Sicarius

Nintendo und die Angst etwas falsch zu machen

Herstellerbild der WiiUIhr habt es bestimmt mitbekommen: der WiiU geht es schlecht. Sehr schlecht. So schlecht sogar, dass sie weniger Einheiten verkauft hat in den letzten Monaten als ihr Vorgängermodell, die Wii. Und wer soll den Karren mal wieder aus dem Dreck holen? Natürlich Zelda, Mario und Co. Wer auch sonst. Traut sich Nintendo keine neuen Marken einzuführen in der Angst die Käufer zu verschrecken?

Oh, das ist doch gar nicht der Grund, sagt Charlie Scibetta von Nintendo. Seine zwei Argumente:

    1. Ob wir jetzt einen Plattformer ohne Mario machen oder mit — am Ende ist es immer noch ein Plattformer.
    2. Wir veröffentlichen genau die Menge an Mario-Spielen, die die Leute haben wollen.

Das dritte kommt von Bill Trinen:

    3. Wenn wir eine neue Ideen haben, macht es Sinn sie in eine bekannte Marke zu integrieren, um möglichst viele Leute zu erreichen.

Und was soll ich sagen? Die beiden haben aus Firmensicht absolut Recht! Solange die Leute immer nur das nächste Mario, Zelda & Co. haben wollen: Warum ihnen es verwehren? Ist doch exakt das Gleiche verhalten wie bei den jährlichen Serien wie Call of Duty oder FIFA. Selbst mein Arbeitskollege, ein absoluter Casual Gamer, will sich FIFA 14 für seine PlayStation 3 holen obwohl er bereits FIFA 13 besitzt und er ohne eine neue Konsole doch sowieso nicht in den Genuss eines Großteils der Verbesserungen kommt.

Das macht sich Nintendo selbstverständig voll zu nutze. Jeder kennt und ein Großteil der Spieler liebt ihre Charaktere und Spiele. Also warum ins kalte Nass springen mit einer neuen IP und Spielidee, wenn man stattdessen einfach erneut Mario hernimmt und mit ihm sanft diese neue Ideen an den Mann bringt. Da sind die Leute nicht ganz so scheu. Ein gutes Beispiel sind die Mario RPG-Titel wie Paper Mario: Sticker Star oder Mario & Luigi: Dream Team Bros.. Glaubt ihr wirklich, die wären so erfolgreich, wenn da nicht „Mario“ draufstehen würde? Bei gleicher Qualität? Unwahrscheinlich. Stattdessen kämen wieder die Rufe nach einem weiteren 2D-Plattformer mit Mario hoch. Als gäbe es nicht genug von denen.

Das Problem

Das kann man also durchaus akzeptieren. Zwar geht es mir durchaus auch schwer auf die Nerven, wie viele Titel mit Mario oder Luigi in den letzten Monaten veröffentlicht wurden. Es lässt sich aber definitiv nicht leugnen, dass da fast immer neue Ideen mit dabei waren. Doch so erfolgreich die Eigenmarken auch sind, sie können keine ganze Hardware alleine tragen, womit wir beim uralten Thema sind: die Dritthersteller.

Dem 3DS geht es nach anfänglichen Schwierigkeiten richtig gut. Und das ist nur zum geringen Teil der Verdienst von Mario und Zelda. Vor allem Capcom und Square Enix müsste Nintendo einen dicken Scheck schicken (wenn sie es nicht schon tun). Was aus den beiden Häusern seit dem Release des Systems an hochqualitativer Ware veröffentlicht wurde ist beeindruckend. Aber auch viele andere Entwickler haben sich begeistert auf das kleine Ding gestürzt und sorgen mittlerweile für einen halbwegs stetigen Strom an mehr oder minder interessanten Exklusivtiteln. Die WiiU hingegen? Nicht einmal die AAA-Multiplattform-Spiele werden konsequent umgesetzt.

