Sicarius

Selbst gespielt, unveränderte Meinung

Alle Welt wartet auf die PC-Version Grand Theft Auto V, nur der Christoph nicht, der hat nämlich die Xbox-360-Fassung bereits zu 50% durch. „Wad?! Der hat sich die Konsolenversion gekauft?! Warum denn das?“ wird sich der ein oder andere jetzt fragen. Nun sagen wir einfach, dass ich ein Angebot bekam, das zu gut war, um es abzulehnen :smile: . Und nein, Take-Two Interactive hat mir keine Pressekopie zur Verfügung gestellt.

Statt aber nun seitenweise über das Spiel zu referieren — das haben andere bereits zu Genüge getan –, mache ich es wie damals bei Saints Row: The Third. Ich werfe einfach ein paar Fragen mitsamt den dazugehörigen Antworten in den Raum, die mir so auf Anhieb einfallen und packe ein paar Fakten dazu — und zwar völlig unsortiert und unübersichtlich. Quasi ein kleiner Infodumb, denn eure Meinung zum Spiel werde ich sowieso nicht ändern. Meine ist auch immer noch die Gleiche, aber ich greife vor:

    Herstellerbild zu GTA V

  • FAKT: Die „Minispiele“ Golf, Dart und Tennis sind nicht nur hervorragend umgesetzt, sondern auch durchaus umfangreich und würden so von anderen Entwicklern als eigenständige Titel verkauft werden.
  • Wie gut schaut es wirklich aus? Nun, mich als PCler haut es logischerweise absolut nicht vom Hocker und man merkt auch an vielen Stellen, dass die Xbox 360 nicht mehr die Neuste ist. Speziell wenn ihr im Mini-U-Boot unterwegs seid, bricht die Framerate massiv ein weil er anscheinend nicht damit zurecht kommt sowohl den Meeresgrund als auch die Stadt gleichzeitig im Cache zu halten. Aber auch abseits davon ist das Level-of-Detail-Verhalten trotz hoher Weitsicht verbesserungswürdig (ihr seht vor allem in einem schnellen Auto ständig wie die Texturen vor euch wechseln) und die Darstellung der Landschaften im Norden lässt sehr oft das zugrundeliegende Tapetenmuster zum Vorschein kommen. Verwaschene Texturen gibt es aber prinzipiell überall. Am Ende des Tages ist es halt immer noch ein Titel auf einer völlig veralteten Konsole. Da ist klar, dass es Abstriche geben wird.

    Im Großen und Ganzen sind das aber alles nur Details, die einem oft auch nur auffallen, wenn man genauer hinschaut (oder mal wieder 30 Minuten zum nächsten Missionsziel fahren muss…). Unterm Strich sieht das Spiel in allen Belangen (Spielwelt, Charaktere, Animationen) sehr gut aus und ist definitiv ein würdiger Abschluss der Konsolengeneration.

  • FAKT: Rockstar will unbedingt, dass ihr die riesige Karte auch komplett seht. Entsprechend verbringt ihr sehr viel Zeit in einem Auto, um von A nach B zu kommen. Das nervt außerhalb von Los Santos wie die Sau!
  • Wie machen sich die drei Hauptcharaktere? Michael ist ein eingebildetes Arschloch, Franklin ein Klischee-Homie und Trevor ein ausgewachsener Soziopath. Paradoxerweise ist es gerade Trevor mit dem ich noch am meisten anfangen kann, weil er am ehesten das klassische GTA-Gefühl vermittelt. Sprich er schießt lieber statt zu fragen, geht auf Amokläufe, verkauft Leute an Kannibalen und lässt auch sonst absolut schonungslos die Sau raushängen — eben wie ich als Spieler. Die anderen beiden sind hingegen langweilige 08/15-Futzies, die auch von den Schreiberlingen im Laufe des Spiels nichts so wirklich richtig zum Leben erweckt werden.

