Sicarius

Albtraum der Amerikaner

Erst der Goat Simulator (Release am 1. April 2014 für $9,99) und jetzt auch noch der Bear Simulator. Ich seh‘ schon den nächsten Trend auf uns zukommen: Tiersimulationen. Egal ob Hühner, Kühe (beide sehr gut als Spin-off zum Landwirtschaftssimulator geeignet), Fische, Hirsche, Hasen oder was auch immer. Ganz klar: Stapler-, Traktor- und LKW-Fahren ist passé! Und das natürlich dann alles stilecht nur aus Hause des absolut unterirdischen Billigheimer-Publisherhaus UIG Entertainment, die nicht einmal ein gutes Spiel auf den Markt bringen könnten, wenn man es ihnen fix und fertig vor die Tür legen würde. Ich werde nie verstehen wie sich solche Drecksfirmen am Markt halten können. Egal: Der Bear Simulator also! Solltet ihr euch definitiv mal bei Kickstarter anschauen. Der Entwickler nimmt sich nicht ganz so ernst :smile: .

Filmtrend des Jahres 2013

Nun aber genug davon. Im heutigen Eintrag soll es schließlich um bär…äh…bierenste Sachen gehen und zwar beschäftigen wir uns heute mit dem Weißen Haus. Ihr wisst schon, das komische Gebäude in Washington D.C. bei dem gefühlt jeder Amerikaner schon die Brust vor Stolz platzt, wenn er nur dran denkt. Das ist beim deutschen Bundestag vermutlich nicht so wirklich der Fall. Und gerade weil das Weiße Haus so super duber toll ist, ist es natürlich immer wieder ein gern gesehener Gast in Action-Filmen. Da kann man es so schön kaputt machen. 2013 sind dann auch gleich passend dazu zwei Filme mit der gleichen grundlegenden Frage erschienen: Was passiert, wenn das Weiße Haus von Terroristen angegriffen und der Präsident der Vereinigten Staaten als Geisel genommen wird? Ich habe mir am Wochenende mal beide gegeben.

Olympus Has Fallen (Cover)

Olympus Has Fallen (Cover)

Olympus Has Fallen: Die Welt in Gefahr (2013) – Stirb Langsam im Weißen Haus. So lässt sich die Idee hinter Antoine Fuqas (Training Day) Werk zusammenfassen. Und die Action funktioniert prinzipiell auch weil der Regisseur jetzt zwar nicht zu den Besten seiner Zunft gehört aber er weiß immerhin wie man die Scharmützel zwischen Mike Banning (Gerard Butler) und seinen Widersachern einfängt.

Olympus Has Fallen (Promobild)

Olympus Has Fallen (Promobild)

Das sind Nordkoreaner, welche zum einen wollen, dass Amerika seine Truppen abzieht und zum anderen die Zugangscodes für „Cerberus“. Das ist ein Sicherheitssystem, welches jede amerikanische Nuklearrakete zerstört wenn dem mindestens drei Code-Besitzer zustimmen. Und wer hat Codes? Natürlich der Präsident und ein paar Kabinettsmitglieder. Und wer ist der einzige, der alle retten kann? Selbstverständlich Banning, der früher zum Personenschutz des Präsidenten gehörte, dann nach dem Tod der First Lady in Ungnade gefallen ist und ganz zufällig während des Strumangriffs der Koreaner ihnen in den Rücken fällt und sich ins Weiße Haus vorarbeitet und nun der einzige ist, der Ahnung hat und mit ernstem Gesichtsausdruck den Terroristen Paroli bietet während dem bösen Militär nix anderes einfällt als Truppen zu verheizen obwohl Banning natürlich dagegen ist. Ach und Morgan Freeman spielt auch im Film mit. Er spielt aber absolut überhaupt keine Rolle und es ist stattdessen mal wieder schade mit ansehen zu müssen wie ein Schauspieler seines Kalibers für so einen Film verheizt wird.

Beim Christoph meint: 3 von 5 Sics gibt es von mir. Das Werk kommt zwar weder an den ersten noch den dritten Stirb Langsam-Film ran. Ich muss aber ehrlich zugeben, dass die zwei Stunden überraschend schnell vergangen sind. Ja, die CGI-Effekte sind unter aller Sau (wie kann so etwas heutzutage noch ins Kino kommen?) aber zum einen habe ich ja schon anfangs erwähnt, dass Fugas definitiv Ahnung davon hat wie man Action gut in Szene setzt. Und zum anderen ist der Film erfreulich schnörkelfrei. So gibt es zwar wie in White House Down auch hier ein Kind. Aber das spielt keine so große Rolle und verschwindet sogar nach gut der Hälfte der Spielzeit komplett. Von daher kann sich der Film wirklich komplett auf Banning und seine Jagd auf jeden einzelnen Terroristen im Gebäude. Das ist auf gar keinen Fall anspruchsvoll und am Ende auch absolut vergesslich. Aber es hat mich unterhalten, was ich definitiv nicht erwartet hatte. Wenn ich mir so das Einspielergebnis von 161 Millionen Dollar anschaue bei einem Budget von 70 Millionen, dann bin ich da wohl auch nicht alleine. Es ist entsprechend nicht weiter verwunderlich, dass bereits mit London Has Fallen ein Nachfolger in Produktion ist.