Der Kern

Herstellerbild zu Super Smash Bros. (2013)Zugegeben: Das ist auch ein Stück weit ein Huhn/Ei-Problem. Wenn kein Schwein eine WiiU hat oder spielt, dann lohnt es sich für die Entwickler auch nicht ihr Zeug umzusetzen. Unabhängig davon wie kompliziert die Portierung tatsächlich ist. Entsprechend ist Nintendo tatsächlich im Zugzwang und muss Versuchen mit ihren Stammmarken die Hardwarebasis zu vergrößern. Gleichzeitig sehe ich aber auch immer noch massive Defizite bei Nintendo was die Mentalität und die Unterstützung von Drittherstellern angeht. Was man so von den Studios hört, ist der Prozess noch teurer und umständlicher (viele Regularien) als bei Microsoft. Und die sind ja bereits bekannt dafür nicht die beliebtesten zu sein, geben aber immerhin bereitwillig ihre Devkits raus.

Bei Nintendo hingegen gilt: Bevor deine Firma nicht von oben bis unten durchgecheckt und verifiziert ist, darfst du dir keins für teures Geld mieten. Diese extreme Knauserigkeit (oder eher Angst es könnte was Schlechtes passieren) gilt übrigens auch für Redaktionen. Das sündteure Spezialding zum Anfertigen von Screenshots und Videos hat nicht Mal jede große Redaktion, weil Nintendo in der Hinsicht so extrem pingelig und stur ist. Und dann haben auch sie mit dem Thema zu kämpfen, dass Nintendo ihr Zeug nicht bei YouTube sehen will. Ihr habt vielleicht die Sache mit Super Smash Bros. und der fehlenden Kampagne (jetzt angeblich doch drin) mitbekommen. Masahiro Sakurai hat es satt, dass sich die Leute die Zwischensequenzen online anschauen statt das Spiel zu spielen!

Fazit

Speziell die Sache mit YouTube verdeutlicht für mich mal wieder, dass Nintendo immer noch nicht wirklich in der Neuzeit angekommen ist. Sie hängen weiter an ihren traditionellen und sicherlich auch stark aus der Kultur heraus geprägten Ansichten und Vorstellungen, die zur Zeit des NES und SNES sicherlich noch funktionierten. Eine Zeit, in der es kein Internet gab, die Gruppe der Spieler überschaubar war und das Thema Globalisierung noch in den Kinderschuhen steckte. Da konnte man solche elitären Sperenzchen mit all den Sonderwünschen abziehen.

Aber die Welt hat sich verändert und mit ihr auch die Käufer. Wir sind es beispielsweise satt ein halbes Jahr auf die Veröffentlichung eines asiatischen Titels im Westen warten oder gar betteln zu müssen, dass überhaupt eine Veröffentlichung stattfindet. Und warum? Nun, natürlich weil die Übersetzung etwas länger dauert und mehr kostet. Aber auch weil Nintendo (sowie andere stark auf Asien fokussierte Entwickler) westliche Spiele weiterhin für unfähig und schutzbedürftig hält (siehe Super Mario Bros. 2) und ihnen nichts anderes als Mario & Co. zutraut, obwohl im Heimatland sehr viele neue/andere Marken erscheinen.

Kinderschutz hin oder her: Wie rückständig muss man sein, um in der heutigen Zeit immer noch zu verlangen lange Zahlenkombinationen einzugeben, um Freunde hinzufügen zu dürfen oder das System generell so extrem abzuriegeln, dass wirklich nur die engsten Bekannten bereit sind die Arbeit auf sich zu nehmen, um miteinander spielen zu können? Animal Crossing: New Leaf lebt stark vom Mehrspielermodus. Aber es ist so saumässig umständlich, dass ich mir die Mühe gar nicht mehr mache mittlerweile meine Tore zu öffnen.

Das ist fast so rückständig wie Interceptor Entertainment, die von euch erwarten, dass ihr für Rise of the Triad eine Portweiterleitung einrichtet. Da haben es die Jungs und Mädels definitiv ein wenig mit dem Oldschool-Feeling übertrieben.

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2 Kommentare

"Wir veröffentlichen genau die Menge an Mario-Spielen, die die Leute haben wollen."
Ich find die Aussage super, denn die Menge an Mario-Spielen, die die Leute haben wollen ist: "so viel wie möglich" ;)

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