    Zugegeben: Vermutlich will Dan Houser auch gar nicht, dass ich mich mit irgendeinem der Dreien wirklich identifiziere. Das Blöde ist nur: Wenn mir das Leben des Hauptcharakters am Hintern vorbeigeht, dann interessiert mich logischerweise auch die restliche Hintergrundgeschichte nicht. Wenn man überhaupt von einer echten Hintergrundgeschichte reden kann. Tatsächlich hangelt ihr euch einfach von Mission zu Mission, plant und führt hin und wieder einen großen Überfall durch und das war es auch schon. Eine wirkliche Charakterentwicklung oder einen echten Fortschritt abseits von „hey, jetzt hast du ein größeres Haus, Franklin!“ habe ich bislang noch nicht bemerkt.

    Für mich sind die Missionen bislang nur der rote Faden an dem ich mich in der Spielwelt entlanghangele weil ich sonst irgendwie nichts wirklich Besseres zu tun habe mit nur äußerst wenigen Highlights (selbst die Heists sind im Vergleich zu einem Payday eher durchschnittlich). Mir fällt sogar aus dem Kopf kein einziges Highlight aus den Hauptmissionen ein. Die eine oder andere Nebenmission war da schon interessanter. Nico Bellics Geschichte war da wesentlich besser gemacht und motivierender.

  • FAKT: Rockstar gibt euch eine riesige Spielwelt, will aber gleichzeitig nicht, dass ihr euch darin wirklich austobt. Die Polizei habt ihr schneller am Hals als früher, sie schießt auch schneller und ohne euren Autolack zu erneuern dauert es eine gefühlte Ewigkeit, bis euer Wanted-Level verschwindet. Auch die Passanten sind überraschend aggressiv drauf. Vom Militär wollen wir erst gar nicht anfangen. Die Armee-Basis ist eine absolute Todeszone. Vorbei die Zeiten, in denen ihr euch einen Panzer geschnappt habt und fröhlich die halbe Stadt zerstören konntet. Gleichzeitig ist Munition sehr teuer, Sterben wird hart bestraft (kostet einen Haufen Kohle) und kommt trotz niedrigerer Chance aus der Windschutzscheibe zu fliegen viel zu oft vor.
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  • Wie ist der Humor? Voll auf die Nase — und das meine ich absolut negativ. Es ist einmal oder vielleicht zweimal lustig, wenn im Radio ein Spot läuft von wegen „Hört her, wir sagen alles so wie es wirklich ist, damit ihr den Witz auch wirklich versteht“. Ein Beispiel ist die ganze LifeInvader-/Cloud-Geschichte in der es in vollem Ernst darum geht wie eure Daten missbraucht werden. Aber das hat doch auf Dauer nichts mehr mit Satire zu tun. Satire ist subtil und bedeutet mehr als einfach den stereotypischen Kiffer-Charakter in die Spielwelt zu setzen und zu hoffen, dass das ausreicht, um die Leute zum Lachen zu bringen.

    Leider scheint Rockstar seine Käufer nicht als äußerst intelligent einzuschätzen, weshalb es in Grand Theft Auto V fast nichts anderes gibt als diese Art von offensichtlichen „Erklärhumor“. Es fehlt nur noch der Laugh-Track im Hintergrund. War das im Vorgänger auch schon so extrem? Ich weiß es nicht. Mir ist es auf jeden Fall nicht so im Hinterkopf geblieben. Durch die Art und Weise wie Rockstar versucht hat Amerika zu parodieren, wurde aus dem Spiel selbst eine Parodie. Saints Row IV zeigt definitiv wie es besser geht.

