Sicarius

Fünf Trends im Jahr 2014

Letzte Woche habe ich die provokante Frage gestellt „Wo geht es hin?“ ohne wirklich eine Antwort darauf zu geben. Stattdessen habe ich mich darauf beschränkt alle Besucher zu beschimpfen. Das hat zwar viele Kommentare gebracht, aber so einen Blick in die Zukunft ist bekanntlich immer interessant. Das sieht man auch daran, dass in den letzten zwei Wochen sehr viele Trend-Artikel von diversen Magazinen veröffentlicht wurden. Da können wir hier beim Christoph natürlich nicht einfach daneben stehen und zusehen. Lasst uns heute deshalb mal ernsthaft schauen, was sich aus meiner Sicht in der Spielebranche 2014 so tun wird.

Oculus Rift (Herstellerkonzept)

Oculus Rift (Herstellerkonzept)

Virtual Reality

Im Prinzip hätte die Überschrift auch einfach „Oculus Rift“ lauten können. Es gibt zwar hier und da einige Hersteller, die jetzt auch wieder auf diesen Zug aufgesprungen sind. Aber die interessiert derzeit faktisch kein Schwein. Vor allem seit auf der CES die neuste Version der Brille präsentiert wurde, die nicht nur technisch große Sprünge gemacht hat, sondern auch optisch. Das sieht mittlerweile schon eher wie etwas aus, das ich mir tatsächlich aufsetzen könnte. Innendrin gibt hingegen nun endlich ein 1080p-Display und, fast noch wichtiger, integriertes Positionstracking.

Dann auch noch John Carmack endlich Vollzeit als Entwickler sowohl der Technik, als auch im Spielesektor (was sich vermutlich erst einmal hauptsächlich auf das Development Kit auswirken wird) und jetzt sogar bereits offizielle Steam-Unterstützung. Ja, natürlich könnte das Display NOCH größer sein und hinter den Latenzen sind auch weiterhin größere Fragezeichen (wobei das Carmacks absolutes Steckenpferd ist – er ist halt doch immer noch ein Twitch-Shooter-Fan :smile: .). Aber ich werde trotzdem auf jeden Fall einer der ersten sein, die Ende des Jahres dann die erste Verkaufsfassung der Brille erstehen werden. Viel zu viele Leute haben schon so extrem positiv und quasi geflashed über ihre ersten Erfahrungen geschrieben. Und selbst in Sachen Spieleunterstützung ist dank des schon lange erhältlichen DevKits bereits einiges vorhanden. Ich kann mir aktuell entsprechend praktisch überhaupt keinen Grund vorstellen, wie das jetzt noch großartig schief gehen soll und stimme mit in den Chor derjenigen Journalisten mit ein, die 3D-Brillen endlich für Salonfähig halten.

Legend of Grimrock 2 (Herstellerbild)

Legend of Grimrock 2 (Herstellerbild)

Rollenspiele-Boom

Ich hatte es am Montag ja schon einmal erwähnt. Ich muss es an dieser Stelle aber noch einmal betonen: 2014 wird das Jahr der Rollenspiele. Nachdem es letztes Jahr ein wenig mager aussah, werden wir nun von allen Seiten mit neuem Futter erschlagen. Das liegt zum einen an den ganzen Kickstartern, die nun endlich das Licht der Welt erblicken. Pillars of Eternity, Wasteland 2, Divinity: Original Sin, Shroud of the Avatar, Pier Solar HD, Dead State, Grim Dawn und was weiß ich noch alles wird in dieser Hinsicht auf den Markt kommen. Dazu kommen dann logischerweise die ganz dicken Dinger wie Dragon Age III: Inquisition, Final Fantasy XV oder The Witcher 3: Wild Hunt. Aber auch die „etwas kleineren“ wie Lightning Returns: Final Fantasy XIII dürfen wir nicht vergessen. Da brauchen wir gar nicht erst nicht weiter in die Indie-Welt (Legend of Grimrock 2!) abtauchen, um weitere „Beweise“ für die voraussichtlich starke Dominanz des Genres im Jahr 2014 zu finden.

