Sicarius

10 Jahre alter Dampf

Das alte SteamVergangenen Freitag, den 13. September 2013 war es soweit: Das am meisten gehasste und verabscheute DRM-System aller Zeiten wurde 10 Jahre alt. Bitte? Die Leute mögen mittlerweile Steam und haben ihren Hass zu Origin verlagert?! Ja, wie ist denn das passiert? Ich erinnere mich noch ganz genau, dass das Geschrei zu Anfang groß war (ich bin seit 19. November 2003 dabei, vermutlich dank Counter-Strike 1.6) und jeder nur über diesen Scheißdreck schimpfte, den Valve da verzapft hat (oder wie ein gewisser Bender amüsante Comics darüber machte).

Vor allem als am 16. November 2004 Half-Life 2 auf den Markt kam, Steam zwingend voraussetze und erst einmal GAR NIX ging. Wer Glück hatte konnte es aktivieren, aber der Download der Security Files oder was auch immer Valve zur Sicherheit nicht auf die DVD gepackt hatte, ging bei vielen erst Tage später, als sich die Situation halbwegs normalisiert hatte. Mir blieb der Release dieses Titels hingegen vor allem wegen dem Beschiss namens „Collector’s Edition“ in Erinnerung. Die Inhalte der Tinbox? Counter-Strike: Source, das schlechte Half-Life: Source, ein T-Shirt und — das größte Ärgernis — ein AUSZUG aus dem offiziellen Strategiebuch von Prima. Vorher wurde der Eindruck erweckt, dass es das komplette Heft ist. Bis heute eine der wenigen Spezialeditionen deren Kauf ich tatsächlich bereue. Aber gut, ich schweife ab.

Valve-Vertriebsplattform

Nicht nur funktionierte lange bei Steam gar nichts und das bei einem Offline-Titel (welch ein Skandal!). Es hatte auch dieses potthässliche, dunkelgrüne Design. Das sah aus wie von einem Praktikanten erstellt! Glücklicherweise brauchte man es bis 2005 nur für Valve-Spiele und die waren damals bekanntlich nicht wirklich zahlreich. Die Half-Life-Spiele mit Addons sowie die populärsten Mods in ihren diversen Inkernationen wie Counter-Strike, Deathmatch Classic, Day of Defeat oder Richochet. Jaja, lacht ihr nur! Richochet war super und ich hatte (überraschend) viel und lange Spaß damit (gibt sogar heute noch ein paar aktive Spieler). Ich würde mir entsprechend tatsächlich einen Nachfolger wünschen statt das Wort Richochet 2 als dämliches „witziges“ Codewort für einen anderen Valve-Titel zu missbrauchen.

Es gab zwar einen Steam-Prototypen von Impossible Creatures (ein Echtzeitstrategie-Geheimtipp von Relic Entertainment aus dem Jahre 2002), lustigerweise wird aber genau dieser Titel bis heute nicht über Valves Plattform vertrieben. Stattdessen hatte Introversion Software mit Darwinia und die Qi Studios mit ihrem ungewöhnlichen Rag Doll Kung Fu die Ehre zusammen mit ein paar vernachlässigbaren Spielen vom kanadischen Publisher Strategy First Ende 2005 die ersten Third-Party-Titel auf der Plattform zu sein. So langsam fasste Valve also Fuß auf den Rechnern der Spieler.

Der Aufstieg

Richtig los ging es aber erst ab 2007, als dann die ersten großen Schwergewichte wie Eidos Interactive, id Software oder Capcom sich für Steam entschieden. Laut Valve gab es Ende Mai 130 Millionen aktive Steamaccounts (was auch immer das bedeutet) bei 150 Spiele, welche die Plattform nutzten beziehungsweise über sie erhältlich waren. Ich alleine habe aktuell fast das Dreifache davon in meiner Steam-Bibliothek! Mittlerweile sind es 2069 Spiele (Stand gestern), mehr als 54 Millionen User (Stand Ende Dezember) und zu Bestzeiten sind über 6,5 Millionen Spieler gleichzeitig online. Holla die Waldfee. Für Statistik-Fans empfehle ich in der Hinsicht übrigens Valves eigene Trackingseite. Vor allem die Übersicht über den Traffic ist krass. 1.174 Gigabit pro Sekunde wurden zur Hochzeit ausgeliefert! Google hat zwar sicherlich immer noch einen höheren Traffic (genaue Zahlen habe ich leider nicht gefunden). Ich bin mir aber sicher, dass Valve mit Steam mittlerweile mit zu den verkehrsstärksten Anbietern im Netz gehört.

Und ganz ehrlich? Völlig zu Recht! Ja, das Programm war anfangs nur auf dem Papier wirklich gut. Aber wie es sich gehört, hat Valve über die letzten Jahre die Software nicht nur extrem verbessert, sondern auch sinnvoll und vor allem innovativ erweitert. Ganz aktuell wäre da beispielsweise das Family Sharing zu nennen. Ihr wisst schon, dass was Microsoft mit der Xbox One auch anbieten wollte, aber dann rausflog weil ein paar lautstarke Volltrottel über das Always-On-Gedöhns gejammert haben. Wisst ihr was? Wir machen das bei Steam seit 10 Jahren mit und hat es uns geschadet? Nein! Also zumindest noch nicht. Siehe meinen Eintrag namens Für die Ewigkeit vom 5. September 2013.

Interessant!