  • FAKT: Die (englische) Sprachausgabe ist äußerst gut gelungen. Die Auswahl der Sprecher ist hervorragend und deren Auswahl (inklusive deren Texte) groß genug, dass sich in normalen Situationen auch die Passanten sich nicht ständig wiederholen. Wenn ihr allerdings das 50. Auto klaut, dann geht auch diesem Spiel so langsam aber sicher die Luft aus.
  • Wie gut sind die Radiosender? Überraschend langweilig obwohl es 17 thematisch unterschiedliche Sender gibt und wie gewohnt alle ein mehrstündiges Programm mit allem Drum und Dran abspielen. Aber da wie oben erwähnt der Humor bei mir einfach nicht zündet und bei der Musikauswahl auch irgendwie nichts dabei ist, was mich von den Socken haut, düdelt das Radio einfach nur im Hintergrund mit. Es nervt nicht, aber das Bedürfnis mir wie beispielsweise bei Grand Theft Auto: Vice City den Soundtrack zu holen habe ich absolut nicht.

    Der Score ist allerdings noch langweiliger. Ja, ihr hört nun auch Musik wenn ihr nicht im Auto sitzt. Extra was komponiert worden dieses Mal. Das Ergebnis ist aber nichts weiter als ein mittelmäßiger Ambient-Track den ich außerhalb des Spiels garantiert nicht hören will, der währenddessen aber völlig ausreichend ist.

  • FAKT: Los Santos ist sehr atmosphärisch. Es ist viel los, viele Passanten unterhalten sich und ihr könnt ihnen auch mal länger zuhören. Der Verkehr ist nicht ganz so hibbelig wie früher, ihr könnt also auch tatsächlich mal normal mitfahren und es gibt hin und wieder auch mal einen Unfall oder eine Verfolgungsjagd zwischen NPCs. Und ihr könnt auch mit gezogener Waffe mal herumlaufen ohne, dass sofort überall Panik ausbricht. Außerdem gibt es (trotz der verwaschenen Texturen) überall viele Details zu sehen und zu entdecken.
  • Wie viel gibt es zu tun? So einiges. Alleine mit den Minispielen könnt ihr euch sehr lange beschäftigen, dann gibt es natürlich einen Haufen Haupt- und Nebenmissionen sowie weitere Aktivitäten wie Straßenrennen , Ladenüberfälle oder auf die Jagd gehen. Von den ewig vielen sammelbaren Sachen sowie den Challenges in den Missionen, die euch zum erneuten Spielen motivieren sollen, ganz zu schweigen. Ihr könnt also definitiv auch ohne viel Schabernack zu treiben, was wie erwähnt ja von Rockstar sowieso nicht so wirklich gewollt ist, viel Zeit mit dem Spiel verbringen. Ob das alles wirklich Spaß macht steht auf einem anderen Blatt. Bei Saints Row IV war (und ist) meine Motivation das Spiel zu starten und dann auch mal länger am Stück zu spielen wesentlich größer als bei Grand Theft Auto V bei dem ich ständig nur an andere Dinge denke, die ich gerade tun könnte und dann auch am Ende der nächsten Mission entsprechend abschalte.
  • FAKT: Das Umschalten zwischen den drei Charakteren klappt wunderbar und ohne Probleme. Die Ladezeit finde ich angemessen, schließlich muss er einen Teil der Spielwelt auf einmal entladen und neu laden und die Situationen in denen ihr den jeweiligen Charakter dann wiederfindet sind gut gemacht und geben euch dann doch ein paar zusätzliche Einblicke in ihre Persönlichkeit.
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  • Wie ist die Steuerung? Im Auto fahren und dabei schießen geht mit Gamepad immer noch nicht. Da hat auch Rockstar noch keine Lösung gefunden. Schießereien zu Fuß funktionieren hingegen per Aim-Bot. So trefft ihr zwar immer alles, es ist aber auch entsprechend langweilig. Und das Autofahren an sich klappt ganz gut. Vor allem die schnelleren Karren tendieren zwar sehr zum Ausbrechen, aber unterm Strich habe ich selbst bei hohen Geschwindigkeiten doch eher selten das Gefühl, dass ich mein Auto nicht unter Kontrolle habe. Auch die Sache mit den Flugzeugen und Hubschraubern geht relativ gut von der Hand (besser als früher auf jeden Fall!) solange ihr nicht so waghalsig seid wie ich und gleich im ersten Anlauf versucht unter allen Brücken durchzufliegen. Die Mission habe ich oft neu gestartet… :smile:
  • FAKT: Die „Random Events“ (tatsächlich sind die gar nicht so Zufällig und es gibt auch nur eine begrenzte Anzahl bevor sie sich wiederholen) sind ganz nett und laden immer wieder dazu ein das derzeitige Ziel zu vergessen und stattdessen nachzusehen, was einen an diesem blauen Punkt erwartet. Das reicht von Anhaltern und einer Runde Bus fahren über Diebe bis hin zu Schießereien zwischen Gangstern und Polizei bei denen ihr euch für eine Seite entscheiden müsst. Definitiv sehr nett und lockert das Geschehen angenehm auf.
  • Taugt GTA Online was?Auf dem Papier ja. In der Praxis hat es nicht nur immer noch mit technischen Schwierigkeiten zu kämpfen, sondern auch mit den Spielern. Die Spielwelt ist ein einziges Schlachtfest bei dem der Vorsatz gilt: Jeder ist auf sich alleine gestellt. Seht ihr einen anderen Spieler, ist die Chance äußerst gut, dass er euch sogleich töten wird. Das bedeutet wiederum, dass ihr einen Großteil eures Ersparten verliert (ja, es gibt Geldautomaten, die ihr deswegen benutzen solltet) und euch ganz schnell der Spaß vergeht. Zumal Waffen und Munition (neben Geld an sich) noch rarer und teurer sind als im Einzelspielermodus. Vielleicht legt sich das aber mit der Zeit und dann kann man sich vielleicht auch online anständig austoben. Derzeit halte ich mich da aber raus.
  • FAKT: Wie erwartet ist der Norden der Karte, sprich die Wald- und Wüstengegend, wieder so langweilig und uninteressant (abseits von ein paar Easter Eggs) wie damals bei GTA: San Andreas. Hier verbringt ihr stattdessen die meiste Zeit damit einfach nur stupide von A nach B zu fahren und euch zu langweilen.