Es ist als wäre es erst gestern gewesen, da war das Rollenspielgenre tot und jetzt übertriefen sie sogar die Shooter. Und mit „tot“ meine ich richtig tot. Nicht wie das Adventure-Genre tot, sondern tot tot. Und dann kam am 21. Dezember 1998 pünktlich zu Weihnachten Baldur’s Gate auf den Markt und veränderte über Nacht die Zukunft des gesamten Genres. Das heißt natürlich nicht, dass ich persönlich das Spiel jetzt so super toll finde. Aber die geschichtliche Bedeutung des Titels ist unbestreitbar immens.

Jetzt wird der ein oder andere vielleicht die Weltraumspiele erwähnen wollen. Und ja: Da erscheinen 2014 auch ein paar. Aber da trauen sich die großen Publisher weiterhin noch nicht dran, deshalb ist das Angebot noch überschaubar. Das wird sich denke ich erst 2015 ändern, sollten Titel wie Elite: Dangerous oder Star Citizen tatsächlich auch abseits des Crowdfunding erfolgreich sein.

Mirror's Edge 2 (Herstellerbild)

Mirror’s Edge 2 (Herstellerbild)

Mehr neue Marken

Ich gebe zu, dass auch ich am Anfang zu denjenigen gehörten, die Mitte 2012 über Yves Guillemot Worte schmunzelten. Damals sagte er, dass die Konsolengeneration überfällig wäre. Nur dann wäre es risikofreier neue Marken in die Läden zu bringen. Aber wenn man mal länger drüber nachdenkt, dann hat er (leider) recht. Nach acht Jahren ist selbst der experimentierfreudigste auf „seine“ Konsole eingeschworen, weiß was ihm darauf Spaß macht und schaut gar nicht groß mehr nach links oder rechts. Zumal wirklich innovative Titel bekanntlich meist sowieso mehr abschrecken als anziehen. Aber das Thema hatten wir ja schon einige Male.

Mit den neuen Konsolen werden die Karten hingegen neu gemischt. Es gibt nicht viele Spiele jeweils für beide, entsprechend lechzt der gemeine Käufer nach Material und ist eher bereit ein Experiment zu wagen, was wiederum dazu führt, dass auch der eigene Freundeskreis die ungewöhnlicheren Titel im Hause hat. Mal ganz abgesehen von Vorstößen wie bei Sony mit Angeboten wie Contrast oder Knack, also explizit dem Versuch dem PS4-Käufer schmerzlos etwas Neues unterzujubeln ohne, dass es wirklich merkt. Und diese Möglichkeit endlich mal wieder die Masse mit Innovationen zu versorgen wird erneut langfristige Auswirkungen auf die restliche Lebenszeit der aktuellen Konsolengeneration haben. Beispiele dafür gibt es genug. Wo wäre das Konsolenshooter-Genre und vor allem Microsoft heute, wenn sie Halo: Combat Evolved (Xbox) und Gears of War (Xbox 360) nicht exklusiv gefördert hätten?

Steam Machine (Herstellerkonzept)

Steam Machine (Herstellerkonzept)

Wiedergeburt des PCs

Es ist leider heutzutage so, dass der PC sehr stark von den Konsolen abhängig ist, weil dort mittlerweile der Hauptmarkt ist. Darunter hat er in den letzten acht Jahren extrem gelitten. Viele Spiele blieben ihm verwehrt, weil ihn Sony und Microsoft (von Nintendo brauchen wir erst gar nicht reden) ignoriert und als unwichtig abgetan haben. Das ändert sich nun. Die Gründe sind zahlreich, deshalb hier nur die fünf Bedeutesten:

  • Die neuen Konsolen sind in Sachen Architektur wesentlich näher am PC dran und somit wird die Portierung wieder etwas einfacher.
  • Steam hat den Publishern eindrucksvoll gezeigt, wie groß und rentabel der PC-Markt tatsächlich ist. Das allein hat schon 2013 zu einem starken Umdenken und vielen überraschenden Portierungen geführt.
  • nVidia stinkt es gewaltig, dass AMD in beiden Konsolen drin ist und puscht extrem und unterstützt aktiv die Entwicklung von PC-Ports. Mich würde es nicht einmal wundern, wenn ihre Berater, die sie in die jeweiligen Studios immer schicken, mittlerweile komplett kostenfrei für den Entwickler sind. Wie gut, dass ich jetzt auch eine nVidia-Karte drin habe :smile: .
  • Exklusivverträge werden aufgrund des erhöhten Budgetbedarfs immer unrentabler und werden diese Konsolengeneration entsprechend wesentlich weniger werden. Um Profit zu machen, muss das Produkt möglichst weit gestreut werden. Womit wir wiederum erneut beim Thema gleiche Architektur wären.
  • Ich persönliche halte zwar nicht viel von den Steam Machines, aber Valves Einfluss ist sehr groß. Wenn es eine Firma gibt, welche die Illusion eines Plug ’n‘ Play-Wohnzimmer-PCs an den Mann bringen kann, dann die. Und davor müssen sich die Konsolenhersteller definitiv fürchten.