Wie genau das Family Sharing auf Steam funktionieren wird, habe ich allerdings noch nicht ganz verstanden. Die Angaben sind je nach Quelle etwas widersprüchlich. Aber es sieht wohl so aus, als könnte man eine Handvoll Rechner autorisieren auf die komplette, eigene Bibliothek zuzugreifen mit der Einschränkung, dass logischerweise nicht der Besitzer und ein weiterer Nutzer gleichzeitig das gleiche Spiel zocken können. In dem Fall hat dann der Eigentümer Priorität (sehr gut mitgedacht, Valve!) und der andere wird automatisch rausgeschmissen. Eine weitere Einschränkung ist, dass Titel aus anderen Regionen nicht zur Verfügung stehen. Meine Uncut-Versionen von diversen Spielen werde ich also nicht zur Verfügung stellen können. Aber mal schauen wie es am Ende wirklich aussieht und wie die weiteren Bedingungen aussehen. Ich werde auf jeden Fall bei der Beta mitmachen und je nachdem sicherlich dem einen oder anderen Freund meine riesige Sammlung zugänglich machen.

Doch so gut Steam auch mittlerweile ist und wie intensiv ich es auch nutze: Perfekt ist es noch lange nicht. Die Sache mit der Cloud ist leider immer noch weit von der Perfektion entfernt, obwohl es das Feature bereits seit 2009 gibt. So gibt es weiterhin viel zu viele Spiele, die Cloud Saves entweder gar nicht benutzen oder bei denen sie nicht richtig funktionieren. Außerdem wird bei uns in Deutschland (und in Australien) das Thema mit dem Jugendschutz weiterhin von Valve komplett ignoriert. Wo bleibt der „ab 18“-Bereich, für den ich mich zum Beispiel mit meinem Personalausweis autorisieren kann und dann Zugriff auf die ungeschnittenen Titel mit DLC erhalte? Das ist mittlerweile absolut lächerlich. Von daher: Herzlichen Glückwunsch an Valve zu 10 Jahre Steam! Aber jetzt husch husch wieder zurück an die Arbeit!

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2 Kommentare

Ich bin und war skeptisch, obwohl zwei Drittel meiner Sammlung über Steam laufen. Es wird mit dem Ende von GfWL etwas mehr sein. Dieser Eintrag steht ziemlich kontrastreich zum anderen Beitrag.

Die größte Baustelle ist meines Erachtens die DLC Verwaltung:
Man kann nicht vernünftig mit einem Klick in der Library sehen welche DLCs es zu einem Produkt gibt UND gleichzeitig welche man davon schon hat. Man kann sehen welche man hat und man kann sehen welche es insgesamt gibt und scrollt dann bei Dungeon Defenders oder Magicka eine ewig lange Liste herunter, in der dann hier und dort mal ein DLC kaufbar/nicht kaufbar ist. Teilweise ist diese Liste auch verbuggt, was man erst im Warenkorb durch das ausgegraute "Purchase for myself" merkt, obwohl man alle Titel im Warenkorb einzeln für sich kaufen könnte.
Die Lösung:
Ein einfacher Button (DLC) hinter dem Titelnamen und in der Library klappt eine Liste direkt bei den Spielen auf mit einem Häkchen für gekaufte und einem Kreuzchen für nicht gekaufte Titel. Mit kleiner Sortierfunktion (Datum/Alphabetisch). Das i-Tüpfelchen wäre natürlich wenn das Ding aufgeht man auch so eine kleine gräuliche Beschreibung daneben hat: "Spiel-Inhalte" und "Kostüme".

Ansonsten: Alles Gute zum Geburtstag, Steam.

Ich zitiere mal unter diesem Eintrag, weil ich den korrekten Eintrag zu dem dies zugehörig wäre, nicht mehr finde:

"Steam gönnt sich das ungewöhnliche Recht, andere Prozesse zu debuggen, also auf deren Programmablauf Einfluss zu nehmen oder sogar deren Speicher zu verändern. Dies wird verwendet, um Screenshots innerhalb laufender Spiele anzufertigen. Unglücklicherweise kann es ebenfalls benutzt werden, um Zugriff auf geschützte Prozesse zu erlangen."
Quelle: GG http://www.gamersglobal.de/news/77667/sicherheitsluecke-in-steam-verhilft-zu-systemrechten
Ursprungsquelle: heise

Ich weiß noch, wie ich hier von meinen Problemen bei der Installation von Steam berichtete und wirklich tagelang ratlos war. Als Ursache stellte sich mitunter die strikte Rechtetrennung meines Systems heraus, welche zur Sicherheit meines PCs und meiner Daten hervorragend mit allem funktionierte. Außer mit Steam. Steam versuchte sich ständig während der Installation schon Zugriff auf die Netzwerk-Adapter zu sichern und die Eingehende/Ausgehenden Regelungen für Peer-Netzwerke zu überschreiben. Benutzerkontensteuerung wollte es durch die Hintertür direkt abschaffen, Benutzertrennung sowieso (wir sind alle gleich, nur Steam ist gleicher), also jedem Ausführen von Steam, unabhängig des Nutzers Administator-Rechte gewähren. Ungefragt wollte es auch Schlüsseleinstellungen in der Registry 'korrigieren', was ich damals schon für ziemlich heftig hielt, als ich dann plötzlich kein Internet mehr bekam und zwischenzeitlich nur noch ohne Netzwerkverbindungen im absicherten Modus booten konnte. Es ist schon erstaunlich zu sehen für was "offiziell" diese Maßnahmen den Nutzern aufgezwungen werden: für das Anfertigen von Screenshots zur Laufzeit. Ja, klar. Wie im Thread zu Recht bemängelt wird: "Aber Steam sind ja die Guten" bzw. "Publikumslieblinge".

Wäre Origin das so umfangreich unterlaufen und erst jetzt darauf hingewiesen worden . . . hätten sie so komplett nicht reagiert und das Ticket bis zur automatischen Schließung durchlaufen lassen . . .

-.-"

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