 

White House Down (Cover)

White House Down (Cover)

White House Down (2013) – Dass auf diesem Film der Name „Roland Emmerich“ steht würde man gar nicht so erwarten. Der Deutsche ist ja eher für visuell bombastische Werke wie Godzilla, The Day After Tomorrow, The Patriot, 10.000 BC oder Independence Day (ja, der Film wird auch in White House Down erwähnt) bekannt. Zumal er in letzterem ja bereits das Weiße Haus in die Luft gesprengt hatte. Warum also jetzt plötzlich einen ganzen Film darin drehen? Wahrscheinlich hat ihm das vor Patriotismus nur so triefende Drehbuch so gut gefallen.

Waren es in Olympus Has Fallen noch Koreaner, kommt die Gefahr dieses Mal aus dem Inneren. Es ist schließlich nichts so erschreckend und fürchterlich für Amerikaner wie der Verräter in den eigenen Reihen. Den gab es zwar bei der Konkurrenz auch. Aber hier ist es der kurz vor der Rente stehende Sicherheitschef des Weißen Hauses und somit einer der engsten Vertrauten des Präsidenten, der nicht damit einverstanden ist, dass dieser alle Truppen aus dem Mittleren Osten abziehen möchte. Also schleust er kurzerhand ein paar Söldner ein, erschießt einen Großteil seiner eigenen Männer und möchte den Präsidenten dazu bringen den nuklearen Fußball zu aktivieren, damit er ganz viele Raketen verschießen kann.

White House Down (Promobild)

White House Down (Promobild)

Blöd nur, dass REIN ZUFÄLLIG John Cale mit seiner Tochter im Weißen Haus rumstapft. Ein gescheiterter Soldat, der irgendwo als Wachmann nachts Wachdienst schiebt, von der Aufnahme im Secret Service träumt aber aufgrund seiner schlechten Bewertung just fünf Minuten vor dem Angriff abgelehnt wurde. Das ist natürlich DIE Chance für ihn sich zu beweisen wobei er vordergründig nur seine nervige Tochter retten will, eine YouTuberin, die alles und jeden filmt und – ihr habt es erraten – gegen Ende selbstverständlich von den Bösen als Druckmittel missbraucht wird. Anders als in Olympus Has Fallen macht sich Cale jetzt aber nicht alleine auf, die Terroristen zu besiegen. Nein, er befreit den Präsidenten (gespielt von Jamie Foxx) und hat ihn ab dann fast durchgehend bis zum Ende des Films an der Backe. Der Großteil des Films ist quasi eine Art Buddy-Cop-Movie mit dem Präsidenten als der unerfahrene Sidekick und entsprechende Comic-Relief und Cale als der harte Typ mit dem sanften Herz, der nur seine Tochter retten will. Ist auf jeden Fall mal ein etwas anderer Ansatz.

Beim Christoph meint: Auch dieses Werk kriegt von mir am Ende 3 von 5 Sics. Ganz ehrlich? In einem Roland Emmerich-Film erwarte ich wesentlich bessere CGI-Effekte als das was hier geboten wird. Viel zu vielen Szenen merkt man deutlich an, dass diese vor einem Greenscreen gedreht wurden und die ganzen Helikopterszenen sind zwar ein bisschen besser als bei der Konkurrenz, fallen aber trotzdem immer noch stark aus dem Rahmen. Außerdem spricht gegen den Film Cales Tochter. Ich hasse kleine Kinder besonders in Actionfilmen. Entsprechend froh war ich in Olympus Has Fallen, dass das dort nur eine klitzekleine Nebenrolle hatte. Im Zentrum steht stattdessen wie in Stirb Langsam Bannings Guerilla-Kampf. Aber hier? Den ganzen Film durch das Geheule und Gejammere. Das nervt und hat die erneut rund 2 Stunden Spielzeit nicht ganz so schnell vergehen lassen. Dafür ist der Film in anderen Bereichen besser.

So macht Emmerich natürlich trotz der begrenzten Location wieder seinem Namen alle Ehre und lässt es nicht nur zünftig und ständig krachen (will an dieser Stelle natürlich nicht die großen Explosionen spoilern), sondern bietet auch sonst sehr viel Action. Sogar eine Verfolgungsjagd mit der Präsidentenlimousine im Vorgarten gibt es! Außerdem funktioniert Jamie Foxx als lockerer, schwarzer Präsident überraschend gut eben weil das Ergebnis dann zwar immer noch bierernst ist, aber eben doch hier und da etwas Humor bietet. Von daher wird auch in diesem Film unterm Strich gute, wenn gleich erneut schnell vergessliche Unterhaltung geboten. Lustigerweise kam der Film im Box Office zwar besser an als Olympus Has Fallen (205 Millionen Dollar) aber da die Produktionskosten doppelt so hoch waren wie bei der Konkurrenz, ist er am Ende im Vergleich tatsächlich der Verlierer im Kampf der „Terroristen greifen das Weiße Haus“-Filme.