Das alles spricht dafür, dass es jetzt erst einmal wieder mit dem PC extrem aufwärts gehen wird (auch wenn er nie wirklich tot war). Und das ist immer gut!

Assassin's Creed: Liberation HD (Herstellerbild)

Assassin’s Creed: Liberation HD (Herstellerbild)

Rückgang der AAA-Titel

Das Thema „Budget“ hatten wir jetzt schon ein paar Mal. Aber auch wenn die ersten Prognosen etwas positiver sind, als es jeder anfangs dachte: Die Entwicklung von Spielen ist mittlerweile extrem teuer und die Kosten steigen immer weiter, je realistischer die Grafik sein soll. Diese hochdetaillierten Assets muss schließlich erst einmal einer anfertigen. Mark Rubin von Infinity Ward hat beispielsweise letztes Jahr schon über Call of Duty: Ghosts geflucht. Und das Thema Erwartungeswerte bei Square Enix-Titeln haben wir sicherlich auch noch nicht vergessen.

Ein Titel wie GTA V, der krasse 265 Millionen Dollar kostet (inkl. Marketingbudget), aber dafür auch eine Milliarde einnimmt ist die absolute Ausnahme. Selbst die fette Call of Duty-Sau war dieses Jahr schon etwas abgemagerter als 2013. So abgemagert sogar, dass Activision dieses Mal gar keine Zahlen veröffentlichte. Das geht auf Dauer nicht gut. Deswegen werden die Publisher nach Wegen suchen, die Kosten zu senken und die Gewinnmargen wieder nach oben zu treiben. Allerdings nicht so, wie ihr es jetzt vielleicht denkt.

Ich gehe stattdessen davon aus, dass die ganz großen Marken wie Battlefield, Call of Duty oder auch Assassin’s Creed noch stärker in den Fokus rücken und deren Budget sogar erhöht wird, um die Qualität sicherzustellen und dadurch dafür zu sorgen, dass die Einnahmen in diesem Bereich mindestens gleich bleiben, besser aber wieder steigen. Gleichzeitig werden bewährte, aber dennoch risikoreichere Projekte wie das nächste Tomb Raider oder Hitman (ja, ich bin etwas Square Enix-fixiert) stärker durch den Kostenfleischwolf gedreht. Sprich kleineres Budget, kleinere Spiele, weniger potentielle Verluste und damit weniger große AAA-Titel.

Dazu gehört auch das Recycling-Geschäft, was auf jeden Fall noch stärkere Bedeutung gewinnen. Damit sind zum einen DLCs gemeint, die einfach nur das bestehende Spiel erweitern. Zum anderen aber auch Stand-Alone-Projekte beziehungsweise Spin-offs wie Far Cry 3: Blood Dragon oder Assassin’s Creed: Liberation, die sehr stark auf vorhandene Assets setzen und dadurch ein kleineres Team, eine kürzere Entwicklungszeit und generell weniger Aufwand benötigen.

Epilog

Das waren also nun so die fünf größten Trends, die ich persönlich (mit Inspiration von Seiten wie Digital Trends, Gamesummit oder ReadWrite natürlich) für das Spielejahr 2014 voraussage. Zum Abschluss natürlich die obligatorische Frage an euch: Wie seht ihr das? Erzähle ich wieder völligen Blödsinn oder habe ich gar eurer Meinung nach noch etwas wirklich Wichtiges vergessen (Cloud Gaming? Companion Apps? Free-2-Play mit Pay-2-Win? Rückgang von traditionellem Handheld-Gaming? Endgültiger Aufstieg der Indie-Szene dank Crowdfunding?)? Ab in die Kommentarsektion mit euch und raus mit eurer Meinung!

