich gezogen hat. Natürlich gab es Titel wie Twin Sector, The Ball, Quantum Conundrum, Q.U.B.E. oder jetzt Magrunner: Dark Pulse. Aber von einer Übersättigung des Markts kann keine Rede sein. Es ist immer ausreichend Abstand zwischen den Veröffentlichungen. Zudem hat jeder der genannten Titel seinen eigenen Touch. Dieses Mal spielt ihr mit magnetischen Feldern. Was soll sich anziehen, was abstoßen? Das ist die Frage, die ihr euch stellt und dank eures Handschuhs natürlich auch selbst beantwortet. Anders könntet ihr euch nicht erst durch eine Testumgebung und später durch Horrorwelten rätseln.

Das alles findet dieses Mal jedoch ohne einen verrückten Computer statt. Ihr kommuniziert tatsächlich mit mehr oder weniger lebendigen Charakteren. „Mehr oder weniger“ deshalb, weil das Spiel die Lizenz von H.P. Lovecrafts Cthulhu-Mythos besitzt. Ihr wisst schon: „Him Who Is not to be Named“ und das typische „alle Charaktere werden spätestens im zweiten Akt verrückt und sterben“. Entsprechend seid sehr schnell in einer Art Fantasy-Zwischendimension unterwegs und flieht vor unterschiedlichsten Arten von Monstern. Spielerisch wie technisch natürlich jetzt kein Vergleich zu Portal 2, aber wer dieses Genre mag, der wird auch dieses Mal wieder seinen Spaß daran haben sich den Kopf zu zerbrechen („wenn sich die beiden Kisten abstoßen, kann ich draufspringen und die Poralität des Strahls umkehren, damit ich in die andere Richtung fliege und dann im richtigen Moment mich von der Wand zum Ausgang abstoßen lassen kann“) und der Horroreinfluss ist definitiv mal was angenehm Neues.

Herstellerbild zu DLC QuestDLC Quest (PC, Mac) – Kaum hatte es Rondrer erwähnt, schon lag es in meinem Warenkorb. Auch wenn sich im Anschluss herausstellte, dass er das Spiel noch gar nicht gespielt hat und eigentlich was anderes meinte. Für die drei Euro, die es kostet, war es aber jetzt auch kein Fehlkauf. Die Parodie auf Downloadable Content hat mich durchaus drei Stunden unterhalten und bot auch einige lustige Gags. Aber worum geht es eigentlich?

Nun, im Prinzip ist es ein spielerisch eher anspruchsloser Plattformer (man muss sich schon sehr dumm anstellen, um zu sterben), der nicht nur das Thema DLCs auf die Spitze treibt, sondern auch ein paar Konventionen von Rollenspielen auf die Schippe nimmt. Ihr wollt Animationen haben? DLC kaufen! Ihr wollt Sound haben? DLC kaufen! Ihr wollt das Spiel pausieren? DLC kaufen! Dann noch der ganze sinnlose Kram wie die Rüstung für euer (nichtbenutzbares) Pferd, der obligatorische Zombie-DLC und so weiter und so fort. Und so weiter und so fort. Natürlich müsst ihr das alles mit Ingame-Währung und nicht mit echtem Geld erstehen. Das wäre dann doch zu viel des Guten.

Dazu kommen noch, wie erwähnt, die Klischeecharaktere, die sich entweder ihrer Rolle voll bewusst sind oder eine Spielpraxis verarschen. Zum Beispiel der „Dorfälteste“, der dieses Mal nichts weiter ist als ein alter Mann. Das ist alles beim ersten Mal ganz amüsant und nett. Aber hat man mal alles gesehen, startet man es vermutlich nicht mehr neu. Für drei Euro aber wie erwähnt einen Blick wert.

Half Minute Hero: Super Mega Neo Climax Ultimate Boy (PSP, XBLA, PC) – Ihr habt jeweils 30 Sekunden Zeit, um die Welt zu retten . Ein Rollenspiel für Hyperaktive quasi. Pausiert wird nur in den Dörfern, die ihr auf den unterschiedlichen Weltkarte besuchen könnt und in denen ihr Lebensenergie, neue Waffen und Unterstützung für eure Mission erhaltet (Brücke zum Boss kaputt = Rede mit dem Handwerker = Bringe ihm seinen Hammer aus der Höhle nebenan = Brücke wieder ganz = Auf zum Boss). Außerdem könnt ihr gegen Bezahlung die Zeit wieder auf 30 Sekunden zurücksetzen. Da das jedoch immer teurer wird, könnt ihr euch darauf auch nicht verlassen. Ihr müsst wirklich so schnell wie möglich die Aufgaben erledigen und dabei soweit hochleveln, dass ihr den Boss tatsächlich besiegen könnt. Kämpfen ist dabei nichts anderes als schnelles Drücken auf eine Taste. Mehr als zwei bis drei Sekunden dauern sie auch nicht an. Ob ihr gewinnt entscheidet im Wesentlichen euer Level und wie viel Schaden ihr mit einem Schlag verursacht. Sehr coole Idee und definitiv ein Spiel für Zwischendurch, das diese Bezeichnung auch tatsächlich verdient. Aber mehr als fünf Euro hätte ich dafür jetzt auch nicht ausgegeben.

