Sicarius

Eine Dachsfamilie auf Terroristenjagd

Nein, heute gibt es mal kein Video. Muss euch ja schließlich ab und zu schon noch einen Grund geben hier auf der Seite vorbei zu schauen. Ja, die Besucherzahlen sind im 1. Halbjahr noch einmal massiv in den Keller gegangen dieses Jahr (2012 ging es ja schon bergab) trotz (oder gerade wegen?) des noch extremeren Fokus auf Spiele. Aber ihr wisst ja, dass ich das gar nicht so eng sehe. Ich produziere trotzdem weiter meine Inhalte. Demnächst dann aber natürlich nicht mehr über Spiele, sondern über Innenraumdesign („Passt der grüne Schrank zur blauen Wand?“), Haushaltstipps („Was passiert, wenn ihr das Bügeleisen zu lange auf eurem T-Shirt stehen lasst“), Versicherungshinweise („Warum eine Absicherung gegen Feuer sinnvoll ist“) und Kochkurse für Anfänger („Pasta mit dunkler Soße in nur 10 Minuten“). Okay, vermutlich nicht. Aber einen Eintrag mit Fotos/Video von meiner neuen Wohnung müsst ihr auf jeden Fall mal ertragen :smile: .

Logo von Desert Bus for HopeNachdem ich mit Rondrer im Schlepptau vorletzten Freitag mal oben im Landkreis Nürnberg war, liegt der Mietvertrag nun bereits neben mir (Unterschrift natürlich erst bei der Übergabe). Das heißt ab 15. Oktober werde ich mit dem Einziehen beginnen, bevor ich dann ab 4. November (1. November ist bekanntlich ein Feiertag in Bayern) meinen neuen Job antrete und somit Gunzenbach/Aschaffenburg (vorerst) den Rücken kehre — nur um dann gleich ab 18. November wieder Urlaub zu nehmen. Warum? LoadingReadyRuns Desert Bus for Hope VI Charity Fund Raiser startet am 16. November! Nein, ich mache normalerweise nicht extra Urlaub dafür (obwohl ich letztes Jahr auch zeitgleich daheim war). Ich habe nur noch so viel Urlaubstage übrig, dass das eine gute Ausrede ist welchen zu nehmen und dann den ganzen Tag (und Nacht) vor dem Livestream zu verbringen.

Ein Spiel

So viel also zum aktuellen Stand. Kommen wir nun noch zu ein paar Spielchen. Ganz ohne will ich euch schließlich nicht in die Woche entlassen. Ich bin natürlich immer noch fleißig dabei in Steelport herumzuhüpfen und die Geschichte zu ignorieren. Etwas, dass einem Saints Row IV sehr einfach macht und was ich wiederum saumässig genial finde. Und zwar wählt ihr fröhlich eure nächste Mission aus und bekommt auch den Wegpunkt dazu angezeigt, was ihr auf dem Weg dazwischen macht ist aber völlig egal.

Das meine ich wörtlich! Ihr könnt nicht nur weiter fröhlich Schabernack treiben, sondern auch Shops hacken, Datencluster aufsammeln und Aktivitäten erledigen ohne, dass die gewählte Mission scheitert oder ihr sonst wie dafür bestraft werden nicht sofort zum Ziel zu rennen. Nachteil ist natürlich, dass ich mich sehr leicht ablenken lasse. Oh, da sind noch ein paar Datencluster (es gibt über 1.000 Stück in der Stadt!), die liegen doch fast auf dem Weg, da kann ich sie noch fix aufsammeln. Und da drüben, da ist ein Shop, den ich nicht gehackt habe. Ach schau an, ein Flashpoint, den erledige ich gleich mit. Bitte? Die Gang aus der Matrix befreien? Ach, da war ja…oooh, shiny! Und dann hatte ich Sex mit einer mechanischen Kugel. Saints Row IV: Fuck Yeah!

Taktik-Shooter

Aber es gab abseits von Saints Row IV auch noch ein paar andere Titel, mit denen ich mich mehr oder weniger ausführlich beschäftigt habe:

Herstellerbild zu Tactical InterventionTactical Intervention – Minh Le, Miterfinder von Counter-Strike war bei Valve Software angestellt und arbeitete an Counter-Strike 2. Was kann es besseres geben? Nun, anscheinend sich nach Südkorea absetzen und bei FIX Korea anzuheuern, um seit über fünf Jahren am geistigen Nachfolger zum erfolgreichsten Half-Life-Mod allerzeiten zu werkeln. Das Ergebnis ist ein Free-2-Play-Team-Shooter auf Basis der Source Engine, der seit Freitag auch bei uns in der Open Beta-Phase ist.

Das Ergebnis ist derzeit äußerst ernüchternd. Es fällt zu allererst die altbackene Grafik ins Auge. Ja, die Source Engine ist mittlerweile neun Jahre alt. Aber selbst Counter-Strike: Global Offensive sieht 100.000mal besser aus als das, was Tactical Intervention unter starken Krämpfen (=Lags ohne Ende) auf den Bildschirm zaubert (und entspricht definitiv nicht den Screenshots oder dem stark nachbearbeiten Trailer im Steam Store!). Als nächstes bemerkt ihr dann den Free-2-Play-Teil. Wer nicht die 35 Euro in die Starter Packs investiert und dadurch eine permanent vorhandene Grundausrüstung erhält, muss sich durch erfolgreiches Spielen Punkte verdienen und darf dann (zeitbeschränkte) Ausrüstung kaufen: Waffen, Kleidung und sonstige Ausrüstung kaufen. Welche Auswirkungen das auf die Balance hat, wenn ich als Anfänger mit einer billigen Knarre rumrenne und alle anderen mit einer AK-47 oder M4A1, kann man sich sicherlich denken.