Print Friendly, PDF & Email
Tweet about this on TwitterShare on FacebookEmail this to someone

3 Kommentare

So richtig interessiert mich eigentlich nur die Oculus Rift. Wenn nichts dazwischen kommt, was mir ein Loch ins Konto frisst, ist die Wahrscheinlichkeit groß dass ich mir das Teil auch zulege. Das ist überhaupt mal wieder etwas, was mich eine lange Zeit richtig mitreißen konnte – nur vom hören/sagen in Text- und Videoform. Denn ein Selbsttest fand leider noch nicht statt. Da stellt sich eh die Frage: Wo denn, wenn es keiner aus dem Freundes- oder Bekanntenkreis Zuhause hat? Von daher muss ich dem Jubel der Gemeinde vertrauen und hoffe wirklich das zu holen, was ich wirklich mit dem Begriff ‚NextGen‘ (gehört für mich seit Ende 2013 zu Schimpfwörtern) in Verbindung setzen kann.

Ob die Begeisterung dann soweit geht, dass ich später sogar auf eine Lösung wie ‚Omni‘ schiele, wird sich dann noch herausstellen. Meine größte Hoffnung ist, dass die Rift den Fernseher ersetzen kann. Einmal mittels Programm den eigenen Wohnraum rekonstruiert, auf die Couch gepflanzt und Rift auf – tschüss Fernseher an der Wand :smile:

Also ich persönlich glaube nicht, dass mit der neuen Konsolengeneration die Karten so großartig gemischt werden. Die meisten Titel sind dann doch nur wieder Fortsetzungen und insgesamt war mir der Sprung ja zu klein. Mag jeder anders bewerten, aber wenn selbst den mit mir befreundeten Konsoleros, die auch gerne mal verschiedene Editionen einer Konsole kaufen, nur um sie zu besitzen, gerade mal mit einem müden „meh“ die Sache kommentieren und sich überlegen ganz auf PC umzusteigen… woher soll denn da die Bewegung kommen? Und insgesamt woher die innovativen Titel, woher die Experimente? Ich rechne nicht mit besonders vielen Titeln, denn die Entwickler bleiben dann gerade wegen der hohen Entwicklungskosten bei den sicheren Sachen.

Das ist wie immer nur ein äußerst kleiner Ausschnitt des ganzen Bildes und die Verkaufszahlen beschreiben da wirlich ein ganz anderes größeres Bild. Vermutlich aber auch ein amerikanisch-japanisch Geprägtes. Für so übermäßige Konsoleros halte ich den europäischen Raum nämlich nicht. Aber auch da habe ich mich in der Vergangenheit schon getäuscht.

Damit schwabbel ich direkt auch gleich rüber zu den SteamMachines, denn mit dem letzten Punkt von Sic zu dem Thema ist alles gesagt:
„Ich persönliche halte zwar nicht viel von den Steam Machines, aber Valves Einfluss ist sehr groß. Wenn es eine Firma gibt, welche die Illusion eines Plug ‘n’ Play-Wohnzimmer-PCs an den Mann bringen kann, dann die. Und davor müssen sich die Konsolenhersteller definitiv fürchten.“
Ich werde wohl immer nur den PC haben, vielleicht mich über SteamMachines ständig informieren, aber das war es auch. Meinen PC werde ich weiter ausbauen, damit ich da auch den Plasma wieder anschließe. Aufgrund meiner Wohnsituation derzeit nur leider nicht möglich, aber in Zukunft bestimmt.

Noch kurz zu den Triple-A Titeln:
Ich weiß, dass wird nie geschehen, da die Entwicklung beispielsweise von Battlefield viel kostet, aber ich finde es stumpfsinnig. Klar mag es günstiger sein 200 Leute für einen Monat zu beschäftigen, statt 100 Leute für drei Monate (Milchmädchen und so)… aber
Anstatt MEHR GELD für MEHR MITARBEITER in das nächste Battlefield zu stecken, sollten sie eher bereit sein mit der gleichen Belegschaft mehr Geld auszugeben. Entwicklungszeit verlängern. Aber neeeee… da können die (Anteils-)Besitzer nicht die Füße ruhig halten. Warum also über diese ganzen Titel noch diskutieren, wenn es am Ende doch nur um den Profit und nicht um das Produkt geht?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

:smile: :sad: :wink: :tongue: :-x :roll: mehr »
*