Herstellerbild zu McPixelMcPixel (PC, Max, Linux, iOS, Android) – 30 Sekunden sind euch noch zu lang? In McPixel habt ihr nur zwanzig Sekunden Zeit und könnt nur 1-2 Klicks machen, um die Explosion zu verhindern. Wie der Name vielleicht schon zeigt, ist dieses Adventure dabei eine Hommage an MacGyver — nur noch wesentlich verrückter.

Beispiel gefällig? Ihr befindet euch im Mund eines Wals mit einer Atombombe, einer nicht identifizierbaren Dose, Pinocchio und einem Piraten. Die Lösung: In der Dose befindet sich Pfeffer, mit dem ihr den Wal zum Niesen bringt und der dadurch die Bombe ausspuckt. Oder es steht eine Tonne mit Benzin auf einem Lagerfeuer. Im Hintergrund seht ihr einen Elefanten, vorne eine Kuh sowie ein Bauer. Die Lösung: Die Kuh mit dem Elefanten benutzen, die dadurch umfällt und das Benzin auskippt. Noch ein Beispiel gefällig? Ihr seid im Zoo mit zwei Giraffen und einem Wärter. In der Mitte liegt eine Spritze mit Drogen. Lösung: Die Sprize mit der kleinen Giraffe benutzen, dann beugt sich die große (mit dem Dynamit im Mund) herunter, schluckt überrascht das Dynamit und es explodiert in ihrem Magen statt den Zoo zu zerstören. Und so weiter und so fort. Es gibt mittlerweile unzählige Levels und da alles äußerst schnell geht (die einzelnen Abschnitte sind in mehrere Szenen unterteilt, die so lange automatisch durchlaufen, bis ihr jede Szene erfolgreich abgeschlossen habt), macht es gar nichts aus, dass die Lösungen so völlig inkonsequent (in einem Level könnt ihr das Dynamit der Kuh in den Hintern schieben, in einem anderen geht diese Lösung zum Beispiel nicht) und abgedreht sind und ihr im Prinzip einfach nur stupide alles ausprobiert.

Leider wiederholt sich die Musik extrem schnell und ihr müsst zwischen jeder Szene eine Logosequenz ertragen. Die ist zwar nur ein paar Sekunden lang, aber da alles andere so schnell geht, seht ihr das dämliche Logo ständig und das nervt total. Eine Kaufempfehlung ist das Spiel trotz des geringen Preises eher nicht. Aber wer auf diese Art von absurden Humor steht, kann einen Blick riskieren und hat dann immer mal wieder ein bisschen Spaß an den absurden Situationen und ihren Lösungen. Mehrere Stunden am Stück spielt man das Ding aber definitiv nicht, da wird man sonst blöd bei und grafisch ist der extrem simple Pixellook jetzt auch nicht der Brüller.

Mini Motor Racing EVO (PC, iOS) – Mehr Bleifuss Fun als Mashed, da es keine Waffen gibt, ist dieses Spiel mal wieder ein Vertreter des Genres “Kleine Autos rasen über kleine Strecken”. Sehen in diesem Fall auch definitiv aus wie von Matchbox. Auf dem iPhone/iPad (dort ohne den Zusatz „EVO“; war letzte Woche kostenlos) müsst ihr nicht einmal Gas geben, sondern nur durch geschickte Powerslides die Kurven gut genug nehmen, um erster zu werden, dadurch Geld zu verdienen und neue Autos freizuschalten beziehungsweise bestehende Fahrzeuge aufzurüsten.

Am PC habt ihr etwas mehr Kontrolle, aber dennoch bleibt es selbst im Vergleich ein äußerst simpler und überraschend langsamer Arcaderacer, dem trotz der vielen Strecken und Autos leider extrem schnell die Luft ausgeht. Während Bleifuss Fun trotz fehlenden Waffen immerhin mit seinen abstrusen Szenarien (und einem wesentlich besseren Geschwindigkeitsgefühl) punkten konnte, sind das höchste der Gefühle hier die PC-exklusiven Team Fortress 2– und Portal 2-Levels. Abseits davon sind es die immer gleichen und total langweiligen Rundkurse nur mit dem Unterschied, dass ihr mal nachts fahrt oder es mal regnet/schneit. Auch wenn es wenig kostet, ist entsprechend meine klare Empfehlung: Holt euch lieber Death Rally (das ist sogar noch billiger) oder kramt wieder mal eines der alten Micro Machines-Spiele heraus. Da werdet ihr mehr Spaß haben als mit Mini Motor Racing Evo.

So viel also dazu. Ich gebe ab bis Donnerstag!

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