Gesamtfazit

Zusammengefasst lässt sich also festhalten, dass beide Filme trotz gleichem Setting und teilweise sogar gleichen Szenen (beide haben beispielsweise einen Helikopterangriff auf das Weiße Haus) überraschend unterschiedlich sind und sich gleichzeitig gar nicht so viel geben. Beide halte ich für absolut vergesslich und austauschbar und höchstens für seichte Unterhaltung. Das geht sogar soweit, dass ich für diesen Eintrag Wikipedia aufmachen musste, um sicherzustellen, dass ich nicht Elemente der jeweiligen Geschichte vertausche. Von daher macht ihr nix falsch, wenn ihr keinen von beiden jemals anschaut.

Wenn ihr dennoch eine Empfehlung haben wollt, dann würde ich tatsächlich eher zu White House Down raten. Wie jetzt schon mehrfach erwähnt, ist die Idee eines lockeren Präsidenten, der sich auch mal die Hände schmutzig macht definitiv mal was anderes und erfrischendes als der neuste 08/15-Ein-Mann-Rambo-Flick. Da sieht man auch über den aus allen Poren triefenden Patriotismus hinweg (natürlich tut es der Verräter nur zum Wohle des Landes, was sonst?). Es ist aber ganz klar nicht der beste und schon garnicht der beeindruckenste Film Emmerichs.

Bis Montag!

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4 Kommentare

Lustig, dass ich gerade vorgestern WHD geschaut habe und mich gefragt habe, ob es sich denn lohn OHF noch anzuschauen :) Den Film fand ich ok, sowohl handwerklich als auch inhaltlich. Es hat sich aber bei mir eine deutlich spürbare Sättigung (hachja, also auch bei den Filmen) eingestellt. Irgendwie war alles schon da, irgendwie ist alles vorhersehbar. Irgendwie kann nichts nichts mehr so richtig begeistern.

Wenn ich an meine „Hochzeit“ als Filmfreak zurückdenke, wo ich quasi jeden neuen Film begeistert verschlungen habe, die Cinema abonniert hatte und nachts für die Oscar-Verleihung wachgeblieben bin, so ist es doch sehr schade, dass mich heutezutage fast alles nur noch langweilt. Alles nur noch Schema F.

Traurig. Möchte ich aber dem Film nicht ankreiden. Wie gesagt „solide und empfehlenswert“.

Ich fand das CGI wirklich etwas enttäuschend für einen Emmerichfilm. Mit Inhalt kann der Mann ja sowieso meistens nicht überzeugen. Wenn die Helikopter über das Wasser zum Lincoln-Memorial fliegen oder wenn der eine Helikopter abstürzt und auf das Weiße Haus fällt die Einstellung vom Dach aus wenn quasi noch die grünen Ränder sichtbar sind (Übertreibung). Oder wenn die Limousine durch den Garten fährt, die Sicht von oben. Das war auch kein praktischer Effekt und sah wie billige Videospielphysik aus.

Und wegen der Sättigung: Steig halt endlich mal auf eine höhere Bewusstseinsebene auf und lasse die mediale Unterhaltungsindustrie hinter dir statt immer nur zu jammern wie wenig dich heutzutage ihre Produkte noch begeistern. ’s doch ned so schwer :smile: .

Haha… Wie soll das aussehen? Theater? Find ich schrecklich. Ebenso wie vieles von dem Zeug auf arte. Ich glaub mittlerweile, dass mir meine in dieser Hinsicht tolle Kindheit zum Verhängnis wird. Ich hab sowohl die Geburtsstunde der Videospiele als auch den Übergang zum modernen Kinofilm miterlebt. Das ist was tolles. Etwas einzigartiges. Aber sorgt auch dafür dass man schwerer zu begeistern ist. Wehe die Oculus Rift wird ein Flop!! :smile:

Ich sehe Theater, Oper, etc. jetzt auch nicht unbedingt als eine „höhere Form der Unterhaltung“ an oder so. Der Wert eines Kunstwerks hängt ja bekanntlich immer von der jeweiligen Gesellschaft ab. Wie viele Künstler wurden schließlich erst (lange) nach ihrem Tod wirklich entdeckt und berühmt? Wer weiß also wo in 100 Jahren Computerspiele stehen in der Rangordnung.

Außerdem wenden sich Leute mit materiellen Krisen ja meist eher spirituellen Dingen zu und gehen ne Runde Backpacking auf der Suche nach sich selbst oder so Kram :smile: . Aber keine Ahnung. DAS Problem hab‘ ich ja (noch) nicht von daher kenne ich mich da auch nicht aus. Meine anderen reichen mir auch erstmal :wink: .

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