So viel also erst einmal dazu. Wie ihr sicherlich nicht nur zwischen den Zeilen herauslesen könnt, bin ich von Grand Theft Auto V (wie erwartet) nicht so wirklich begeistert. Von einem Spiel, das so viele Millionen gekostet hat, erwarte ich einfach mehr als das, was Rockstar hier abliefert. Natürlich sieht man durchaus wo das Geld hingeflossen ist. Die Frage ist allerdings: Wäre es beispielsweise bei der Geschichte nicht besser aufgehoben als in der Entwicklung eines eigenen Internets mit Dutzenden von Seiten?

Mir ist klar, dass ich mit dieser Meinung zur Minderheit gehöre, aber die Saints Row-Serie trifft meinen Geschmack in Sachen Open-World-Titel mittlerweile um Welten besser. Ich habe Grand Theft Auto V definitiv nur so viel gespielt, weil alles andere bereits in Umzugskartons verpackt ist und ich nicht am Laptop irgendwas auf Steam zocken wollte (mein Desktop ist schon wieder außer Betrieb). Dass ich mir aber dennoch mittlerweile andere Xbox-360-Titel aus einem Karton rausgefischt habe, sagt vermutlich mehr aus als jeder noch so lange Eintrag, den ich tippen könnte.

Zusammengefasst kann ich also nur erneut wieder betonen, dass mich Rockstar im Laufe der Zeit definitiv als Fan ihres Studios verloren hat — und das nicht nur wegen der Richtung, in die sich die GTA-Serie entwickelt hat. Mittlerweile schiebe ich sie tatsächlich mit in die Bethesda Game Studios-Ecke. Und von denen halte ich bekanntlich auch nicht wirklich viel.

Bis Montag!

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