Positives

Das ist insofern schade, als dass Tactical Intervention tatsächlich ein paar richtig coole, neue Ideen in die ausgelutschte Spielmechanik Counter-Terrorist gegen Terrorist reinbringt. Auf der Karte „Highway“ sind alle Parteien beispielsweise in Autos (inklusive eines Helikopters) unterwegs (aufteilt in Fahrer und Passagiere). In einem der Autos sitzt ein VIP, den die Terroristen töten müssen. Das ist auf dem Papier eine richtig coole Highspeed-Verfolgungsjagd über verwinkelte Straßen bei der die Leute aus den Fenstern hängen und aufeinander schießen während die jeweiligen Fahrer verzweifelt versuchen die Karre auf der Straße zu halten. Dank der zahlreichen Lags ist man jedoch froh, wenn man überhaupt mal was trifft.

Auch in den normalen Gefechten, in denen es schlicht wieder drum geht Geiseln zu befreien und Bomben zu entschärfen sind interessante Neuerungen dabei. Zum Beispiel ein Hund, den ihr auf eure Feinde hetzen könnt oder als Scout benutzt (er kann Gegner riechen!), die Möglichkeit Geiseln als menschliche Schutzschilde zu verwenden, Kampfrollen oder schlicht von höheren Stellungen sich abzuseilen. Alles Sachen, die man von einem Taktik-Shooter erwartet, die Counter-Strike aber bis heute nicht enthält. Von daher wäre es tatsächlich zu wünschen, dass Tactical Intervention tatsächlich bis zum finalen Release noch wesentlich besser wird. Jetzt wo ich es heruntergeladen habe, werde ich es auf jeden Fall im Auge behalten.

Natursimulation

Herstellerbild zu ShelterShelter – Wolltet ihr schon immer mal wissen, wie sich eine Dachsmutter fühlt? Nein? Egal, jetzt habt ihr die Gelegenheit dazu! Shelter ist beinharter Survival Horror mal anders. Ihr schlüpft in die Rolle einer Dachsmutter mit ihren 5 Kindern und müsst schlicht und nicht nur selbst überleben, während ihr euch durch die linearen Levels arbeitet, sondern auch so viele Kinder wie möglich durchbringen.

Das ist logischerweise einfacher gesagt als getan. Es fängt schon damit an, dass die Kleinen praktisch immer Hunger haben und es viel zu wenig essen für alle gibt. Ihr müsst also zusehen auf eurer Reise alles aufzusammeln (Äpfel, Rüben und so Kram) und zu jagen (Frösche, Füchse und dergleichen), was euch vor die Schnauze kommt. Vor allem das Jagen ist nicht ganz so einfach. Anschleichen und im richtigen Moment zuschlagen heißt die Devise. Und trotzdem immer darauf achten, dass eure Jungen, die euch ständig automatisch nachlaufen, nicht abhandenkommen wenn ihr so davonrennt. Habt ihr dann mal was zu essen, müsst ihr ganz genau drauf achten wem ihr es gebt. Netterweise haben alle fünf nicht nur verschiedene Streifen im Fell, damit ihr sie unterscheiden könnt. Je nachdem wie hungrig sie sind, verändert sich auch ihre Fellfarbe. So könnt ihr relativ einfach dafür sorgen, dass ihr jemanden nicht zweimal füttert.

Emotional

Aber nicht nur der Hunger ist euer Feind, auch die Umwelt. Da kreisen Adler in den Höhen und schlagen gnadenlos zu, wenn sie eines eurer Jungen im Freien sehen. Oder ihr seid in der Nacht unterwegs und eines eurer Kinder ist zwei Sekunden zu lang außerhalb eures Gesichtsbereich und wird Schwups verschlungen. Allerdings muss man es auch gleichzeitig so sehen: Ein Mund weniger zu füttern. Dennoch zerrt das Spiel massiv an den Nerven. Ich fühle mich sehr schnell eng mit meinen Kleinen verbunden, versuche es allen recht zu machen, zittere wie Espenlaub wenn ich von einem Busch zum nächsten husche während auf dem Boden der gefährliche Schatten seine Kreise zieht und bin extrem niedergeschlagen, wenn dann doch eines verhungert oder schlimmer noch, vor meinen Augen im Himmel verschwindet weil es der Adler erwischt hat.

Verpackt haben die Schweden bei Might and Delight das Ganze in eine äußerst surreal gestaltete und stark überblendete Ästhetik. Ja, auf den Screenshots ist der Gamma-Wert nicht bis ins unendliche hochgedreht — das ist tatsächlich so und am Anfang definitiv gewöhnungsbedürftig. Das Spiel hätte zwar sicherlich auch als hyper-realistische Simulation mit der CryEngine funktioniert, aber dieser ungewöhnliche Look zusammen mit dem gelungenen Soundtrack der Retro Family hat definitiv seinen Charme und zieht euch trotzdem ohne Probleme emotional in die Spielwelt hinein.

Der Titel gehört somit zu der Art von Indie-Spielen, die tatsächlich mal was anderes machen als den x-ten 8-Bit-Retro-Mist. Er bietet ein Erlebnis, das ich bislang noch in keinem anderen Spiel hatte und ist damit auch erfolgreich im Gegensatz zu anderen künstlerisch wertvollen Programmen wie beispielsweise Dear Esther, die schon mehr ein begehbares Gemälde als interaktive Unterhaltung sind. Ich habe die Investition der 9 Euro somit keines Falls bereut und kann euch nur empfehlen euch Shelter mal anzuschauen.

Bis Donnerstag!

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